Kein Christ möchte gern Spalter sein. Lieber wollen wir versöhnen und zum Frieden beitragen. Christus hat doch die Friedensstifter glückselig genannt. Die biblische Ermahnung, die christliche Einheit zu bewahren, ist eindeutig (Röm 15,5-7). Wir sollen einmütig miteinander unterwegs sein. Wo das nicht möglich scheint, soll einer den anderen höher achten als sich selbst (Phil 2,1-5). Aber dann steht man plötzlich doch als Spalter da, der die Gemeinschaft der Geschwister gefährdet. Wie kam das nur?
Ein Beispiel: In einem Gemeindeverband pflegten die örtlichen Gemeinden nicht nur den gleichen biblischen Glauben. Sie hatten auch in manchen aktuellen Fragen über der offenen Bibel um eine Position gerungen, sie miteinander formuliert und sogar auf Papier festgehalten. Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen und ein paar Verantwortliche denken anders und „weiter“. Sie sehen das alte Papier als „historisches Dokument“, das ins Archiv gehört. Die Zeiten haben sich geändert und die Ansichten mit ihnen. Das verkündigt man nun allen. Da kommt aus einer Gemeinde die Nachfrage, wie es denn um die alten Beschlüsse stehe und wer, ohne zu fragen, die Neuerungen eingeführt hat. Zumal es doch um Sachverhalte gehe, bei denen die Bibel klar rede. Die Gemeinde bekommt eine heftige Retourkutsche: Wie man sich einfallen lassen könne, die alten Beschlüsse zu einem Gesetz der Meder und Perser zu machen. Wie man überhaupt ein solches Misstrauen gegen die Geschwister haben könne, dass die etwas Unbiblisches tun könnten. Man habe doch die Bibel in den Statuten und „orientiere“ sich an ihr. Es sei lieblos, wenn man nicht einsehe, dass es nun mal verschiedene Erkenntnisse gebe und wir alle „einander den Glauben glauben“ müssten, um die Einheit zu bewahren. Jetzt sind nicht mehr die die Spalter, die neue Lehren einführen, sondern diejenigen, die an alten Überzeugungen festhalten wollen.
In der Bibel gehört zur Bewahrung der Einheit neben Sanftmut, Geduld und Liebe auch das Beharren bei dem, was wir einmal aus Gottes Wort gelernt haben (2Tim 3,13-17; Heb 13,9). Der Mensch ist in seiner Natur nämlich wankelmütig. Er kann leicht von jedem Wind der Lehre zu etwas getrieben werden, was ihm angenehmer klingt als Gottes Wort (Eph 4,13-14; 2Tim 4,3-4). Neuer muss nicht besser sein; manchmal ist es nur anders, manchmal aber auch schlechter. In der Gemeindelandschaft gab es über Jahrhunderte immer Änderungen. Zeitweise saß der Prediger und die Gemeinde stand im Gottesdienst. Heute ist es umgekehrt. Aber der Prediger sollte deswegen – sitzend oder stehend – immer noch das gleiche Wort Gottes predigen. Wenn man über die Körperhaltung streitet, wird man unter Umständen zum Spalter. Wenn man aber für die Treue zu Gottes Wort streitet, dann schafft man Frieden und nicht Unfrieden. Denn die Behauptung „Friede! Friede!“, wo kein Friede ist, treibt auseinander. Das gemeinsame Forschen in der Schrift, wie es sich genau verhält, führt Christen zueinander. Denn hier hören sie gemeinsam auf ihren Herrn Jesus Christus. Sie beugen sich miteinander vor ihrem Gott und geben ihm die Ehre, weil sein Wort immer höher steht als ihre Meinungen und Erkenntnisse. Aus dieser Haltung heraus sind sie auch in der Lage, sich einander in Liebe zuzuwenden (Kol 3,12-16).