LiteraturBuchbesprechungen

Christen und Heiden. Quellentexte zu ihrer Auseinandersetzung in der Antike

Eine hilfreiche kommentierte Quellensammlung antiker Texte, die ein Licht auf Diskussion zwischen den frühen Christen und ihrer heidnischen Umwelt werfen

Michael Fiedrowicz: Christen und Heiden. Quellentexte zu ihrer Auseinandersetzung in der Antike, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2004, 799 Seiten, 49,90€ (Buchhandelspreis 79,90 €)

FiedroviczFiedrowicz’ Quel­len­band zur frühen Kirchengeschichte bietet einen hervorragenden Überblick über die maßgeblichen Diskussionen zwischen christlichen Apologeten und heidnischen Denkern in der antiken Welt. Das Buch gliedert sich in zwei Hauptteile: 1. „Historischer Überblick“ (S. 15-194), 2. „Systematische Darstellung“ (S. 195-632). Im Anhang finden sich sprachliche, historische, kulturelle und theologische Kommentare zu den zitierten Texten. (S. 633-768). Ein übersichtliches Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 769-781) und ein umfassendes Register (Stellen und Namen) runden das Werk ab (S. 783-799).

In der Gliederung des Quellenbandes orientiert sich der Verfasser an seiner 2001 in Paderborn erschienen Monographie: „Apologie im frühen Christentum. Die Kontroverse um den christlichen Wahrheitsanspruch in den ersten Jahrhunderten“.

Im ersten Teil seines Buches legt Fiedrowicz die heidnischen Vorwürfe gegen die Christen und die Antworten der Apologeten in historischer Reihenfolge dar: A. Apologetik im Neuen Testament, im Judentum und in der nachapostolischen Zeit (S. 15-22), B. Die ersten Apologien (S. 23-40), C. Die apologetische Literatur im 2. und 3. Jahrhundert (S. 41-67), D. Auseinandersetzungen mit Neuplatonismus und Synkretismus (S. 68-97), E. Die diokletianisch-konstantinische Epoche (S. 98-122), F. die Zeit des heidenfreundlichen Kaisers Julian Apostata (S. 123-152), G. Auseinandersetzungen mit der römischen Senatsaristokratie (S. 153-179) und H. Christliche Apologetik nach dem Fall Roms (S. 180-194).

Der zweite, ausführlichere Teil des Buches stellt die über vier Jahrhunderte andauernde Diskussion zwischen heidnischen und christlichen Denkern systematisch dar. In einem ersten Abschnitt bespricht Fiedrowicz die sprachlichen und inhaltlichen Charakteristika der Apologeten (S. 187-249). In den folgenden Unterkapiteln werden die Hauptargumente christlicher Autoren dokumentiert, mit denen diese die Überlegenheit des Christentums begründen. Demnach sind die antiken Christen moralischer, religiöser und loyaler dem Staat gegenüber als ihre heidnischen Mitbürger (S. 150-332). Für die Apologeten ist die biblische Überlieferung älter als die griechische Philosophie. Ähnlichkeiten ergäben sich durch Plagiate griechischer Autoren. Außerdem sei das Christentum fortschrittlicher als das in seinen Traditionen verhaftete Heidentum (S. 333-392). Aus Sicht der Apologeten ist das Christentum weitaus vernünftiger als die heidnischen Mythen (S. 393-606). Die antiken Religionen ständen für blutige Opfer, ein vermenschlichtes Gottesbild und einen unangemessenen Bilderkult. Die christliche Gottesvorstellung sei der heidnischen durch ihre einmaligen historischen Zeugnisse, durch die universale Logos-Manifestation und durch die nachweisbare Inkarnation Gottes in Jesus Christus weit überlegen. Die Wunder Jesu, sein Tod und seine Auferstehung sprächen für den Glauben der Christen. Auch die überragende literarische Qualität biblischer Schriften, die Glaubwürdigkeit ihrer Autoren und die Erfüllung ihrer Prophezeiungen sprächen für die Wahrheit des christlichen Glaubens. Biblische Belege wurden von den Apologeten häufig allegorisch gedeutet, wogegen sich zuweilen heidnische Argumentationen wandten. Im Gegensatz zur heidnischen Philosophie betrachteten die christlichen Denker ihre „Philosophie“ als kohärenter, zuverlässiger, umfassender und praxisorientierter. Schließlich erhoben die Apologeten einen universalen Wahrheitsanspruch, den sie vor allem mit der biblischen Offenbarung und der Einzigartigkeit Christi begründeten (S. 607-632).

Der an der Universität Trier lehrende Prof. Dr. Michael Fiedrowicz zeigt sich in diesem Band als qualifizierter Kenner des antiken Christentums und seiner Umwelt. Die sachgerecht ausgewählte Quellensammlung führt den geschichtlich interessierten Leser in die Diskussionen zwischen antiken Christen und Heiden ein. Mit einer allgemeinverständlichen Sprache eröffnet Fiedrowicz jedes Kapitel und Unterkapitel. Ohne den Umweg über griechische und lateinische Quellenstudien können sich hier Historiker, Theologen und Philosophen einen Überblick über das christliche Denken jener Zeit verschaffen. Dabei sind die ausgewählten Zitate nicht zu umfangreich, jedoch auch nicht so kurz, dass der entsprechende Kontext verlorengeht.

Anregend sind die Beiträge antiker Autoren auch für gegenwärtige Gespräche zwischen und mit den Religionen. Die Fragen und Argumente zum Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens und zur Bedeutung biblischer Überlieferung wirken geradezu aktuell.