LiteraturBiografien, Buchbesprechungen

Der Tag, an dem der Sommer zu Ende ging

Sie zählt zu den schrecklichsten Katastrophen in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges: die Flutkatastrophe im Ahrtal am 14./15. Juli 2021. 135 Menschen starben allein im Ahrtal; weitere 50 kamen in Nordrhein-Westfalen ums Leben. Über 40.000 Menschen waren von der Flut in Rheinland-Pfalz betroffen. Häuser, Brücken, Straßen und Schienen wurden zerstört. Viele Menschen standen am Morgen des 15. Juli vor dem Nichts. Ihre Existenzgrundlage war vernichtet und ihre Heimat verloren gegangen. Nur das nackte Leben konnten sie retten.

Neufeld, Vivien: Der Tag, an dem der Sommer zu Ende ging. Die Flutkatastrophe im Ahrtal und unsere Familie. Holz­gerlingen: SCM Hänssler 2024. 224 S. Pb: 18 €. ISBN: 978-3-7751-6237-1

Vivien Neufeld verlor in dieser Nacht ihre Schwiegereltern und ihren Schwager. Die drei hatten die Gewalt der innerhalb kurzer Zeit meterhoch anschwellenden Ahr unterschätzt. Der Fluss, der eigentlich beschaulich dahinfließt, war durch stundenlangen Dauerregen zu einer reißenden Flut ge­worden und riss Autos, Wohnwagen, Häuser und eben auch Menschen dahin. Besonders tragisch war, dass der Schwager lange als vermisst galt. Erst über zwei Jahre nach der Flut wird sein Skelett an der Ahrmündung gefunden. Neufeld notierte ihre Erfahrungen, Erlebnisse und die Bewältigung ihrer Trauer auf Zetteln und verfasst später das vorliegende Buch. Das Schreiben trägt dazu bei, das ganze Geschehen zu verarbeiten und nicht in der Vergangenheit hängen zu bleiben, sondern bewusst nach vorne zu blicken und sich mit ihrem Mann und den zwei Kindern den Herausforderungen des täglichen Lebens zu stellen. Dabei hilft ihr auch der Glaube an ein Leben nach dem Tod und die feste Überzeugung, dass ihre ertrunkenen Verwandten nun bei Gott im Himmel sind und es eines Tages ein Wiedersehen geben wird.

Die Verfasserin widmet ihr flüssig geschriebenes und leicht lesbares Buch ihrem Mann Harry, der seine Eltern und seinen Bruder verloren hat. Es macht deutlich, wie fragil unsere Existenz ist: Ob durch eine Naturkatastrophe, eine Krankheit oder einen Unfall – schon morgen können wir in der Ewigkeit sein. Leider erwähnt die Autorin nicht den Glauben an Jesus Christus, der allein das ewige Leben garantiert.