LiteraturBuchbesprechungen

Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama

Der Titel des Buches trifft das Problem: ein Beziehungsdrama! Der Autor ist intensiv bemüht, das Problem zu lösen, indem er alle Geschütze für die Integration von Homosexuellen in christliche Gemeinden aufbietet.

Zunächst spricht der Psychotherapeut aus tiefenpsychologischer Sicht und stellt fest, dass die Homosexuellen Opfer ihrer Erziehung und ihrer Umgebung seien, deshalb sei ihre sexuelle Entwicklung gestört worden, so dass sie ihre Empfindungen nicht offen hätten ausleben können. Und deshalb seien sie schweren Leiden ausgesetzt worden.

Dann stellt er mit einem Blick in die Geschichte fest, dass die Gesellschaft, immer einseitig beeinflusst, diese Menschen geächtet hätten. Da dies nördlich der Alpen schlimmer gewesen sei als südlich davon, geht er diesen Ursachen nach und findet sie im preußischen Soldatentum.

Das Hauptaugenmerk des Buches liegt auf der biblischen Bewertung des Problems. Hier geht er hart mit den evangelikalen ‚Hardlinern‘ ins Gericht, die sich nicht die Mühe gemacht hätten, die Bibel sorgfältig zu studieren. Er scheut nicht davor zurück, gläubige Christen dieser Gemeinden als vom Mainstream dieser Glaubensrichtung beeinflusst zu bezeichnen, weil sie es nicht wagten, offen mit der Homosexualität umzugehen und solche Menschen als gleichwertig in Gemeinden aufzunehmen, denn dies ‚entspreche‘ der Liebe Christi.

Sie hätten nicht erkannt, dass die Bibel an keiner Stelle Aussagen zur Homosexualität mache, die gestatteten, daraus ein Verbot homosexueller Partnerschaften zu konstruieren. Gott hätte alle Menschen lieb, und jeder, der mit IHM leben möchte, sei – gleich welcher sexuellen Orientierung – IHM angenehm. Deshalb müssten alle Homosexuellen mit gleichen Rechten in die Gemeinde aufgenommen werden. Obwohl er sauber darlegt, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau die ‚normale‘ Verbindung von Partnerschaft und Liebe sei, kommt er dennoch zu dem Schluss, dass auch jede homosexuelle Verbindung, wenn sie denn auf Treue, Vertrauen und Liebe aufgebaut sei, von IHM akzeptiert wird und gesegnet ist.

Kurz gesagt, die Tatsache der Ablehnung von ausgelebter Homosexualität sei allein Grund von der Angst dieser Evangelikalen, gegen den Mainstream ihrer Glaubensrichtung zu handeln und diesen Menschen das zukommen zu lassen, was ihnen von Gott zugedacht sei: Akzeptanz und volle Aufnahme in die Gemeinde.

Martin Grabe. Homosexualität und christlicher Glaube: ein Beziehungsdrama Francke-Buchhandlung, 2020. geb. 96 Seiten. 10,95 €. ISBN 978-3963621727.

Die Begründungen von Herrn Grabe überzeugen an keiner Stelle: Sowohl die alleinige Begründung durch tiefenpsychologische Ansichten, die jede Verantwortlichkeit des einzelnen für sein Handeln ablehnen, als auch die historischen Argumente (Altertum und Neuzeit) können nicht befriedigen, weil sie nicht hinreichend die Aussagen belegen. Vor allem aber die Begründungen mit der Bibel sind so einseitig, dass jede der über 20 zitierten Bibelstellen nur in der vorgefertigten Sicht interpretiert werden. Weder wird der Kontext aufgearbeitet, noch die Gesamtschau der Bibel als Hilfe zur richtigen Einordnung dieser Stellen genutzt. Treffend hat der Autor an einer Stelle (Kapitel 8) eine Frau zitiert, die ‚sehr intelligent‘ sei und die deshalb seiner Argumentation habe folgen können.

Gerne will ich daher als rückständig gelten und mit der Hilfe des Heiligen Geistes seinen Willen erforschen. Als Lektüre, die wirklich allen hilft, kann ich vor diesem Buch nur warnen.