LiteraturBuchbesprechungen

Geschichte der Diakonie in Quellen

Nach dem bereits 2016 erschienen Band mit Quellen der Diakoniegeschichte aus dem 19. und 20. Jahrhundert legen die Herausgeber jetzt eine lesenswerte Sammlung mit 188 entsprechenden Texten früherer Jahrhunderte vor. Beide beschäftigen sich schon längere Zeit mit der Erforschung der Diakonie. Gerhard K. Schäfer war Professor für Gemeindepädagogik und Diakonie­wissenschaft an der Evange­lischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum. Wolfgang Maaser ist Dozent für Ethik an derselben Hochschule.

Nach einer Einleitung, in der die behandelten Epochen und Quellen kurz vorgestellt werden (2-14), finden sich acht Abschnitte aus dem Alten Testament, die sich mit dem Schutz von sozial Benachteiligten beschäftigen (17-33). Nach drei apokryphen und frühjüdischen Texten (34-41) werden einige relevante Aussagen des Neuen Testaments zur Diakonie präsentiert (42-71). In weiteren Abschnitten finden sich repräsentativ ausgewählte Quellen aus der Zeit der Alten Kirche (75-250) und dem Mittelalter (243-468). Dabei kommen Kirchenväter, Theologen, Mönche, Missionare und gelegentlich auch staatliche Instanzen zu Wort. Wie bei einer protestantischen Quellensammlung nicht anders zu erwarten, stammen überproportional viele Texte aus der Zeit der Reformation (471-670) und dem 17./18. Jahrhundert (673-844). Abgeschlossen wird der Band mit einem relativ detaillierten Bibel­stellenregister (845-854).

Schäfer, Gerhard K. & Maaser, Wolfgang (Hg.): Geschichte der Diakonie in Quellen. Von den biblischen Ursprüngen bis zum 18. Jahrhundert. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2020. 868 S., gebunden: 45,- € ISBN: 978-3-525-61629-1.

Jede Quelle wird mit teilweise ausführlichen und gut verständlichen Erläuterungen zum Verfasser und zur Entstehungsgeschichte des Textes eingeleitet. Sprache und Form der Quellen entsprechen aktuellen wissenschaftlichen Anforderungen.

Erfreulicherweise finden sich in dem Sammelband auch Quellen kleiner Bewe­gungen am Rande der großen Kir­chen­ge­schichte, wie beispielsweise den Walden­sern und den Täufern. Relativ ausführlich kommen mit acht Quellentexten auch die Vertreter des Pietismus zu Wort. Nur sehr wenige katholische Autoren finden sich in dem Kapitel der nachreformatorischen Zeit. Etwas verwundert die sehr deutliche Übergewichtung Luthers, mit sieben Quellen, im Vergleich zu lediglich einem Text des diakonisch durchaus aktiven Johannes Calvin. Für ein von evangeli­schen Wissenschaftlern herausgegebenes Werk wundert die deutliche Bevorzugung von Quellen des deutschen Sprachraums natür­lich nicht.

Die in dem vorliegenden Quellenband enthaltenen Texte beschäftigen sich mit sehr unterschiedlichen Aspekten diakoni­scher Tätigkeit: von der Begleitung Gefan­gener und Verfolgter, über die Fürsorge für Kranke, Alte und Sterbende, bis zu Bildung, Pädagogik und dem angemessenen Umgang mit Bettlern.

Bei den jeweiligen Seitenüberschriften findet sich leider nur der Titel der jeweiligen Quelle, nicht aber deren Autor, was die Suche im Buch etwas erschwert. Ein in dieser Ausgabe nicht vorhandenes Namens- und Ortsregister würde das Arbeiten mit dem vorliegenden Quellenband zusätzlich erleichtern.

Für jeden, der etwas intensiver an Kirchen- und Kulturgeschichte sowie christ­­licher Ethik und Diakonie interessiert ist, bietet dieser Quellenband eine informative und unterhaltsame Lektüre.

Durch die gut ausgewählte Zusammen­stellung der Quellen bekommt der Leser einen repräsentativen Überblick über die 2000jährige Geschichte christlicher Nächs­ten­liebe, die sich dabei als Vor­geschichte europäischen Sozialdenkens erweist. Die Länge der ausgewählten Quellen ermöglicht zumeist ein gutes Hineindenken in die Welt und die Argumentation des jeweiligen Autors, ohne sich dabei zu sehr in die Länge zu ziehen.

Beim Lesen der durchweg verständlichen Texte wird der engagierte Christ auf manche motivierte Brüder im Geiste stoßen und leicht einige Anregungen für die eigene diakonische Arbeit finden können.