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Der Blick hinter die Kulissen – bei Jesus keine Enttäuschung

Es ist ernüchternd, was alles ans Tageslicht kommt. Manche wollen die Wahrheit am liebsten nicht mehr wissen. Andere ändern die Maßstäbe und nennen gut, was immer böse war. Bei Jesus werden wir nie enttäuscht, wenn wir tiefer hinsehen. Wir finden dann wohl nicht das „liebe Jesulein“, aber den wahren Heiland und Tröster.

„Da würde ich gern mal Mäuschen spielen!“ war eine verbreitete Redewendung, die ich lange nicht mehr gehört habe. Im Englischen heißt die verwandte Redensart „to be a fly on the wall“, eine Fliege an der Wand sein. Es ist daran gedacht, dass man unbemerkt und unbeteiligt ein Geschehen beobachten könnte. Einfach aus seinem Mauseloch schauen und zuhören, wie sich die Mächtigen und Schönen, die Schaumschläger und Heuchler abseits der Presseerklärungen und Staatsakte, der Selbstdarstellungen und Lobhudeleien verhalten und was sie da reden. Ich vermute, dass die Redewendung deswegen aus der Mode gekommen ist, weil heute überall Handykameras und Mikrofone anwesend sind. Aufnahmen geschehen manchmal heimlich, aber nicht selten filmen Menschen sich sogar absichtlich in intimen Momenten. Außerdem ist, was wir jetzt gewollt oder ungewollt zu sehen oder zu hören bekommen, zumeist abstoßend, langweilig oder lächerlich. Wobei einem das Lachen oft irgendwie im Halse stecken bleibt.

Als Mäuschen konnten wir kürzlich hören, wie drei Staatschefs sich darüber austauschten, wie sie ihr Leben verlängern könnten. Zwei von ihnen sind über 70 Jahre alt, einer jünger. Alle drei denken, sie seien für das Glück und die Ordnung in der Welt unentbehrlich; der Kleinste und Jüngste hält sich sogar für eine Art Gott. In ihrem kleinen Plausch, den ein Journalist „versehentlich“ aufnahm, kamen sie überein, dass man jungen Menschen Organe entnehmen könnte und sich selber einpflanzen, um sein Leben auf vielleicht 150 Jahre zu verlängern. Über solche Gedanken war ich nicht überrascht. Mich hat mehr verwundert, dass niemand sich empörte, dass diese alten Männer junge Menschen für sich ausschlachten wollen. Ein anderer Staatschef hat es sich angewöhnt, vor Kameras und Mikrofonen ohne Nachdenken vor sich hin zu palavern. Es ist im gleichgültig, an einem Tag dies und am nächsten das Gegenteil zu sagen. Er bringt seine Verachtung für andere zum Ausdruck, mal wegen ihrer Herkunft, mal wegen ihrer Hautfarbe, dann wegen abweichender Ansichten. Es ist für jeden bald offensichtlich, dass er hauptsächlich in sich selbst verliebt ist und sich am liebsten selbst lobt. Er hat trotzdem viele Fans, obwohl seine Menschenverachtung und seine Lügen öffentlich sind.

Abseits der großen Weltbühne kann man in seinem Umfeld das Gleiche beobachten – jedenfalls geht es mir so. Jede Art von „Heiligenverehrung“ auch unter Evangelikalen hat über kurz oder lang einen gehörigen Dämpfer bekommen. Mal stolpern die „Stars“ über ihre Lügen oder ihre Gier. Dann kommen sexuelle Verfehlungen ans Licht, wenn auch gelegentlich erst nach ihrem Tod. Der Charakter anderer ist nur auf „der Bühne“ christlich, ansonsten herrscht Jähzorn, Rechthaberei, Unversöhnlichkeit oder Selbstverliebtheit. Manchmal hätte man es auch vorher wissen können, ohne Mäuschen zu spielen.

Nun beobachte ich vor allem drei Reaktionen auf diese sichtbaren Tatsachen. Die einen wollen nun nicht mehr Mäuschen spielen. Sie wollen am liebsten nichts wissen von den abstoßenden Wahrheiten. Sie wollen ihr Bild vom tatkräftigen Macher, vom klugen Experten, vom einfühlsamen Pastor oder vom großen Evangelisten nicht zerstören lassen. Erstaunlich wenige resignieren ganz und werden zu Menschenhassern, weil sie sich zu oft enttäuscht sehen. Die größte Gruppe versucht es damit, die Maßstäbe anzupassen. Was bis vor kurzem noch als schlecht galt, wird jetzt zum neuen Normal erklärt: „Wir hatten vielleicht nur zu strenge Moralvorstellungen.“ So etwas haben wir in diesem Jahr z.B. mit einer Kampagne in Sachen Sexualmoral erlebt. Es wurde uns erklärt, dass diese oder jene Sünde „wissenschaftlich erwiesen“ auch unter „Hochreligiösen“ weit verbreitet sei. Deswegen sollen wir sie nicht mehr als Sünde ansehen. In der Welt ist das lange üblich, dass es unter Christen auch so sein soll, hat nur wenige zum Einspruch gebracht. Um es deutlich zu sagen: Das alles ist unbiblisch, unchristlich, gegen den wahren Gott.

Lassen Sie uns im Advent und vor Weihnachten unseren Blick zu Jesus Christus wenden. Was denken Sie? Wenn wir bei Jesus „Mäuschen spielen“ könnten, was bekämen wir da zu sehen und zu hören? Ich habe nicht den geringsten Zweifel: Der öffentliche Jesus war kein anderer als der Jesus hinter verschlossenen Türen. Die Spione von damals konnten nichts Verwerfliches an ihm finden. Der Mensch Jesus ist der ewige Sohn Gottes. Da gibt es keine Überraschungen und keine Enttäuschungen. Das ist auch für die Zukunft nicht zu erwarten, bis wir ihm einmal begegnen. Betrachten wir die Bibel genauer, dann werden wir merken, dass Gott uns in seinem Wort „Mäuschen“ sein lässt. So weit es irgend geht – angesichts dessen, dass Gott unmöglich von uns Menschen gesehen werden kann –, zeigt Gott sein wahres Wesen. Er malt dabei kein romantisch verträumtes Bild von einem „lieben Gott“ und einem „Jesulein“. Er zeigt seine Güte und seine Gerechtigkeit, seine Liebe und seinen gerechten Zorn. Er lässt in sein Herz schauen und offenbart auch, dass es Dinge gibt, die unser Denken und Verstehen weit übersteigen. Wir können aber sicher sein, dass der Christus, den wir in Gottes Wort kennenlernen, der gleiche Christus ist, dem wir begegnen, wenn er wiederkommt. Jesus ist mit seiner Menschwerdung genau der Christus geworden, den Gott über Jahrhunderte vorhergesagt hatte. Er erfüllte alle Verheißungen auf ihn.

Wenn wir den biblischen Jesus nicht lieben, dann werden wir auch den ewigen Jesus nicht lieben. Wenn wir ihn aber kennen und lieben lernen, dann wird es keine Enttäuschungen geben. Übrigens beeinflusst das auch unsere Haltung den Menschen gegenüber. Das liegt daran, dass Jesus uns einen sicheren Halt gibt, von dem aus wir den schmerzlichen Wahrheiten ins Auge schauen können. Die Bibel nennt das Nüchternheit: Wir lassen uns nichts vormachen. Aber wir haben auch kein Interesse, die Geheimnisse anderer auszuspionieren. Wir wissen, was wir da fänden, sehen die Verdrehtheit, die Bosheit, die Gefangenschaft im Bösen. Wo nötig, nennen wir das beim Namen. Aber wir können durch die Liebe von Christus trotzdem Menschen lieben, ohne dabei ihre abscheulichen Gedanken und Taten gut zu heißen.