LiteraturBuchbesprechungen

Levitikus 1-15

Hieke, Thomas. Levitikus 1-15. Freiburg: Herder 2014. 560 S. Hardcover: 95,00 €. ISBN: 978-3-451-26806-9. Levitikus 16–27. Freiburg: Herder 2014. 624 S. Hardcover: 100,00 €. ISBN: 978-3-451-26807-6.

Während es im englischspra­chigen Raum mehrere aktuelle und sehr ausführliche Kommentare zum Buch Levitikus (3. Mose) gibt,1 ist die Auswahl bei umfangreichen deutschsprachigen Kommentaren ziemlich gering, zumal darunter (im Ggs. zu den englischen Kommentaren) kaum ein bibeltreuer Kommentar zu finden ist. Insofern war das Erscheinen des Levitikuskommentars von Thomas Hieke (Professor für Altes Testament an der Universität Mainz) in der Reihe Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament sehr erfreulich. Und um es gleich vorwegzunehmen: Das Werk von Hieke ist einer der besten Kommentare der Reihe. Der Kommentar ist zwar aus drucktechnischen Gründen in zwei Bände aufgeteilt, aber als einziges Werk mit durchgehender Seitenzählung konzipiert (dementsprechend findet sich eine Gesamtbibliografie und ein Gesamtinhaltsverzeichnis nur zu Beginn des ersten Bandes und ein Stellen­register nur am Ende des zweiten Bandes). Der Kommentar kommt so auf insgesamt 1165 Seiten, die sich einer detaillierten Auslegung des Buches Levitikus widmen. Der Kommentar beginnt nach Abkürzungs-, Literatur- und Abbildungsverzeichnis (11-40) mit einer 100-seitigen Einführung in das Bibelbuch (41-140). Sowohl ein Highlight als auch der Schwerpunkt dieser Einleitung ist ein ausführliches Glossar (79-140), in dem wichtige Begriffe aus dem Buch Levitikus erläutert werden (z.B. „Hochheiliges“, „Priester“, „rein und unrein“ oder „Versöhnung erwirken“).

Den Hauptteil der beiden Bände bildet die abschnittsweise Kommentierung (142–1135). Für jeden Abschnitt findet sich zunächst eine kurze Bibliografie, eine Über­setzung mit detaillierten sprachlichen Anmerkungen, eine Einordnung in den Kontext mit Analyse des strukturellen Aufbaus und schließlich die ausführliche Vers-für-Vers-Kommentierung. Die eigentliche Kommentierung bewegt sich nah am Grundtext, wobei hebräische Worte und Ausdrücke jeweils mit einer zusätzlichen Transkription und deutscher Übersetzung wiedergegeben werden, damit sie auch ohne Hebräischkenntnisse erschlossen werden können.

Wie in allen Bänden der Kommentarreihe fällt das Drucklayout positiv auf: Ein breiter Rand für Notizen enthält zudem wichtige Stichworte des jeweiligen Abschnittes und hilft so bei einer schnellen Orientierung. In inhaltlicher Hinsicht fällt positiv auf, dass sich Hieke nicht mit ausführlichen literarkritischen Hypo­thesen abgibt, sondern tief in das biblische Buch und seinen Kontext eintaucht. Es kommt damit zu einer sehr eingehenden Aus­einandersetzung mit dem Bibeltext, die an vielen Stellen neue Einsichten eröffnet und auch Details schlüssig erklärt. Das ist ohne Zweifel ein großer Gewinn und hilft bei einer tiefgehenden Beschäftigung mit dem sonst vielfach vernachlässigten Bibelbuch weiter. Stellenweise kommen jedoch auch bibelkritische Haltungen durch (so sei die Beschreibung des Brandopferaltars eine „theoretische Rückprojektion des … Altars aus dem Jerusalemer Tempel“, da die Kupferplatten die Hitze des Feuers nicht aushalten könnten, siehe S. 164), die aber dennoch nicht den Gesamteindruck prägen. Ferner fällt auf, dass die Kommentierung trotz ihres Detailgrades häufig etwas distanziert und trocken wirkt.2

Vermisst hat der Rezensent außerdem ein Sachregister. Da auch das Glossar durch Unterkategorien nicht streng alphabetisch geordnet ist und einige Begriffe nicht intuitiv zu finden sind (so ist etwa die Erklärung zu „Sühne“ unter „Versöhnung erwirken“ zu finden), hätte das die Arbeit mit dem Doppelband an manchen Stellen erleichtert. Diese Schwächen haben angesichts der Fülle an wertvollen Informationen jedoch untergeordnete Bedeutung und tun der Tatsache keinen Abbruch, dass hier eine gelungene Kommentierung eines sonst eher selten behandelten Bibelbuches vorliegt.

Fazit: Der Levitkuskommentar von Thomas Hieke gehört zu den besten Bänden der Auslegungsreihe Herders Theologischer Kommentar und leistet gute Dienste bei einer intensiven Beschäftigung mit dem Bibelbuch. Dies gilt auch trotz kleinerer Schwächen, von denen gelegentliche bibelkritische Bemerkungen am stärksten ins Gewicht fallen.


  1. Dazu gehören die Kommentare von Gordon Wenham (1979), John Hartley (1992), Jacob Milgrom (1998), Mark Rooker (2000), John Kleinig (2003), John Currid (2005), Allen Ross (2006), Nobuyoshi Kiuchi (2007), Robert Vasholz (2007) oder Jay Sklar (2013). 

  2. Dass dies, anders als man denken könnte, nicht auf das Buch Levitikus selbst, sondern die Art der Kommentierung zurückzuführen ist, zeigen einige englische Kommentare, die sich deutlich engagierter mit dem Buch auseinandersetzen und immer wieder einen Blick für die Glaubenspraxis erkennen lassen.