Wann genau das alte Jahr endet und ein neues beginnt, das ist offenbar eine kulturelle Entscheidung des Menschen. Aber diese Entscheidung ist nicht völlig unabhängig von den Abläufen in der Schöpfung. Insofern gab es von alters her immer einen Kalender, der für die Jahreszeiten und insofern für Saat und Ernte bestimmend war. Man wollte wissen, wann Frühjahr ist und das nicht nur von einer Periode warmen Wetter abhängig machen, die es auch einmal im Winter geben kann. Diese Kalender wurden mit genauer Naturbeobachtung erstellt. Man sah den Verlauf des Sonnenstandes, den Zyklus des Mondes und die Sternbilder am Himmel. Dazu kamen irgendwann Kalender, die sich an den kulturellen Leistungen der Menschen orientierten. Neue Jahre begannen mit der Krönung eines neuen Königs, später mit der Gründung der Stadt Rom oder auch mit religiösen Festen. Und dann überlagern sich solche Kalender auch. Unser jetzt im Westen gültige Kalender ist ein Ergebnis solcher Entwicklungen. Für Christen aber ist es eine Freude, dass der Kalender nach dem Jahr des Herrn Jesus Christus gezählt wird. Dass er Mensch wurde, entscheidet alles. Das ist heute vielen nicht mehr bewusst, aber wird dürfen weiter Anno Domini 2026 (Jahr des Herrn 2026) zählen.
Gott gab Sonne und Mond zur Bestimmung des Kalenders. Sie bleiben bis heute bestimmend. Den Weltkalender hat Gott aber nach dem Licht der Welt, Christus, ausgerichtet.
Wiederkehrende Gestirnbewegungen (hauptsächlich von Sonne und Mond 1Mo 1,14) dienen überall auf der Welt als natürliche Einheit der Zeitmessung. Das tropische Sonnenjahr, dass den Zeitabschnitt umfasst, in dem die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn zu demselben Äquinoktialpunkt zurückkehrt, ist der wichtigste Zeitmesser. Die Länge dieses Zeitabschnittes beträgt 365,2422 mittlere Sonnentage oder 365 Tage, 5 Stunden und nicht ganz 49 Minuten. Das Sonnenjahr wurde unseres Wissens zuerst bei den Ägyptern annähernd richtig berechnet. Das Mondjahr aus 12 Neumonden hat dagegen nur 354 Tage. Die Differenz wurde in verschiedenen Kalendersystemen meist mit Schalttagen ausgeglichen. Im AT kommt das z.B. im Sintflutbericht zum Ausdruck (354+11 Tage). Später wurden in Israel regelmäßig Schaltmonate in den Kalender gefügt, damit die kürzeren Mondmonate nicht dazu führen, dass die Frühlingsmonate im Winter liegen. Die muslimischen Kalender verzichten bis heute auf diese Synchronisation, sodass das Jahr in diesen Ländern kürzer ist. Der Fastenmonat Ramadan wandert so durch das ganze Sonnenjahr (2025 war er vom 28. Februar bis 29. März, 2026 ist er vom 18. Februar bis zum 19. März).
Spuren von Einflüssen auf die Kalender durch natürliche oder kulturelle Ereignisse lassen sich in fast allen Kulturen finden. Sie dienen meistens vor allem dazu, die Jahre zu zählen und damit über ein Jahr hinausgehende Zeiträume zu messen. Ausgangspunkt für eine fortlaufende Weiterzählung der Jahre sind oft prägende Ereignisse, etwa Katastrophen oder auffällige Naturerscheinungen (z.B. Amos 1,1). Häufiger aber war die Zählung nach Regierungsjahren der Herrscher, die sich in fast allen Kulturvölkern findet und im Abendland noch während des ganzen Mittelalters als Datierungselement gedient hat. In Rom war außerdem die Zählung von der Gründung der Stadt an im Gebrauch, die in den Frühling des Jahres 753/752 gelegt wurde. In Griechenland wurde im 3. Jhd. v.Chr. die Zählung nach den olympischen Wettkämpfen eingeführt. Dann deckt sich das Jahr 1 unserer Zeitrechnung mit dem Jahr 4 der 194. Olympiade seit dem Jahr 776 v.Chr. Mit dem Beginn des Hochmittelalters wurde bei den Juden eine Jahreszählung seit der Erschaffung der Welt am Abend des 6. Oktober 3761 v.Chr. eingeführt. Bei den Arabern begann man die Zählung seit der Flucht Mohammeds nach Medina (Hidschra 15. Juli 622 n.Chr.), die dann von anderen Völkern mit der islamischen Religion übernommen wurde und bis heute in Geltung ist. Allerdings existieren trotzdem verschiedene muslimische Kalender, sodass man das Geburtsland beachten muss, wenn man ein Geburtsdatum in unser westliches System umrechnen will.
Das heutige westliche System, dass international auch in Ländern anderer Kalendersysteme (wie Iran oder China) parallel genutzt wird, geht auf die christliche Zeitrechnung zurück. Dieser Kalender beruht einerseits auf dem julianischen Kalendersystem, das unter dem römischen Kaiser Julian eingeführt wurde. Es ist aber dadurch charakterisiert, dass der Kalender ursprünglich für das Osterfest (1. Sonntag nach dem Vollmondtag der dem Frühlingsanfang folgt, also zwischen dem 22. März und dem 25. April) berechnet wurde, dem wichtigsten christlichen Fest. Anfangs hatte sich die christliche Kirche mit dem Osterdatum noch nach dem jüdischen Passafest gerichtet. Das Datum war aber damals von vielen Variablen abhängig und so war keine vorausschauende Berechnung möglich. Deswegen entschied sich die Kirche, das Datum fest an den Frühlingspunkt zu binden. Damit wurden dann Listen mit dem Osterdatum der folgenden Jahre berechnet und herausgegeben.
Die christliche Kirche wollte die übergreifende Jahreszählung nach einem römischen Kaiser, der Christen brutal verfolgt hatte ersetzen. Deswegen zählen wir heute nach der Geburt von Jesus Christus.
Die übergreifende Jahreszählung richtete sich erst noch lange nach den Regierungszeiten der römischen Kaiser. So wurde auch in der alten Kirche zunächst nach dem Regierungsantritt des Kaisers Diokletian am 29.8.284 n.Chr. gezählt. Als aber im ersten Drittel des 6. Jahrhunderts der römische Abt Dionysius Exiguus (gest. um 556) seine Ostertafel aufstellte, in der er die Ostertermine der Jahre 532 bis 1063 berechnet hatte, wollte er das Andenken des Christenverfolgers Diokletian ersetzen. Seine Jahreszählung sollte von der Geburt Christi ab berechnet werden. Leider haben wir seinen Rechenweg d.h. die Umrechnung aus den verschiedenen Kalendersystemen nicht mehr. Sie wurde nicht überliefert. Als Ergebnis aber berechnete er den 25. Dezember 753 nach der Gründung Roms. Dass er sich dabei nur um 6 Jahre verrechnet hat, obwohl es um ein Ereignis ging, das mehr als 500 Jahre zurücklag, zeigt den guten Historiker. Diese Zählung setzte sich mit der fortschreitenden Übernahme der Ostertafel des Dionysius bis etwa 1000 n.Chr. im ganzen Abendland durch.
Weil allerdings der julianische Kalender nicht genau genug mit dem Sonnenjahr übereinstimmte, musste unter Papst Gregor noch eine Korrektur eingeführt werden, die den Rhythmus der Schalttage betrifft. Das war schon länger diskutiert worden, denn bis 1582, als die Reform eingeführt wurde, hatte sich der Frühlingspunkt im Kalender um 10. Tage verschoben und war schon am 11. März. Das wurde nun korrigiert, indem die Tage übersprungen wurden. Auf den 4. Oktober ließ man den 15. Oktober folgen, ohne die Reihenfolge der Wochentage zu ändern. Die orthodoxe Kirche des Ostens übernahm diese Reform nicht, weswegen sie bis heute Weihnachten am 25. Dezember feiert, der aber in unserem Kalender auf dem 6. Januar liegt. Der russische Staat hat die Reform auch erst im 20. Jahrhundert übernommen, weswegen die „Oktoberrevolution“ Lenins nach unserem Kalender im November stattfand.
Aber damit war der Tag des Jahresanfangs noch nicht gegeben, obwohl die Christenheit diesen auch gern nach Christus gerichtet hätte. In China bleibt als Jahresanfang ein Datum zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar (2026 ist es der 17. Februar). Im Iran bleibt traditionell der Frühlingsbeginn der Neujahrstag. Das konnte auch das islamische Regime nicht wirklich ändern. Der Jahresbeginn mit dem 1. Januar bei uns ist ein Überbleibsel aus dem Römerreich. Der Beginn des Jahres mit dem Weihnachtsfestkreis gilt nur innerhalb der Kirche und hat sich nicht allgemein durchgesetzt. Aber das Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent. Sylvester und Neujahr sind keine echten kirchlichen Feiertage. Im christlichen Mittelalter waren aber noch sechs verschiedene Jahresanfänge verbreitet. A) Der 1. Januar war der Jahresanfang des römischen Volkes. Er war wegen des heidnischen Ursprungs in der christlichen Kirche nicht beliebt. B) Der 1. März war wegen seiner Nähe zum Osterfest beliebter und wurde in Venedig noch bis 1797 gefeiert. C) Der 1. September war in der Kirche Russlands und auf dem Balkans verbreitet. D) Der Beginn des Osterfestes, der unpraktischste Termin von allen, weil sich das Osterfest jedes Jahr verschiebt, war in Frankreich und auch in der Kirchenprovinz Köln bis ins Spätmittelalter gebräuchlich. E) Der Anfang der Weihnachtszeit mit dem Advent wurde der Jahresanfang in weiten Teilen Deutschlands, Skandinaviens und bei den Angelsachsen. F) Später und dann in Gebieten mit starkem Marienkult (z.B. Trier) berechnete man den 25. März als Tag der Empfängnis Marias als den eigentlichen Tag der Herabkunft Jesu auf die Erde und machte ihn zum Jahresbeginn.
Der Kalender unseres Lebens soll auch von Christus bestimmt sein. Paulus bringt das so zum Ausdruck:
Kolosser 1,25-28: Gott hat mich beauftragt der Gemeinde zu dienen und auch bei euch sein Wort voll und ganz zu verkündigen. Es geht nämlich um das Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war, jetzt aber denen enthüllt wurde, die zu ihm gehören. Ihnen, seinen Heiligen, wollte Gott diesen herrlichen Reichtum zeigen. Denn sein Geheimnis ist auch für die anderen Völker bestimmt: und das ist Christus – Christus, der in euch lebt und nun auch euch die Hoffnung schenkt, an seiner Herrlichkeit teilzuhaben. Diesen Christus verkündigen wir, indem wir die Menschen ermahnen und sie mit aller Weisheit, die Gott uns geschenkt hat, belehren. Denn wir möchten sie als Menschen vor Gott hinstellen, die in Christus vollkommen gemacht sind.