LiteraturBuchbesprechungen

Die Schwachen tragen

Pfeifer, Samuel, Die Schwachen tragen: psychische Erkrankungen und biblische Seelsorge. 7. aktualisierte Auflage. Niederbüren: Esras.net, 2017. 224 S. Paperback: 9,95 €. ISBN: 978-3-9058-9998-6.

Das wertvolle Buch, das in die Hand jedes Seelsorgers gehört, der mit psychisch kranken Menschen zu tun hat, erlebt seine 7. Auflage und ist vom Autor selbst auf einen aktuellen Stand gebracht worden. Pfeifer schreibt als Christ und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und hat in zahlreichen Bücher versucht, sein Wissen an Gemeinde­seelsorger weiterzugeben. Dabei richtet er sich auch an den ehrenamtlichen Seelsorger, der schwachen Menschen helfen will, die an psychischen Erkrankungen leiden.

Pfeifer ist der Überzeugung, dass Teile des Wissens aus der Psychiatrie und Psychotherapie hilfreiche Beschreibungen und Modelle von realen Erkrankungen sind und die angebotenen Therapien auch in gewissem Umfang Hilfen bieten. Er setzt sich aber auch kritisch mit unbiblischen Menschenbildern und magischen Methoden auseinander. Er selbst geht davon aus, dass psychische Erkrankungen in einer Wechselwirkung von körperlichen Anlagen, die jeder Mensch unterschiedlich hat, Erlebnissen und Belastungen aus der Umwelt, z.B. durch die Familie oder persönliche Versuchungen, und dem jeweiligen richtigen oder falschen Umgang mit diesen Gegebenheiten entstehen. Die Aufgabe der Seelsorge liegt für ihn besonders auf dem letzten Feld. Allerdings warnt er vor jeder Art von Vereinfachung, wenn man es mit dem Wunderwerk Mensch zu tun hat, der keine Maschine ist, sondern Gegenüber Gottes.

„Psychische Störungen lassen sich nicht mit einfachen Modellen erfassen. Unser Wissen um die Ursachen und Behandlung ist … Stückwerk. Die Bibel zeigt uns die Richtung, aber sie enthält nicht Antworten auf jede Detailfrage in der Psychiatrie … Genauso wird auch kein noch so detailliertes Wissen über die Natur psychischer Erkrankungen und keine noch so faszinierende Theorie über ihre Heilung das persönliche Ringen des Betreuers ersetzen, der sich in die Begleitung psychisch kranker Menschen einlässt.“ (189)

Der zweite Teil des Buches stellt kurz einige Erkrankungen vor, wobei ein gewisser Schwerpunkt auf der Depression und schizophrenen Krankheitsbildern liegt. Neben der Beschreibung von Symptomen, die teilweise anhand von gängigen Fragebögen dargelegt werden, gibt Pfeifer hilfreiche Ratschläge für den Seelsorger. Pfeifer hat zwar viele Zahlen im Buch aktualisiert und manches einem neueren Sprachgebrauch angepasst, aber seine Darstellung des Modells von der Depression nicht überarbeitet. Auch spricht er weiter von Neurosen, obwohl man die Krankheiten heute anders beschreibt.

Das macht allerdings auch deutlich, dass wir es früher wie heute mit Modellvorstellungen zu haben, die sich der Wirk­lichkeit immer nur annähern können. Und wie sich das Modell der Depression in den letzten 30 Jahren seit dem ersten Erscheinen des Buches gewandelt hat, so mag es sich auch in den kommenden Jahren ändern. Deswegen ist es aus Sicht der christlichen Seelsorge auch so wichtig, dass Menschen mit ihren Erkrankungen nicht abgestempelt werden und die Benen­nungen von Krankheiten nicht dazu führen, den einzelnen Menschen aus dem Blick zu verlieren. Dazu kann das Buch sehr hilfreich sein, weil Pfeifer eine gesunde Haltung transportiert. Im aktuellen Vorwort schreibt er:

„Ich hätte mir gewünscht, dass der Fortschritt in der Psychiatrie in den letzten dreißig Jahren weitergegangen wäre. Gerne hätte ich das ganze Buch neu geschrieben … Doch die Fortschritte der Medizin machen zögerlichen Halt vor dem psychischen Leiden.“ (12).

Insbesondere wegen seiner Übersichtlichkeit und kompetenten Einführung ist das Buch in der aktuellen Auflage empfehlenswert. Es ermutigt, Menschen in schwieriger Lage seelsorgerlich beizustehen.