Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel

Entstehung und Bedeutung der Chicago-Erklärung

Im Jahr 1977 schlossen sich bibeltreue Theologen aus den USA und aller Welt zum Internationalen Rat für biblische Irrtumslosigkeit zusammen (International Council on Biblical Inerrancy, kurz ICBI). Dieser Rat wollte mit einigen Erklärungen jenen Ansichten entgegentreten, welche die biblische Inspiration einschränkten, denn im evangelikalen Bereich gewannen solche Ansichten immer mehr Einfluss. Außerdem wollte man sich darüber Rechenschaft geben, wie man die Bibel angesichts ihres göttlichen Charakters angemessen auslegen müsse.

Der ICBI führte Konferenzen durch, veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche und allgemeinverständliche Bücher zur Bibel und diskutierte auf drei zentralen Tagungen insgesamt drei Chicago-Erklärungen. In dieser Veröffentlichung wird die erste und wichtigste davon abgedruckt. Die beiden anderen behandeln die Frage der Hermeneutik1 und die Anwendung dieses Schriftprinzips im Alltag.2

Das Ergebnis dieser enormen Arbeit sollte von bibeltreuen Missionswerken, Bibelschulen, Seminaren und Gemeinden noch viel besser genutzt werden. Man könnte die Erklärung zum Beispiel als Bekenntnisgrundlage in die Satzung aufnehmen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Chicago-Erklärung auch im deutschsprachigen Bereich zu einem Markenzeichen werden könnte, das bibeltreue Christen und Werke miteinander verbindet.

Für die Bedeutung der Chicago-Erklärung (CE) sprechen unter anderem folgende Gründe:

  1. Die CE ist seit mehreren Jahrzehnten eine in der ganzen evangelikalen Welt verbreitete und bewährte Grundlage biblischer Hermeneutik. Sie bietet greifbare und praktikable Maßstäbe für die Auslegung und ist bis heute ohne tragfähige Alternative geblieben.
  2. Die CE beschreibt Bibeltreue nicht oberflächlich, sondern vermeidet vergröbernde Vereinfachungen. Sie definiert Bibeltreue auch nicht im Sinne einer bestimmten Konfession oder Denomination und gibt trotzdem ihren Bekenntnischarakter und ihre Klarheit nicht preis.
  3. Die CE beschreibt in verständlichen Worten das Wunder der Inspiration und der vollkommenen Offenbarung Gottes, ohne in Spekulationen abzugleiten oder die Bibel den Gesetzen menschlicher Plausibilität zu unterwerfen.
  4. Die CE entspricht dem biblischen Selbstanspruch auf Inspiration, Unfehlbarkeit und Dauerhaftigkeit. Die Aussagen der Bibel über die ewig gültige, alles menschliche Denken und Forschen übersteigende und alle Bereiche der Wirklichkeit zutreffend beschreibende Offenbarung Gottes deckt sich weitgehend mit ihren Formulierungen.
  5. In der CE wird das Verhältnis zwischen der Stellung des Christen zur Bibel und dem Zustand seines geistlichen Leben in vorbildlicher Weise aufgezeigt.
  6. Zehn Jahre akademischer Arbeit und Diskussion stehen hinter diesem Versuch, der modernen Welt die Inspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift zu erklären. Bedeutende und bekannte bibeltreue Theologen haben daran mitgearbeitet, u.a.: Gleason L. Archer, Jay Adams, Greg Bahnsen, Henri A. G. Blocher, James M. Boice (Vorsitzender), Edmund P. Clowney, Charles L. Feinberg, Norman Geisler, Harold W. Hoehner, Kenneth Kanzer, James Kennedy, Samuel Külling, Gordon Lewis, Harold Lindsell, John F. MacArthur Jr., Josh D. McDowell, John W. Montgomery, James I. Packer, Earl D. Radmacher, R. C. Sproul, John F. Walvoord.
  7. Die CE steht im Einklang mit der wesentlichen Strömung rechtgläubiger Theologie in der Kirchengeschichte.
  8. Durch das Bekenntnis zur Irrtumslosigkeit und Unfehlbarkeit der Bibel wird die Selbstanmaßung des modernen Menschen, die Welt allein mit eigenen Mitteln zuverlässig verstehen und interpretieren zu können, in ihre Schranken verwiesen.

Wir wünschen auch im deutschsprachigen Europa der Chicago-Erklärung eine weite Verbreitung, damit dem Eindringen der Bibelkritik auf allen Ebenen Einhalt geboten werden könne.

Der Bibelbund

 

 

1      Die Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel

1.1    Vorwort

Die Autorität der Schrift ist für die christliche Kirche in unserer wie in jeder Zeit eine Schlüsselfrage. Wer sich zum Glauben an Jesus Christus als Herrn und Retter bekennt, ist aufgerufen, die Wirklichkeit seiner Jüngerschaft durch demütigen und treuen Gehorsam gegenüber Gottes geschriebenem Wort zu erweisen. In Glauben oder Leben von der Schrift abzuirren, ist Untreue unserem Herrn gegenüber. Das Anerkennen der absoluten Wahrheit und Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift ist für ein völliges Erfassen und angemessenes Bekenntnis ihrer Autorität unerlässlich.

Die folgende Erklärung bekennt3 erneut diese Irrtumslosigkeit der Schrift, indem sie verdeutlich, was wir darunter verstehen, und gleichzeitig davor warnt, sie zu leugnen. Wir sind davon überzeugt, dass ihre Leugnung bedeutet, dass man sich über das Zeugnis von Jesus Christus und dem Heiligen Geist hinwegsetzt und sich weigert, sich den Ansprüchen von Gottes eigenem Wort zu unterwerfen, was doch ein Kennzeichen wahren christlichen Glaubens ist. Wir sehen es angesichts des gegenwärtigen Abgleitens von der Wahrheit der Irrtumslosigkeit unter unseren Mitchristen und der Missverständnisse, die allgemein über diese Lehre herrschen als unsere zeitgemäße Pflicht an, dieses Bekenntnis abzulegen.

Die Erklärung4 besteht aus drei Teilen: einer zusammenfassenden Erklärung, den Artikeln des Bekennens und Verwerfens und aus einer angefügten Auslegung. Sie wurde im Rahmen einer dreitägigen Beratung in Chicago erarbeitet. Diejenigen, die die zusammenfassende Erklärung und die Artikel unterschrieben haben, bekennen damit ihre eigene Überzeugung von der Irrtumslosigkeit der Schrift und wollen sich gegenseitig und alle Mitchristen zu wachsender Wertschätzung und wachsendem Verständnis dieser Lehre ermutigen und herausfordern. Wir wissen um die Grenzen eines Dokuments, das in einer kurzen, intensiven Konferenz erarbeitet wurde und beantragen nicht, ihm das Gewicht eines Glaubensbekenntnisses zu verleihen. Dennoch freuen wir uns darüber, dass sich unsere Überzeugungen durch unsere gemeinsamen Diskussionen vertieft haben und wir beten, dass die Erklärung, die wir unterzeichnet haben, zur Verherrlichung unseres Gottes für eine neue Reformation der Kirche in ihrem Glauben, ihrem Leben und ihrer Mission gebraucht werden möge.

Wir legen diese Erklärung nicht in polemischer Absicht vor, sondern in Geist der Demut und Liebe, den wir durch Gottes Gnade in allen zukünftigen Gesprächen, die aus unseren hier gemachten Äußerungen entstehen, beibehalten möchten. Wir anerkennen erfreut, dass viele, die die Irrtumslosigkeit der Schrift leugnen, die Konsequenzen dieser Leugnung in ihrem übrigen Glauben und Leben nicht bestätigen, und wir sind uns bewusst, dass wir, die wir uns zu dieser Lehre bekennen, sie in unserem Leben oft leugnen, indem wir es versäumen, unsere Gedanken und Taten, unsere Traditionen und Gewohnheiten in wahre Unterordnung unter das göttliche Wort zu bringen.

Wir laden jeden ein, auf diese Erklärung zu reagieren, der Gründe dafür sieht, die Bekenntnisse dieser Erklärung über die Schrift zu berichtigen. Freilich muss das im Licht der Bibel geschehen, unter deren unfehlbarer Autorität wir stehen, während wir unser Bekenntnis niederlegen. Wir nehmen für das Zeugnis, das wir weitergeben, keine persönliche Unfehlbarkeit in Anspruch und sind für jeden Beistand dankbar, der uns dazu verhilft, dieses Zeugnis über das Wort Gottes zu stärken.

 

1.2    Zusammenfassende Erklärung

  1. Gott, der selbst die Wahrheit ist und nur die Wahrheit spricht, hat die Heilige Schrift inspiriert, um sich damit selbst der verlorenen Menschheit durch Jesus Christus als Schöpfer und Herr, Erlöser und Richter zu offenbaren. Die Heilige Schrift ist Gottes Zeugnis von seiner eigenen Person.
  2. Da die Heilige Schrift Gottes eigenes Wort ist, das von Menschen geschrieben wurde, die der Heilige Geist dazu ausrüstete und dabei überwachte, ist sie in allen Fragen, die sie anspricht, von unfehlbarer göttlicher Autorität: Ihr muss als Gottes Unterweisung in allem geglaubt werden, was sie bekennt; ihr muss als Gottes Gebot, in allem gehorcht werden, was sie fordert; sie muss als Gottes Zusage in allem aufgenommen werden, was sie verheißt.
  3. Der Heilige Geist, der göttliche Autor der Schrift, beglaubigt sie durch sein inneres Zeugnis, und dadurch, dass er unseren Verstand erleuchtet, um ihre Botschaft zu verstehen.
  4. Da die Schrift vollständig und wörtlich von Gott gegeben wurde, ist sie in allem, was sie lehrt, ohne Irrtum oder Fehler. Dies gilt nicht weniger für das, was sie über Gottes Handeln in der Schöpfung, über die Geschehnisse der Weltgeschichte und über ihre eigene, von Gott gewirkte literarische Herkunft aussagt, als für ihr Zeugnis von Gottes rettender Gnade im Leben einzelner.
  5. Die Autorität der Schrift wird unausweichlich beeinträchtigt, wenn diese vollumfängliche göttliche Unfehlbarkeit in irgendeiner Weise begrenzt oder missachtet oder relativiert wird durch eine Sicht der Wahrheit, die der Sicht der Bibel von sich selbst widerspricht. Solche Abweichungen führen sowohl für den einzelnen, wie auch für die Kirche, zu ernsthaften Verlusten.

1.3    Artikel des Bekennens und Verwerfens

 

Artikel I

Wir bekennen, dass man die Heilige Schrift als das autoritative Wort Gottes aufnehmen muss.

Wir verwerfen die Auffassung, dass die Schrift ihre Autorität von der Kirche, der Tradition oder irgendeiner anderen menschlichen Quelle erhalte.

 

Artikel II

Wir bekennen, dass die Bibel die oberste geschriebene Norm ist, durch die Gott das Gewissen bindet, und dass die Autorität der Kirche derjenigen der Bibel untergeordnet ist.

Wir verwerfen die Auffassung, dass kirchliche Bekenntnisse, Konzilien oder Erklärungen eine der Bibel ebenbürtige oder gar höhere Autorität hätten.

 

Artikel III

Wir bekennen, dass das geschriebene Wort in seiner Gesamtheit von Gott gegebene Offenbarung ist.

Wir verwerfen die Auffassung, dass die Bibel lediglich ein Zeugnis solcher Offenbarung sei, oder dass sie nur durch die Begegnung mit ihr Offenbarung werde oder dass sie in ihrer Gültigkeit von den Reaktionen des Menschen abhängig sei.

 

Artikel IV

Wir bekennen, dass Gott, der den Menschen in seinem Bild geschaffen hat, die Sprache als Mittel seiner Offenbarung benutzt hat.

Wir verwerfen die Auffassung, dass die menschliche Sprache durch unsere Kreatürlichkeit so begrenzt wäre, dass sie als Träger göttlicher Offenbarung ungenügend sei. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass die Verdorbenheit der menschlichen Kultur und Sprache durch Sünde Gottes Werk der Inspiration vereitelt habe.

 

Artikel V

Wir bekennen, dass Gottes Offenbarung in der Heiligen Schrift eine fortschreitende Offenbarung war.

Wir verwerfen die Auffassung, dass eine spätere Offenbarung, die eine frühere Offenbarung erfüllen mag, diese jemals korrigiere oder ihr widerspreche. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass irgendeine normative Offenbarung seit dem Abschluss des neutestamentlichen Kanons gegeben worden sei.

 

Artikel VI

Wir bekennen, dass die Schrift als Ganzes und alle ihre Teile bis zu den einzelnen Wörtern des Urtextes von Gott durch göttliche Inspiration gegeben wurden.

Wir verwerfen die Auffassung, dass man die Inspiration der Schrift in ihrer Ganzheit ohne ihre Teile oder in einigen Teilen ohne ihre Ganzheit recht bekennen könne.

 

Artikel VII

Wir bekennen, dass die Inspiration jenes Werk war, in dem Gott uns durch seinen Geist durch menschliche Schreiber sein Wort gab. Der Ursprung der Schrift ist Gott selbst. Die Art und Weise der göttlichen Inspiration bleibt für uns zu einem großen Teil ein Geheimnis.

Wir verwerfen die Auffassung, dass Inspiration auf menschliche Einsicht oder einen höheren Bewusstseinszustand irgendeiner Art reduziert werden könne.

 

Artikel VIII

Wir bekennen, dass Gott in seinem Werk der Inspiration die charakteristische Persönlichkeit und den literarischen Stil des jeweiligen Schreibers, den er ausgewählt und zugerüstet hatte, benutzte.

Wir verwerfen die Auffassung, dass Gott die Persönlichkeit dieser Schreiber ausgeschaltet habe, als er sie dazu veranlasste, genau die Worte zu gebrauchen, die er ausgewählt hatte.

 

Artikel IX

Wir bekennen, dass die Inspiration zwar keine Allwissenheit verlieh, aber wahre und zuverlässige Aussagen über alle Dinge garantierte, über welche die biblischen Autoren auf Gottes Veranlassung hin sprachen und schrieben.

Wir verwerfen die Auffassung, dass die Begrenztheit oder das Gefallensein dieser Schreiber notwendigerweise oder auf andere Weise Verzerrungen oder Fehler in Gottes Wort eingeführt habe.

 

Artikel X

Wir bekennen, dass die Inspiration, streng genommen, nur auf den autographischen Text der Schrift zutrifft, der aber durch die Vorsehung Gottes anhand der zur Verfügung stehenden Handschriften mit großer Genauigkeit ermittelt werden kann. Wir bekennen ferner, dass Abschriften und Übersetzungen der Schrift soweit Gottes Wort sind, als sie das Original getreu wiedergeben.

Wir verwerfen die Auffassung, dass irgendein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens durch das Fehlen von Autographen beeinträchtigt sei. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass solches Fehlen das Bekenntnis zur biblischen Irrtumslosigkeit nichtig oder irrelevant mache.

 

Artikel XI

Wir bekennen, dass die Schrift unfehlbar ist, da sie durch göttliche Inspiration gegeben wurde, so dass sie – weit davon entfernt, uns irrezuführen – wahr und zuverlässig in allen von ihr angesprochenen Fragen ist.

Wir verwerfen die Auffassung, dass die Bibel zur gleichen Zeit unfehlbar und in ihren Aussagen irrtümlich sein kann. Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit können unterschieden, nicht aber voneinander getrennt werden.

 

Artikel XII

Wir bekennen, dass die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos ist, und damit frei von Falschheit, Betrug oder Täuschungen.

Wir verwerfen die Auffassung, dass sich die biblische Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit auf geistliche, religiöse oder die Erlösung betreffende Themen beschränke, und dass Aussagen im Bereich der Geschichte und Naturwissenschaft davon ausgenommen seien. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass wissenschaftliche Hypothesen über die Erdgeschichte mit Recht dazu benutzt werden dürfen, die Lehre der Schrift über Schöpfung und Sintflut umzustoßen.

 

Artikel XIII

Wir bekennen, dass es angemessen ist, Irrtumslosigkeit als theologischen Begriff für die vollständige Zuverlässigkeit der Schrift zu gebrauchen.

Wir verwerfen die Auffassung, dass es angemessen sei, die Schrift anhand von Maßstäben für Wahrheit und Irrtum zu messen, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit in Frage gestellt werde durch biblische Phänomene wie das Fehlen moderner technischer Präzision, Unregelmäßigkeiten der Grammatik oder der Orthographie, Beschreibung der Natur aus dem Blickwinkel der subjektiven Beobachtung, Berichte über Unwahrheiten, durch den Gebrauch des Stilmittels der Hyperbel5 oder gerundeter Zahlen, thematischer Anordnung des Stoffes, unterschiedlicher Auswahl des Materials in Parallelberichten oder der Verwendung freier Zitate.

 

Artikel XIV

Wir bekennen die Einheit und innere Übereinstimmung der Bibel.

Wir verwerfen die Auffassung, dass angebliche Fehler und Widersprüche, die bis jetzt noch nicht gelöst worden sind, den Wahrheitsanspruch der Bibel hinfällig machen.

 

Artikel XV

Wir bekennen, dass die Lehre von der Irrtumslosigkeit in der Lehre der Bibel über die Inspiration gegründet ist.

Wir verwerfen die Auffassung, dass man die Lehre Jesu über die Schrift mit dem Hinweis auf die Anpassung an seine Hörer oder auf irgendeine natürliche Begrenztheit seines Menschseins abtun könne.

 

Artikel XVI

Wir bekennen, dass die Lehre von der Irrtumslosigkeit ein integraler Bestandteil des Glaubens der Kirche während ihrer ganzen Geschichte gewesen ist.

Wir verwerfen die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit eine Lehre sei, die der scholastische Protestantismus erfunden habe, oder dass sie als eine Abwehrreaktion auf die Bibelkritik postuliert worden sei.

 

Artikel XVII

Wir bekennen, dass der Heilige Geist Zeugnis für die Heilige Schrift ablegt und den Gläubigen Gewissheit über die Zuverlässigkeit des geschriebenen Wortes Gottes gibt.

Wir verwerfen die Auffassung, dass dieses Zeugnis des Heiligen Geistes losgelöst von der Schrift oder gegen die Schrift wirke.

 

Artikel XVIII

Wir bekennen, dass man den Text der Bibel durch grammatisch-historische Exegese auslegen muss, indem man die literarischen Formen und Wendungen berücksichtigt, und dass die Bibel durch die Bibel auslegt wird.

Wir verwerfen die Berechtigung jedes Umgangs mit dem Text und jeder Suche nach hinter dem Text liegenden Quellen, die dazu führen, dass seine Lehren relativiert, für ungeschichtlich gehalten oder verworfen werden, oder dass man seine Angaben zur Verfasserschaft ablehnt.

 

Artikel XIX

Wir bekennen, dass ein Bekenntnis zu der vollumfänglichen Autorität, Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel für ein gesundes Verständnis des ganzen christlichen Glaubens lebenswichtig ist. Wir bekennen ferner, dass ein solches Bekenntnis dazu führen sollte, dass wir dem Bild Christi immer ähnlicher werden.

Wir verwerfen die Auffassung, dass ein solches Bekenntnis zum Heil notwendig sei. Wir verwerfen jedoch darüber hinaus auch die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit ohne schwerwiegende Konsequenzen für den Einzelnen und die Kirche geleugnet werden könne.

 

1.4    Kommentar

Unser Verständnis der Lehre von der Irrtumslosigkeit muss in den größeren Zusammenhang der umfassenderen Lehre der Schrift über sich selbst gestellt werden. Dieser Kommentar legt die Grundlehren dar, aus denen die zusammenfassende Erklärung und die Artikel gewonnen wurden.

 

1.4.1     Schöpfung, Offenbarung und Inspiration

Der dreieinige Gott, der alle Dinge durch sein Schöpferwort formte und alle Dinge nach seinem Ratschluss regiert, schuf den Menschen nach seinem eigenen Bild zu einem Leben in Gemeinschaft mit ihm. Das geschah nach dem Vorbild der ewigen Gemeinschaft der von Liebe bestimmten Kommunikation innerhalb der Gottheit selbst. Als Träger der Ebenbildlichkeit Gottes sollte der Mensch das an ihn gerichtete Gotteswort hören und in freudigem und bewunderndem Gehorsam beantworten. Über Gottes Selbstoffenbarung in der Schöpfung und der Abfolge ihrer Ereignisse hinaus haben Menschen seit Adam verbale Botschaften von Gott empfangen, und zwar entweder direkt, wie sie in der Bibel vorliegen, oder indirekt in Form von Teilen oder der ganzen Bibel selbst.

Als Adam sündigte, überließ der Schöpfer die Menschheit nicht dem endgültigen Gericht, sondern verhieß das Heil und begann in einer Folge von historischen Ereignissen sich selbst als Erlöser zu offenbaren. Er tat das mit der Familie Abrahams als Brennpunkt und dem Leben, Sterben und Auferstehen samt dem gegenwärtigen himmlischen Dienst und der verheißener Rückkehr von Jesus Christus als Ziel- und Höhepunkt. Innerhalb dieses Rahmens hat Gott sündigen Menschen von Zeit zu Zeit besondere Worte des Gerichts und der Gnade, der Verheißung und des Gebots gesagt. Damit rief er sie in eine Beziehung der gegenseitigen Verpflichtung hinein, einen Bund zwischen ihm und ihnen, worin er sie mit Gaben der Gnade segnet, und sie ihn als Antwort darauf preisen. Mose, den Gott zur Zeit des Auszugs als Mittler gebrauchte, um sein Wort seinem Volk zu überbringen, steht am Beginn einer langen Reihe von Propheten, in deren Mund und Schrift Gott sein Wort hineinlegte, um es Israel zu überliefern. Gottes Absicht mit dieser Abfolge von Botschaften war es, seinen Bund zu erhalten, indem er sein Volk veranlasste, seinen Namen, das heißt sein Wesen, und seinen Willen in seinen Geboten und seinen Absichten für die Gegenwart und die Zukunft kennenzulernen. Diese Linie der prophetischen Sprecher Gottes fand ihren Abschluss in Jesus Christus, dem fleischgewordenen Wort Gottes, der selbst ein Prophet war – mehr als ein Prophet, aber nicht weniger –, und in den Aposteln und Propheten der ersten christlichen Generation. Als Gottes endgültige und auf den Höhepunkt zulaufende Botschaft, als sein Wort an die Welt in Bezug auf Jesus Christus gesprochen und von den Aposteln erläutert worden war, endete die Abfolge der Offenbarungsbotschaften. Von da an sollte die Kirche durch das leben und durch das Gott erkennen, was Gott für alle Zeiten schon gesagt hatte.

Am Sinai schrieb Gott die Bedingungen seines Bundes als sein beständiges Zeugnis auf Steintafeln, damit es stets zugänglich sei. Während der Zeit der prophetischen und apostolischen Offenbarung veranlasste er Menschen, die Botschaft, die er ihnen und durch sie gab, aufzuschreiben, zusammen mit Berichten über sein Handeln mit seinem Volk, mit ethischen Betrachtungen über das Leben in seinem Bund und mit Formen des Lobpreises und der Gebete für die Bundesgnade. Die theologische Wirklichkeit der Inspiration bei der Entstehung der biblischen Dokumente entspricht der Inspiration der gesprochenen Prophetien: Obwohl die Persönlichkeit der menschlichen Schreiber beim Schreiben zum Ausdruck kam, wurden die Worte und Wörter doch von Gott bestimmt. Deswegen gilt: Was die Bibel sagt, sagt Gott, ihre Autorität ist seine Autorität, denn er ist ihr eigentlicher Autor. Er übermittelte sie durch den Geist und die Worte von auserwählten und zugerüsteten Menschen, die in Freiheit und Treue „von Gott redeten, getrieben vom Heiligen Geist” (2Petr 1,21). Die Heilige Schrift muss Kraft ihres göttlichen Ursprungs als Gottes Wort anerkannt werden.

 

1.4.2     Autorität: Christus und die Bibel

Jesus Christus, der Sohn Gottes, der das fleischgewordene Wort, unser Prophet, Priester und König ist, ist der letztendliche Mittler der Botschaften sowie der Gnadengaben Gottes an den Menschen. Die von ihm gegebene Offenbarung geschah nicht nur durch Worte; denn auch durch seine Gegenwart und seinen Taten offenbarte er den Vater. Dennoch waren seine Worte von entscheidender Bedeutung, da er Gott war und im Namen des Vaters sprach, und weil seine Worte alle Menschen am letzten Tag richten werden.

Als der geweissagte Messias ist Jesus Christus das zentrale Thema der Schrift. Das Alte Testament sah ihm entgegen, das Neue Testament schaut auf sein erstes Kommen zurück und seinem zweiten Kommen entgegen. Der biblische Kanon ist das göttlich inspirierte und deswegen normative Zeugnis von Christus. Aus diesem Grund kann keine Hermeneutik akzeptiert werden, in der der historische Christus nicht der Brennpunkt ist. Die Heilige Schrift muss als das behandelt werden, was sie ihrem Wesen nach ist, nämlich das Zeugnis des Vaters von seinem fleischgewordenen Sohn.

Es ist zu erkennen, dass der alttestamentliche Kanon zur Zeit Jesu bereits feststand. Der neutestamentliche Kanon ist nun ebenfalls abgeschlossen, weil heute kein neues apostolisches Zeugnis vom historischen Jesus mehr abgelegt werden kann. Bis zur Wiederkunft Christi wird keine neue Offenbarung (die vom geistgewirkten Verstehen der bereits vorhandenen Offenbarung zu unterscheiden ist), mehr gegeben werden. Der Kanon wurde prinzipiell durch die göttliche Inspiration geschaffen. Die Aufgabe der Kirche war es nicht, einen eigenen Kanon aufzustellen, sondern den Kanon, den Gott geschaffen hatte, festzustellen.

Der Begriff Kanon bezeichnet eine Richtschnur oder Norm und weist auf Autorität hin, also auf das Recht, zu herrschen und zu lenken. Im Christentum gehört die Autorität Gott in seiner Offenbarung. Das meint einerseits Jesus Christus, das lebendige Wort, andererseits die Heilige Schrift, das geschriebene Wort. Die Autorität von Christus und die Autorität der Bibel sind eins. Als unser Prophet hat Christus bezeugt, dass die Schrift nicht aufgelöst werden kann (Joh 10,35). Als unser Priester und König galt sein ganzes irdisches Leben der Erfüllung des Gesetzes und der Propheten, und er starb sogar im Gehorsam gegenüber den Worten der messianischen Weissagungen. So wie er die Schrift als Beglaubigung für sich und seine Autorität sah, beglaubigte er durch seine eigene Unterordnung unter die Schrift ihre Autorität. So wie er sich unter die in seiner Bibel (unserem Alten Testament) gegebenen Weisungen seines Vaters beugte, erwartet er dies auch von seinen Jüngern. Das soll jedoch nicht isoliert vom apostolischen Zeugnis über ihn selbst geschehen, sondern im Einklang mit diesem, dessen Inspiration er durch seine Gabe des Heiligen Geistes bewirkte. Somit erweisen sich Christen dadurch als treue Diener ihres Herrn, dass sie sich unter die göttlichen Anweisungen in den prophetischen und apostolischen Schriften beugen, die zusammengenommen unsere Bibel ausmachen. Indem Christus und die Schrift sich ihre Autorität gegenseitig beglaubigen, verschmelzen sie zu einer einzigen Quelle der Autorität. Der biblisch interpretierte Christus und die Bibel, welche Christus in den Mittelpunkt stellt und ihn verkündigt, sind von diesem Standpunkt aus eins. So wie wir aus der Tatsache der Inspiration schließen, dass das, was die Schrift sagt, Gott sagt, können wir aufgrund der offenbarten Beziehung zwischen Christus und der Bibel ebenso bekennen, dass das, was die Schrift sagt, Christus sagt.

 

1.4.3     Unfehlbarkeit, Irrtumslosigkeit, Auslegung

Es ist angemessen, die Heilige Schrift als das inspirierte Wort Gottes, das autoritativ von Jesus Christus zeugt, als unfehlbar und irrtumslos zu bezeichnen. Diese negativen Begriffe sind von besonderem Wert, weil sie ausdrücklich positive, entscheidende Wahrheiten sichern.

Der Begriff unfehlbar bezieht sich auf die Eigenschaft, dass die Bibel weder in die Irre führt, noch irregeleitet ist und schützt so kategorisch die Wahrheit, dass die Heilige Schrift eine gewisse, sichere und zuverlässige Regel und Richtschnur in allen Dingen ist.

In ähnlicher Weise bezeichnet der Begriff irrtumslos die Eigenschaft, dass die Bibel frei ist von allen Unwahrheiten oder Fehlern, und schützt so die Wahrheit, dass die Heilige Schrift in allen ihren Aussagen vollständig wahr und zuverlässig ist.

Wir bekräftigen, dass die kanonische Schrift immer auf der Grundlage ihrer Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit ausgelegt werden sollte. Wenn wir jedoch feststellen wollen, was der von Gott unterwiesene Schreiber in jedem Abschnitt aussagt, müssen wir dem Anspruch der Schrift und ihrem Charakter als menschlichem Erzeugnis die größtmögliche Aufmerksamkeit widmen. Gott gebrauchte in der Inspiration die Kultur und die Gebräuche der Umwelt des Schreibers, eine Umwelt, über die Gott in seiner souveränen Vorsehung Herr ist. Etwas anderes anzunehmen, heißt falsch auszulegen.

So muss Geschichte als Geschichte behandelt werden, Dichtung als Dichtung, Hyperbel6 und Metapher7 als Hyperbel und Metapher, Verallgemeinerungen und Annäherungen8 als das, was sie sind usw. Unterschiede zwischen den literarischen Konventionen in biblischer und in unserer Zeit müssen ebenfalls beachtet werden: Wenn zum Beispiel nichtchronologische Erzählungen und ungenaue Zitierweise damals üblich und akzeptabel waren und den Erwartungen in jenen Tagen nicht widersprachen, dürfen wir diese Dinge nicht als Fehler ansehen, wenn wir sie bei den biblischen Schreibern finden. Wenn in einer bestimmten Sache vollständige Präzision nicht erwartet oder angestrebt wurde, liegt kein Irrtum vor, wenn sie nicht erreicht worden ist. Die Schrift ist irrtumslos, aber nicht im Sinne einer absoluten Präzision nach modernem Standard, sondern in dem Sinne, dass sie ihre eigenen Ansprüche erfüllt und jenes Maß an gebündelter Wahrheit erreicht, das seine Autoren beabsichtigten.

Die Zuverlässigkeit der Schrift wird nicht dadurch unwirksam gemacht, dass sie Unregelmäßigkeiten der Grammatik oder der Rechtschreibung, Beschreibungen der Natur vom Standpunkt des Beobachters aus, Berichte von falschen Aussagen (zum Beispiel der Lügen Satans) oder scheinbare Widersprüche zwischen zwei Abschnitten enthält. Es ist nicht redlich, die sogenannten „Phänomene“ der Schrift der Lehre der Schrift über sich selbst entgegenzuhalten. Augenscheinliche Unstimmigkeiten sollten nicht ignoriert werden. Lösungen dafür, wenn sie auf überzeugende Art gefunden werden können, werden unseren Glauben stärken. Wo im Moment keine überzeugende Lösung zur Hand ist, sollen wir Gott in besonderer Weise ehren, indem wir seiner Zusicherung vertrauen, dass sein Wort trotz dieser Erscheinungen wahr ist und indem wir weiterhin darauf vertrauen, dass sich diese Unstimmigkeiten eines Tages als bloßer Schein erweisen werden.

Insofern die ganze Schrift nur einem einzigen göttlichen Geist entspringt, muss sich die Auslegung innerhalb der Grenzen der Analogie der Schrift halten und Hypothesen meiden, die einen biblischen Abschnitt durch einen anderen zurechtrücken wollen, ganz gleich, ob dies im Namen fortschreitender Offenbarung oder mit Verweis auf die unvollkommene Erleuchtung der inspirierten Schreiber geschieht.

Obwohl die Heilige Schrift nirgends in dem Sinne kulturgebunden ist, dass ihre Lehren keine universale Gültigkeit besäßen, ist sie doch manchmal von den Bräuchen und den traditionellen Anschauungen einer bestimmten Zeit geprägt, so dass die Anwendung ihrer Prinzipien heute eine andere Handlungsweise erfordert.9

 

1.4.4     Skeptizismus und Kritizismus

Seit der Renaissance und insbesondere seit der Aufklärung wurden Weltanschauungen entwickelt, die Skeptizismus gegenüber grundlegenden christlichen Wahrheiten beinhalten; so etwa der Agnostizismus, der die Erkennbarkeit Gottes leugnet, der Rationalismus, der die Unbegreiflichkeit Gottes leugnet, der Idealismus, der die Transzendenz Gottes leugnet und der Existentialismus, der jede Rationalität in Gottes Beziehung zu uns leugnet. Wenn diese un- und antibiblischen Prinzipien auf der Ebene der Denkvoraussetzungen in die Theologien von Menschen eindringen, was sie heute häufig tun, wird eine zuverlässige Auslegung der Heiligen Schrift unmöglich.

 

1.4.5     Überlieferung und Übersetzung

Da Gott nirgends eine unfehlbare Überlieferung der Schrift verheißen hat, müssen wir betonen, dass nur der autographische Text der Originaldokumente inspiriert ist, weshalb wir an der  Notwendigkeit der Textkritik festhalten als Mittel zum Aufdecken von Schreibfehlern, die sich im Laufe der Textüberlieferung in den Text eingeschlichen haben könnten. Das Urteil dieser Wissenschaft lautet indes, dass der hebräische und griechische Text erstaunlich gut erhalten ist, so dass wir mit gutem Recht mit dem Westminster-Bekenntnis die einzigartige Vorsehung Gottes in dieser Frage bekräftigen und erklären können, dass die Autorität der Schrift in keiner Weise durch die Tatsache, dass die Abschriften nicht völlig ohne Fehler sind, in Frage gestellt wird. In ähnlicher Weise ist keine Übersetzung vollkommen noch kann sie es sein; alle Übersetzungen sind ein zusätzlicher Schritt weg von den Autographen. Die Sprachwissenschaft urteilt jedoch, Christen unserer Tage mit einer großen Zahl von ausgezeichneten Übersetzungen außerordentlich gut versorgt sind und ohne Zögern darauf bauen können, dass das wahre Wort Gottes für sie erreichbar ist. Angesichts der häufigen Wiederholung der wesentlichen Themen in der Schrift, mit denen sie sich beschäftigt und auch aufgrund des ständigen Zeugnisses, das der Heilige Geistes dem Wort und durch das Wort gibt, wird keine ernsthafte Übersetzung der Heiligen Schrift ihre Bedeutung so zerstören, dass sie unfähig wäre, ihre Leser „weise zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus zu machen” (2Tim 3,15).

 

1.4.6     Irrtumslosigkeit und Autorität

Mit unserer Bekräftigung der Autorität der Schrift, die ihre völlige Wahrheit einschließt, stehen wir bewusst mit Christus und seinen Aposteln, ja mit der ganzen Bibel und dem Hauptstrom der Kirchengeschichte von der ersten Zeit bis in die jüngste Vergangenheit in Einklang. Wir sind darüber beunruhigt, mit welcher Gleichgültigkeit, Unachtsamkeit und scheinbaren Gedankenlosigkeit in unseren Tagen so viele eine Glaubensüberzeugung mit so weitreichender Bedeutung preisgeben.

Wir sind uns auch dessen bewusst, dass große und schwerwiegenden Verwirrung die Folge ist, wenn man aufhört, die ganze Wahrheit der Schrift festzuhalten, deren Autorität man anzuerkennen erklärt. Die Folgen dieses Schrittes sind, dass die Bibel, die Gott gegeben hat, ihre Autorität verliert und was stattdessen als Autorität bleibt, ist eine Bibel, die in ihrem Inhalt nach den Forderungen des eigenen kritischen Denkens reduziert worden ist und prinzipiell immer weiter reduziert werden kann, wenn man einmal damit angefangen hat. Das bedeutet, dass im Grunde nun die Vernunft im Gegensatz zur biblischen Lehre die Autorität hat. Wenn man dies nicht erkennt, aber dabei  noch immer grundlegende evangeliumsgemäße Lehren festhält, dann können Leute, die die volle Wahrheit der Schrift verwerfen, noch immer eine evangelikale Identität in Anspruch nehmen, obwohl sie, methodisch gesehen, sich längst von dem evangeliumsgemäßen Prinzip der Erkenntnis zu einem unsicheren Subjektivismus wegbegeben haben  und es schwer finden werden, sich nicht immer weiter davon zu entfernen.

Wir bekennen, dass das, was die Schrift sagt, Gott sagt. Ihm gebührt alle Ehre. Amen, ja Amen.

 

2      Weiterführende Literatur

John Wenham. Jesus und die Bibel. Hänssler: Holzgerlingen, 2000

Stephan Holthaus, Thomas Schirrmacher (Hg.). Der Kampf um die Bibel: 100 Jahre Bibelbund (1894- 1994). Biblia et symbiotica 6. VKW: Bonn, 1994. 168 S. [zugleich Bibel und Gemeinde 94 (1994) 2]

Robert M. Horn. Ein Buch spricht für sich selbst. Verlag der Liebenzeller Mission: Bad Liebenzell, 1979

Armin Sierszyn. Die Bibel im Griff? Historisch-kritische Denkweise und biblische Theologie. R. Brockhaus: Wuppertal, 1978

Friedrich Heitmüller. ‚Das Wort sie sollen lassen stahn’ oder: Und dennoch – Verbalinspiration. Das feste prophetische Wort 2 (1952): 4 (April): 73-88

Francis A. Schaeffer. Die große Anpassung: Der Zeitgeist und die Evangelikalen. Schulte + Gerth: Asslar, 1988 [Engl. The Great Evangelical Disaster. Crossway Books: Westchester (IL), 1984]

David S. Dockery. Christian Scripture: An Evangelical Perspective on Inspiration, Authority and Interpretation. Broadman&Holman: Nashville (TN), 1995

Laird Harris. Inspiration and Canonicity of the Scripture. A Press: Greenville (SC), 1996

John R. W. Stott. Understanding the Bible. Scripture Union: London, 1972 & Regal Books: Glendale (CA), 19721; Zondervan: Grand Rapids (MI), 1979 (seitengleich); 1999. 2. Aufl.

Edward J. Young. Thy Word is Truth. Wm. B. Eerdmans: Grand Rapids (MI), 1984 (Nachdruck von 1957) Harold Lindsell. The Battle for the Bible. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1978. 2. Aufl.

Carl F. H. Henry. God Who Speaks and Shows. God, Revelation and Authority Bd. 4. Word: Waco (TX), 1979 Wayne Grudem. Systematic Theology. IVP: Leicester (GB) & Zondervan: Grand Rapids (MI), 1994. S. 21-140

Gordon R. Lewis, Bruce A. Demarest. Integrative Theology: Historical – Biblical – Systematic – Practical. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1996. S. 93-171

 

Nachfolgende Titel beschäftigen sich mit der Inspiration und Hermeneutik der Heiligen Schrift. Alle angeführten Autoren vertreten die Überzeugung von der Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel.

Archer, Gleason L. Encyclopedia of Bible Difficulties. Grand Rapids: Zondervan, 1982.

Bibeltreue in der Offensive: Die Drei Chicago-Erklärungen zur biblischen Irrtumslosigkeit, Hermeneutik und Anwendung. Hg. Thomas Schirrmacher. Biblia et Symbiotica. Bd. 2. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1993.

Biblical Errancy: Its Philosophical Roots. Hg. Norman L. Geisler. Grand Rapids: Zondervan, 1981.

Can we trust the Bible? Leading Theologians Speak out on Biblical Inerrancy. Hg. Earl Radmacher. Wheaton: Tyndale, 1978.

Challenges to Inerrancy. Hg. Gordon Lewis/ Bruce Demarest. Chicago: Moody, 1984.

Die Unfehlbarkeit der Bibel. Hg. James M. Boice. Asslar: Schulte & Gerth, Riehen (CH): Immanuel, 1987 (amerik.: 1978).

Evangelicals and Inerrancy. Hg. Ronald Youngblood. Nashville: Thomas Nelson, 1984.

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  1. Chicago- Erklärung zur biblischen Hermeneutik, 1982; CE 2 zur Hermeneutik 

  2. Chicago-Erklärung zur biblischen Anwendung, 1986. CE3 zur Anwendung Der vollständige Text aller drei Erklärungen wurde von Thomas Schirrmacher übersetzt. und findet sich in Thomas Schirrmacher (Hg.). Bibeltreue in der Offensive. VKW: Bonn, 1993 (Auslieferung: Hänssler Verlag). Als PDF zu laden: http://www.bucer.de/ressource/details/bibeltreue-in-der-offensive-1.html

  3. Wörtlich: bekräftigt, bestätigt. „To affirm” wird entsprechend dem historischen Gebrauch in deutschen Bekenntnistexten in dieser Übersetzung immer mit „bekennen” wiedergegeben 

  4. Gemeint ist nur die erste der drei Chicago-Erklärungen. 

  5. D.h. Übertreibung zum Zweck der Verdeutlichung 

  6. D.h. Übertreibung zum Zweck der Verdeutlichung 

  7. D.h. bildlicher und übertragener Ausdruck 

  8. D.h. etwa durch Auf- und Abrunden von Zahlen 

  9. Samuel R. Külling fügt in seiner Übersetzung die folgende Anmerkung hinzu: „Dieser Satz kann in seinen Konsequenzen bedenklich sein, was ist ‘kulturgebunden’ oder ‘kulturell bestimmt’? Allzu leicht und allzu schnell könnte man dann von ‘zeitbedingten’, ‘kulturell bedingten’, ‘überholten’ Vorstellungen in der Bibel sprechen.” (Külling, Das Anliegen des ICBI, die Chicago-Erklärung und wir. In: Bibel und Gemeinde 79 (1979) 1, S.15).