LiteraturBuchbesprechungen

Das große Handbuch zur Bibel

Alexander, Pat und David (Hrsg.). Das große Handbuch zur Bibel. Wuppertal: Brockhaus 2007. 1. Sonderauflage 816 S. Paperback: 24,95 €. ISBN 978-3-417-25949-0

Im Vorwort schreiben die Herausgeber und Verlage, dass die erste Ausgabe, die bereits 1973 erschien, in 28 Sprachen übersetzt und mehr als 3 Millionen Mal verkauft worden ist. Die erste deutsche Auflage erschien bereits 1975 und wurde zusammen mit dem Bibellesebund und dem Verlag Styria für Österreich herausgegeben und vielfach verkauft. Sie hat es auch verdient.

Was der Brockhaus-Verlag jedoch jetzt in Zusammenarbeit mit dem Verlag Katholisches Bibelwerk nach „gründlicher Überarbeitung“ herausgegeben hat, ist von einem bibeltreuen Standpunkt aus nur noch mit Vorsicht zu genießen. Die Herausgeber schreiben: „Neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaften wurden berücksichtigt und die Bibel in den Rahmen der historischen Forschung gestellt.“ Natürlich wollen sie den Leser von heute erreichen, aber unter Verzicht auf eine klare Aussage zur Inspiration, die in der mir vorliegenden Ausgabe von 1983 in dem Kapitel „Die Bibel ist anders“ S. 32ff noch behandelt wurde. Es fehlt auch das aufschlussreiche Kapitel „Antworten auf Einwände“ S. 42 ff.

Damit haben die Bearbeiter die einzigartige Stellung der Bibel als Gottes Wort praktisch aufgegeben, obwohl sie natürlich noch sehr viele nützliche Informationen zu bieten haben. Natürlich drücken sie sich sehr vorsichtig aus, um die einfachen Gemeindeglieder nicht zu verschrecken. So heißt es zum Pentateuch: „Deshalb nimmt man vielfach an, dass das uns vorliegende Buch das Werk von Redakteuren ist, die verschiedene Quellen miteinander verwoben haben.“ (S. 67). Immerhin wird die vier-Quellen-Theorie Wellhausens als reine Theorie bezeichnet, aber eben auch nicht ausgeschlossen.

Ein besonderes Kapitel über Frauen mit höchst fragwürdigen Aussagen darf nicht fehlen, zum Beispiel: „In den neutes­tamentlichen Briefen weist manches darauf hin, dass die Beschränkungen, denen Frauen unterworfen sind, sich auf einen bestimmten kulturellen Kontext beziehen“, was zu beweisen wäre. Dann wird behauptet, „dass Frauen in fast allen frühen Hausgemeinden eine herausgehobene Leitungsrolle spielten. Lydia war eine Leiterin in Philippi und Phöbe war Diakonin in Kenchräa (Römer 16,1).“ (S.90) Hier ist wohl der Wunsch, sich der modernen feminisierten Gesellschaft anzubiedern, der Vater des Gedankens. Anschließend wird beschwichtigend erklärt, dass man natürlich die Kulturbedingtheit der biblischen Aussagen anerkennt. Aber das sei eine Gewissensfrage. Doch hier urteilt der Mensch über die Bibel. Er fragt nicht mehr, was wirklich dasteht, sondern ob man Kulturbedingtheit anerkennt oder nicht.

Zur Genesis schreibt man: „Man kennt weder sicher den Verfasser noch das Entstehungsdatum dieses Buches“ (S. 115). Jesus immerhin kannte den Verfasser (Mt 8,4; 19,8 u.a.m.).

Die Sintflut wird in den Rahmen der Schwarzmeertheorie gestellt, also in eine lokale Flut, was der biblischen Aussage widerspricht. (S. 124)

Interessant ist die Bemerkung zu 5. Mose: „Bis zu den kritischen Studien des 18. und 19. Jahrhunderts, die den Pentateuch mehreren Verfassern zuschrieben, wurde das Buch Deuteronomium von Juden und Christen als Moses Werk betrachtet. Heute sind die meisten Alttestamentler der Meinung, dass das Buch später von Re­dakteuren bearbeitet wurde … dass aber seine Wurzeln ganz bestimmt auf diese große historische Figur zurückgehen.“ (S. 205). Immerhin gesteht man Mose zu, wirklich gelebt zu haben.

Aufschlussreich ist wieder Daniel: „Obwohl die Angaben im Text selbst auf die Abfassung im 6. Jahrhundert hindeuten, halten die meisten Alttestamentler diese Entstehungszeit nicht für wahrscheinlich. … Der springende Punkt ist der: Kapitel 11 weist mit vielen Einzelheiten sehr deutlich in die Zeit von Antiochus IV. hinein. Soll man diese als Weissagung betrachten, die 400 Jahre im Voraus verkündet wurde?“ Für den Leser soll es klar sein: Natürlich nicht.

Wie wohltuend unterschied sich da die vorige Ausgabe: Dort konnte man zum Beispiel zu Jesaja lesen: „Diese Theorie (dass Jesaja mehrere Verfasser gehabt hätte d.Rez.) muss vor allem deshalb in Frage gestellt werden, weil sie von der Voraussetzung ausgeht, dass die prophetischen Bücher keine echten Voraussagen über die Zukunft enthalten können. Jesaja hätte – so sagt man – im 8. Jahrhundert nicht mit solcher Genauigkeit Ereignisse vorhersagen können, die erst lange nach seinem Tod eintraten …“. (S. 378) Man glaubt nicht mehr an echte Prophetie, so jedenfalls die neuen Bearbeiter dieses Werkes.

Auch bei den Evangelien kann man durch den Vergleich interessante Beobachtungen machen. Während in der Neubearbeitung die Quellentheorie als nahezu selbstverständlich vorausgesetzt wird, konnte man in der vorigen Version lesen: „Darüber darf man allerdings nicht vergessen, dass ihre Aussagen über die Quellen der Evangelien bestenfalls einleuchtende Theorien sind. Sie lassen sich nicht beweisen, weil diese (möglichen) Quellen nicht erhalten geblieben sind.“ (S. 531)

Bei den Briefen erklärt man sich deutlich: „Die evangelikal geprägte Bibelwissenschaft geht zum großen Teil für alle Briefe von den traditionellen Verfassern der Briefe aus. Demgegenüber vertritt die moderne europäische universitäre Theologie weithin andere Positionen. … Das englische Original dieses Buches vertritt weithin traditionelle Positionen. Die beteiligten Verlage haben sich dazu entschlossen, diesen Tenor der Originalausgabe beizubehalten. In den einleitenden Passagen zu den entsprechenden Briefen wird ergänzend jeweils kurz die Position der modernen Bibelwissenschaft skizziert.“ (S. 674)

Das ist hinreichend deutlich. Auf diese Weise wird ein wunderschön gestaltetes und mit vielen guten Inhalten versehenes Werk zu einem Werkzeug, das allmählich die Grundlagen der Gemeinde zerstört und Gottes Wort zu einem Menschenwerk macht. Gerade durch den Vergleich mit der vorigen Ausgabe kann der Verfall sichtbar gemacht werden. Schade, das Buch kann nicht empfohlen werden.