LiteraturGemeindeleben

Gottesdienst ohne Mauern

Nikesch, Harald. Gottesdienst ohne Mauern. Die Neutestamentliche Gemeinde und ihre Wirkung auf Gemeindeferne. Hammerbrücke: jota 2008. edition fth 146 S. Paperback: 11,95 €. ISBN 978-9-35707-53-4.

Harald Nikesch greift in seiner Masterarbeit, die diesem Buch als Grund­lage diente, ein sehr aktuelles Thema auf, welches im Kontext der Freikirchen immer wieder zu Disputen führt. Nikesch verbindet als Leiter von BAO Deutschland und erfahrener Mitarbeiter in der Gemeindegründung die theoretische und praktische Seite der Theologie. Das ist für ein solches Thema, das eine praktische Umsetzung in den Gemeinden fordert, besonders hilfreich.

Ins Thema führt er durch eine genaue Herausarbeitung der Fragestellung hinein. Dadurch wird der Leser sehr gut vorbereitet. Nikesch erwähnt dabei verschiedene Strömungen unserer Zeit und definiert die zentralen Begriffe seiner Ausarbeitung. Anschlie­ßend betrachtet er die Wirkungsgeschichte zum Thema „Ungläubige im Gottesdienst“. Dabei stellt er den Leser in die Spannung zwischen Bewahrung der Reinheit und missionarischer Ausrichtung der Gottesdienste. Als Hauptteil beleuchtet er den neutestamentlichen Befund primär an verschiedenen Stellen der Apostelgeschichte, an 1.Korinther 11-14 und dem Öffentlichkeitscharakter des Lebens von Jesus. Dabei kann es ungewohnt sein, dass er die Juden zu der Gruppe der Ungläubigen zählt, jedoch hat er diesen Begriff zuvor passend definiert (:29). Seine Auslegungen zu verschiedenen Themen der Gemeindearbeit sind vermutlich aufgrund der gewünschten Kürze des Buches oft schneller ausgefallen, wie sie gut nachvollziehbar wären. Somit bleiben immer wieder Fragen offen und fordern zu einem Weiterstudium bzw. zum Prüfen der Ergebnisse heraus. Nikesch beleuchtet sehr anschaulich das Thema der Gastfreundschaft und somit die Frage nach dem Öffentlichkeitscharakter der Hausversammlungen. Der Unterschied der heutigen westlichen Kultur und der Kultur des fruchtbaren Halbmondes zur Zeit von Jesus wird durch neutestamentliche Beispiele sehr anschaulich dargestellt. Demgegenüber erscheint seine Auslegungsentscheidung zu „den Übrigen“ aus Apg 5 kaum nachvollziehbar und wenig stichhaltig begründet.

Zum Abschluss des Buches transformiert er seine Erkenntnisse sehr praktisch für die Gemeindearbeit und die Gestaltung des Gottesdienstes, indem er z.B. eine Antwort auf die Frage nach einem missionarischen Zweitgottesdienst gibt.

Insgesamt fordert dieses Buch zum intensiveren Nachdenken über das Thema auf und macht gleichzeitig erkennbar, an welchen Stellen sich die weiteren Untersuchungen am meisten lohnen. Nikesch benutzt hauptsächlich evangelikale Literatur. Da diese primär im englischsprachigen Umfeld vorhanden ist, finden wir viele Zitate in englischer Sprache, die leider nicht übersetzt werden. Damit schränkt sich leider die Zielgruppe ein, die an diesem wichtigen Thema interessiert sein könnte. Auf alle Fälle lohnt es sich besonders für Verantwortliche in der Gemeindearbeit, sich neu mit diesem Thema auseinanderzusetzen, und dafür ist dieses Buch ein empfehlenswerter Einstieg.