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Buch: Zwischen Angst und Hoffnung. Aspekte christlicher Endzeiterwartung.

Sechs Theologen beschäftigen sich in je einem Aufsatz mit Aspekten christlicher Endzeiterwartung.

Haubeck-AngstHaubeck, Wilfried / Heinrichs, Wolfgang (Hrsg.) Zwischen Angst und Hoffnung. Aspekte christlicher Endzeiterwartung. Witten: SCM-Bundes-Verlag 2010. 148 S. Paperback: 10,95 €. ISBN 978-3-933660-47-3

Sechs Theologen beschäftigen sich in je einem Aufsatz mit Aspekten christlicher Endzeiterwartung. Vier von ihnen lehren am Theologischen Seminar Ewersbach (Freie Evang. Gemeinden).
Der erste Aufsatz von Markus Iff untersucht eschatologisches Denken in der Theologie und apokalyptisches Geschichtsbild. Er zählt die Offenbarung zu den apokalyptischen Schriften, die das Heil im Unterschied zu ihnen aber nicht erst in der Zukunft erwartet. Dieser Aufsatz ist der unerständlichste von allen. Nur eine Kostprobe: „Eschatologische Aussagen sind abduktiv-abgeleitete Aussagen; sie implizieren, dass fragmentarische Verwirklichungsformen der christlichen Heilsbotschaft in der irdisch-geschichtlichen Welt erkannt und anerkannt werden.“ (S. 25)

Julius Steinberg untersucht Prophetie und Apokalyptik in Sacharja 9-14 und meint, dass man die Bildersprache dort keineswegs wörtlich verstehen darf, sonst führt das zu Modellen, wie sie im Dispensationalismus und im Prämillenialismus vertreten werden (S.35).

Michael Schröder geht dann der Frage nach, wie die Offenbarung auszulegen ist, die nach seiner Meinung allerdings nicht von dem Jünger Johannes stammt. Er sieht die Offenbarung als apokalyptisch-prophetische Schrift, deren Bilder und Zahlen nur symbolisch zu verstehen sind und lehnt den dispensationalistischen Ansatz deutlich ab, der zunächst einen wörtlichen Sinn im Text annimmt, wenn nicht der Zusammenhang ausdrücklich dagegen spricht.

Johannes von Lüpke von der Theologischen Hochschule Wuppertal-Bethel geht nun auf die interessanten Fragen nach dem Gericht und dem Richter ein und untersucht dabei auch die kirchlichen Bekenntnisse, die deutlich auch von einer ewigen Verdammnis sprechen. Er kritisiert diese Lehre von verschiedenen Seiten aus und kommt zu dem Schluss, dass das Endgericht als „Vollendung der Vergebung und als Akt der Neuschöpfung durch das Gericht hindurch“ zu verstehen ist. (S. 107)

Reinhard Hempelmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen schreibt über Weltangst und Weltende und meint: „Die Worte vom Ende der Welt wollen nicht Angst machen, sondern Verzagte trösten.“ (S. 130)

Ingo Scharwächter schließlich will Vorfreude auf das Kommen des Herrn wecken, aber so leben, als käme er in 1000 Jahren noch nicht, und sich deshalb in dieser Welt für die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen engagieren. (S. 144f.)

Bei allen Aufsätzen fällt auf, dass jede heilgeschichtliche Auslegung der einschlägigen biblischen Texte deutlich abgelehnt wird und dass das Tausendjährige Reich und das Endgericht praktisch vollständig ausfallen.

Der Rezensent kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autoren ihre theologischen Modelle, die sie meist von anderen Theologen gewonnen haben, über die biblischen Aussagen selbst stellen, wie man dies von der Universitätstheologie seit langem gewohnt ist.