© Thomas Jeising
ThemenTheologische Beiträge

Alles für Gottes Ziel und zu unserem Besten

Haben Sie jemals einen Nichtchristen sagen hören: „Alles geschieht aus irgendeinem Grund.“? Mir geht das ziemlich häufig so. Ich bin mir immer nicht ganz sicher, was ich dann denken soll. Einerseits bin ich froh, wenn ein Nichtchrist seine Zweifel daran ausdrückt, dass sinnlose Dinge geschehen. Man kann nämlich leicht von der Über­zeugung, dass vieles ohne Sinn und Ursache geschieht, zu der Überzeugung kommen, dass das Leben keinen Sinn hat und von dort zu einem Nihilismus, der seine Frucht in selbstzerstörerischem oder soziopathischem Handeln zeigt. Ich weiß wohl, dass die meisten Nichtchristen, wenn sie bekennen, dass alles aus irgendeinem Grund passiert, dabei nicht an den wahren Grund denken. Normalerweise denken sie daran, dass ein blindes, unpersönliches Schicksal alles bestimmt. Nur, wie kann ein blindes, unpersönliches Schicksal irgendetwas einen Sinn geben? Sinn und Ziel kann nur von einem persönlichen Wesen kommen, das in der Lage ist, einen Plan zu machen und diesen zu verfolgen. Wenn alles aus irgendeinem Grund geschieht, dann muss etwas oder eher jemand über diesen Grund entscheiden.

Amselnest

© Thomas Jeising

Als Christen wissen wir, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht, weil der persönliche, dreieine Gott alle Dinge geschaffen und einen Plan mit allem hat, was geschieht. Er ist der Herr über allem, so dass nicht einmal ein Spatz auf die Erde fallen kann ohne seinen Willen (Mt 10,29). Er wirkt nicht nur manche Dinge, sondern alle gemäß dem Ratschluss seines Willens (Eph 1,11). Das ist es, was Theologen im Wesentlichen mit der Vorsehung Gottes meinen: Gott hat einen Plan und eine Absicht für die Welt und regiert die Geschichte so, dass alles vom Kleinsten bis zum Größten zu der Ausführung seines Planes und seinen Absichten dient. Gott ist nicht nur ein passiver Beobachter der Weltgeschichte. Er hat sie vielmehr so gestaltet, dass sie ein bestimmtes Ziel erreicht, und dann lenkt er sie auch so, dass sie wirklich an diesem Ziel ankommt.

Kein blinder Zufall

Es kennen wohl alle Christen wenigstens einen Teil der Lehre von Gottes Vorsehung, denn die Bibel lehrt offensichtlich, dass Gott alle Dinge regiert. Ich kenne eigentlich keinen ernsthaft Glaubenden, der leugnen würde, dass Gott, der Herr, die Kontrolle über alle wesentlichen Dinge hat, wie z.B. Präsident­schafts­wahlen, Stürme oder Weltkriege. Die biblische Lehre über die Vorsehung Gottes beschränkt diese allerdings nicht auf die großen Ereignisse der Geschichte. Sie gilt auch den kleinsten Dingen und sei es, wie ein Würfel fällt. In Sprüche 16,33 heißt es: „Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der HERR will.“ Das Würfeln, das in gewisser Weise die moderne Entsprechung des Loswerfens ist, scheint ein völlig zufälliges Ergebnis zu haben. Doch das ist nicht so. Es bringt das Ergebnis, das Gott geordnet hat.

An diesem kleinen Beispiel kann man sich einfach verdeutlichen, dass Gott eine ganze Reihe von Dingen ordnet, wenn der Würfel auf eine bestimmte Zahl fallen soll. Der Würfel muss etwa mit einer bestimmten Kraft aus der Hand geworfen werden, mehr oder weniger würde jeweils eine andere Zahl zur Folge haben. Gott lenkt also den Arm dessen, der den Würfel wirft. Aber auch ein Windzug oder selbst der Zug einer Klimaanlage könnte das Ergebnis beeinflussen. Dabei würde die Kraft der Luftbewegung eine Rolle spielen. Das müsste Gott, der Herr, also für ein bestimmtes Ergebnis ebenso kon­trollieren. Auch die Temperatur kann ihren Einfluss haben, die doch in Beziehung steht zur Bewegung der Moleküle der Luft und den Atomen in den Molekülen und sogar den kleinsten Atomteilchen. Sie müssen genau den Zustand hervorbringen, der notwendig ist, wenn Gott will, dass der Würfel auf eine bestimmte Zahl fällt. Das alles ist wahrscheinlich noch eine starke Vereinfachung der gesamten Umstände, wenn man nur an die komplizierten Vorgänge im Bereich der Elementarteilchen denkt.

Nicht ein einziges „rebellisches Molekül“ kann sich außerhalb der souveränen Kontrolle Gottes und seiner Ziele bewegen.

R. C. Sproul hat immer wieder daran erinnert, dass es nicht ein einziges „rebellisches Molekül“ gibt, das sich außerhalb der souveränen Kontrolle und den Zielen des Herrn bewegen könnte. Weil die kleinste Änderung in einer Folge von Folgen einen großen Effekt haben kann, ist das nicht möglich. Deswegen kann es so etwas wie einen blinden Zufall nicht geben.

Gottes tägliche Vorsehung

Wenn wir einmal verstanden haben, dass kein blinder Zufall unser Leben bestimmt, müsste das unsere Sicht auf unser tägliches Leben dramatisch verändern. Kaum einer von uns scheint für die Welt ein wichtiger Mensch zu sein. Wir haben einen begrenzten Einfluss auf eine Handvoll von Menschen und werden wohl auch bald vergessen, wenn wir sterben. Deswegen sind wir leicht dabei, zu denken, dass es auf unsere Taten nicht ankommt und Gott mit seinem Handeln nicht dabei sein muss. Wir mögen vielleicht denken, dass das bei den Herrschern in dieser Welt etwas anderes ist, während Gott bei dem Rest von uns nichts damit zu tun hat, wenn wir Windeln wechseln, versuchen, unsere heranwachsenden Kinder vor Problemen zu bewahren, lange arbeiten, um das Geld für die Miete zu verdienen, mit Nachbarn plaudern, uns mühen, jede Woche im Gottesdienst zu sein, abends die Füße hochlegen, mit den Kindern immer wieder die gleichen Spiele spielen, für eine Prüfung pauken und so weiter.

Die Wahrheit über Gottes Vorsehung sagt uns aber etwas anderes. Einerseits bedeutet seine Fürsorge nicht nur, dass er alle Dinge lenkt und regiert, sondern auch, dass er die Dinge erhält. Hebräer 1,3 offenbart, dass Gott durch seinen Sohn „alle Dinge durch das Wort seiner Macht trägt“. Gott hat nicht allein alle Dinge erschaffen, er erhält sie auch (Neh 9,6). Würde Gott sein erhaltendes Wirken im Hinblick auf die Welt beenden, so habe ich es kürzlich auch meinen Kindern gesagt, würde alles – inklusive uns selbst – sofort ins Nichts verschwinden. Wir sind in jedem Augenblick völlig davon abhängig, dass Gott seine Schöpfung weiter erhält. Das Universum besteht nicht aus seiner eigenen Kraft heraus.

Aus Gottes erhaltender Vorsehung schließen wir wohl zu Recht, dass Gott in gewisser Hinsicht alles in seiner Schöpfung für wichtig hält, auch das, was wir für unbedeutend und gewöhnlich halten. Die Tatsache, dass Gott auch unser ganz normales Leben erhält, bedeutet, dass er auch in diesen Dingen einen Wert sieht. Der Wert kommt allerdings nicht von uns, sondern liegt darin, dass Gott alle Dinge wirkt zu unserem Besten und seiner Herrlichkeit, indem er alles nach seinem allmächtigen Plan zusammenfügt (Jes 43,6-7; Röm 8,28). So wird es auch in Römer 11,36 ausgedrückt: „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge; ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Gottes Re­gie­rung und Erhaltung wirkt sich also auch in den relativ kleinen Dingen des Lebens aus. Dann hätte das auch eine Bedeutung für unsere Ent­schei­dung, Huhn oder Fisch zu Mittag zu essen; oder welche Blumen wir in den Vorgarten pflanzen; oder ob wir Fußball dem Handball vorziehen; oder ob wir lieber auf der Landstraße oder auf der Autobahn zu unserem Ziel fahren, wie lang wir unsere Haare abschneiden lassen oder welchen Sport unsere Tochter ausübt. Alles ist in letzter Instanz von Gott regiert und hat irgendeinen Platz in seinem Plan. Diese Wahrheit hat nicht das Ziel uns zu lähmen. Wir werden Gottes Reich nicht aus der Bahn werfen, wenn wir Huhn lieber essen als Fisch. Tatsächlich ist eine Entscheidung, in denen beide Wege gleichwertig sind, selber gleichgültig. Es ist in sich weder sündig noch gerecht Huhn oder Fisch zu essen. Allerdings kann eine Wahl in diesen anscheinend unbedeutenden Dingen trotzdem eine Auswirkung für das Reich Gottes haben, die wir nicht übersehen.

Gottes Vorsehung ist Realität in unserem Alltag, weil er alle und nicht nur manche Dinge nach seinem Ratschluss wirkt.

Gottes Vorsehung ist in vieler Hinsicht eine Realität unseres Alltags. Die Bibel offenbart uns nicht den Gott des Deismus, der meistens uninteressiert und unbeteiligt gegenüber seiner Schöpfung ist. Die Schrift stellt uns den einen wahren Gott vor, der nahe ist (Jer 23,23-24) und das nicht nur in dem Sinn, dass er überall in seiner Schöpfung gegenwärtig ist, sondern in den Ereignissen innerhalb seiner Schöpfung und den Entscheidungen seiner Geschöpfe. Er bleibt unterschieden von diesen Dingen, aber seine Hand hält doch zugleich alle Dinge und lenkt sie, indem er eben alle und nicht nur einige Dinge wirkt gemäß dem Ratschluss seines Willens (Eph 1,11).

Gottes Vorsehung in außerordentlichen Dingen

Es ist klar, dass unsere anscheinend unbedeutenden Ent­schei­dungen Gottes Plan nicht aus der Bahn werfen. Wie aber ist es mit größeren und folgenreicheren Entscheidungen und Taten? Natürlich werden die Gottes Plan ebenso wenig ruinieren können, weil er die außerordentlichen Dinge – also solche Ereignisse, die einen deutlicheren Effekt auf die Weltgeschichte und die Ausbreitung des Reiches Gottes haben – ebenso regiert, wie die täglichen Dinge des Alltags. Wir könnten mit Recht sagen, dass Gott, weil er die alltäglichen Dinge regiert, auch die außergewöhnlichen Ereignisse lenken muss.

Daniel 2,22 sagt, dass Gott „Könige absetzt und einsetzt“. Weniges scheint relevanter für den Gang der Geschichte als die Herrscher dieser Welt. Das Aufkommen und der Fall von Königen bzw. Herrschern ist offenbar eines der außerordentlichen Dinge, die genau zu Gottes Absichten in Hinsicht auf seinen Plan mit der Geschichte und für sein Volk passen mussten. Bedenken wir den Aufstieg von König Kyros, dem Großen, auf den persischen Thron im Jahr 538 v.Chr., um das zu verdeutlichen.

Zweihundert Jahre früher, lange bevor Persien zur Großmacht auf der Weltbühne wurde und lange vor Kyros Geburt, selbst noch vor der Wegführung des Volkes Juda nach Babylon, sagte der Prophet Jesaja voraus, dass Kyros an die Macht kommen und die Juden im Exil freilassen würde, damit sie wieder in ihr Heimatland ziehen können (Jes 45,1-13). Damit das aber passieren konnte, mussten unzählige Ereignisse und Entscheidungen in einer bestimmten Weise geschehen, so dass am Ende Kyros der Herrscher von Persien war und auch in einer solchen Weise regierte, dass die Juden heimkehren durften. Die Juden mussten erst einmal ins Exil nach Babylon. Das aber konnte nur geschehen, wenn Babel das scheinbar allmächtige assyrische Reich eroberte, das zur Zeit Jesajas noch als Weltmacht regierte. Babel konnte – soweit wir wissen – die assyrischen Herrscher nur deswegen besiegen, weil diese einige Fehlentscheidungen trafen, die den Babyloniern auf dem Schlachtfeld den entscheidenden Vorteil vor den Assyrern eintrugen. Dafür kamen offenbar die richtigen Heerführer in Babel in Amt und Würden, während der assyrische König schlechten Ratgebern folgte und auch selber falsche Entscheidungen traf. Die guten Strategen in Babylon konnten das allerdings nicht werden, ohne die richtige Ausbildung zu erhalten und diese auch zu erproben, wozu sie wiederum in der richtigen Familie geboren werden mussten, die ihnen die Ausbildung überhaupt ermöglichte. Diese Familien waren aber entstanden durch die „richtigen“ Entscheidungen zu Ehe und so weiter und so weiter. Auf der anderen Seite brauchte die Einsetzung von schlechten Beratern in Assyrien eine ähnliche Kette von Ereignissen.

Damit Kyrus an die Macht kommen konnte, musste er erst einmal auf die Welt kommen. Es musste also das richtige Paar zusammenfinden und ein Kind gezeugt werden. In dieser Gesellschaft war es dazu notwendig, dass zwei Familien einwilligten, damit Vater und Mutter von Kyros heiraten konnten. Jeder Elternteil hatte vorher überhaupt das Alter erreichen müssen, um ein Kind zu zeugen, d.h. Vater und Mutter mussten vor Unfällen, schlimmen Erkrankungen und allem, was den Tod bringt, bewahrt bleiben, bis Kyros geboren war. Dazu mussten dann wohl auch die Großeltern von Kyros die richtigen Entscheidungen in der Erziehung der Eltern von Kyros getroffen haben. Und das Gleiche gilt auch für die Urgroßeltern von Kyros im Hinblick auf seine Großeltern und so weiter.

Natürlich vereinfache ich hier die Dinge. Aber es geht mir darum, dass Gott den Aufstieg von Kyros und die Befreiung seines Volkes nicht unabhängig von der Fügung zahlreicher kleiner Details gewirkt hat, zu denen etwa elterliche Entscheidungen und persönliche Geschichte gehörten. Man kann sich das bis auf die Ebene der Genetik weiter vorstellen, denn Kyros brauchte ein Immunsystem, das ihn am Leben erhielt, bis er eines Tages die Macht ergreifen konnte. Wäre nur an irgendeinem Punkt eine kleine Sache falsch gelaufen – sagen wir, er hätte eine tödlich verlaufende Erbkrankheit gehabt –, dann wäre der ganze Plan dahin.

Gott wirkte die Befreiung seines Volkes durch den Perserkönig Kyros auch durch die Fügung vieler kleiner Details im Leben vieler Menschen.

Jede getroffene Entscheidung und jede vollendete Tat hat einen Kaskadeneffekt. Folgt man der Spur eines außergewöhnlichen Ereignisses lang genug zurück, dann wird klar, dass das Ereignis nur aufgrund Millionen kleiner Entscheidungen von unzähligen verschiedenen Personen in den geeigneten Umständen zur richtigen Zeit zustande gekommen ist. Damit der Messias als Nachkomme Davids geboren werden konnte (Jes 11,1-10), wie es prophezeit wurde, dazu musste diese Linie überleben. Dass die Nachkommenslinie Davids überlebte, beruhte aber genauso auf zahlreichen Entscheidungen seiner Nachkommen wie auf Faktoren, die außerhalb ihrer Kontrolle lagen. Das gilt schon für die Vorfahren Davids, wie aus dem Buch Ruth klar wird, wo scheinbar eine Reihe von glücklichen Zufällen zur Heirat von Ruth und Boas führt. Das heißt also, dass Gottes Vorsehung nur so die außergewöhnlichen Ereignisse für seine Ziele verwirklicht, indem er genauso alltägliche Ereignisse lenkt. Es geschieht deswegen alles mit einem Sinn, weil Gott es so einrichtet, dass er alles aus einem bestimmten Grund geschehen lässt.

Anteil haben an Gottes Vorsehung

Was kann uns das über die Entscheidung zwischen Huhn und Fisch sagen, die an sich wohl keine moralische Entscheidung ist und meist auch keine sofortigen Konsequenzen hat? Sie ist eventuell doch nicht ohne Folgen. Sie könnte, um einmal ein Beispiel zu nennen, ein Faktor dabei sein, dass ein zukünftiger Nachkomme eine Allergie entwickelt und deswegen Fischrestaurants meidet, dafür aber Cafés besucht, dort eine junge Frau kennenlernt, die ebenfalls Kaffee und Kuchen liebt und sie vielleicht heiratet. Die beiden werden dann eventuell die Eltern eines einflussreichen Evangelisten, Richters oder Präsidenten, der die Weltgeschichte beeinflusst. Vielleicht hätten sich die Eltern dieses einflussreichen Menschen niemals getroffen, wenn ihr früher Vorfahre sich in Sachen Fisch oder Huhn anders entschieden hätte.

Während Gott alle Dinge regiert, ist er doch nicht der allmächtige Puppenspieler, der die Fäden in einer Weise zieht, dass unsere Entscheidungen gar nicht unsere sind oder unsere Beweggründe gleichgültig, so dass sie gar keine echten Auswirkungen auf die Geschichte hätten. Gott, der Herr, wirkt durch und in unseren Entscheidungen, Taten und Motiven, arbeitet aber dabei trotzdem jederzeit auf die Erfüllung seiner Absichten hin. Unsere Entscheidungen, Taten und Motive fallen dann mit den Entscheidungen, Taten und Motiven des Herrn zusammen und wirken in gewisser Weise zusammen. Dabei muss man natürlich den qualitativen Unterschied zwischen dem menschlichen und dem göttlichen Wirken beachten, die beide geschehen lassen, was Gott geordnet hat. Theologen haben das die Lehre vom Zusammenwirken genannt und sie kann am besten anhand einiger biblischer Beispiele verstanden werden.

Josef sagte seinen Brüdern: Ihr wolltet es böse mit mir machen, aber Gott wollte es gut machen.

Eine klassische Illustration ist das Leben von Josef, besonders wenn wir Josefs eigene Zusammenfassung seines Erlebens betrachten. Nachdem er von seinen Brüdern in die Sklaverei verkauft worden war, in Ägypten unter den Folgen falscher Anschuldigungen zu leiden hatte, zur rechten Hand des Pharao aufstieg und sich mit seiner Familie versöhnt hatte, sagte Josef zu seinen Brüdern: „Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt; Gott aber hatte beabsichtigt, es zum Guten zu wenden, damit er tue, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten“ (1Mo 50,20). Als Josefs Brüder ihn in die Sklaverei verkauften, hatten sie die sündige Absicht, ihn loszuwerden. Das war ihr Motiv und der Grund für ihre Tat. Der Herr hatte aber einen anderen Plan. Er wollte, dass Josef nach Ägypten kam und dort schließlich in den Beraterstab des Pharao aufstieg, um nicht nur die damalige Welt in einer Hungersnot zu bewahren, sondern insbesondere die erwählten Nachkommen Abrahams. Für sein Ziel, diesen guten Zweck zu verwirklichen und das hilfreiche Ergebnis zu erreichen, erlaubte er es Josefs Brüdern einen bösen Plan auszuhecken und ihre sündigen Taten zu verwirklichen, damit auf diese Weise Josef in Ägypten in eine einflussreiche Stellung kam. Gott tat das, ohne dass er selbst eine böse Absicht verfolgte und etwas Böses tat. Obwohl die Absichten und Taten von Josefs Brüdern und von Gott fundamental verschieden waren, wirkten sie doch so zusammen, dass Josef nach Ägypten kam.

Auch Hiob 1 kann dieses Zusammenwirken gut illustrieren. In diesem Kapitel wird davon berichtet, dass Satan Hiob vernichten wollte, Gott ihm erlaubte auf Hiob loszugehen und die Chaldäer die Kamele Hiobs stahlen. Das kam zusammen, so dass Hiob alles verlor, aber die Täter taten verschiedene Dinge und hatten unterschiedliche Motive. Satan wollte Hiob, den treuen Diener Gottes, diskreditieren und ihm dazu mit bestimmten Umständen schaden. Gott, der Herr, wollte Hiob als treuen Diener erweisen, dazu erlaubte er Satan gegen Hiob vorzugehen. Die Chaldäer wussten nichts von dem Gespräch zwischen Gott und Satan. Sie sahen nur einen reichen Mann und wollten seinen Reichtum für sich. Deswegen bestahlen sie ihn. Alle Ereignisse wirkten auf verschiedene Weise, doch Hiob hatte keinen Verlust erlitten, bis Satan ihn diskreditieren wollte, Gott ihm das zu versuchen erlaubte und die Chaldäer den Reichtum Hiobs sahen und begehrten. Alle drei Elemente wirkten zusammen zu Hiobs Leiden, aber Gott blieb dabei heilig und gerecht.

Das vielleicht beste Beispiel für das Zusammenwirken ist die Kreuzigung unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Wenn wir die verschiedenen Akteure in dem Geschehen betrachten, erkennen wir viele unterschiedliche Beweggründe und Taten. Aber vorher bedenken wir an diesem Beispiel, dass die Personen der Trinität die gleiche Absicht verfolgten und dabei jeder in dem Handeln des Anderen involviert war. Sie wirkten zusammen die Rettung, wobei einzelne Taten mit jeder Person verbunden sind. Zu den weiteren Tätern zählte Judas, der Jesus verriet, weil er Geld haben wollte. Die Ältesten der Juden ärgerten sich über den Zuspruch, den Jesus erhielt, und waren erschreckt über seine Kritik an ihnen. Die römischen Herrscher wollten den Streit unter den Juden beenden, damit sich dieser nicht zu einer Revolte auswuchs. Satan wollte den Dienst von Christus und seine Angriffe gegen sein dämonisches Reich stoppen. Jesus ging mit Absicht ans Kreuz, um für die Sünden seines Volkes zu bezahlen und seinem Vater gehorsam zu sein. Der Vater sandte Jesus ans Kreuz, um damit sein Versprechen zu erfüllen, sein Volk zu erretten. Der Heilige Geist unterstütze Jesus am Kreuz, damit die Versöhnung vollbracht werden konnte und der Retter verherrlicht wird (Jes 53; Mt 26,3-5.14-16; 27,24-26; Joh 3,16; 11,45-49; Röm 8,32; Heb 9,14; Offb 12,4). Alle Akteure im größten Werk der Erlösungsgeschichte mussten so handeln, dass die Versöhnung stattfand. Während jeder andere Motive hatte und anders handelte, wirkte alles zusammen, um die Pläne und Ziele Gottes zu verwirklichen. Gott regierte das alles, ohne etwas Falsches zu tun oder dem Willen der Einzelnen Gewalt anzutun. So hat es Petrus an Pfingsten zum Ausdruck gebracht (Apg 2,23): „Diesen Mann, der nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes hingegeben worden ist, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht.“

Alles hat einen Grund

Gottes Vorsehung bedeutet, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht, seien es die großen oder die kleinen Dinge, ob nun gut oder böse. Letztlich aber geschieht alles aus gutem Grund, weil die Vorsehung Gottes dazu wirkt, dass alle Dinge gemäß dem Ratschluss seines vollkommenen Willens geschehen (Eph 1,11). Es könnte noch viel mehr dazu gesagt werden, aber hier ging es um die grundlegende biblische Lehre: Gottes Wirken geschieht in den alltäglichen Dingen genauso wie in den außerordentlichen und weitgehend durch seine Geschöpfe. Er ist der souveräne Herr über alles, was geschieht, auch wenn wir es uns nicht vorstellen können. Seine souveräne Vorsehung, die alles kontrolliert, wirkt nichts, was sinnlos ist. Ohne sie aber hätte nichts einen Sinn.

Übersetzung und Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Ligonier Ministries