LiteraturBiografien

Tochter Gottes, erhebe dich

Hammond, Inka. Tochter Gottes, erhebe dich. Vom Schmerz zum Sieg. Vom Sieg zum Segen. Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus 2019. 208 S. Paperback: 16,99 €. ISBN: 978-3-417-26875-1.

Ab und zu ist es notwendig, dass in Bibel und Gemeinde Bücher besprochen werden, die zwar weniger theologisch von Bedeutung sind, dafür aber in der evangelikalen Bewegung starke Verbreitung erfahren. Von idea zeitweise auf Platz 1 der meistgelesenen Bücher gelistet, erfährt die Publikation sowohl im Internet als auch im Bekanntenkreis meist überschwängliche Empfehlungen. Da auch eine gemeinsame Freundin von diesem Buch positiv angesprochen wurde, haben wir es beide – jeweils alleine – gelesen.

Inka Hammond schildert in 11 Kapi­teln ihren persönlichen Weg von innerem Zerbruch und Depressionen hin zu einem mutigen und kämpfenden Leben im Sieg durch Jesus.

Zugegeben, das etwas lächerliche Cover im Stile einer Jeanne d’Arc, die Empfehlung aus dem Gebetshaus Augsburg sowie der mit reichhaltigem Pathos versehene Prolog haben uns zunächst etwas abgeschreckt und irritiert.

Doch dann kann man beim Lesen viel Positives entdecken. Inka Hammond trifft mit ihrer emotionalen Schilderung ihres Weges in und aus der Depression sowie der Darstellung ihres verwehrten und schließlich erfüllten Lebenstraumes das Herz ihrer (vorwiegend weiblichen) Leserschaft. Mit einfachen Worten kommt sie zu dem wichtigen Ergebnis, dass alle medizinischen und therapeutischen Heilungsversuche ohne Jesus nicht die Hilfe sein können (S. 36). Wenn sie in blumiger Sprache davon schreibt, dass „die wahre Kraftquelle (…) in unserem inneren Garten zu finden [ist], in der intimen Beziehung mit Jesus“ (S. 88), dann kann man dies nur bejahen. Ihre Beispiele, wie sie die Liebe Jesu in alltäglichen Begegnungen ganz einfach kommuniziert, sind bedenkenswert. Dass sich Gott besonders um die Menschen kümmert, die unter ihren Fehlern und Schwächen leiden, wird in diesem Buch lebendig. Außerdem fällt positiv auf, dass die Autorin nicht zu einem weltförmigen Feminismus, sondern zu einem starken Frauenbild an der Seite der Männer aufruft. Auch wenn das von ihr vorgestellte Frauenbild unseres Erachtens nicht ganz dem biblischen Ideal entspricht, so kann man doch aus ihren Zeilen viel mitnehmen.

Leider hat das Buch einige nicht unerhebliche Schwächen, von denen nur wenige kurz besprochen werden sollen. Zum einen werden das Problem und die Tiefe der Sünde zu oberflächlich angeschnitten. Dass der Mensch in Jesus angenommen ist, wird erst in der parallelen Sicht auf die eigene Sünde, vor allem den Stolz, greifbar. Wenn sie dazu Mut macht, sich selbst Gutes zu tun, sich selbst anzunehmen und Geduld mit sich selbst zu haben (S. 71), dann gibt es hierzu viele Anfragen. Darstellungen wie z.B. das stellvertretende Gebet um Vergebung für ihren im Antisemitismus lebenden Urgroßvater (S. 72) oder die Aufforderungen zum Gebet um finanziellen Überfluss oder um Empfang des Sprachengebets (S. 76) sind merkwürdig. Auch die akzentverschiebende Betonung von Musik („Nichts öffnet das Herz so schnell wie Melodien und Lieder. Mach dir das für dein geistliches Leben zum Vorteil, indem du anfängst, deine Gebete zu singen“, S. 112) im Gegensatz zur Predigt und dem Wort Gottes lassen Fragen offen. Schließlich wird man bei dem Appell, die eigenen Träume zu leben, den Eindruck nicht los, dass hier der Mensch zu stark im Zentrum steht.

Es bleibt zu wünschen, dass Frauen ihren Wert und ihre Bestimmung von Jesus und seinem Wort her sehen und aus seiner Gnade heraus leben. Dass dies ein mutiger Weg in Demut, Selbstverleugnung, Buße und Hingabe, aber auch in Freude, Hoffnung und Intimität mit dem Herrn selbst ist, möge durch das Buch verstärkt und hoffentlich nicht verhindert werden.