LiteraturBuchbesprechungen

Das große Buch zur Bibel

Knowles, Andrew. Das große Buch zur Bibel. Gießen: Brunnen 2003. 718 S. Hardcover: 19,95 € ISBN 3-7655-5441-3

Knowles, der Geschichte und Theologie in Cambridge studierte, hat das Buch unter dem Titel „The Bible Guide“ 2001 in englischer Sprache herausgebracht. Schon 2003 erschien die deutsche Übersetzung. Im großen Format (20×25 cm) auf vierfarbig illustrierten Seiten soll ein auf das Wesentliche angelegter Überblick über jedes biblische Buch gegeben werden.

Das Buch ist sehr übersichtlich gestaltet. Zuerst bekommt man eine Gesamtübersicht über das jeweilige biblische Buch, gefolgt von einer groben Gliederung auf einer Seite. Dann folgt die Einleitung, die Antwort auf die Fragen gibt, wer das Buch geschrieben hat und wann es entstand. Schließlich der ausführlichste Teil, der Hilfen geben will, das jeweilige biblische Buch zu entdecken. Unterstützt wird das Ganze durch farbige Abbildungen und farbig hervorgehobene Infokästen, die auch die Verbindung zur ganzen Bibel schaffen. Zum Beispiel findet man bei Abraham einen Kasten „Rechtfertigung durch den Glauben“ oder bei Josua „Heiliger Krieg?“

Es könnte so schön sein. Doch leider beginnt die Enttäuschung schon beim ersten Satz: „Die Bibel begann als eine Sammlung von Geschichten, die von einer Generation zur nächsten mündlich weitererzählt wurden“ (S. 7). Die „frühesten Geschichten der Bibel … haben viel mit Volkserzählungen gemeinsam“ (S. 8). Und so geht es konsequent weiter. Es sind alte Geschichten über Gott, aber es ist nicht Gottes Wort. Im ganzen Buch findet sich kein Hinweis auf Inspiration oder gar Unfehlbarkeit des Wortes Gottes. Wieso soll dieses so schön aufgemachte Buch dann helfen, Gottes Wort zu verstehen, wenn es nur auf Lagerfeuererzählungen zurückgeht, wenn man zweifeln muss, wer die einzelnen Bücher geschrieben hat (bei Genesis z.B.: „Wer auch immer der Verfasser war“ S.21). Leider findet man überall Formulierungen, die nicht gerade von Ehrfurcht gegenüber der Bibel zeugen, sondern sie auf unsere Ebene herunterziehen, zum Beispiel: „Warum verbietet Gott den Menschen, diese Früchte zu essen? Hat er Angst davor, dass der Mensch über sich hinauswächst?“ (S.24) „Es ist offensichtlich, dass Adam und Eva nicht die einzigen Menschen ihrer Zeit sind“ (S. 25). Hier weiß es einer besser als die Bibel.

Immer wieder hat der Rezensent den Eindruck, dass dem Bibelleser eine gemäßigte Form der Bibelkritik nahe gebracht werden soll. „Vielleicht ist einige Zeit nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil unter Esra, dem damals führenden Priester, die letzte Fassung des Buches Levi entstanden, um 400 v.Chr.“ (S.65) „Der Chronist erklärt, dass Bascha, der König des Nordreiches, im 36. Jahr der Herrschaft Asas in Juda einfällt. Hier liegt ganz klar ein Fehler vor, da Bascha zu diesem Zeitpunkt schon ungefähr zehn Jahre tot war.“ (S. 185).

Umso erstaunlicher die Aussage über Jesaja: „Auch wenn es immer wieder bezweifelt wird, können wir davon ausgehen, dass derselbe Jesaja, der in Jerusalem lebte, auch die Weissagungen für diese Zeit verkündigt hat.“ (S.276) Immerhin stellt sich Knowles später zur Einheit des Buches Jesaja (S. 286). Bei Daniel vermeidet er aber gleich wieder eine klare Aussage zum Verfasser. Er will das Buch auch nicht als Prophetie verstanden wissen – entgegen den Aussagen im Buch selbst. Zu Jona: „Es spricht viel dafür, dass die Erzählung im Buch Jona den Propheten als einen typischen Charakter darstellen will. Die Geschichte Jonas ist lustig und steckt voller Überraschungen.“ (S. 370) Also stattgefunden hat die Geschichte dann wohl nicht.

Im neuen Testament wird der Leser mit der völlig hypothetischen Quelle Q traktiert und: „Matthäus hat beim Schreiben das kürzere Markusevangelium neben sich liegen“ (S.407). Der zweite Petrusbrief und der Judasbrief sind für den Verfasser natürlich nicht echt. (S. 679).

Es ist wirklich schade, aber man kann dieses schöne Buch nicht empfehlen, auch wenn noch viel Gutes im Sinn einer Bibelkunde darin steht.