Was kommt wohl dabei heraus, wenn Wissenschaftler drei Jahre lang intensiv erforschen, wie es sein konnte, dass nach dem Tod von Jesus Christus sich der christliche Glauben innerhalb weniger Jahrzehnte und dann über Jahrhunderte im ganzen Römischen Reich ausbreitete? Das konnte man jetzt bei der Vorstellung eines Forschungsberichts beobachten. Der leitende Wissenschaftler, Prof. Jan Rüggemeier von der Universität in Bonn, hat sich auch in einem Interview auf ZEIT-Online1 darüber geäußert und gemeint: „Der Erfolg des Christentums bleibt ein Mysterium“.
Er wird gefragt, wie „die Apostel, schockiert von Christi Tod, auf die Idee kamen, missionierend auf beschwerliche Reisen zu gehen“. Seine Antwort spricht von seiner wissenschaftlichen Ratlosigkeit: „Wie es ihnen gelungen ist, die Hinrichtung der zentralen Figur umzudeuten und mit einer Jenseitshoffnung zu verknüpfen, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.“ Aber damit ist das große Rätsel noch nicht ausreichend beschrieben. Die Römer interessierten sich in ihrer Religiosität nämlich gar nicht so richtig für das Jenseits. Ganz wie heute waren die Menschen mehr an Wohlstand, Hilfe in Krankheit oder Not im Hier und Jetzt interessiert, meint er. Dazu verehrten sie ihre Götter, von denen sie auch kleine Statuen in ihren Wohnungen hatten. Doch damit nicht genug. Warum eigentlich machten sich die Christen auf und wurden missionarisch so aktiv, wo das Judentum gar keine missionarische Religion war und der christliche Glaube doch genau genommen zuerst einmal eine jüdische Sekte? Dann ist da dieser Jude Paulus, der vor allem mit „theologischen Unterweisungen“ missioniert, was die Menschen damals auch nicht gewohnt waren.
Der Forscher erkennt zwar gewisse Vorteile dieser Religion, die die Ausbreitung vielleicht begünstigt haben könnten: Christlicher Glaube brauchte keine Tempel und war ortsunabhängig. Außerdem sieht er eine „Liebesideologie“ im Vordergrund, die vielleicht für die Benachteiligten in den Städten interessant gewesen sein mag. Vielleicht waren auch die Geschichten über diesen Jesus beeindruckend, die sich nach seiner Überzeugung die christlichen Missionare allerdings ausgedacht hatten. Und dann blieb immer noch diese „umständliche Geschichte“ von Gott, der Mensch wurde und dem Sohn Gottes, der sich kreuzigen ließ, um die Sünden der ganzen Menschheit zu überwinden. Rüggemeier erwägt, dass es vielleicht die Bilder von der Befreiung aus der Sklaverei (der Sünde) oder das Sterben als Einpflanzen eines Samens waren, die anziehend wirken konnten. Aber vielleicht war es auch die Nutzung von Schriften in Büchern und Briefen. Nur bleibt das alles vage Vermutung.
Die Forschungsgruppe stellte sich die Frage: „Was wäre, wenn damals jemand gesagt hätte: Ich erfinde jetzt eine neue Religion – und ich will, dass sie erfolgreich wird?“ Sie sind sich einig, dass Jesus oder die ersten Christen alles falsch gemacht haben. Niemand hätte sich vernünftigerweise eine solche Religion ausgedacht und sie mit dieser Botschaft verbunden. Aber die „Kreativität“ der Christen beeindruckt doch ein bisschen: „Für mich ist beeindruckend, wie flexibel und kreativ die Gläubigen der ersten Jahrhunderte waren: Ihr Anführer starb einen schändlichen Tod, und sie überzeugten mit einer umgedeuteten Freudenbotschaft.“ Der Forschungsleiter findet es „atemberaubend“, wie man aus einem „mittelständischen Handwerkersohn“ eine „königliche Endzeitgestalt“ mit Göttlichkeit geformt hat. Sein Fazit: „Wir können heute Deutungsversuche anbieten, aber der Erfolg des Christentums bleibt letztlich ein Mysterium“.
Das größte Problem dieses Forschers ist, dass er die Evangelien und die Apostelgeschichte zwar gelesen hat, aber er hat beschlossen, dass er den klaren Aussagen dort nicht vertrauen will. Und so muss er das wunderbare Wirken Gottes erklären, aber zugleich Gottes wunderbares Wirken bei seinen Erklärungsversuchen ausschließen. Nur geht das nicht. Ohne das Wunder der Gottessohnschaft von Jesus, seine Auferstehung von den Toten und das Wunder der Ausgießung des Heiligen Geistes kann das Christentum nicht erklärt werden. Wenn es gar keine Wunder von Jesus gab, könnten erfundene Wundergeschichten sie dann ersetzen? Und könnten diese „Märchen“ dann eine solche Wirkung entfalten, dass aus einem Handwerker ein göttlicher Retter wird? Diese Wissenschaft hat etwas Absurdes.
Wir haben es heute allerdings auch damit zu tun, dass selbst manche Christen anfangen zu denken, dass es ihr eigener Glaube, ihre Vorstellungskraft oder ihre persönliche Geschichte wäre, die ihr Christsein geformt hätte. Als Paulus dem Timotheus die Menschen der letzten Zeit beschreibt, da steht neben anderem wenig Schmeichelhaftem auch, dass sie die „Kraft“ echter Gottesverehrung leugnen (2Tim 3,5). Es liegt nämlich eine wunderbare Kraft darin, dem wahren Gott und seinem Sohn Jesus Christus zu glauben und ihm mit dem ganzen Leben zu folgen. Es ist eine Kraft, die das Leben grundlegend ändert. Es ist, wenn wir dem Neuen Testament folgen, nicht so schwer zu erklären, wie der christliche Glaube so erfolgreich sein konnte. Da ist zuerst das Wirken von Jesus Christus selber. Er ist auferstanden und lebt und baut seine Gemeinde als ihr Herr. Das tut er aber mit seinen Nachfolgern, denen er eine Botschaft gegeben hat, die zwar „den Nichtjuden eine Dummheit“ zu sein scheint, aber die die Kraft der Wahrheit Gottes in sich trägt (1Kor 1,23-24 und 2,1-5). Die Wahrheit des Evangeliums verändert offenbar auch die Glaubenden, sodass sie Botschafter mit ihrem ganzen Leben sind. Das sind sie nicht, weil sie jetzt gar nicht mehr sündigen würden, sondern weil sie selbst von der Botschaft der Vergebung leben. Das lässt dann auch die Frucht des Heiligen Geistes bei ihnen wachsen (Gal 5,22), die nach außen ein weiteres starkes Argument für die Botschaft ist.
Natürlich muss man sich die Kontrollfrage stellen, warum sich etwa andere Religionen ausgebreitet haben. Der Islam etwa enthält viele Absurditäten und Widersprüche, ist aber in seiner Grundlage als Religion, die eine Möglichkeit anbietet, sich Heil oder Erlösung durch bestimmtes Verhalten zu erarbeiten, ansprechend. Nur gilt das für die meisten Religionen außer dem christlichen Glauben. Die Ausbreitung des Islam geht in seiner gesamten Geschichte offenbar deutlich auf Krieg und Gewalt zurück. Seit seinem Anfang und in Afrika bis heute werden erst Länder und Völker militärisch besiegt und dann der Islam eingeführt. Moderne Religionen machen oft Versprechungen, etwas zu bieten, wonach sich alle Menschen mehr oder weniger sehnen: innere Ausgeglichenheit oder Friede, Wohlstand und Zufriedenheit. Wieder zeigt sich, dass auch in dieser Hinsicht der biblische Glaube anders ist. Er lehnt jeden Druck ab, weil der Glaube eine innere Überzeugung sein muss und nicht nur die Anpassung von äußerem Verhalten. Der biblische Glaube macht auch keine kurzfristigen Versprechungen. Eher klärt er darüber auf, dass die Nachfolge Christi Ablehnung durch die Umgebung mit sich bringen kann oder sogar Verfolgung.
Die Kraft des Glaubens an Christus muss von Jesus Christus selbst stammen. Er wirkt als der lebendige Herr, baut seine Gemeinde, leitet seine Nachfolger. Christus ist selber das Haupt seiner Gemeinde, die sein Leib hier auf der Erde ist (Eph 1,22-23).
https://www.zeit.de/2026/06/aufstieg-christentum-roemisches-reich-paulus-jesus ↩