Es ist recht interessant, das Buch des Propheten Amos zu lesen. Und offensichtlich wollte Gott das auch, denn er sorgte dafür, dass es in die Bibel kam. Die Botschaft ging also nicht nur an die Leute, die in den Monaten lebten, in denen Amos seinen Auftrag erfüllte, sondern auch an uns heute, mehr als 2780 Jahre später.
Nachdem Amos kurz vorgestellt wird: Schafhirt aus Tekoa. Das liegt südlich von Jerusalem, eine halbe Tagereise entfernt. Seine Botschaften erhielt er von Gott. Auszurichten waren sie im Nordreich Israel, das damals von Jerobeam II. erfolgreich regiert wurde. Den Leuten dort ging es ziemlich gut. Es war ungefähr so, als wäre ich aus der damaligen DDR in die BRD geschickt worden, um den reichen Wessis die Leviten zu lesen.
Amos begann sehr deutlich und war sich dabei der Gegenwart Gottes bewusst.
Am 1,2 Amos sagte: Jahwe brüllt von Zion her, / aus Jerusalem schallt seine Stimme. / Da vertrocknen die saftigen Weiden, / selbst der Gipfel des Karmel verdorrt. NeÜ
Gott war wirklich zornig über Israel und schickte den Schafhirten los, um diese Leute dort zur Umkehr zu bringen. Aber wie soll das gehen? Wie bekommt man Vollmacht, Menschen zur Umkehr zu rufen, Menschen, die sich bei allem Übermut auch noch für fromm halten? Unser Thema heißt:
Auftrag und Bevollmächtigung
Wir wollen dabei Amos in seinem Wirken beobachten, vor allem in Kapitel 7, und von ihm lernen, wie das bei uns sein könnte. Wir wissen zwar nicht genau, in welcher Reihenfolge Amos seine Botschaften ausrief, aber für uns wird erst einmal folgendes klar:
Amos sollte Gottes Wort im Nordreich Israel weitergeben, und am Anfang hörten ihm die Leute offenbar ganz gern zu. Wir lesen jedenfalls von keiner negativen Reaktion. Seine erste Botschaft betraf nämlich Damaskus, die Hauptstadt der Syrer (1,3-5) im Nordosten von Israel. Anschließend sagte er etwas gegen die Philister in Gaza, Aschdod, Aschkelon und Ekron südwestlich von Israel (1,6-8). Dann ging es gegen Tyrus im nördlichen Phönizien (1,9-10), dann gegen die Edomiter (immerhin ein Brudervolk ganz im Süden 11-12), dann gegen die Nachkommen Ammons im Nordosten (13-15). Schließlich die Moabiter östlich vom Toten Meer (2,1-3) und dann sogar das Südreich Juda (4-5), aus dem Amos gekommen war.
Das gefiel den Israeliten im Nordreich offenbar ganz gut. Denn wenn das Gottesgericht die Feinde treffen würde oder die ungeliebten Nachbarn, dann blieben sie ja verschont. Dieser Amos war für sie also ein guter Prophet. Aber die Einschläge rückten immer näher heran.
Denn die Fehler und Sünden der anderen fallen uns immer zuerst auf und besonders dann, wenn sie uns ärgern. Und manchmal ertappen wir uns bei solch unchristlichen Gedanken: Die haben es ja verdient, dass Gott sie bestraft.
Ich denke, auch wir können das gut verstehen. Denn die Fehler und Sünden der anderen fallen uns immer zuerst auf und besonders dann, wenn sie uns ärgern. Und manchmal ertappen wir uns bei solch unchristlichen Gedanken: Die haben es ja verdient, dass Gott sie bestraft.
Für das Nordreich Israel wurde es dann aber ungemütlicher, denn ab Kapitel 2,9 traf es sie selbst, sogar ihre Hauptstadt Samaria (ausführlicher ab 3,9). Und das Feuer rückte noch näher heran, nämlich gegen ihre Wallfahrtsorte, ihre heiligsten Stellen, nämlich in Bet-El, wo Jerobeam I. 170 Jahre vorher eine Art goldenes Kalb und einen großen Altar aufgestellt hatte. Natürlich sollte das nichts Heidnisches sein, sondern ein Abbild für Gott. So bildeten sie es sich jedenfalls ein (Jer 48,13).
Ein anderer dieser Orte war Gilgal in der Nähe von Jericho, wo sie in dem Steinkreis dort vielleicht sogar eine richtig heidnische Kultstätte aufgebaut hatten.
Am 4,4-5 4 „Geht nach Bet-El und übt Verbrechen, / nach Gilgal und sündigt noch mehr! / Bringt eure Schlachtopfer am nächsten Morgen, / euren Zehnten am übernächsten Tag! 5 Verbrennt als Dankopfer gesäuertes Brot, / ruft zu freiwilligen Opfern auf / und lasst es alle hören! / So liebt ihr es doch, ihr Israeliten!“, / sagt Jahwe, der Herr. NeÜ
Und dann traf es noch einmal ihre Hauptstadt auf dem Berg von Samaria, wo der König residierte und die Einwohner es sich besonders wohl gehen ließen (so ab Kapitel 6,1). Der Prophet richtete seine Botschaft überall aus. Jetzt freuten sie sich nicht mehr, aber sie ließen ihn reden.
Am 6,3-5 3 Ihr wollt den Tag des Unglücks verdrängen / und fördert die Herrschaft der Gewalt. 4 Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein / und räkelt euch auf Ruhepolstern. / Ihr verschlingt die Lämmer von der Herde weg, / die Kälber aus dem Maststall. 5 Ihr grölt zum Harfengeklimper, / wollt Lieder erfinden wie David. NeÜ
Das ändert sich in Kapitel 7. Hier müssen wir genauer hinschauen und wollen es Stück für Stück lesen.
Amos Berufung
Es ist gut denkbar, dass mindestens die erste der drei Visionen, die der Prophet hier beschreibt, die Berufungsvision für Amos gewesen war.
Am 7,1-3 1 So hat mich Jahwe, der Herr, schauen lassen: Ich sah, wie er einen Heuschreckenschwarm schuf. Es war in der Zeit, als das Gras für den König gemäht worden war und das Spätgras zu wachsen begann. 2 Als die Heuschrecken das Kraut im ganzen Land abgefressen hatten, sagte ich: „Herr, Jahwe, vergib doch! Wie kann Jakob sonst überleben? Es ist ja so klein.“ 3 Da hatte Jahwe Mitleid darüber. „Es soll nicht geschehen!“, sagte er.
Amos sah, wie Gott einen Heuschreckenschwarm erschuf und zwar zu der Zeit, als das Volk am verwundbarsten war. Die erste Ernte gehörte nämlich ganz dem König. Und wenn jetzt die fürchterlichen Heuschrecken kämen und alles Grüne wegfressen würden, dann gab es für das Volk auch keine zweite Ernte mehr. Gegen Heuschrecken konnte man gar nichts machen. In der Vision fraßen sie alles Kraut im Land ab.
Amos wusste, wenn das wahr würde, wäre Israel verloren. „Herr, Jahwe, vergib doch! Wie kann Jakob sonst überleben? Es ist ja so klein.“ Amos nannte die arroganten und störrischen Israeliten hier Jakob, als ob er Gott an den Erzvater des Volkes erinnern und ihn gnädig stimmen wollte.
Jahwe atmete schwer, seufzte tief. Es kommt Gott schwer an, zu vergeben. Seine Gerechtigkeit drängt ihn, zu strafen. Aber er tut es auf Bitte des Propheten nicht.
Und tatsächlich hatte Jahwe Mitleid mit ihm. Wörtlich: Jahwe atmete schwer, seufzte tief. Es kommt Gott schwer an, zu vergeben. Seine Gerechtigkeit drängt ihn, zu strafen. Aber er tut es auf Bitte des Propheten nicht.
In Amos‘ Bitte kommt die Haltung eines echten Propheten zum Ausdruck. Es tut ihm leid um dieses frömmelnde, aber tief unmoralische Gottesvolk. Und er betete für sie!
4 Dann hat mich Jahwe, der Herr, Folgendes schauen lassen: Jahwe, der Herr, rief das Feuer zum Gericht herbei, das alles Wasser aufzehrte. Als es auch das Ackerland fressen wollte, 5 rief ich: „Herr, Jahwe, halte doch ein! Wie kann Jakob sonst überleben? Es ist ja so klein.“ 6 Da hatte Jahwe Mitleid mit ihm. „Auch das soll nicht geschehen!“, sagte Jahwe, der Herr.
Ob Amos die beiden Visionen im Nordreich Israel erzählt hat, wissen wir nicht. Aber wir sollten sie lesen, denn sie zeigen die geistliche Grundlage seiner Vollmacht. Amos möchte, dass Gottes Volk überlebt, dass es zu dem lebendigen Gott umkehrt und dann auch so lebt, wie Gott es will.
Ein Feuergericht Gottes sollte über die Abtrünnigen kommen. Ein Inferno, das selbst das Grundwasser aufzehrt. Das würde das Land vernichten. Und wieder hatte Amos Gott dringend gebeten, das nicht zu tun. Wohlgemerkt: Es handelte sich nicht um sein Heimatland, sondern um das Land der in mehrfacher Hinsicht abgefallenen zehn Stämme Israels.
So ähnlich betete Abraham für seinen Neffen Lot und die Stadt Sodom. So betete auch Mose für das Volk Israel, als es schon damals ein goldenes Kalb als Symbol für Gott angefertigt hatte und eine wilde Fete feierte. Nur aus solcher Gebetshaltung heraus entsteht Vollmacht. So war es auch bei Amos.
Gott musste das Volk wegen seiner Sünde bestrafen, aber er hatte noch einmal auf das Gebet des Propheten gehört.
Strafe nicht abwendbar
Doch die dritte Vision zeigte Amos, dass das Gericht über Israel unabwendbar war. Und diese Schau hatte Amos mit Sicherheit öffentlich in Bet-El verkündigt.
7 Dann ließ er mich Folgendes sehen: Der Herr stand auf einer senkrechten Mauer und hatte ein Lot in der Hand. 8 Und Jahwe sagte zu mir: „Was siehst du, Amos?“ – „Ein Lot“, sagte ich. Da sagte der Herr: „Pass auf! Ich lege ein Lot an mein Volk Israel an, ich werde es nicht mehr verschonen. 9 Dann werden die Opferhöhen Isaaks veröden, und die Heiligtümer Israels Trümmer sein. Und gegen das Königshaus Jerobeams erhebe ich mich mit dem Schwert.“
Ein Lot ist eine Schnur mit einem Bleigewicht am Ende, wie sie von Bauleuten benutzt wurde, um die Mauer senkrecht zu bauen. Beim Volk Israel war damals alles schief und krumm und musste eingerissen werden. Das betraf die grundlegende Struktur des Volkes in religiöser und politischer Hinsicht und schloss die unzähligen Opferhöhen ein.
Diese Vision hatte nun Folgen für den Propheten:
10 Amazja, der Oberpriester von Bet-El, ließ König Jerobeam von Israel melden: „Amos zettelt mitten in Israel eine Verschwörung gegen dich an. Seine Worte sind unerträglich für das Land. 11 Er hat nämlich gesagt: ‚Jerobeam stirbt durch das Schwert, und Israel wird aus seinem Land in die Verbannung geführt.‘“
Das letzte hatte Amos so nicht gesagt. Das Wort Gottes lautete: Gegen das Königshaus Jerobeams erhebe ich mich mit dem Schwert. Aber Amazja wollte offenbar den König in Rage bringen.
Für den Oberpriester ging alles, was Amos geweissagt hatte, zu weit. Amazja glaubte auch nicht, dass Amos von Gott beauftragt war, und ließ aus diesem Grund dessen Worte dem König berichten.
Und dem Amos erteilte er einen Landesverweis. Für ihn war dieser ohnehin nur ein professioneller Wahrsager aus dem Ausland, der sich mit Worten seinen Lebensunterhalt verdiente. Solche Propheten waren ihm in Bet-El ja nicht unbekannt.
12 Zu Amos sagte Amazja: „Geh weg von hier, Seher! Verschwinde nach Juda! Dort kannst du dein Brot verdienen und weissagen, was du willst. 13 In Bet-El jedenfalls trittst du nicht länger zum Weissagen auf! Denn das hier ist ein Staatsheiligtum, das dem König gehört.“
In diesem Heiligtum im Norden ging es nicht wirklich um Gott, sondern der Staat benutzte die Religion, um sein Volk bei der Stange zu halten, wie es bis heute immer wieder geschieht.
In diesem Heiligtum ging es nicht wirklich um Gott, sondern der Staat benutzte die Religion, um sein Volk bei der Stange zu halten. (So machen es gewisse Politiker heute noch.) Damals war das Stierbild in Bet-El aufgebaut worden, um das Volk davon abzuhalten, nach Juda überzulaufen.
Amos bekam außerdem ein Stadtverbot. Er durfte sich nicht wieder in Bet-El blicken lassen. Aber dem Oberpriester konnte er noch antworten.
14 Amos erwiderte Amazja: „Ich bin kein Prophet und auch kein Prophetenschüler, denn ich züchte Rinder und Maulbeerfeigenbäume.
Das heißt: Ich bin kein Berufsprophet und kann mich selbst versorgen. Ich wollte gar kein Prophet sein.
15 Aber Jahwe holte mich von der Herde weg und sagte zu mir: ‚Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!‘
Hier lag der Grund seiner Beauftragung und Vollmacht. Echte Propheten wurden immer von Gott berufen und beauftragt. Sie hatten sich nie selbst dazu ernannt. Und in diesem Bewusstsein musste Amos dem Amazja sagen.
16 Du willst mir verbieten, Israel die Botschaft Gottes zu bringen, du verwehrst mir, zu den Nachkommen Isaaks zu reden?
Das heißt doch: Du stellst dich nicht gegen mich, sondern gegen meinen Auftrag und dadurch letztlich gegen Gott. Und dann musste er ihm persönlich ein Wort Jahwes weitergeben. Er sagte das offenbar ganz ruhig, eher traurig. Vielleicht so, wie der ganz junge Samuel dem Hohenpriester Eli viele Jahre zuvor das Gericht über seine ganze Familie ankündigen musste.
Hör darum, was Jahwe dir zu sagen hat: 17 ,Deine Frau wird hier in der Stadt eine Hure werden. Deine Söhne und Töchter werden durch den Krieg umkommen. Dein Grundbesitz wird mit dem Messband verteilt und du selbst wirst in der Fremde sterben, in einem unreinen Land. Denn Israel muss auf jeden Fall weg von seinem Land und zieht in die Gefangenschaft.‘“ NeÜ
Wer verhindern will, dass Gottes Wort in seinem Bereich gepredigt wird, kann das Gericht Gottes auch an sich und seiner eigenen Familie erleben.
Amos, der Auftrag und Zielgruppe von Gott erhielt, suchte sich die passende Botschaft für die Zielgruppe nicht selbst zusammen, sondern verkündigte Gottes Wort so wie es war. Aber er trat auch betend für die Menschen ein, die Gottes Gericht traf.
Unser Thema hieß „Auftrag und Bevollmächtigung“. Was können wir nun von Amos für uns lernen?
- 1. Amos erhielt seinen Auftrag und auch die Zielgruppe von Gott.
- 2. Er trat vor Gott für diese Menschen ein, um sie vor dem Gericht Gottes zu bewahren. (Denken wir dabei auch an unsere direkten Nachbarn und beten täglich für sie!)
- 3. Er suchte sich die passende Botschaft für die Zielgruppe nicht selbst zusammen, sondern verkündigte Gottes Wort, so wie es war.
- 4. Er richtete Gotteswort treu und vollständig aus, auch wenn die Frommen ihn dafür von seinem Posten entfernten. (Ich denke hier auch an manche Pfarrer, die suspendiert oder versetzt wurden, weil sie das Evangelium so predigten, wie es in der Bibel steht. Beten wir für sie und auch für uns!)