Die Mischna ist der frühere Teil der mündlichen jüdischen Überlieferungen, die später verschriftlicht und schließlich auch in den Talmud integriert wurden. Da die Verschriftlichung erst um ca. 200 n.Chr. abgeschlossen war, spiegeln etliche Teile der Mischna ältere Traditionen wider, die auch schon im 1. Jh. n. Chr. gängige Praxis waren und damit interessante Hintergründe zum Neuen Testament liefern. In diesem Band hat der Neutestamentler Jacob Thiessen sich in einer beeindruckenden Tiefe mit der hebräischen Mischna auseinandergesetzt und aus der Durchsicht des ganzen Textes die Stellen zusammengestellt, die als Parallelen, Hintergründe oder Kontraste zu neutestamentlichen Stellen relevant sind.
Thiessen, Jacob: Die jüdische Mischna und das jüdische Neue Testament. Parallelen und Unterschiede. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2025. 438 S. Paperback: 38,00 €. ISBN: 978-3-374-07901-8
Das Buch behandelt in einer thematischen Gliederung verschiedene Aspekte der Mischna, wie etwa die Sicht auf Gott, die heiligen Schriften, Sabbat, Tempel, die messianische Zeit oder den Umgang mit praktischen Fragen wie Scheidung, Reinigung oder Opfer. Ein Bibelstellenregister ermöglicht es, Stellen im Neuen Testament mit den Sichtweisen der Mischna zu vergleichen. Der Band ist damit eine wertvolle Sammlung solcher Themen, die sowohl in der Mischna als auch im Neuen Testament genannt werden. Die Art der Zusam-menstellung und der Detailgrad der dabei verfolgten Aspekte ist einzigartig und macht das Buch zu einer wertvollen Fundgrube. Allerdings kommt dabei die Diskussion zu der Frage, welche der genannten Stellen der Mischna für die Zeit des Neuen Testaments bereits Geltung hatten und welche der Überlieferungen Rückprojektion aus späterer Zeit sind, zu kurz oder wird gar nicht verfolgt. Insofern sollte man den Band eher als komprimierte Darstellung zu verschiedenen Themen der jüdischen Überlieferung verstehen, die aber nicht dazu verführen darf, die Mischna unkritisch mit der jüdischen Praxis zur Zeit Jesu gleichzusetzen.