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„Ja!“ zu Mission – „Nein!“ zu Johannes Hartls „Mission Manifest“

Viele Evangelikale freuen sich über Johannes Hartls offene und motivierende Worte zu Jesus, zum Gebet und zu biblischen Werten. Zwischenzeitlich stehen dem überzeugten Katholiken fast alle evangelikalen Medien und Organisationen offen. Weitgehend unkritisch bieten führende Evangelikale ein großes Forum für dessen katholische Charmeoffensive. Nicht wenige begrüßten beispielsweise auch das von Johannes Hartl, Karl Wallner und Bernhard Meuser im Januar 2018 initiierte „Mission Manifest“. Dabei wurden allerdings zumeist wichtige Aussagen ausgeblendet.

Comeback der Kirche als Missionsziel?

Ausgangspunkt des „Mission Manifest“ ist die Krise der katholischen Kirche. Nur den Evangelikalen wird attestiert, dass sie noch größere Teile der Bevölkerung wirklich ansprechen. Deshalb soll nun die katholische Kirche ebenfalls pragmatisch mit den Mitteln und Formulierungen der Evangelikalen missionieren, wird gefordert (z.B. S. 155ff.). Ganz deutlich betont Hartl, dass es ihm im „Mission Manifest“ um ein „Comeback der Kirche“ geht, nicht um die unmittelbare Bindung an Jesus Christus allein (vgl. z.B. S.165).

Der Hinwendung zu Jesus sollen die römisch-katholischen Lehren folgen

Offen wird im „Mission Manifest“ eine neue Hinwendung zu Jesus lediglich als erster Schritt gefordert, der dann die Vermittlung der katholischen Lehre folgen müsse. Deshalb werden die reformatorischen Soli („Nur die Bibel“, „Nur die Gnade“, „Nur der Glaube“, „Nur Jesus“) als ungenügend und einseitig kritisiert (vgl. S.150ff). Neben dem Studium der Bibel sollen die Menschen zur intensiven Lektüre des katholischen Katechismus animiert werden (vgl. S. 188f.). „Wir müssen die Inhalte des Glaubens […] verkündigen […] Wir haben sie durch Gottes Offenbarung empfangen, finden sie […] [in] der Heiligen Schrift und lebendig überliefert im […] Katechismus.“ (These 7)

In seinen Vorträgen, Predigten und Büchern lässt Johannes Hartl immer wieder werbend katholische Sonderlehren über den Papst, die Heiligen, die Eucharistie, das Zölibat usw. einfließen. So fordert er unter anderem ganz offen zum Beten des Rosenkranzes, zur Anbetung der Eucharistie (Abendmahl), zur Anerkennung der katholischen Lehrtradition, zur Verehrung Marias und der Heiligen auf.

Natürlich „liebt“ Johannes Hartl die Evangelikalen, wie im „Mission Manifest“ deutlich wird. Er liebt ihren ernsthaften Glauben und ihre Engagement; Viele ihrer grundlegenden theologischen Überzeugungen aber teilt er nicht. – Auch ich (Michael Kotsch) „liebe die Katholiken“, aber ich widerspreche deutlich zahlreichen Lehren katholischer Dogmatik.

Die Sola der Reformation bleiben gültig

Evangelikale müssen lernen, deutlicher zuzuhören und nicht vorschnell altbekannte Begriffe gleich im evangelikalen Kontext zu interpretieren. „Bekehrung“, „apostolische Lehre“, „Abendmahl“ usw. werden in der katholischen Tradition, die auch Johannes Hartl vertritt, anders gefüllt als im klassischen Evangelikalismus.

Der Bibelbund fordert ein klares Bekenntnis evangelikaler Christen und Werke zu den reformatorischen Soli. Angesichts von Johannes Hartls katholischer Theologie mit evangelikaler Einkleidung, sind evangelikale Christen schlecht beraten, von ihrem deutlichen „Nur die Bibel“, „Nur die Gnade“, „Nur der Glaube“ und „Nur Jesus Christus“ abzurücken. Als ein Bestandteil der Theologie kamen diese Themen auch schon in der katholischen Dogmatik der Reformationszeit vor. Die Väter der protestantischen Kirche aber stellten sich zurecht gegen das „katholisch Und“ des Papstes, der kirchlichen Tradition, der Bedeutung der Werke, der Verehrung der Heiligen usw.

(Belege aus: Johannes Hartl / Karl Wallner / Bernhard Meuser: Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche, Herder Verlag, Freiburg 2018)