ThemenWort- und Themenstudien

Biblische Verkündigung und Lehre nach dem Missionsbefehl von Jesus

Wer den Missionsbefehl von Jesus Christus genau betrachtet, erkennt, wie der dreieine Gott Mission gewollt hat. Sie ist sein eigenes Werk, mit dem er Menschen beauftragt. Aber er bleibt dabei der Handelnde und der Mittelpunkt. Nach Gottes Willen kann Mission nur sein, wenn sie sich unter die Autorität des Wortes stellt und den Missionbefehl mit Verkündigung ausführt.

Mission ist eng mit der biblischen Verkündigung und Lehre verbunden. Das zeigt auch der Missionsbefehl Jesu in Matthäus 28,18-20. Mission ist im Grunde genommen Gottes Werk. Die Grundlage dafür haben wir in seinem Wort. Das Wesen der Mission hängt deswegen mit dem Wesen Gottes zusammen. Gottes Wesen und Eigenschaften sind somit auch für die Mission von zen­traler Bedeutung. Dazu gehört auch das Thema „Dreieinigkeit Gottes“, wie ebenfalls am Missionsbefehl sichtbar wird. Aus diesem Grund möchte ich von diesem Missionsbefehl ausgehen und dabei auf die Bedeutung des Wortes Gottes, des biblischen Verständnisses von der Dreieinigkeit, des Erlösungswerkes und der Autorität Jesu eingehen.

1. Trinität, biblische Verkündigung und Mission

Die Frage nach der Dreieinigkeit Gottes ist sowohl für unser Gottesverständnis als auch für das Verständnis von der göttlichen Offenbarung in der Schrift und von der Erlösung von entscheidender Bedeutung und damit auch für die Mission. In diesem Sinn möchte ich mit dem Wesen der Dreieinigkeit und der Bedeutung für die Mission beginnen.

1.1. Der „Name“ und die Bedeutung der Eigenschaften Gottes

„Namen“ Gottes1 sind nicht nur Attribute (Beifügungen), sondern offenbaren das Wesen bzw. den Charakter Gottes (vgl. 2Mose 3,13f.; Ps 22,23).2 Gott wird auch einfach „der Name“ genannt (3Mose 24,11; vgl. Jes 30,27). In 5Mose 28,58 heißt es:

„Wenn du nicht darauf achtest, alle Worte dieses Gesetzes zu tun, die in diesem Buch geschrieben sind, dass du diesen herrlichen und zu fürchtenden Namen, [nämlich] Jahwe, deinen Gott, fürchtest …“

Und in Spr 18,10 lesen wir: „Der Name Jahwes ist eine feste Burg; der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt.“ Die Namen Gottes zeigen auch, dass der Gott der Bibel nicht ein unpersönliches Wesen, sondern ein persönlicher Gott (eine „Person“3 ) ist, den wir als ein Gegenüber ansprechen können. Gottes Name ist mit seiner Gerechtigkeit (Ps 89,15-16), seiner Treue und Gnade (Ps 89,25), seiner Errettung (Ps 96,2), seiner Heiligkeit (Ps 99,3), seiner Güte (Ps 4,5), seiner Barmherzigkeit (Ps 109,21), seiner Liebe (Ps 109,55), seiner Wahrheit (Ps 138,2) und seiner Herrlichkeit (Ps 148,13) verbunden.

Jesus spricht im Missionsbefehl nur von einem Namen. So wird offenbar zum Ausdruck gebracht, dass der dreieine Gott eine Einheit ist.

Wenn im „Missionsbefehl“ Jesu von „dem Namen“ die Rede ist, so wird damit offenbar zum Ausdruck gebracht, dass der dreieinige Gott eine Einheit bildet; es ist also nicht von „dem Namen des Vaters und dem Namen des Sohnes und dem Namen des Heiligen Geistes“ die Rede, sondern von „dem Namen“ des einen und dreieinigen Gottes. Dieser Gott ist ein Gott der Beziehung und damit ein persönlicher Gott, der sich offenbart und dem Menschen mitteilt. Er ist zwar der transzendente Gott, aber in seinem Sohn kommt er zu den Menschen (vgl. z.B. Kol 1,15). Gott „wird Fleisch“ (vgl. Joh 1,14) und teilt sich den Menschen mit, ohne dabei zu menschlich zu werden und ohne dass die Schöpfung dadurch Teil von Gott wird. Das ist für die Mission eine wichtige Grundlage.4

Im Monismus bzw. Pantheismus ist alles Gott. Dementsprechend gibt es kein persönliches, individuelles Dasein und auch keinen persönlichen Gott. Erlösung von außen ist ausgeschlossen. Auch der philosophische Dualismus, nach dem es zwei Prinzipien gibt, und zwar auf der einen Seite das Gute bzw. Göttliche und auf der anderen Seite das Böse, das mit der Materie identifiziert wird, kennt keinen persönlichen Gott und damit keine Erlösung von außen. Die Seele, welche als das Göttliche im Menschen betrachtet wird, muss selbst den Weg der Erlösung zum Göttlichen hinaufsteigen.

Nach dem Islam ist Gott zwar der Allwissende, fragt sich nur, was er gewusst hat, als nichts anderes existierte als nur Gott. Theologen haben darauf geantwortet: „Er sieht und er kennt oder weiß sich selbst.“ Aber andere haben gesagt: „Nein, das ist unmöglich! Das ist gegen die Einheit Gottes!“ Das wäre schon Dualismus (innerhalb der Gottheit). Darum haben die alten Theologen gesagt, dass die Gottheit immer ein Geheimnis bleibe, das man nicht verstehen und erklären kann.5 Auf diese Problematik hat das biblische Verständnis von Dreieinigkeit eine und die einzige logische Antwort. Gott ist ein Gott der Beziehung, und der Mensch ist als „Ebenbild“ Gottes mit in diese Beziehungsfähigkeit hineingenommen. Deshalb ist für Goldsmith die Dreieinigkeit „ein Musterbild, auch ein Ebenbild, für uns alle – in allen unseren Beziehungen.“6

Im gewöhnlichen Islam ist es dagegen „unmöglich, Gott kennen zu lernen oder mit ihm einig zu sein“.7 Echte Offenbarung ist eigentlich gar nicht möglich. Der Koran ist nach der Lehre des Islam ewig, nicht geschaffen, perfekt. Und weil Gott nie zu einem Menschen wird, muss auch der Koran nie menschlich werden; er ist „hundertprozentig Gottes Wort“.8 Er wird nie kontextualisiert (obwohl der Koran in Wirklichkeit kontextualisiert ist), und dadurch wird der arabische Kontext zum „himmlischen Kontext“, und die arabische Kultur ist die Kultur von Gott selbst, während die Sprache auch die Sprache Gottes ist. Dazu bemerkt Goldsmith:

„Deswegen hat man eine kulturelle Gleichförmigkeit, eine Uniformität. Und das ist ganz unheilsam. Aber das kommt von diesem nicht-trinitarischen Monotheismus. Und deswegen von der Unmöglichkeit der echten Offenbarung. Weil das Himmlische und das Menschliche oder das Irdische nie zusammen kommen können.“9

Göttliche Erlösung und Gerechtigkeit als Geschenk Gottes an den Menschen ist damit ausgeschlossen.

Das Gottesverständnis hat damit auch einen wesentlichen Einfluss auf das Verständnis der göttlichen Schrift(en).

Das Gottesverständnis hat damit auch einen wesentlichen Einfluss auf das Verständnis der göttlichen Schrift(en). Die Bibel ist nach ihrem eigenen Zeugnis Gottes Offenbarung an den Menschen in der Geschichte. Gott hat nach Hebr 1,1 „vielteilig“ und auf vielerlei Weisen gesprochen. Gott spricht in die jeweilige Situation der Menschheit hinein.

Gottes ewige Wahrheit wird auch in dem Sinn „Fleisch“, und trotzdem bleibt sie irrtumsfrei.10 Gott spricht in die jeweilige Kultur hinein, wobei das Ziel ist, dass die Kulturen so gereinigt werden, dass sie dem Wesen und Heilswillen Gottes entsprechen. Gott geht also auf die einzelnen Menschen und Gesellschaften ein, aber er passt sich nicht den Einzelnen an. Vielmehr ist es sein Ziel, durch sein Wort und sein Wirken die Menschen so zu verändern, dass sie sein Heil erleben und nach seinem heiligen Willen leben.

Um Gottes Heilsplan zu verstehen, muss man wissen, in welche Situation der Bibeltext spricht.

Um den Heilsplan Gottes in der Bibel zu verstehen, ist es deshalb wichtig, zu verstehen, in welche Situation der Text jeweils hineinspricht und auf welche Fragen er antwortet.11 Es ist also wichtig, die biblischen Texte von ihrem historischen Hintergrund her zu verstehen, aber nicht in dem Sinn, dass die Überzeugungen der Autoren der Bibel von der jeweiligen Umwelt abhängig sind, sondern vielmehr in dem Sinn, dass Gott seinen Willen in verschiedenen Situationen kundtut. Dabei sollten wir versuchen herauszufinden, welches der zentrale Kern des biblischen Abschnittes ist bzw. welche Prinzipien darin zum Ausdruck kommen. Jesus sagt z. B. nach der Fußwaschung zu seinen Jüngern12 :

„Ihr nennt mich Lehrer und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin es auch. Wenn nun ich, euer Herr und Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe“ (Joh 13,13-15).

Hier stellt sich uns die Frage, ob es bei einer Anwendung für uns auf die Fußwaschung selber ankommt oder auf das Dienstprinzip. Sollen wir uns heute also auch gegenseitig die Füße waschen oder sollen wir von der Dienstbereitschaft Jesu lernen? Um darauf eine Antwort zu finden, sollten wir bestrebt sein, den Text von der damaligen Situation aus zu verstehen. Zur Zeit Jesu nahm man weder das Auto noch den Reisebus noch den Zug oder sonst ein Fahrzeug, um zu reisen, sondern ging allgemein zu Fuß. Dabei wurden die Füße staubig. Empfing man Besuch, so gehörte es zur Gastfreundschaft, dass man dem Gast die Füße wusch. Das war allerdings offenbar die Aufgabe der Frauen, weil sie für die Sklaven zu gering war.

Heute hätte die Fuß­waschung eine ganz andere Bedeutung. Am Beispiel Jesu sollen wir lernen, uns nicht zu erheben, sondern bereit sein, die allergeringsten Dienste an unseren Geschwistern im Glauben zu erfüllen.

Bei der Übertragung in die heutige Zeit darf die sorgfältige Auslegung (Exegese) nicht übersprungen werden. Wenn wir die Situation von damals herausgearbeitet haben und die exegetischen Schwerpunkte des Textes erkannt haben, ist zuerst zu überlegen, ob wir heute ähnliche Situationen vorfinden. Wenn nicht, bedeutet das noch lange nicht, dass uns der Text heute nichts zu sagen hätte. Allerdings müssen wir den Text mit Sorgfalt in andere (verwandte) Situationen übertragen.

Dabei sind die Prinzipien, die bei der sorgfältigen exegetischen Untersuchung erkennbar wurden, von besonderer Bedeutung. Denn diese Prinzipien gelten für alle Kulturen und alle Zeiten. So haben wir heute z. B. das Problem mit dem Götzenopferfleisch nicht, doch können wir die Prinzipien, um die es Paulus in 1Kor 8,1ff. geht (z. B. nicht jemand durch meine Handlung zum Fall zu bringen, auch wenn ich dadurch nicht zu Fall komme; die Dämonen wohnen nicht in Gegenständen, sondern beeinflussen die Herzen, wenn ich mich darauf einlasse), in verschiedenen Situationen anwenden.

In 2Kor 6,14 fordert Paulus die Christen auf, sich nicht in ein fremdes Jochgespann mit den Ungläubigen einzulassen. Eine Exegese wird zeigen, dass es hier vor allem um den Götzendienst geht, der in der Gemeinde Gottes keinen Platz haben darf. Der Text spricht direkt nicht von der Ehe mit Ungläubigen. Dürfen wir diesen Text trotzdem in seiner Anwendung auf die eheliche Beziehung zwischen Gläubigen und Ungläubigen übertragen? Das ist biblisch sicher legitim, den erstens wird die Ehe sowohl in der Bibel (z.B. Mt 19,6: „Was nun Gott ‚zusammengejocht’ hat, das soll der Mensch nicht trennen“; ebenso Mk 10,9) als auch außerbiblisch mit einem Jochgespann verglichen und zweitens wird es in der Bibel deutlich zum Ausdruck gebracht, dass eine Ehe zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen nicht infrage kommt. Gerade die Ehe mit Ungläubigen hat Menschen oft zum Götzendienst geführt.

1.2. Gott, der Vater

Als „Vater“13 ist Gott derjenige, der alles Leben erzeugt und erhält. Als Schöpfer und Erhalter ist er im weitesten Sinn der „Vater“ aller Menschen (vgl. Mal 2,10; 1Kor 8,6; Eph 3,15; Apg 14,15; Jak 1,17). Im eigentlichen Sinn wird Gott der „Vater“ des Herrn Jesus Christus genannt, weil Jesus in einer besonderen Beziehung zu ihm lebt und uns dadurch offenbart, was das Vatersein Gottes bedeutet. Durch Jesus ist er auch der Vater aller, die auf Grund von seinem Erlösungswerk wiedergeborene Kinder Gottes geworden sind (vgl. u. a. Joh 1,12; 1 Petr 1,3). Wie ein liebender Vater möchte er für seine Kinder sorgen (vgl. Mt 6,26.32; Eph 3,14f.). Ihm dürfen wir unsere Gebetsanliegen mitteilen (vgl. Mt 6,6.9; 18,19; Lk 11,13).

Weil kein Mensch sich selbst aus der Gewalt der Sünde befreien kann, hat Gott der Vater bereits vor Grundlegung der Welt einen Plan gemacht, um die Menschheit zu erretten (Eph 1,4; 1Petr 1,20; vgl. Röm 8,28; Eph 1,11; 3,11; 1Petr 1,2). Dazu hat er seinen einzigen Sohn bestimmt, damit dieser die Schuld der Menschheit auf sich nimmt, um so die Menschen mit Gott zu versöhnen. Grundlage der Versöhnung ist nicht – wie bei den damaligen Religionen – der Zorn der Götter, sondern die Liebe Gottes (vgl. z. B. Röm 5,8; 1. Joh 4,8-10).14

Gott kann man jedoch nur durch seinen Sohn als „Vater“ kennen lernen. Auch deshalb ist ein richtiges biblisches Verständnis der Dreieinigkeit von entscheidender Bedeutung.

1.3. Gott, der Sohn

Jesus offenbart uns als Sohn Gottes15 den himmlischen Vater. In seiner Beziehung zum Vater erkennen wir das Vatersein Gottes. Der Sohn Gottes hat das ganze Erlösungswerk vollbracht. In den Paulusbriefen ist die „Vaterschaft“ Gottes einerseits eng mit der „Sohnschaft“ Jesu und andererseits eng mit der „Sohnschaft“ der Gläubigen und dem Gebet zu Gott als „Vater“ verbunden (vgl. z. B. Röm 8,14-16). Und gerade Röm 8,15 und die Parallele dazu in Gal 4,6 zeigen, dass das Gebetsleben Jesu dabei eine zentrale „Quelle“ für die Anrede Gottes als „Vater“ ist (vgl. z. B. Mk 14,36).

Durch Jesus Christus bzw. durch seinen „Namen“ werden Menschen von den Sünden erlöst und gerettet (vgl. u. a. Apg 2,21; 9,14.21; Röm 10,13; 1Kor 1,2). Deshalb wurden diejenigen, die an Jesus gläubig wurden, auch auf seinen/in seinem Namen getauft (vgl. Apg 2,38; 8,16; 10,48; 19,5). Wenn dagegen im „Missionsbefehl“ von der Taufe im/in den „Namen“ (hinein) des dreieinigen Gottes die Rede ist, zeigt das, wie zentral der Punkt für die Mission ist.

1.4. Gott, der Heilige Geist

Bezeichnungen, die in der Bibel für den Geist Gottes16 (vgl. 1Mose 1,1; 2Mose 31,3; 35,31; Hes 11,24; Mt 3,16; 12,28 u. a.) gebraucht werden, sind:

  • „Geist Jahwes“ (Ri 3,10; 11,29; Jes 61,1),
  • „der Geist des Vaters“ (Mt 10,20),
  • „dein guter Geist“ Neh 9,20; Ps 143,10),
  • „Heiliger Geist“ (Jes 63,10; vgl. Ps 51,13),
  • „der Geist der Heiligkeit“ (Röm 1,4),
  • „der Geist der Herrlichkeit“ (1Petr 4,14),
  • „der ewige Geist“ (Hebr 9,14),
  • „der Geist Christi“ (Röm 8,9; 1Kor 2,16; 1Petr 1,11),
  • „der Geist Jesu“ (Apg 16,7; Phil 1,19),
  • „der Geist seines Sohnes“ (Gal 4,6),
  • „der Geist aus der Höhe“ (Jes 32,15),
  • „ein neuer Geist“ (Hes 11,19; 36,26),
  • „der Geist der Gnade und des Gebets“ (Sach 12,10),
  • „der Geist der Wahrheit“ (Joh 14,17; 15,26; 16,13),
  • „der Geist des Glaubens“ (2Kor 4,13),
  • „der Geist der Gnade“ (Hebr 10,29),
  • „der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2Tim 1,7),
  • „der Geist des Lebens“ (Röm 8,2; Offb 11,11),
  • „der Geist der Prophetie“ (Offb 19,10) und
  • „der Geist der Sohnschaft“ (Röm 8,15).

Diese Bezeichnungen bestätigen die Göttlichkeit, die Persönlichkeit und die Macht und Aufgaben des Heiligen Geistes.17

Der Geist Gottes lehrt (Joh 14,26; 1Kor 2,13), erinnert (Joh 14,26), überführt von Sünde (Joh 16,8), bewirkt die Wiedergeburt und die Heiligung (Joh 3,5; Tit 3,5; 1Petr 1,2)18 , bleibt (Joh 14,17), gibt Zeugnis (Joh 14,26), leitet in die Wahrheit (Joh 16,13), spricht (Apg 8,29; 10,19f.), beruft (Apg 13,2), sendet (Apg 13,4), wehrt (Apg 16,6f.), setzt in der Gemeinde Leiter ein (Apg 20,28), befähigt Christen zum Dienst (1Kor 12,11), erforscht (1Kor 2,10f.), gießt Gottes Liebe in unsere Herzen aus (Röm 5,5; vgl. 15,30), führt Menschen und „treibt“ sie beim Niederschreiben des Wortes Gottes (Röm 8,14; Gal 5,18; 2Petr 1,21). Es kann ihm etwas „gut scheinen“ (Apg 15,28), er ist der „andere Tröster/Anwalt“ bzw. der Stellvertreter Jesu bei den Gläubigen (Joh 14,16.26; 15,26; 16,7), er vertritt die Gläubigen im Gebet (Röm 8,26) und er verherrlicht Jesus (Joh 16,14). Er besitzt göttliche Eigenschaften wie z.B. Allmacht (Sach 4,6) und Allwissenheit (Jes 40,13f.; Apg 5,3f.; 1Kor 2,10).

In Joh 7,37-39 lesen wir:

„Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: ‚Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen, wie die Schrift sagt.’ Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“

Der Heilige Geist verwirklicht durch die Wiedergeburt in den Gläubigen, was Jesus durch seinen Opfertod für die Menschheit vollbracht hat. Die reinigende Wirkung von der Sünde durch den Opfertod Jesu und den Empfang des Heiligen Geistes können wir also nicht trennen (vgl. Joh 4,24).

Der Heilige Geist führt uns keinen Umweg um Golgatha, er führt uns über Golgatha.

Der Heilige Geist führt uns keinen Umweg um Golgatha, er führt uns über Golgatha. Die Voraussetzung dafür, dass wir den Heiligen Geist empfangen, ist also, dass wir grundsätzlich durch Christus die Sünde ablegen (vgl. Röm 6,3f.; 1Kor 12,13). In diesem Fall verwirklicht der Heilige Geist in uns die Erlösung, die Jesus Christus vor fast zweitausend Jahren vollbracht hat. Die Erlösung ist objektiv durch Jesus für die ganze Welt geschehen. Doch sie nützt mir nichts, wenn sie nicht in meinem persönlichen Leben Wirklichkeit wird. Dies geschieht durch die Wiedergeburt, die der Heilige Geist in uns bewirkt, wenn wir an Jesus Christus gläubig werden (vgl. Joh 3,3.5; Tit 3,5).

Der Heilige Geist bewirkt in uns aber nicht nur die Wiedergeburt. Bei der Wiedergeburt werden wir durch den Heiligen Geist in den Leib Christi, die neutestamentliche Gemeinde, die durch die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten gegründet wurde, eingefügt (1Kor 12,13). Der Geist Gottes will durch die wiedergeborenen Christen die Gemeinde Gottes bauen, so dass das Erlösungswerk Jesu nicht nur für mich, sondern auch für andere zu einer umfassenden Wirklichkeit wird. Dazu befähigt er die Glieder des Leibes durch verschiedene „Gnadengaben“ (vgl. 1Kor 12,6.11) und „gießt“ die Liebe Gottes (vgl. Röm 5,5; 8,39) – die auch die „Liebe Jesu Christi“ (vgl. Röm 8,35; 2Kor 5,14) und die „Liebe des Geistes“ ist (vgl. Röm 15,30) – in ihre Herzen aus (Röm 5,5), und durch sie werden sie im Bau der Gemeinde „getrieben“ (vgl. 2Kor 5,14; Röm 8,14; Gal 5,18).

2. Der bevollmächtigte Auftraggeber und Gottes Wort

Jesus sagt: „Mir ist gegeben alle Vollmacht im Himmel und auf der Erde“ (Mt 28,18). Das Wort exousia bedeutet „Vollmacht, Befugnis, ungehinderte Möglichkeit und Freiheit zum Handeln, das Recht, etwas zu tun.19 Es bezeichnet die Gewalt, „die sich im Rahmen rechtlicher, politischer, sozialer oder sittlicher Ordnung entfalten darf …“20 Das Wort wird auch im Sinn von „Verfügungsrecht“ verwendet (vgl. u. a. 1Kor 9,4f.).

Satan hat nach der Bibel zwar eine bestimmte „Vollmacht“ (vgl. z. B. Eph 2,2; Kol 1,13; vgl. zudem Offb 13,2.4), doch ist er darin als Geschöpf (vgl. Kol 1,16) sehr beschränkt. Jesus besitzt dagegen als Schöpfer und als Erlöser die absolute Vollmacht. Wenn er sagt, ihm sei diese „gegeben“, so wird damit auf seine Stellung im Heilsplan Gottes hingewiesen. Da er allein die Sünde gerichtet und besiegt hat, geht es in der Mission darum, dass Menschen aus dem „Vollmachtsbereich der Finsternis“ herausgerettet und unter die Herrschaft Jesu Christi gebracht werden (vgl. Kol 1,13). Diese Menschen sollen sich ihm als dem absoluten Herrn unterordnen (vgl. Röm 14,7-9; 2Kor 5,14f.). Es geht darum, dass Jesus das Erlösungswerk zu seinem Ziel führt und sich selbst dann dem himmlischen Vater unterordnet (vgl. 1Kor 15,23-28).

Die Autorität Jesu ist auch die Autorität des Wortes Gottes, erstens, weil das Wort Gottes auch das Wort Jesu Christi ist (vgl. Röm 10,17; 1Petr 1,25), und zweitens, weil auch seine Autorität das Wort Gottes war (vgl. z.B. Mt 4,4.7.10). Der Christ, der sich Jesu Autorität unterordnet, wird sich auch dem Wort Gottes und dem darin geoffenbarten Heilswillen Gottes unterordnen.

3. Das „Zu-Jüngern-machen“ und biblische Verkündigung

Die Befehlsform (mathēteusate) „macht zu Jün­gern“ steht ganz zentral im Missions­be­fehl Jesu. Das ist im griechischen Text überhaupt die einzige Befehlsform.

Die Erfüllung des Missionsbefehls geschieht dadurch, dass die Botschaft des Evangeliums verkündigt wird und Menschen gläubig werden und durch den Geist Gottes zu Kindern Gottes werden.

Die Erfüllung des Befehls geschieht dadurch, dass die Botschaft des Evangeliums verkündigt wird und Menschen gläubig werden bzw. sich bekehren und durch den Geist Gottes Kinder Gottes werden (vgl. auch Mk 16,15-16). Wie auch der Gebrauch des Verbs mathēteuō „zu Jüngern machen“ in Apg 14,21 (vgl. auch Mt 13,52; 27,57) zeigt, ist damit der Anfangspunkt des Glaubens an Jesus Christus gemeint und bezeichnet nicht einen langen Prozess.

Doch als „Jünger“ (griechisch mathētēs „Lernender“) fängt für ihn ein Prozess an, wie ihn der Missionstheologe George Peters treffend beschreibt:

„Ein Jünger Christi ist mehr als ein Gläubiger. Ein Jünger ist mehr als ein Schüler im landläufigen Sinn. Er ist auch mehr als ein Nachfolger oder Nachahmer Christi, mehr als ein heiliger Enthusiast, ja mehr als einer, der in völliger Hingabe an Christus lebt. Ein Jünger ist ein Gläubiger, der ein Leben der dauernden und bewussten Identifizierung mit Christus im Leben, Sterben und Auferstehen führt, der sowohl in Worten als auch im Verhalten, in seiner ganzen Einstellung, seinen Beweggründen, seiner Zielsetzung voll und ganz sich Christi Herrschaft über seinem Leben bewusst ist, das Heilands- und Retterwerk Christi von ganzem Herzen freudig erfasst, in der Herrschaft Christi seine ganze Freude findet und fortwährend in Christus bleibt und in ihm sein Vorbild, seine Kraft und sein Ziel hat. Und das alles mit der Absicht, Christus als seinen Herrn und Heiland zu verherrlichen. Im Verständnis der Jüngerschaft findet sich eine göttliche Fülle, die wir in keiner Weise einengen dürfen.“21

Mit der Bekehrung und Wiedergeburt ist der Mensch Christ und damit grundsätzlich „Jünger“ Jesu geworden. Doch die Arbeit darf damit nicht abgehakt werden. Vielmehr geht die Jüngerschaft durch ganzheitliche Schulung intensiv weiter.22 Paulus hat sehr viel Zeit für die „Nacharbeit“ und die Anleitung von Mitarbeitern investiert. Dazu Peters: „Wenn Pastoren und Laien einen Blick für die persönliche Schulung von Mitarbeitern bekommen, die darin unterrichtet werden, wie man auch andere schulen kann, dann können die Gemeinden revolutioniert werden.“23 Nach Eph 4,11-12 ist das Ziel des Lehr- und Verkündigungsarbeit in der Gemeinde die „Zurüstung aller Heiligen zum Werk des Dienstes“.

4. Nachfolge und biblische Lehre

Weiter sagt Jesus: „… und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!“ Man kann auch „wörtlich“ übersetzen mit: „Macht zu Jüngern …, indem ihr sie tauft … und sie lehrt …“ Es wäre jedoch ein Missverständnis, wenn man das so verstehen würde, dass das „Zu-Jüngern-machen“ im Taufen und Lehren erfüllt würde. Das Taufen und Lehren sind nach dem Missionsbefehl vielmehr Begleitumstände des „Zu-Jüngern-machens“ (im Griechischen modale Partizipien, die an dieser Stelle „Begleitumstände“ zum Ausdruck bringen). Dabei zeigt das Neue Testament, dass Menschen durch die Verkündigung des Heilsplans und Heilswerkes Gottes durch Jesus Christus zuerst zum Glauben geführt werden.

Die Reden von Jesus zeigen, dass wir die Autorität von Jesus nicht von der Autorität seines Wortes trennen dürfen.

Wenn Jesus sagt: „… alles, was ich euch geboten/befohlen habe …“, so gehört dazu nicht nur der Inhalt bzw. die Lehre der Evangelien des Neuen Testaments, sondern – zumindest indirekt – auch die neutestamentlichen Briefe. Denn sie enthalten offensichtlich vieles von dem, was der Herr seine Jünger mitgeteilt hatte (vgl. z.B. 1Kor 9,14; 11,23f.), und zudem gehen sie auf die Offenbarung des auferstandenen Herrn zurück (vgl. z.B. Gal 1,12-16). Zudem gehört auch das Alte Testament dazu, weil Jesus dieses in seiner göttlichen Autorität bestätigt hat. Die Autorität der Lehre Jesu wird u.a. durch die fünf „Redeeinheiten“ im Matthäusevangelium (Mt 5–7; 10; 13; 18; 23-25) bestätigt. Gleichzeitig bestätigt Jesu darin die Autorität des Alten Testaments, das er nicht auflöst, sondern erfüllt (Mt 5,17f). Diese Reden zeigen auch, dass wir die Autorität Jesu und die seines Wortes nicht trennen können. Diejenigen, die zum Glauben gekommen sind, sollen in der biblischen Lehre verankert und begründet werden, und zwar nach Eph 4,13-14

„bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi, damit wir nicht mehr Unmündige sind, indem wir hin und her geworfen und von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen umher getrieben werden, durch [ihre] Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.“

Durch die Lehre und Verkündigung wird „ein persönliches, verbindliches Abhängigkeitsverhältnis zu Jesus … entstehen“.24

Dazu schreibt Hans Bayer mit Bezug auf das Lehren, „alles zu halten“:

„Allein die Seligpreisungen zu Beginn der Bergpredigt lassen ein Licht auf die Aussage Jesu im Sendungsbefehl fallen. Die Seligpreisungen betonen die Abhängigkeit, Hilflosigkeit und Bedürftigkeit des Menschen (Mt 5,3-11). Der Mensch kommt hilflos zu Gott. Gott ist derjenige, der dem Verschmachten ein Ende setzt. Gnade und Barmherzigkeit sind die Vorzeichen, unter denen die An­wei­sungen Jesu in der Bergpredigt stehen.“25

Doch Je­sus zeigt im Fol­gen­den auch, welche Bedeutung der im alttestamentlichen „Gesetz“ bezeugte Gotteswille für seine Nachfolger hat (vgl. Mt 5,21-48).26 Im Zentrum steht natürlich immer die Erfüllung durch Jesus Christus.

Für Paulus war die Verkündigung des „ganzes Ratschlusses Gottes“ wichtig, wie er den Ältesten von Ephesus gegenüber betont (Apg 20,27). Was Paulus die Epheser lehrte, war „der ganze Ratschluss Gottes“ mit dem „Evangelium von der Gnade Gottes“, wobei er sowohl den Juden als auch den Heiden „die Umkehr zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus“ bezeugte und sie Tag und Nacht drei Jahre lang unter Tränen ermahnte (Apg 20,18-20.24-27.31). „Und nun“, sagt er dann in seiner Abschiedsrede an die Ältesten von Ephesus, „befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das (oder: der) euch erbauen und euch das Erbteil unter allen Geheiligten geben kann“ (Apg 20,32).

Jesus Christus muss im Zentrum sowohl der evangelistischen Verkündigung als auch der Lehre stehen.

Damit sehen wir am Beispiel des Apostels deutlich, wie die Gemeinde durch das Lehren des Wortes Gottes erbaut wird. Es geht dabei auch in der biblischen Lehre um den Autoritätsanspruch Jesu. In diesem Sinn sagt Jesus im Missionsbefehl: „was ich euch verordnet/geboten habe“ (Mt 28,20).

Jesus Christus muss also im Zentrum sowohl der evangelistischen Verkündigung als auch der Lehre sein.


  1. Vgl. dazu auch J. Thiessen, Biblische Glaubenslehre. Eine Systematische Theologie für die Gemeinde, Nürnberg: VTR, 2004, S. 25-27. 

  2. Vgl. auch Ch. C. Ryrie, Die Bibel verstehen. Das Handbuch der Systematischen Theologie für jedermann, Bielefeld: CLV und Dillenburg: CV, 2. Aufl. 1999, S. 74ff.; E. Sauer, Das Morgenrot der Welterlösung, Wuppertal: Brockhaus Verlag, 8. Aufl. 1993, S. 217; H. Jantzen/A. Hähnel (Hrsg.), Die Hauptlehren der Heiligen Schrift. Die Lehre von Gott, Bd. 2, Gummersbach: Missionswerk FriedensBote, 1998, S. 79ff. 

  3. Vgl. A. Schlatter, Das Christliche Dogma, Stuttgart: Calwer Vereinsbuchhandlung, 2. Aufl. 1923, S. 29-32. 

  4. Vgl. M. Goldsmith, Die Bedeutung der Dreieinigkeit im nicht-trinitarischen Kontext von Israel und Judaismus, in: Stuttgarter Theologische Themen, hg. von M. Piennisch/P. Wassermann, Bd. 1 (2006), S. 11-20; M. Piennisch, Die hermeneutische Bedeutung des narrativen und monotheistischen Ansatzes für die Mission, in: Stuttgarter Theologische Themen, hg. von M. Piennisch/P. Wassermann, Bd. 1 (2006), S. 81-91. 

  5. Vgl. Goldsmith, Bedeutung der Dreieinig­keit, S. 14. 

  6. Ebd., S.13. 

  7. Ebd., S.16. 

  8. Ebd., S.18. 

  9. Ebd. 

  10. Vgl. J. Thiessen, Hermeneutik der Bibel. Grundsätze zur Auslegung und Anwendung biblischer Texte. Ein offenbarungstheologischer Standpunkt, Hammerbrücke: jota Publikationen und Riehen: Immanuel, 5. Aufl. 2014, S. 35ff. 

  11. Vgl. dazu und zum Folgenden auch ebd., S. 143ff. 

  12. Vgl. dazu auch ebd., S. 241f. 

  13. Vgl. Thiessen, Glaubenslehre, S. 27. 

  14. Vgl. G. E. Ladd, A Theology of the New Testament, Grand Rapids, Michigan: Eerdmans Publishing Company, 1974 (Neudruck 1991), S. 424. 

  15. Vgl. Thiessen, Glaubenslehre, S. 22-24 und 85ff. 

  16. Vgl. ebd., S. 21f. und 115ff. 

  17. Vgl. E. Mauerhofer, Biblische Dogmatik. Überarbeitete Vorlesungen, Nürnberg: VTR und Hamburg: RVB, 2011, S. 579ff. 

  18. Vgl. Thiessen, Glaubenslehre, S. 123f. und 140ff. 

  19. Vgl. O. Betz, Art. exousia, in: ThBLNT, 1993, S. 926f.; W. Foerster, Art. exousia, in: ThWbNT II, S. 559ff. 

  20. Betz, exousia, S. 926. 

  21. G. W. Peters, Missionarisches Handeln und biblischer Auftrag. Eine biblisch-evangelische Missionstheologie, Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 2. Aufl. 1985, S.212. 

  22. Vgl. dazu auch G. W. Peters, Evangelisation: total – durchdringend – umfassend, Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1977, S. 49ff. 

  23. Ebd., S. 52. 

  24. So H. F. Bayer, „Macht zu Jüngern alle Völker“ (Mt 28,18-20) – das Ziel der Mission nach dem Sendungsbefehl Jesu, in: Evangelikale Missiologie, 1987, (S.21-29) S. 23. 

  25. Ebd., S. 25. 

  26. Vgl. auch Jos 22,2: „Ihr habt alles gehalten, was Mose, der Knecht des Herrn, euch geboten hat …“