ThemenBibelverständnis

Lesen wir die Bibel falsch?

Wort Gottes sei alles, was uns anspricht und voranbringt, unter anderem auch die Bibel, das meint Rob Bell, der mit seiner Art einer christlich gefärbten Religiosität viele Anhänger findet. Bell will die Bibel absolut menschenzentriert lesen. Es gehe nur darum, dass wir ein positives Gefühl bekommen und dann Gutes tun. Seine Antworten auf wichtige Fragen sind aber entlarvend und zeigen, dass er die Bibel nicht verstanden hat.

Der amerikanische Bestseller-Autor Rob Bell meldet sich erneut zu Wort. Dabei wird seine Theologie klarer und entfernt sich zugleich weiter von dem, was Jahrhunderte als christlich galt. Bells Zielgruppe sind vor allem enttäuschte Christen, die sich aus verschiedenen Gründen von der konservativen evangelikalen Bewegung in Amerika getrennt haben. Sie wollen Christen bleiben und suchen eine geistliche Heimat mit einer christlich grundierten und zugleich freieren religiösen Stimmung.

Rob Bell. What is the Bible? New York: Harper Collins, 2017. ISBN 9780062194268. Hardcover. 336 Seiten. 18,79 €.

Rob Bell war Pastor einer solchen Gemeinde, hat aber in Hollywood auch eine regelmäßige Show in einem angesagten Club, unterhält die Menschen mit einem Podcast und schreibt zahlreiche Bücher. Seine Art religiöse Fragen an den Mann und die Frau zu bringen, ist in den liberalen Großstädten an Amerikas Küsten offenbar angesagt. 2011 hat ihn deswegen das Time Magazin auch zu den 100 einflussreichsten Personen der gesamten Welt gezählt. In Deutschland ist er durch zwei seiner Bücher und durch einen Auftritt auf einem Willow Creek Kongress bekannt geworden. Das Buch Love wins (dt. Das letzte Wort hat die Liebe), in dem er den Evangelikalen eine Form der All­ver­söhnungs­leh­re schmackhaft macht, wie sie auch in den deutschen evangelischen Lan­des­­kirchen verbreitet ist, hat großen Ein­fluss gehabt. Bell kann sich keinen Gott vor­stellen, der Menschen verurteilt, weil er doch ein Gott der Liebe ist. Seinen persönlichen Weg zum Heilsuniversalismus hat er in seinem Buch Save me from Hell beschrieben. Wie das alles mit seinem Gottesbild zusammenhängt, zeigte sich in dem auch auf Deutsch erschienenen Werk Mit dir, für dich, vor dir: Was Gott ist und was nicht. Darin zeichnet er einen Gott, dem der Mensch im religiösen Gefühl der Faszination begegnet und dabei erleben soll, dass dieser Gott immer ein Gott ist, der für uns da ist.

Bell meint, diesen Gott auch in der Bibel wiederzufinden, auch wenn er sich dafür von allem distanzieren muss, was er in der Bibel als altertümlich und überholt ansieht. Gott habe sich eben auch weiterentwickelt, indem er zum modernen Menschen anders spricht, als es für den antiken Menschen vielleicht noch notwendig war. Die Frage, was dann die Bibel sein soll, wenn sie einerseits irgendwie auf Gott zurückgeht, aber andererseits doch auch teilweise selbst in ihrem Gottesbild überholt ist, drängt sich unweigerlich auf. Diese Frage wollte Bell nun Mitte 2017 mit dem vorliegenden Werk beantworten, das den Titel trägt What is the Bible? How an ancient Library of Poems, Letters and Stories can transform the Way You think and fell about everything [Was ist die Bibel? Wie eine antike Bibliothek von Gedichten, Briefen und Geschichten die Art verändern kann, wie du über alles denkst und fühlst].

Was die Bibel inhaltlich mit ihren eigenen Wörtern sagen will, erscheint bei Rob Bell für das Verstehen zweitrangig.

Schon mit seinem ungewöhnlichen Aufbau will Rob Bell eine Aussage machen. Das Buch begründet nämlich nicht einfach die Heran­gehensweise an die Bibel, die Bell für richtig hält. Es springt irgendwie von Thema zu Thema, von Geschichtchen zu Geschichtchen, von Dichtung zur Historie, von Gleichnissen zu Fragen. Bell behauptet, dass das genau die Art sei, wie uns die Bibel begegnet. Gerade die Überraschungsmomente, wenn sich der Leser fragt, wie der Autor denn darauf wohl gekommen ist, seien entscheidend. Dass ihm aber die Bibel mit ihrer eigenen Botschaft zweitrangig ist, darauf deutet schon folgende Aussage aus der Einleitung:

„Dies ist ein Buch über eine Bibliothek von Büchern, die sich mit Verlust und Zorn und Transzendenz und Sorgen und Herrschaft und Geld und Angst und Stress und Freude und Zweifel und Gnade und Heilung beschäftigen, und wer wollte nicht über diese Themen sprechen?“ (4)

Radikal auf den Leser zentriert

Ein erster Ansatz die Bibel zu lesen, wird hier deutlich: Die Bibel muss radikal aus einer leserzentrierten Perspektive verstanden werden. Für Bell ist die Bibel nicht zuerst Botschaft Gottes an die Menschen, denn dann ginge es darum, wer spricht und mit welcher Autorität und was er genau sagen will. Die leserzentrierte Perspektive fragt aber danach, wie die Aussagen wirken, was sie an Gefühlen und Gedanken auslösen und wie sie beeinflussen.

Was das für Folgen hat, zeigt Rob Bell an einer ganz ernstgemeinten, recht kuriosen Bibelauslegung. Von Mose heißt es (5Mo 34,7):

„Und Mose war hundertundzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden, und seine Kraft war nicht verfallen.“

Weil Bell in der Aussage „seine Kraft war nicht verfallen“ eine Feststellung über die sexuelle Potenz von Mose liest, zieht er den Schluss, dass gesagt werden soll, dass wir Sex haben sollen und viele Kinder zeugen, wenn wir lange in Saft und Kraft stehen wollen. Wir bekommen wenig Falten und bewahren unsere Frische. Aber noch mehr:

„Das ist, wie du die Welt veränderst, indem du in deine eigene Befreiung eintrittst und diesen Frieden und die Freude und die Freiheit deinen Kindern weitergibst“ (14).

Bell ist ganz begeistert von seinem Sprung:

„Es begann also mit einer positiven Aussage über die Potenz von Moses, aber eine oder zwei Seiten später sprechen wir über die Enttäuschungen, die uns alle von Zeit zu Zeit betreffen. Ist es nicht so? Wir begannen mit einer Zeile über sein Leben, die uns zu einer Zeile über ihr Leben führte, was uns wiederum zu Deinem und meinem Leben führte, was uns von der Vergangenheit zur Gegenwart und zur Zukunft für alles Leben bringt. All das dadurch, eine Zeile zu lesen … in der Bibel“ (15).

Von der Rückfrage, ob es in der Bibel nicht eigentlich um Jesus ginge und wie wir den schmalen Weg finden, der zum ewigen Leben führt, lässt sich Bell nicht beirren:

„Nein, das ist es nicht! Es ist größer und wertvoller und schließt mehr ein und ist überraschender und erhellender als das, weil die Jesusgeschichte größer und wertvoller ist und mehr einschließt und mehr herausfordert und gefährlicher und erhellender ist als das“ (16).

Zur Zentrierung auf den Leser gehört die Feststellung, dass die Bibel nur Wörter normaler Menschen enthält, die uns erst durch existentiale Betroffenheit zu Gottes Wort werden müssen.

Diese Art, die Bibel zu lesen hat Folgen. Die Geschichte von der Ehebrecherin, der Jesus vergibt, wird zu einer Geschichte darüber, dass wir andere nicht verurteilen sollen. Der Fokus geht weg von Jesus und seiner Vollmacht zu vergeben. Er verschiebt sich von der Entlarvung der Ankläger, die Anwälte Gottes sein wollen und doch selber schuldig sind, hin zur platten moralischen Forderung. Und so liest Bell munter weiter, nimmt irgendwelche Details einer Geschichte, assoziiert über Wortbrücken und Spekulationen hin zu einer Botschaft, die den heutigen Menschen irgendwie berühren kann. Aus Epheser 1,9+10 wird die Botschaft, dass es Gott Freude bereitet, alles wieder in Ordnung zu bringen. Bell geht es nun darum, dass der Mensch das glaubt und durch positives Denken sein Leben und seine innere Haltung verbessert werden.

Rob Bell übt auch beim Bibellesen das freie Assoziieren und baut dabei Aussagen zusammen, die kein normaler Leser dort finden wird.

Zwar behauptet Bell, dass jeder Leser das selber erkennen könne, aber tatsächlich kommt beim normalen Lesen niemand auf solch verkorkste Gedanken wie Rob Bell. Wer aus der Bibel herauslesen will, was Bell dort erkennt, muss entweder ebenso kreativ sein wie er oder er ist völlig abhängig von Rob Bell und seinen Phantasien.

In großer Höhe endlose Freiheit

Über der Apostelgeschichte will Bell dann in so große Höhen aufsteigen, dass er erkennt:

„Das ist eine sich ausbreitende Realität, die durch alle Mauern bricht, die sie umgibt und über alle gegebenen Grenzen hinaus wächst. Die wahre Natur von Gottes erlösender Liebe und Versöhnung aller Dinge kann nur helfen, indem sie ihren Weg bis an die Enden der Welt geht“ (48-49).

Das Buch Ruth spreche aus der Vogelperspektive von der Vereinigung dessen, was lange getrennt war. Durch die Vereinigung wird alles gut. Im 2Mose gehe es darum, dass sich alles bewegt von der Dunkelheit zum Licht, von der Sklaverei zur Freiheit, von der Abwesenheit Gottes zu seiner Gegenwart. Und wenn Bell noch höher steigt und die ganze Bibel übersieht, dann ist ihm ganz klar:

„Darum ist die Bibel kein Buch darüber, wie man in den Himmel kommt. Das Handeln ist hier. Das Leben ist hier. Der Punkt ist hier. Es ist eine Bibliothek von Bücher über die Heilung und Wiederherstellung und Erlösung und Erneuerung von dieser Welt. Unser Zuhause. Das einzige Zuhause, das wir jemals hatten“ (53).

Gehört es zu Bells Bibel­ver­ständnis, dass man mal aus einem Detail eine den heutigen Menschen betreffende Botschaft formen kann, so ist das Gegenteil genauso möglich. Man schafft einen so weiten Abstand, eine so große Höhe über dem Text, dass es nicht mehr darauf ankommt, was dort wirklich steht. Dann kann jeder aus Konturen seine eigene Deutung konstruieren. Es sei eben nicht die beste Art, die Bibel zu verstehen, wenn man sie wörtlich lese.

„Als ob es eine richtige oder eine falsche Art gibt, jeden Vers in der Bibel zu lesen. Sicher, es gibt viele Wege, den Punkt zu verfehlen und es richtig falsch zu lesen. Aber zu sagen, dass es einen richtigen Weg gibt, das könnte unnötigerweise Dein Lesen der Bibel beschränken“ (81).

Das Irgendetwas, wonach man suchen soll

Während Bell im ersten Teil seines Buchs das besondere Etwas der Bibel andeuten und schmackhaft machen wollte, will er im zweiten Teil dieses Etwas nun genauer entfalten.

Seine Natur sei Fortschritt zum Ver­stehen des Göttlichen, zu weniger Gewalt und einem mehr relationalen Verständnis des Göttlichen. Das sei die eigentliche Bot­schaft der Flutgeschichte. An der Dis­kussion über die Historizität der Jona-Geschichte will Bell zeigen, dass es darauf gar nicht ankommt, sondern auf „die Art von Liebe, die uns jetzt in reife und mutige Leute umformen kann, die sogar ihre Feinde lieben“ (105). Das ist ein bekanntes Argument der Vertreter der sogenannten kerygmatischen Theologie, die schon vor 100 Jahren nur noch die Botschaft gelten lassen wollten, die uns zu irgendeiner christlichen Tat bewegt und alles andere zur mythischen Ausdrucksform der Botschaft erklärten.

Das besondere Etwas der Bibel ist bei Bell die platte Aussage, dass Gott alle liebt und segnen will.

Man findet das gewisse Etwas in der Bibel als eine ziemlich platte Botschaft von einem Gott, der alle liebt und segnet. Aber Bell ist auch der Überzeugung:

„Wenn du die Bibel in ihrem Kontext liest, dann erkennst du, dass sie eine Bibliothek radikal fortschrittlicher Bücher ist, die die Menschlichkeit für eine bessere Zukunft fördern“ (114).

Die Frage, wie Jesus die Bibel gelesen hat, beantwortet Bell nicht überraschend. Jesus habe die Texte des Alten Testaments vom Wort zum Fleisch bringen wollen. „Das ist, was das Wort Inkarnation bedeutet: Es geht nicht letztlich um Wörter, sondern es geht um das mächtige, geheimnisvolle, was passiert, wenn die Wörter zur Tat werden in der realen Welt durch reale Menschen“ (157). So richtig begeistert ist Bell von einem solchen Satz, wie er in 1Kor 3 zu finden ist: „Alles ist euer!“

„Das heißt in anderen Worten, die Welt gehört euch. Was bedeutet das? Wo immer du Wahrheit findest, das muss nicht durch Lehrer wie Paulus, Petrus und Apollos sein, was immer dir hilft zu wachsen, wie immer dein Geist und Herz für das geöffnet wird, was Gott in der Welt tut, welche Wege oder Menschen oder Ereignisse Gott auch gebraucht, um dich die Wahrheit zu lehren, bestätige es, nimm es an, besitze es. Es gehört alles euch“ (173).

Bell sieht die Wahrheit Gottes überall aufleuchten und wo immer man auf sie stößt, soll man sie ergreifen. Das sei wirkliche Freiheit und wirklich in Christus gegründet. Hier kann Bell ins Schwärmen geraten. Der Satz vermittle das Gefühl zu fliegen. Darum soll man auf die Frage, worum es eigentlich in der Bibel geht, antworten:

„Wiederhole die Zeile ‚Alles ist Euer‘ wie ein Mantra den ganzen Tag lang. Schreib es an die Wand und auf deine Hand. Wenn dir irgendetwas Schönes, Inspirierendes, etwas Bewegendes, etwas, was dein Herz ergreift, begegnet, dann sag den Satz zu dir selbst. Lass ihn in deinen Nervenbahnen Furchen ziehen. Lass ihn das Lied sein, dem du zuhörst. Lass ihn in dein Herz geätzt sein. Lass ihn dein Denken öffnen. Er soll dir Augen geben, damit du siehst, was dir bisher fehlte“ (180).

Ergriffen sein

Rob Bell kann etwas durch den Ton seines Buches wirklich vermitteln. Ihm geht es darum, dass der Leser der Bibel ein Wow und Oh, ein Huh und Ach erlebt. Er soll erstaunt werden, soll fasziniert sein, soll sich überraschen lassen. Er soll nicht einfach nüchtern lesen, was da steht, sondern betroffen und ergriffen sein. Das hält Bell für die eigentlich richtige Haltung der Bibel gegenüber. Man soll ein Gefühl bekommen, als ob man tanzt oder gar fliegt. Aber dabei soll es nicht bleiben. Die Ergriffenheit muss uns zum Handeln bringen und im Handeln sollen wir mit der Gewissheit leben, dass wir nicht allein sind, es nie hoffnungslos ist, sondern das der Lebenskampf selber göttlich ist.

Entlarvende Antworten

Im letzten Teil des Buches will Rob Bell Fragen beantworten. Es sind Fragen, die beim Lesen selbst entstehen können, aber auch Fragen, die durch die traditionelle Lehre von der Bibel als dem inspirierten Wort Gottes aufgeworfen werden.

Warum aber Menschen sterben müssen, wenn doch Gott alles immer gut machen will und der Fortschritt immer weiter voranschreitet, darauf weiß Rob Bell auch keine Antwort. Genauso schwer tut er sich, den Tod Jesu am Kreuz zu erklären. Er lehnt das Sühneopfer Jesu ab. Das Opfersystem stamme nicht von Gott, sondern von Menschen. Jesus wurde ermordet und starb nicht für uns. Aber er war bereit, zu sterben und hat sich der Gewalt nicht entgegengestellt und so einen neuen Weg gezeigt, wie man mit Gewalt ohne Gegengewalt umgehen kann.

Sünde sei ein sehr starkes Wort für die Störung des Shalom Gottes. Wir seien nach dem Bild Gottes geschaffen und mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Aber zwischen dieser Tatsache und der Tatsache, dass alle Sünden vergeben seien, stehe eben doch das Wort Sünde.

Es ist erstaunlich, dass Rob Bell versucht, solche Fragen zu beantworten, wo doch die Antworten entlarvend zeigen, dass er die Bibel gar nicht verstanden hat. Sie sind in klingender Rhetorik versteckte Hoffnungslosigkeit und Leere.

Ist die Bibel nun das Wort Gottes? Ja, allerdings in dem Sinn, wie viele Dinge Gottes Wort sind. Dazu zählt Bell die Sterne, den Mund der Kinder, unser Bewusstsein, die Dichter und Philosophen.

Das Wort Gottes sei „das schöpferische Handeln Gottes, der in und durch die Welt spricht, wenn er etwas Neues schafft und neues Leben ins Dasein bringt“ (266).

Dieses Wort Gottes muss man nicht in der Bibel allein suchen. Man kann es in vielen Büchern, vielen Wörtern und Erfahrungen finden. Auf alle diese Wörter sollen wir hören. Das lehre angeblich auch die Bibel.

Inwiefern hat die Bibel Autorität? „Autorität das ist, wenn du etwas Gewicht, Kraft und Einfluss verleihst“ (272). Die Bibel hat nach Bells Verständnis keine Autorität von Gott, sondern nur eine von Menschen verliehene. Die Frage, ob die Bibel irrtumslos ist, sei schließlich so sinnlos, als wenn jemand frage, ob die Musik von Mozart, die er gerade hört, irrtumslos sei. Irrtumslosigkeit sei eine Kategorie, die mit der Bibel gar nichts zu tun habe. Die Schreiber der Bibel hätten außerdem ganz andere Interessen gehabt, als darauf zu achten, dass sie ihre Bücher oder Briefe ohne Fehler oder Irrtümer verfassten. Es ging ihnen darum – und hier hört man Karl Barth reden –, die Bewegung von Gottes Handeln in der Welt in Bildern, Symbolen, Gleichnissen, Visionen, Träumen, Gebeten und historischen Angaben und Hin­weisen zu beschrei­ben. Bell fragt:

„Woher haben die Leute bloß die Idee ohne Irrtum sei die höchste Form von Wahrheit? Ist der Sonnenaufgang ohne Irrtum? Ist die Liebe zwischen dir und dem Menschen, in den du verliebt bist, ohne Irrtum? Ist das beste Essen, dass du jemals gegessen hast, ohne Irrtum? … Ist also die Bibel irrtumslos? Ich habe eine höhere Sicht von der Bibel als diese“ (282).

Es ist Bell, der die Bibel in die Kategorie der Ästhetik verschoben hat, so dass ihre Information zweitrangig wird. Dann geht es nicht mehr um die Mitteilung rettender Tatsachen, sondern um Berührtsein und Faszination. Echte Botschaft ist natürlich von Fehler und Irrtum betroffen. Ihre Zuverlässigkeit ist wesentlich.

Fazit

Rob Bell hat nicht erst mit diesem Buch eine christlich angehauchte Religiosität für den modernen Amerikaner formiert. Aber seine Ansichten über die Bibel fügen sich ganz in dieses System. Dass das System gar nicht zur Bibel passt, zeigen schon die Antworten, die Bell selber auf naheliegende Fragen gibt. Eines aber wird ganz deutlich: In Bells Bibel ist nicht mehr Jesus Christus der Mittelpunkt. Da ist nicht der Sohn Gottes, für den Gott die Welt geschaffen hat, und der in die gefallene Schöpfung kommt, um die Sünde und ihre schrecklichen Folgen zu überwinden. Jesus, das lebendige Wort, wird hinter das menschliche Erleben zurückgedrängt. Nur davon muss der Mensch gerade erlöst werden, dass er sich selbst in die Mitte stellt und sich Gott zu seinem Diener machen will.