LiteraturBiografien, Buchbesprechungen

Friedrich Hänssler – Ein Leben für das Evangelium

Die freiberufliche Autorin Simone Martin hat noch gemeinsam mit Friedrich Hänssler (1927-2019) die vorliegende Biografie verfasst und in diese die Geschichte des Hänssler-Verlags eingewoben. Der Verlag wurde 1919 vom Vater F. Hänsslers als Musikverlag gegründet. Die ersten Jahre waren schwierig. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Chöre die Arbeit wieder aufnahmen und nach Noten Ausschau hielten, kam die Verlagsarbeit in Schwung. 1950 stieg Friedrich Hänssler, nachdem er zunächst zwei Jahre Soldat gewesen war und anschließend fünf Jahre evangelische Theologie in Tübingen studiert hatte, in den Verlag ein. Einen besonderen Wachstumsschub für den Verlag brachte die Entscheidung, sämtliche 200 Kantaten von Johann Sebastian Bach unter der Leitung von Helmuth Rilling einzuspielen. In der Tat wurde dies rechtzeitig zum 300. Geburtstag von Bach im Jahre 1985 vollendet. Ermutigt durch diesen Erfolg, setzte Hänssler sein Engagement fort und veröffentlichte bis zum Jahr 2000 das gesamte bachsche Werk auf 172 CDs. Diese Meisterleistung brachte dem Verlag internationale Anerkennung und mehrere Auszeichnungen ein.

Neben der Publikation von Schallplatten und CDs veröffentliche der Hänssler-Verlag auch Hunderte Bücher zu theologischen Themen. Besonders bibeltreue Literatur lag Hänssler am Herzen, der die eingereichten Manuskripte persönlich prüfte. Bibelkommentare, Sachbücher zu Ehe und Familie, zu Israel und zu Endzeitfragen, Bildbände und evangelistische Literatur wurden in teils hohen Auflagen unters Volk gebracht. Auch ließ Hänssler immer wieder Liederbücher und Bibeln hinter den eisernen Vorhang schmuggeln und unterstützte so die christlichen Gemeinden in Osteuropa.

Martin, Simone: Friedrich Hänssler. Ein Leben für das Evangelium. Holzgerlingen: SCM Hänssler 2019. 331 S. Hardcover: 12,95 €. ISBN: 978-3-7751-5889-3

Doch mitten in dieser Wachstumsphase gerät der Verlag, der inzwischen mit 140 Mitarbeitern zu den größten konfessionellen Verlagen in Deutschland zählt, in Turbulenzen. Das am neuen Standort Holzgerlingen eingerichtete Logistikzen­trum funktioniert zunächst nicht, sodass Liefer­schwie­rig­kei­ten im Saison­geschäft ent­stehen. Dazu kommen Zah­lungs­schwierigkeiten von Kunden und die Insolvenz eines großen Abnehmers in den USA, der seine Rechnungen nicht begleichen konnte. Die Folge ist, dass auch der Hänssler-Verlag im Jahr 2002 Insolvenz anmelden muss und von der Stiftung Christliche Medien (SCM) übernommen wurde. Hänssler beschreibt authentisch, wie sehr ihn und seine Familie die Insolvenz getroffen hat und wie schwer es ihm fällt, plötzlich nur noch als externer Berater zu fungieren. Auch wenn Fragen nach dem Warum offenbleiben, lässt sich Hänssler von seinem festen Vertrauen auf die weisen Füh­rungen Gottes nicht abbringen.

In seinem langen Leben arbeitet Friedrich Hänssler ehren­amtlich in verschiedenen christlichen Gremien und Werken an leitender Stelle mit. Besonders bekanntgeworden ist er als Mit­initiator der Gebetsfrühstückstreffen für Politiker. Diese Treffen hatte er in den USA kennengelernt und sie dann in Deutschland eingeführt.

Die durch viele Anekdoten aufgelockerte und mit zahlreichen Fotos versehene Biografie stellt einen im Glauben tief verwurzelten württembergischen Pietisten vor, der mit seiner Verlagsarbeit das Leben von Millionen Menschen berührt hat. Die Verbreitung des Evangeliums von Jesus Christus durch Musik und Literatur war der Lebensinhalt von Friedrich Hänssler.