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Praxisbuch Islam: Wie Christen Muslimen begegnen können

Knödler/Kowalzik/Mulch. Praxisbuch Islam. Wie Christen Muslimen begegnen können. Dillenburg: CV / Dortmund: Orientdienst 2016. 188 S. Taschenbuch: 4,90 €. ISBN: 978-3-86353-327-4.

Es gibt viele Bücher über den Islam – hier ist endlich eines, das zur Begegnung mit Muslimen ermutigt und eine ausführliche praktische Anleitung dazu gibt! Ein wertvolles Buch für Christen, die schon länger Kontakt zu Muslimen haben, aber auch gerade für solche, die erst in letzter Zeit durch Flüchtlinge in Kontakt mit Muslimen gekommen sind.

Den Autoren, Mitarbeiter des Orient­dienstes (heute: Orientierung: M), spürt man ihre langjährigen Erfahrungen in der Begegnung mit Muslimen und ihre Liebe für die Menschen ab. Sie malen kein rosiges Bild der Beziehungen zwischen Christen und Muslimen, sondern schreiben offen auch von frustrierenden Erlebnissen, was der Realität interkultureller und interreligiöser Beziehungen durchaus entspricht.

Im ersten Kapitel geht es um die Grund­einstellung gegenüber Muslimen. Die Auto­ren ermutigen einerseits, sich um eine gute Vorbereitung zu bemühen, aber andererseits die eigene Latte auch nicht zu hoch zu legen, sondern bereit zu sein, auf dem Weg der Begegnung mit Muslimen zu lernen. Sie machen deutlich, dass menschlicher Enthusiasmus nicht ausreicht, wenn man als authentisch lebender Christ Muslimen begegnen und ihnen das Evangelium nicht vorenthalten will. Doch im Vertrauen auf Gott solle man mutig die ersten Schritte wagen. So enthält dieses Buch beides: viele ermutigende Impulse, einfach anzufangen, und gleichzeitig viele vertiefende Informationen zur gründlichen Vorbereitung.

Das zweite Kapitel über persönliche Begegnungen mit Muslimen enthält eine Fülle von praktischen Tipps zum angemessenen kulturellen Verhalten gegenüber Frauen, Männern und Kindern. So heißt es z.B., dass man bei einem Besuch zuerst die Älteren begrüßen soll und dann die Jüngeren, auch wenn die Älteren weniger Deutsch können. Auch im Blick auf Gespräche über den Glauben gibt es viele hilfreiche Tipps, z.B. dass man das Gegenüber nicht mit Informationen und langen Reden überfordern, sondern herausspüren solle, wie viele Informationen eine Person über ein Thema im Moment wirklich möchte. Bestimmte Verhaltensweisen werden erklärt, z.B. im Blick auf Konfliktbewältigung bei Türken.

Im dritten Kapitel geht es um Glaubens­gespräche. Hier wird deutlich, mit welcher Wertschätzung die Autoren zu einem respektvollen Gespräch mit Mus­limen ermutigen und anleiten. Christen dürfen werbend von ihrem Glauben an Jesus Christus und ihrem Vertrauen in ihn sprechen. Sie sollen klar Flagge zeigen, von ihrem eigenen Leben und Erlebten erzählen, ihr Gegenüber mit Fakten über den christlichen Glauben informieren, Missverständnisse aus dem Weg räumen, über Sünde reden, Angriffe widerlegen und bei all dem den Islam nicht angreifen. Eingestreut in diese praktischen Anleitungen sind viele Hinweise auf Litera­tur und Internetseiten mit weiterführendem Material für den eigenen Gebrauch oder zum Weitergeben.

Wie man ganze Gruppen von Muslimen erreichen kann, behandelt das vierte Kapitel. Hier findet man eine Liste mit Facetten des Evangeliums, auf die Muslime im Gegensatz zu Nichtmuslimen und traditionellen Christen ansprechbar sind, z.B. Unreinheit/Reinheit, Schande/Ehre und Heldentum, Einsamkeit/Zugehörigkeit, Kraftlosigkeit/Macht gegen das Böse oder Krankheit/Heilung. Ganz unterschiedliche Veranstaltungsformen werden vorgeschlagen, durch die man in Kontakt mit Muslimen kommen kann, z.B. Deutschunterricht, Gitarren-Unterricht für Kinder oder Teenies, ein Straßenfest oder einen Winter-Spieltag für kleinere Kinder im Gemeindehaus, ein Einsatz mit der „Lego-Stadt“ oder der „Woody Town“. Zum Einsatz von Literatur und Kalendern gibt es viele Anregungen und praktische Tipps. U.a. wird darauf hingewiesen, dass türkische Muslime es nicht schätzen, wenn sie bei Tür-zu-Tür-Aktionen „herausgepickt“ werden und es von daher sinnvoller ist, bei solchen Aktionen Literatur in verschiedenen Sprachen dabei zu haben und allen Bewohnern eines bestimmten Viertels etwas anzubieten. Während die Autoren für Besuche in Moscheen hilfreiche Hinweise geben, raten sie von gemeinsamen Gottesdiensten ab. Dazu seien die Unterschiede zwischen Islam und Christentum zu groß.

Das fünfte Kapitel behandelt den weiten Themenkreis der Aufnahme von Konvertiten in christliche Gemeinschaften. In Europa, und gerade auch in Deutschland, werden immer mehr christliche Gemeinden von Menschen mit muslimischem Hintergrund angesprochen, die getauft werden wollen. Hier sollte sich eine Gemeinde gut vorbereiten und Taufen für solche Konvertiten nur nach gründlicher Vorbereitung der betreffenden Person und Einführung in den christlichen Glauben durchführen. Die Autoren weisen auf unterschiedliche Glaubens- und Taufkurse hin, die dafür in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen. Auch hier erweist sich das Buch wieder als eine kostbare Fundgrube. Zur Frage, welche Elemente seiner Kultur ein Konvertit aus islamischem Hintergrund nach der Taufe ablegen und welche er behalten kann, wird zu einem differenzierten Vorgehen ermutigt. Nicht nur die islamische sondern auch die „christliche Kultur“ in Europa ist stark geprägt von der jeweiligen Volkskultur und von aktuellen Moden und Vorlieben. Man muss also gemeinsam überlegen, wie man in dieser Zeit das gemeinsame Leben als Christen entsprechend dem Vorbild von Jesus Christus und unter der Leitung seines Geistes gestalten kann.

In Kapitel sechs geht es um die Verantwortung der Gemeinde für Muslime. Den Autoren ist es wichtig, deutlich zu machen, dass Gottes Auftrag, allen Menschen das Evangelium zu bringen, nicht nur einzelnen Christen gilt. Sie wollen die ganze Gemeinde zu Begegnungen mit Muslimen, zum Gebet für sie und zu gemeinsamen Aktionen und Vorgehensweisen ermutigen.

Das siebte Kapitel fasst die vielen praktischen Überlegungen und Ratschläge zusammen und fragt den Leser/die Leserin, was sein/ihr nächster Schritt sein wird. Man solle möglichst bald den ersten Schritt tun, damit daraus mehrere werden oder sogar ein neuer „Weg“, eine größere oder kleinere Aufgabe, die man anpacken soll. Dieses Kapitel leitet direkt über in einen „Islam-Führerschein“ für Christen, einen Test mit 97 Fragen, den man gemeinsam als Gruppe oder alleine machen kann, um sich zum Thema Islam weiterzubilden und mutig auf Muslime zuzugehen. Das Buch wird durch ein Stichwortverzeichnis, ein ausgezeichnetes Literatur- und Medienverzeichnis und einige Beispielgeschichten für Gespräche mit Muslimen abgerundet.

Einige wenige kritische Anmerkungen: Bei der Empfehlung von Glaubenskursen wird nur der Alphakurs empfohlen, hier wäre ein Hinweis auf den neueren Kurs Al-Massira, der sich besonders für Menschen aus einem orientalischen Kulturraum eignet, hilfreich (http://almassira.de). Bei manchen Fragen im Islam-Führerschein erscheint die Auswahl der richtigen Ant­wort willkürlich gewählt und nicht immer nachvollziehbar.

Insgesamt ist dies ein äußerst gelungenes und wertvolles Buch für Christen mit vielen Erfahrungen in Begegnungen mit Muslimen und für andere, die sich erst langsam in solche Begegnungen hineintasten. Beiden Gruppen ist das Buch sehr zu empfehlen.