LiteraturBuchbesprechungen

Der vergessene Reichtum

Die beiden Autoren vertreten in ihrem umfangreichen Werk eine bewusst dispensationalistische Position. Sie treten dabei für ein heilsgeschichtliches Modell ein, das sich besonders von John Nelson Darby herleitet. Dabei versuchen sie, Extreme zu vermeiden und besprechen überall auch gegnerische Positionen. Das Werk ist sehr übersichtlich aufgebaut. Es ist in 22 Kapitel gegliedert, wobei das letzte davon Fragen und Antworten enthält. Die Autoren besprechen in jedem Kapitel zunächst das Thema, dann gehen sie auf andere Meinungen ein und stellen das jeweilige Modell mehrmals gut anschaulich grafisch dar.

Nun ist es ohne Zweifel wichtig und richtig, die heilsgeschichtlichen Zusammenhänge zu verstehen. Siehe dazu auch unsere Rezension von Stadelmann/Schwarz: „Heilsgeschichte verstehen“ in „Bibel und Gemeinde“ 1/09 S.35f. Hier wird uns allerdings ein heilsgeschichtliches System vorgeführt, das insgesamt unfehlbar erscheint und die einzig mögliche Erklärung biblischer Zusammenhänge bieten würde. Zwar befleißigen sich die Autoren eines friedfertigen Tons, doch ihre Überzeugung steht immer maßgeb­lich im Hintergrund.

Schürmann, Dirk; Isenberg, Stephan. Der vergessene Reichtum. Das Geheimnis Gottes in den Epochen seines Handelns. Lychen: Daniel-Verlag 2009 (2. Aufl.) 742 S. Hardcover: 19,90 €. ISBN 978-3-935955-56-0.

Jede anders lautende Schriftstelle wird nur im Licht dieses Systems interpretiert. Es ist also keine exegetische Arbeit, die uns induktiv von den einzelnen Schriftaussagen zu einem Gesamtbild führen würde, sondern das Gesamtbild steht von vornherein fest. Daran wird kein Zweifel gelassen. So werden bestimmte Beobachtungen nicht etwa vorsichtig als mögliche Interpretation gedeutet, sondern als Tatsache, als Beweis. Gleichnisse werden durchweg allegorisch gedeutet und wieder genau zum System passend. Übrigens wird an keiner Stelle begründet, warum man die Gleichnisse so auslegen müsse.

Genau diese Dinge sind es aber, die eine heilsgeschichtliche Schau, die sehr wichtig und hier in den großen Zügen auch richtig gedeutet ist, Skeptiker noch stärker hinterfragen lassen. Die Autoren mögen ja von den Einzelheiten ihres Systems überzeugt sein. Und obwohl der Rezensent mit ihnen in den Grundzügen übereinstimmt, kann er doch viele ihrer Einzelaussagen nicht teilen. Es ist zu sehr System, zu viel Behauptung und zu wenig einleuchtende Exegese.