LiteraturBiografien, Buchbesprechungen

Die Saada-Saga. Erinnerungen an den Jemen

Im Jahre 1972 reist ein niederländisches Ärzte-Ehepaar mit seinem einjährigen Sohn in den Jemen, um dort mit einer christlichen Hilfsorganisation eine medizinische Arbeit zu beginnen. Unter einfachsten Bedingungen starten sie in Saada, einer Stadt im Norden des Jemen, nahe an der Grenze zu Saudi-Arabien. Mit viel Fleiß und durch finanzielle Unterstützung aus dem Westen bauen sie ein funktionierendes Krankenhaus auf und gewinnen bald das Vertrauen der Jeminiten.

Die Ärztin Truus Wierda-Graaff beschreibt in insgesamt 82 Kapiteln die über 30 Jahre dauernde Wirksamkeit des stetig wachsenden Teams. Sachlich, einfühlsam und zugleich humorvoll stellt sie einige der ungezählten Begegnungen mit den einheimischen Patienten dar. Dabei zeigen die drei Teile ihres Buches (Teil I: Fröhliches Chaos, Teil 2: Zunehmendes Chaos und Teil 3: Katastrophales Chaos), welche Entwicklung der Jemen in den Jahren zwischen 1972 bis heute genommen hat. Während die ersten 20 Jahre relativ friedlich verliefen und die Arbeit weitgehend ungehindert laufen und wachsen konnte, veränderte sich die Situation nach dem ersten Golfkrieg und verschärfte sich dann noch einmal nach dem islamistischen Anschlag in New York 2001. Die antiwestliche Stimmung nahm zu und die Zahl von muslimischen Extremisten (Salafisten) wuchs mit jedem Jahr. Zwar ließen sich diese auch im Krankenhaus von den westlichen Ärzten behandeln, zeigten aber zugleich ihre tiefe Ablehnung des westlichen Einflusses auf ihre Gesellschaft.

Wierda-Graaff, Truus: Die Saada-Saga. Erinnerungen an den Jemen. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft 2022. 238 S. Hardcover: 19,90 €. ISBN: 978-3-86353-863-7

In den 2000er Jahren kam es im Jemen zu Bürgerkriegen, die unter dem Namen „Huthi-Konflikte“ bekannt wurden. Immer häufiger erschüttern nun Bombenanschläge und Entführungen das Land. 2009 geschieht dann das Unfassbare: Neun Mitglieder des medizinischen Teams vom Krankenhaus in Saada werden entführt, unter ihnen auch zwei Studentinnen der Bibelschule Brake, die erst wenige Tage zuvor in den Jemen gereist waren, um dort ein Praktikum zu machen. Nur zwei Kinder werden lebend gefunden. Alle anderen kommen – unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen – ums Leben. Die Autorin beschreibt in den Kapiteln 75 („Eine Reise durch die Trauer“) und 76 („Sinnsuche“) eindrücklich die Erschütterung, die sie alle ergriff. „Wo war Gott, als die neun entführt wurden … und warum waren die Entführten alle jung, manche sogar noch Kinder?“ (S. 220).

Das Buch gibt gute Einblicke in die Geschichte des Jemen in den letzten 40 Jahren und zeigt, wie Christen sich bemühen, den einfachen und oft mittellosen Menschen zu dienen und ihre Lebensverhältnisse zu verbessern. Zugleich legt es Zeugnis davon ab, dass auch Christen, die ihr Leben für eine gute Sache einsetzen, keine Gewähr haben, ohne Schaden davonzukommen. Gottes Wege sind oft dunkel; erst wenn wir bei ihm im Reich Gottes angekommen sind, werden wir unbegreifliche irdische Führungen verstehen.