Moussa Afschar, ein Kenner des Islam, der schon mehrere Bücher zur islamischen Religion veröffentlicht hat, legt in fünf Kapiteln dar, wie Jesus im Islam gesehen wird. Im ersten Kapitel beschreibt der Autor, wie und warum sich die anfängliche Hochachtung Mohammeds gegenüber Christen mit der Zeit in Hass und Feindschaft veränderte. Anschließend untersucht Afschar, was der Koran über Jesus lehrt. Dabei wird deutlich, dass Jesus nicht als Sohn Gottes akzeptiert, sondern nur als Prophet gesehen wird. Auch starb Jesus laut Koran nicht am Kreuz. Von Sündenvergebung durch das Blut Jesu weiß der Koran nichts.
Afschar, Moussa: Jesus, wie ihn der Islam sieht. Eine beispiellose Verfälschung. Stuttgart: Martin-Blaich-Verlag 2023. 99 S. Pb: 9,95 €. ISBN: 978-3-9816374-3-4
Im dritten Kapitel geht Afschar auf die Sprüche Mohammeds ein, die außerhalb des Korans in der mündlichen Überlieferung existieren und zu Jesus Stellung nehmen. Muslime lesen diese Spruchsammlungen mit großer Ehrfurcht und stellen sie dem Koran nahezu gleich. Das Bild, das diese Sprüche von Jesus zeichnen, hat mit dem biblischen Jesus kaum etwas zu tun. So will Mohammed angeblich Jesus an der Kaaba begegnet sein; er beschreibt Jesus als einen Mann mit einer Haarlocke, „die bis zu seinen Füßen hinunterhing.“ (S. 48) An anderer Stelle behauptet Mohammed, Jesus werde wiederkommen und „alle Kreuze zerbrechen und die Schweine töten“ (S. 53). In Kapitel 4 beschreibt Afschar, wie Jesus in den Prophetengeschichten des Volksislam dargestellt wird. Da die meisten Muslime den Koran auf Arabisch nicht lesen können, begnügen sie sich mit den Sprüchen Mohammeds und mit den Propheten–geschichten. Diese Geschichten, die der Autor als „Volksmär–chen“ (S. 63) charakterisiert, sind voll von Wundern, die Jesus getan haben soll. Im abschließenden fünften Kapitel wird dargelegt, wie heutige Muslime Jesus sehen. Es gibt kein in allen Einzelheiten einheitliches Bild von Jesus unter den Muslimen des 21. Jahrhunderts. Aber in den entscheidenden Fragen stimmen sie überein: Jesus ist nur ein Prophet und nicht der Sohn Gottes; Mohammed hat Jesus als Prophet abgelöst, so wie der Islam das Christentum und der Koran die (angeblich verfälschte) Bibel abgelöst haben. Weiterhin halten muslimische Gelehrte einmütig daran fest, dass Jesus nicht gekreuzigt wurde und nicht am Kreuz gestorben ist, sondern von Allah emporgehoben wurde. Der Autor hat daher Recht, wenn er davon spricht, dass das Bild Jesu im Islam in allen entscheidenden Punkten nicht mit dem Neuen Testament übereinstimmt und somit verfälscht worden ist.
Afschars Büchlein ist gut recherchiert und seine Behauptungen sind mit Koranstellen sowie Zitaten islamischer Gelehrter ausführlich belegt. Wer sich ein Bild über das islamische Verständnis von Jesus machen möchte, erhält hier eine sachliche und leicht verständliche Einführung.