LiteraturBuchbesprechungen

Herders Neues Bibellexikon

Kogler, Franz (ed.), Herders Neues Bibellexikon (Freiburg, Basel, Wien: Herder, 2009). 876 S. Gebunden ISBN: 978-3-451-32150-4, 58 €

Nach der Neubearbeitung des Calwer Bibellexikons (O. Betz, B. Ego, W. Grimm et al. (eds.); Stuttgart: Calwer, 2003; vgl. meine Rez. im JET 18, 2004, 246-48) liegt nun auch ein großes, neues katholisches Bibellexikon vor (auf der Grundlage des Großen Salzburger Bibellexikon). Ziel der hauptsächlich aus Österreich stammenden Mitarbeiter ist es, den Stand der Forschung des beginnenden 21. Jh. wiederzugeben. Ferner wird angestrebt, alle Fachtermini zu erklären, die notwendigen Grundinformationen zu bieten und alle in der Bibel vorkommenden Personen- und Ortsnamen zu erfassen und aus der jeweiligen Originalsprache ins Deutsche zu übertragen. Die Herausgeber schreiben weiter im Vorwort: „Ein besonderes Interesse gilt den grundlegenden bibeltheologischen Themen, aber auch hier selbstverständlich aus dem Blickwinkel von heute. Die umfangreichen Sachinformationen werden in ihrem historischen, soziologischen und kulturellen Kontext dargestellt, wobei auch Fragen der kanonischen Einordnung und der Rezeptionsgeschichte berücksichtigt werden. Desgleichen gibt das Nachschlagewerk einen Einblick in die konkrete Arbeit der Bibelwissenschaft, in ihre Prinzipien und Methoden, ihre Fragestellungen sowie ihre Begriffswelt“ (7). Dem lexikalischen Teil sind eine Zeittafel (845-49), verschiedene farbige Karten in guter Qualität (850-63) sowie eine CD-ROM zur Volltextsuche beigegeben. Weiterführende Literaturangaben fehlen durchweg.

Die Stärke des großformatigen Lexikons (22 x 28,5 cm) ist die Berücksichtigung der Apokryphen, anderer nicht kanonischer Literatur und Informationen aus der Alten Kirche (z. B. „Laodize­nerbrief“, „Tryphon“, „Lehre der zwölf Apostel“); ferner eine Fülle von Artikeln zu Umfeld und Wirkungsgeschichte der Bibel, z. B., „Lachischbriefe“, „Latein“, „Leben von Jesus Forschung“, „Legende“, „Lehramt“, „Lektionar“, „Limes“, „Linguistik“, „Logia“, „Lutherbibel“ (u. a. zu den kath. Apokryphen, so dass manche Stichwörter den evangelischen Benutzer zunächst überraschen). Darin geht der Band über ein Bibellexikon im engeren Sinn hinaus. Das Lexikon ist übersichtlich gestaltet und vielfältig bunt illustriert (über 1200 Bilder, Karten, Zeichnungen, Darstellungen biblischer Szenen aus der Kunstgeschichte). Die Besprechung der 73 biblischen Bücher (katholischer Kanon!) und ausführliche Grundsatzartikel von theologischer bzw. historischer Bedeutung (z. B. „Krieg“, „Landnahme“, „Leben“, „Leid“, „Mann“, „Maße“, „Mensch“, „Münzen“ sind besonders hervorgehoben.

Durchgehend werden die Ergebnisse historisch-kritischer Wissenschaft vorausgesetzt, so gibt es z. B. Artikel zu „Ladeerzählung“, „Landnahme“, „Logienquelle“, „Priesterschrift“, „Religionsgeschichte, religionsgeschichtliche Methode“, „Tritojesaja“, „Tritosacharja“ und „Tritopaulinen“, die man zunächst nicht in einem Bibellexikon erwarten würde. Dies ermöglicht, wo gewünscht und notwendig, eine schnelle und allgemeinverständliche Orientierung über den Stand der gegenwärtigen, vor allem deutschsprachigen hist.-kritischen Bibelwissenschaft. Zu bedauern ist, dass zu den einzelnen bibelwissenschaftlichen Stichwörtern, aber teilweise auch innerhalb anderer Artikel keine konservativen Alternativen erwähnt und zumindest neutral dargestellt werden, da sie entweder bewusst ausgeblendet werden oder den Autoren unbekannt sind. So erwähnt der Artikel „Tritojesaja“ (neben den Einträgen „Jesajabuch“ und „Deuterojesaja“) nicht, dass es eine ganze Reihe neuerer Arbeiten gibt, die mit guten Gründen für die theologische und literarische Einheit des Jesajabuches plädieren. Dass es gute Gründe für den Apostel Petrus als Verfasser des 1Petrusbriefs gibt, erfahren die Leser nicht, ähnliches gilt für „Tritopaulinen“, dem Stichwort für die Pastoralbriefe (kein eigener Eintrag zu den Timotheusbriefen und dem Tit). Daher können sich nichtinformierte Benutzer nur schwer ein ausgewogenes, eigenes Urteil bilden. Diese selbstverständliche, vorausgesetzte und einseitige Betonung kritischer Forschung überrascht in einem katholischen Lexikon, zumal deren Ergebnisse vielfach mit der kirchlichen Tradition im Widerspruch stehen. Als Arbeitsmittel für die bibellesende Gemeinde ist dies Lexikon jenseits der sachlich-bibelkundlichen Informationen daher nicht geeignet. Zum Lexikon ferner www.dioezese-linz.at/bibel.