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Pressemitteilung zum Buch „Rechter Glaube“

In diesem Jahr 2026 wurde Jan Christian Pinsch mit seiner Arbeit „Rechter Glaube“ an der Universität Paderborn zum Doktor der Philosophie promoviert. In der Studie geht es um die angeblich „menschenverachtenden“ und „demokratie­gefähr­denden“ Tendenzen bibeltreuer Chris­ten im Kreis Lippe, wo viele gläubige Spätaussiedler ihre Heimat haben. Die Lippische Landeskirche nutzte die Unter­suc­hung zu einem Symposium, das über die Gefahr informieren sollte, die vorgeblich von Teilen evangelikaler Christen in Lippe ausgeht (9. Juli 2026).

Durchaus berechtigt benennt Christian Pinsch in seiner Doktorarbeit öffentliche Aussagen evangelikaler Christen, die für die AfD werben, Verschwörungserzählungen verbreiten, Homosexuellen und Muslimen mit verbaler Verachtung begegnen. Allerdings stammt ein großer Teil der von Pinsch genannten Personen nicht aus dem Lippischen. Außerdem ist der Einfluss dieser Meinungsäußerungen auf lippische Gemeinden wohl eher gering.

Es ist anzuerkennen, dass Pinsch in seiner Doktorarbeit die gesell­schaftliche Bedeu­tung evangelikaler Christen würdigt und den Bibelbund als deutschlandweit wichtigen Vertreter bibeltreuen Glaubens ausdrücklich benennt. Deutlich zurückgewiesen werden muss jedoch die Verbindung des Bibelbundes mit Rechtsextremismus und menschenverachtenden Ideologien, wie sie in der Arbeit nahegelegt wird. Versteht man unter „rechtem Glauben“ den „richtigen Glauben“, trifft Pinschs Aussage hoffentlich auf den Bibelbund zu. Umfasst diese Formulierung aber auch den rechtsex­tremen, politisierten Glauben, muss seine – in wissenschaftlichem Gewand vorgebrachte – Anschuldigung deutlich zurückgewiesen werden.

Für Pinsch ist der politisch „rechte“ Glaube vor allem mit der Verbreitung von Verschwörungserzählungen, einer radikalen Ablehnung staatlicher Coronamaß­nah­men, Antisemitismus, dem Schüren von Hass gegenüber Homosexuellen und Muslimen verbunden. Wie der Autor zutreffend in seiner Arbeit belegt, trifft keine der genannten Aspekte auf den Bibelbund zu. Deshalb muss dagegen protestiert werden, dass in einer von der Universität Paderborn akzeptierten Doktorarbeit der Bibelbund nur aufgrund einer ähnlichen evangelikalen Überzeugung in eine Linie mit christlichen Organisationen und Einzelpersonen gestellt wird, denen man die Verbreitung von Verschwörungserzählungen, Homophobie, Islamhass und Parteiwerbung vermutlich vorwerfen könnte.

Der Bibelbund erhebt deshalb Einspruch dagegen, in der Öffentlichkeit mit „Men­schen­verachtung“ und „Demokratie­feind­lichkeit“ in Verbindung gebracht zu werden. Der Bibelbund konzentriert sich auf theologische Fragen wie die Erklärung der Bibel, die Widerlegung unbegründeter Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des Wortes Gottes, auf praktische Hilfen zum Glaubensleben und auf die Anwendung der Bibel für die Orientierung in einer postmodernen Welt.

Der Bibelbund kämpft in diesem Zusam­men­hang auch gegen menschenverachtende Tendenzen in der Gesellschaft. Dazu gehören unter anderem die mangelnde Berücksichtigung des Interesses der ungeborenen Kinder bei Ab­trei­bungen; die Diskriminierung von Behin­derten; die menschenverachtende Ein­ord­nung alter und kranker Menschen in den Diskussionen um „Sterbe­hilfe“; die kontinuierlich steigende Zahl von Hassverbrechen gegen Christen in Deutschland und Europa; das Verbot seelsorgerlicher und medizinischer Hilfe, wenn jemand bestimmte sexuelle Empfindungen entsprechend eigener ethischer Überzeugungen verändern will; die Unterdrückung von Christen in vielen Ländern der Erde; politische Ideologisierungen, ganz gleich von welcher Seite; die Verführungen durch Verschwörungserzählungen; das Vor­ent­halten oder die Diffamierung biblischer Orientierung in öffentlich-rechtlichen Medien, Gesellschaft und Bildung; die Reduzierung und damit Ver­armung des Menschen als rein materielles bzw. diesseitiges Wesen. Solche Aspekte von Menschenverachtung bespricht Christian Pinschs Arbeit allerdings nicht.

Die wenig differenzierten Verdächti­gun­­­­gen bibeltreuer Überzeugungen, unter anderem beim Bibelbund und bei russlanddeutschen Gläubigen, als potenziell rechtsextrem, menschenverachtend und demo­kratiegefährdend, müssen scharf zurück­­gewiesen werden. Akademisch gefasste Pauschalverurteilungen, wie Pinsch sie stellen­weise in seiner Doktorarbeit nahe­­legt, müssen wohl als weltanschaulicher Populismus gewertet werden, der bereits vorhandene Feind­bilder gegen evangelikale Christen fördern soll. Ähnlich ist das von der Lippischen Landeskirche veranstaltete Sym­posium zu „rechtem Glauben“ einzuordnen, auf dem neben Pinsch lediglich eine Filmemacherin referierte, die als ausgewiesene Kritikerin evangelikaler Christen bekannt geworden ist.

Michael Kotsch

Vorsitzender des Bibelbund e.V.