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ThemenGlaube und Wissen(schaft)

Der Wissenschaft folgen?

Aus wissenschaftlicher Erkenntnis lässt sich ohne zusätzliche ethische Maßstäbe kein Handeln ableiten. Das gehört zu den normalen Grenzen von Wissenschaft, die Wirklichkeit beobachtet, misst und die Daten deutet. Es ist zwar einerseits erstaunlich, wie stark christliche Werte das politische Handeln weltweit in der Corona-Krise bestimmen. Weil das aber ohne die bewusste Verantwortung vor Gott geschieht, werden auch wichtige Grenzen überschritten. Christen sind keine Wissenschaftsskeptiker, aber sollten die Grenzen von Wissenschaft betonen. Dabei müssen sie zentral darauf aufmerksam machen, dass es Leben nicht ohne die Verbindung zu Gott gibt.

Immer wieder ist die Forderung zu hören, man solle auf die Wissenschaft hören und ihr folgen. Greta Thunberg hat das zu ihrer Botschaft im Kampf gegen den Klimawandel gemacht. Den Kongress­abgeordneten in den Vereinigten Staaten hielt sie z.B. im September 2019 eine kurze Rede, die so lautete: „Ich will nicht, dass Sie mir zuhören. Ich will, dass Sie den Wissenschaftlern zuhören. Ich möchte, dass Sie sich hinter die Wissenschaft stellen und echte Maßnahmen ergreifen.“1 Sie geht offenbar davon aus, dass die Erkenntnisse von Klimaforschern direkt zu einem bestimmten Handeln führen. In der Corona-Pandemie zeigt sich ein ähnliches Bild.

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In Deutschland wurde der Berliner Virologe Christian Drosten zum Wegweiser für die richtigen Maßnahmen in der Bekämpfung der Ausbreitung und ihrer Folgen. Auch dass er sich selber dagegen gewehrt hat, nicht zum „Corana-Kanzler“ werden wollte und gelegentlich auf die Grenzen seiner Erkenntnis hinwies, hat nicht verhindert, dass er verehrt wird und bereits T-Shirts mit seinem Porträt angeboten werden, das mit dem Aufruf „TRUST“, vertraue, unterschrieben ist.2 Das Handeln in der Corona-Krise als konsequentem Schauen auf die Wissenschaft und der Ableitung des Handelns aus wissenschaftlicher Er­kennt­nis erscheint nun wiederum einigen als Blaupause für das Handeln in der Be­kämpfung des Klimawandels. Nicht nur Greta Thunberg hat sich inzwischen so geäußert.3

Die Corona-Krise ist auch ein Lehrstück dafür, dass die Forderung, der Wissenschaft oder den Wissenschaftlern zu folgen, unsinnig ist.

Allerdings ist die Corona-Krise auch ein Lehrstück dafür, dass die Forderung, der Wissenschaft oder den Wissenschaftlern zu folgen, unsinnig ist. Wissenschaft kann prinzipiell keine Ethik, also Richtlinien für gutes und richtiges Handeln, anbieten und darum können aus ihren Erkenntnissen auch nicht ohne Weiteres Anweisungen für richtiges Han­deln abgeleitet werden. Erst wenn es ethische Prinzipien gibt, können z.B. Erkenntnisse von Virologen, Medizinern oder Klimaforschern zu einer Entscheidung für gutes Handeln beitragen. Das ist beispielsweise an der Diskussion um Abtreibungen während der Corona-Krise deutlich. Christina Hänel, die vehemente Befürworterin von Abtreibungen aus Gießen, sieht das Leben von Frauen gefährdet, wenn aufgrund von Einschränkungen Abtreibungen nur eingeschränkt möglich sind. Sie sollten nicht zu den Wahleingriffen gezählt werden, die nicht mehr durchgeführt werden sollen. Dass eventuell das Leben der werdenden Mutter oder der behandelnden Ärzte durch Covid-19 gefährdet wird, stellt sie hinter einer Abtreibung zurück.

1. Aus wissenschaftlicher Erkenntnis folgt keine bestimmte Ethik.

Es ist relativ schnell einsichtig, dass Viro­logen, Epidemiologen oder Mediziner aus ihren Einsichten über ein Virus, seine Ausbreitung und seine Wirkung auf die Gesundheit nicht direkt ableiten können, wie sich Menschen verhalten sollen. Ohne die übergeordnete ethische Entscheidung, dass man Menschenleben schützen oder retten will und deswegen in einer bestimmten Weise auf die Ausbreitung des Virus reagiert, bieten die Erkenntnisse keine Hilfe. Der Virologe kann beobachten, wie ein Virus aufgebaut ist, bei welchen Wirten es sich einnistet, wie es sich durch die Nutzung bestimmter Körperzellen seines Wirtes vermehrt und wie es sich auf weitere Wirte verbreitet. Er kann wohl auch sagen, wie man die Ausbreitung fördert oder eingrenzt. Ob man es allerdings tun soll oder nicht, geht aus seinen Forschungen und Erkenntnissen nicht hervor.

Nehmen wir an, der Virologe nimmt seine Ethik aus einem Sozial­dar­winismus, der sagt, dass sich das Starke durchsetzen und überleben wird, während das Schwache am Virus stirbt. Die Natur befreie sich so vom Schwachen und entwickele sich zu Höherem. Dann würde er sagen, dass nach seinen Erkenntnissen rund 90% die Ansteckung gut verkraften, Antikörper entwickeln und danach immun sind. Die 10% Infizierten, die stark geschädigt werden oder sogar sterben, sind eben zu schwach oder zu wenig angepasst. Wäre der Virologe Buddhist, dann würde er das vielleicht dem Karma zuschreiben, das diese Menschen im Laufe ihres Daseins gesammelt haben und müsste auch das Sterben nicht bekämpfen, da jeder wiedergeboren wird und das vielleicht sogar in einer höheren Lebensform.

Ob Wärme oder Kälte gut oder schlecht ist, geht nicht aus der wissenschaftlichen Beobachtung des Klimas hervor.

Auch die Beobachtung, dass sich das Klima ändert und die Theorien darüber, welche Ursachen das haben könnte, bieten keine Ethik. Warum sollte man ein bestimmtes Klima schützen? Warum ist eine Eiszeit schlechter als eine Warmzeit? Für ein so kleines Land wie Deutschland kann man bei jeder Wettervorhersage erkennen, dass es im Süd­westen grundsätzlich ein paar Grad wärmer ist als im Norden und Osten. Warum soll ein kühleres Klima besser oder schlechter sein als ein wärmeres? Es kann günstiger für Ackerbau sein und deswegen die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln verbessern und so einen bestimmten Lebensstil oder auch nur das Überleben sichern. Warum soll das Klima der vorindustriellen Zeit der Standard sein, an dem sich „gutes“ Klima ablesen lassen soll? Nehmen wir an, ein Klimaforscher würde einer extremen Öko-Ideologie anhängen. Dann könnte er sagen, dass es das Beste ist, wenn man der Natur ihren Lauf lässt. Sie wird schon alles selber regeln. Auf die Klimaerwärmung werden dann vielleicht Naturkatastrophen folgen, die so viele Menschen töten und Industrieanlagen zerstören werden, dass weniger Menschen auch weniger zur Klimaerwärmung beitragen und es folglich wieder kühler wird. Hinge er allerdings einer Naturreligion an, dann würde er vielleicht folgern, dass der Mensch die Naturgeister verärgert hat und sie einerseits durch Opfer gnädig gestimmt und andererseits durch ein Verhalten, das die Geister weniger stört, besänftigt werden müssen.

Auf welche Wissenschaft man auch schaut und selbst, wenn man alle Wissenschaft zusammenfasste, sie selbst kann die Ethik nicht bieten, die für jedes Handeln notwendig ist. Denn in dem Moment, in dem ein Mensch handelt, braucht er bewusst oder unbewusst Maßstäbe dafür. Spätestens mit einem bestimmten Handeln zeigt er seine Werte, weil er so handelt und nicht anders. Für ein bestimmtes Handeln braucht es also wie im Hinblick auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie zusätzliche ethische Maßstäbe, die Mathematik, Medizin, Physik, Meteorologie, Soziologie oder Psychologie nicht im Gepäck haben. Das liegt schon am Prinzip der Wissenschaft, das darin besteht, Wirklichkeit zu beobachten, zu beschreiben und zu deuten. Wenn man etwa in der Biologie die Nahrungskette erforscht, wird man aus seinen Erkenntnissen nicht ableiten können, dass das Fressen und Gefressenwerden dabei an irgendeiner Stelle besser oder schlechter ist.

2. Christliche Maßstäbe haben offenbar eine große Kraft.

Man kann nun eine erstaunliche Feststellung machen: Es sind ethische Maßstäbe, die vor allem durch die christliche Ethik geprägt sind, die das weltweite Handeln in der Corona-Pandemie mitbestimmen. Selbst in Indien, das die gegenwärtige Regierung zu einem hinduistischen Land machen will, bestimmt inzwischen der Schutz des Lebens der Schwachen das Handeln. Nach und nach sind nahezu alle Regierungen rund um den Globus darauf eingeschwenkt. Auch das Prinzip, dass der Mensch sich die Erde untertan machen soll und damit auch die Erlaubnis und sogar den Auftrag hat, gegen die Bedrohung durch die Natur zu kämpfen, findet sich in der Bibel. Allerdings sind diese ethischen Prinzipien meist vom Vertrauen auf den wahren Gott gelöst. Sie sollen ohne Vertrauen auf Gott einfach funktionieren. Das ist vor allem eine Folge davon, dass sich die Wissenschaften zum Prinzip gemacht haben, dass sie so forschen wollen, als ob es keinen Gott gäbe. Sie gehen also nicht davon aus, dass ein Gott je nach seinem Willen in den Gang der Natur eingreift, sondern dass es Naturgesetze gibt, die auch ohne Gott funktionieren, weil sie der Natur innewohnen. Auch das ist zum Teil eine Folge des christlichen Verständnisses der Wirklichkeit. Gott hat die Welt in einer gewissen Selbstständigkeit erschaffen. Die Natur ist nicht göttlich, indem Gott in ihr ist. Gott ist unabhängig vom Geschaffenen. Allerdings stammt das Leben von Gott, wie die Bibel an vielen Stellen betont. Leben ist keine unabhängige Größe, die von selbst funktioniert. An dieser Stelle haben sich Teile der Wissenschaft von christlicher Ethik gelöst, wenn sie so tun, als ob das Leben nur eine Funktion des Materiellen sei.

Der Schutz menschlichen Lebens aufgrund der besonderen Würde des Menschen beruht auf einer von der Bibel geprägten Weltanschauung.

Ein besonderer Schutz von menschlichem Leben ließe sich daraus aber nicht begründen, weswegen auch manche Tier­schützer für Tiere die gleichen Rechte wie für Menschen fordern. Das Töten von Mäusen oder Ratten, die den Menschen nicht nur ärgern, sondern vielleicht auch Krankheiten übertragen, wäre dann ein Unrecht.

Es erscheint mir aus biblischer Sicht wichtig, dass Christen einerseits an christliche Werte erinnern, die dem Menschen erst seine Würde verleihen. Andererseits sollen sie immer wieder darauf aufmerksam machen, dass bei allem Respekt vor wissenschaftlicher Forschung, Theorien und Fortschritten – etwa in der Bekämpfung von Krankheiten – das Leben selbst von Gott stammt und deswegen die Existenz von Naturgesetzen nicht außer Kraft setzt, wenn Gott der Herr über Leben und Tod bleibt. Was Paul Gerhardt in seinem bekannten Lied dichtete, gilt und ist kein Widerspruch zur Wissenschaft, wenn er Vertrauen zu einem Gott herausfordert, der die Welt regiert:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn;

auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.

Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein

lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht,

lass fahren, was das Herze betrübt und traurig macht;

bist du doch nicht Regente, der alles führen soll,

Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.

Ihn, ihn lass tun und walten, er ist ein weiser Fürst

und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst,

wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat

das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat.

3. Wissenschaft bietet nur eine beschränkte Sicht der Wirklichkeit und widersprüchliche Deutungen.

Es gibt einen weiteren Grund, warum Wissenschaft nicht zum Leitstern für menschliches Handeln geeignet ist. Der liegt in dem Prinzip von Wissenschaft, dass sie, um irgendeine Erkenntnis über die Wirklichkeit zu beschreiben, immer vereinfachen muss und Modelle entwickelt, die aber nie die Wirklichkeit selber umfassen können. Deswegen sind auch Widersprüche in der Wissenschaft normal, weil die Wirklichkeit zu komplex ist, als dass man sie in einem Modell erfassen könnte.

Eine beschränkte Sicht auf die Wirklichkeit und widersprüchliche Modelle zur Erklärung sind für Wissenschaft normal.

Anfangs schauten während der Corona-Pandemie alle auf die Veränderung der Infi­zier­ten­zahlen, die Zahl der Ver­storbenen und auf die Ent­wicklung in einzelnen Ländern und Regionen. Die genauen Zahlen täuschten aber darüber hinweg, dass hier nicht annähernd das ganze Geschehen richtig abgebildet werden kann. Bald machten einige Wissenschaftler darauf aufmerksam, dass es eine unbekannte Anzahl an Infizierten gibt, die in den Zahlen nicht erfasst sind. Die Schätzung der Dunkelziffer ging vom Faktor 5 bis zum Faktor 20: Also in Wirklichkeit gibt es vielleicht nicht nur 100.000 Corona-Infizierte, sondern 500.000 oder sogar 2 Millionen. Dann wurde darauf verwiesen, dass nicht einmal die Zahl der Verstorbenen eindeutig sei, weil nicht klar unterschieden wurde, ob der Tod direkt durch die Folgen der Krankheit Covid-19 eingetreten sei oder etwa durch eine andere Erkrankung oder Alterskrankheiten und die Ansteckung mit dem Virus nur dazu kam. Es gibt auch bis jetzt unterschiedliche Einschätzungen über die Gefährlichkeit des Virus, die eventuell erst in einem Jahr genauer bestimmt werden kann, wenn die sogenannte Über­sterblichkeit abschätzbar ist, die anzeigt, wie viel mehr Menschen über den statistisch „normalen“ Todesfällen eines Jahres gestorben sind. Immerhin sterben in Deutschland mehr als 2.500 Menschen an jedem Tag.

Daraus sollten Christen nicht den Schluss ziehen, dass auf Wissenschaft eben kein Verlass ist und man deswegen nichts glauben kann. Das alles ist für Wissenschaft normal. Und daraus folgt auch, dass es Uneinigkeit über die richtige Deutung von Messdaten und Beobachtungen gibt. Es ist eher die vielfach beschworene Einigkeit von 98% der Klimawissenschaftler über den von Menschen verursachten Klimawandel, die Fragen aufwirft. Christen sind keine Gegner von Wissenschaft. Sie wissen, dass es eine wunderbare Aufgabe in der Welt ist, den Spuren Gottes in der Schöpfung nachzugehen und zu erforschen, wie es Gott gemacht hat. Bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen spricht man in diesem Zusammenhang von Design-Signalen. Bestimmte Erscheinungen in der Natur sprechen dafür, dass sie das Ergebnis der Schöpfung durch einen allmächtigen und weisen Gott sind (Röm 1,19-20).

Es macht auch keinen Sinn, dass manche Christen ohne besonderen Sachverstand entscheiden wollen, welcher Virologe oder Klima­tologe denn nun recht hat. Es wäre angemessen, das Recht, die Möglichkeiten und die Grenzen von Wissenschaft nüchtern zu sehen.

Es macht auch keinen Sinn, dass manche Christen ohne besonderen Sachverstand entscheiden wollen, welcher Virologe oder Klima­tologe denn nun recht hat. Es wäre angemessen, das Recht, die Möglichkeiten und die Grenzen von Wissenschaft nüchtern zu sehen. Dann kann man sich einerseits über das Geschenk Gottes freuen, das es uns ermöglicht, in einem Land mit sehr guter medizinischer Versorgung zu leben. Andererseits wissen wir, dass Ärzte keine „Halbgötter in weiß“ sind und dass das analog auch für alle anderen Wissenschaftler gilt. Wir können dankbar dafür sein, dass wir unter Umwelt­bedin­gun­gen leben können, die uns nicht dauernd gefährlichen Giften ausgesetzt sein lassen. Ein zielgerichteter Umweltschutz, der nicht die Umwelt wegen einer ökologischen Ideologie schützen will, sondern als Lebensraum von Menschen, ist ganz im biblischen Sinn. Nur wissen wir, dass der Mensch nicht einmal in der Lage ist, seinen eigenen Garten zu schützen, geschweige denn die ganze Schöpfung bewahren kann. Aber als Diener des Gottes, der seine Schöpfung selber bewahrt, soll auch der Mensch die Natur vor Schaden bewahren, soweit das in einer gefallenen Schöpfung möglich ist, in der der Tod regiert.

Christen sollten immer wieder darauf auf­­merksam machen, dass die Wirklichkeit sich zwar z.B. mit mathematischen Metho­den beschreiben lässt, dass aber zur ganzen Wirklichkeitswahrnehmung mehr notwendig ist. Ein wichtiger Teil dieses Mehr ist auch die christliche Weltsicht, die kein Feind von Wissenschaft ist, aber auf ihre Grenzen aufmerksam macht. Außerdem zeigt sie eine Dimension auf, die mit keiner Wissenschaft erfasst werden kann, aber überall ihre Spuren hinterlässt: Die versöhnte Bezie­hung zu Gott ist notwendig und durch Jesus Christus auch möglich.

4. Den Tod kann nur Gott, aber keine Wissenschaft überwinden.

Teile der Wissen­schaft scheinen sich Ziele gesetzt zu haben, die nicht erreichbar sein können. Dazu gehört, den Tod zu überwinden. Das aber ist nach Aussagen der Bibel nicht möglich (1Kor 15,25-27): „Denn Christus muss herrschen bis er alle Feinde unter seinen Füßen hat. Als letzten Feind vernichtet er den Tod, denn: ‚Alles hat Gott ihm unterworfen, alles unter seine Füße gestellt.‘“ Nur Christus kann den Tod besiegen, wie er es mit seiner Auferstehung bewiesen hat.

Es macht für die Medizin aus christlicher Perspektive Sinn, gegen die Folgen des Todes, z.B. gegen Krankheiten und Gebrechen, zu kämpfen und Leiden zu lindern. Aber die Medizin kann den Tod nicht besiegen. Wenn die Zeit zum Sterben gekommen ist, dann ist es sogar so, dass medizinische Maßnahmen, die zeitweise angebracht sein können, wie Beatmung, künstliche Ernährung und anderes, das Sterben nur erschweren und die Qual vergrößern. Nicht ohne Grund haben viele Menschen eine intensivmedizinische Betreuung in einer Patientenverfügung ausgeschlossen, weil sie diese Qual am Ende fürchten.

Wie in der Corona-Krise deutlich wurde, entstehen in einer Welt, die vom Tod gezeichnet ist, immer Konflikte, die nicht durch Wissenschaft allein gelöst werden können. Nehmen wir an, man könnte die Ansteckung durch das Virus durch eine absolute Ausgangssperre aufhalten. Dann würden Menschen unter Umständen nicht mehr an Covid-19 sterben, aber irgendwann verhungern. Unsere reiche Gesellschaft kann sich einige Wochen Stillstand wahrscheinlich ohne größeren Schaden leisten, aber auch jetzt ist es nicht möglich, Leben zu retten, ohne anderes Leben zu gefährden. Das wird spätestens klar, wenn man sich vor Augen führt, dass die Infizierten, die andere anstecken könnten, nicht einfach weggeschlossen werden, sondern sich Menschen in Gefahr bringen, indem sie Kranke pflegen und versuchen, ihr Leben zu retten. In Italien haben sich dabei auch viele ältere Ärzte, die aus dem Ruhestand zurück ans Krankenbett gekehrt waren, mit dem Virus angesteckt und sind daran gestorben.

Für Christen ist in diesem Zusammenhang noch etwas anderes wichtig: Sie denken daran, dass der Mensch nicht nur zeitlich und leiblich lebt, sondern, dass er das ewige Leben aus dem Wort Gottes und dem Glauben an Jesus Christus braucht. Dieses ewige Leben hat sogar einen höheren Wert als das irdische Leben. Deswegen müssen wir auch dafür kämpfen, dass die Begleitung Sterbender nicht verboten wird. Aber auch der Gottesdienst ist keine Unterhaltung, auf die wir einfach verzichten könnten. Der Gottesdienst, der natürlich auch in einem Hausgottesdienst stattfinden kann, ist der Ort, an dem wir vor allem in der Gemeinschaft der Geschwister das Wort des Lebens hören.


  1. https://www.dw.com/de/greta-thunberg-h%C3%B6rt-den-wissenschaftlern-zu/a-50488093 

  2. https://shop.spreadshirt.de/coronacharity/ abgerufen am 14.7.2020; der Shop hat die T-Shirts inzwischen aus dem Angebot genommen 

  3. https://www.welt.de/wirtschaft/article207437565/Greta-Thunberg-Das-Virus-koennte-Blaupause-fuer-die-Klimakrise-sein.html . Eine besondere Blüte in der Diskussion dürfte der Beitrag des Klimatologen des Potsdam-Instituts Stefan Rahmsdorf im Sciencelog von nature.de sein. Er will – ohne eigene Sachkenntnis – dort die Aussagen eines Arztes zum Corona-Virus widerlegen und behauptet zugleich, dass dieser wie ein Klimaleugner argumentiere. Seine Kritik trifft ihn allerdings selbst. Das wird am schönsten deutlich, wenn er sich auf Galileos Geschichte beruft und behauptet: „Galileis Thesen wurden von der Kirche bekämpft, unter den führenden Forscherkollegen quer durch Europa fanden sie dagegen rasch Anklang, weil er empirische Belege hatte.“ Tatsächlich hatte nämlich Galileo keine Belege und wurde deswegen auch von den meisten seiner Forscherkollegen abgelehnt. Auch von der Kirche wurde er deswegen an wissenschaftliche Standards erinnert und erst bekämpft, als er ausdauernd unwissenschaftlich und beleidigend argumentierte. Trotzdem hatte er recht. https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/wissenschaftsleugnung-in-zeiten-von-corona/