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Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen? Christliche Arbeitsethik für den Alltag

Eine gesunde christliche Arbeitsethik kann man nicht lernen, wenn man an der gegenwärtigen Gesellschaft Maß nimmt. Innerhalb des Rahmens der biblischen Heilsgeschichte von Schöpfung, Sündenfall und Erlösung können aber Eckpunkte benannt werden, die auch in der gegenwärtigen Zeit lebbar sind. Gott hat bereits in der Schöpfung gute Maßstäbe gelegt, die zwar von der Sünde betroffen, aber nicht verloren sind. Wer Christus als seinen eigentlichen Auftraggeber begreifen lernt, der kann eine neue Arbeitshaltung gewinnen.

Mir ist aufgefallen, dass die elterliche Aufforderung an die Kinder, etwas im Haushalt zu helfen oder Hausaufgaben zu erledigen, oft als etwas Bedrohendes, gar Schlimmes wahrgenommen wird, das es unter allen Umständen zu vermeiden gilt. Fast wie einer ansteckenden Krankheit gehen die Kinder der ‚Arbeit‘ aus dem Weg; außer dann vielleicht, wenn für die Mithilfe im Haushalt eine Belohnung oder Entschädigung winkt. Das Kind teilt seine Welt bereits in ‚Arbeit‘ und ‚Vergnügen‘ ein.Und wie steht es bei uns Erwachsenen? Haben wir nicht auch eine zweigeteilte Auffassung von Arbeit und Vergnügen, die unser Leben in zwei Teile trennt: ‚Endlich ist Wochenende!‘ – ‚Ich bin so froh, dass wir bald Urlaub haben, dann können wir wieder einmal so richtig ausspannen!‘ – Wen wundert es, dass unsere Kinder die Welt ebenfalls in ‚harte Arbeit‘ und ‚ach so schöne Freizeit‘ unterteilen?“Diese Beobachtung stammt vom Familien- und Paartherapeuten Beat Tanner.

Zwei Dinge lassen sich gut daran veranschaulichen: Erstens beschränkt sich Arbeit nicht auf bezahlte Arbeit. Ein Kind, das im Haushalt mithilft, arbeitet. Eine pensionierte Frau, die in der frei gewordenen Zeit unentgeltlich in Familien aushilft, arbeitet. Was hätten sonst die Sklaven sagen sollen, an die Paulus Anweisungen erteilte (Eph 6,5; Tit 2,9)? Sie konnten bestimmt weder mit einem festen Lohn noch mit Sozialleistungen am Ende eines Monats rechnen!

Zweitens erkennen wir an diesem Beispiel, dass wir unbewusst an der Einstellung unseres Umfelds – Arbeit und Vergnügen prinzipiell zu unterscheiden – Maß nehmen und auf ähnliche Weise zu denken und zu handeln beginnen.

Drei Sichtweisen zu Arbeit und Christsein

Ich behaupte, dass unter Christen zwei Einstellungen vorherrschen:

Die erste trennt die Bereiche „Arbeit“ und „Christ“ fein säuberlich. Christ bin ich dann, wenn ich für mich geistliche Disziplinen pflege oder in den Gottesdienst gehe. Wenn ich arbeite, bin ich ganz einfach ein Mensch wie jeder andere auch. Ich gebe mir Mühe und habe manchmal Mühe mit meiner Arbeit. Punkt.

Die zweite Position sieht eine kleine Überschneidungsfläche zwischen den Bereichen Arbeit und Christsein. Diese Überschneidung betrifft die „Missionsmomente“. Die Ar­beits­kollegin heult plötzlich und erzählt davon, dass ihr Ehe­partner fremdgegangen sei. Sie bieten an, für sie zu beten. Sie überwinden sich und laden Ihren besten Kollegen in den Gottesdienst ein. Oder Sie besuchen mit einer Gruppe ein mehrtägiges Seminar. Abends an der Bar kommt das Gespräch auf die „Sinnfrage“.

Ich stelle hier einen dritten Ansatz vor. Unser Denken über die Arbeit soll vom Glauben durchdrungen werden, was sich auf unsere Haltung und unser Verhalten auswirken wird. Dabei helfen uns drei Fragen, um unser Denken zu überprüfen und zu „entrümpeln“:

  • Warum wollen wir arbeiten?
  • Warum ist die Arbeit mühsam?
  • Wie können diese Schwierigkeiten überwunden werden?

Die biblische Heilsgeschichte gibt den Rahmen vor, in den Prinzipien einer christlichen Arbeitsethik gestellt werden müssen.

Anders ausgedrückt: Wir müssen lernen, diesen Bereich unseres Leben im Spiegel der biblischen Heilsgeschichte zu sehen. Diese Heilsgeschichte folgt im Wesentlichen drei Ereignissen: Der Erschaffung durch den Schöpfer, dem tiefen Ein­schnitt durch den Sündenfall und der Wieder­herstellung durch das Werk von Jesus Christus. Anhand dieser drei Schritte halten wir einige Prinzipien der christlichen Arbeitsethik fest und stellen sie den Angeboten unserer Umgebung gegenüber.

1. Die Frage nach dem ursprüng­lichen Zustand: Warum wollen wir arbeiten?

1.1 Arbeit ist Schöpfungsplan Gottes.

Im Rahmen des Schö­pfungs­berichts ist festgehalten, dass der Mensch über die geschaffene Welt herrschen soll (1Mo 1,28). Etwas später wird noch hinzugefügt, dass er seine Umgebung „bebauen und bewahren“ soll (1Mo 2,15). Wir erfahren ebenfalls, dass Gott nach jedem Schöpfungsakt das Prädikat „gut“ bzw. „sehr gut“ verteilte. Das bedeutet: Gott hat den Menschen nicht in eine fixfertige Umgebung gestellt, sondern das Potenzial zur Entwicklung in sie hineingelegt. Unser Auftrag lautet, diese Umgebung weiter zu gestalten und auszubauen. Daraus können wir den Schluss ziehen, dass wir zum Arbeiten geschaffen worden sind. Arbeit ist Schöpfungsplan Gottes.

Dieses Prinzip steht denjenigen Ansätzen entgegen, die Arbeit prinzipiell abwerten wollen. Diese Abwertung kann ganz verschiedene Formen annehmen. Wie in der Einleitung beschrieben, können wir eine falsche Trennung zwischen Arbeit und Freizeit vornehmen. Oder wir werten entweder körperliche oder geistige Arbeit ab. Wieder andere üben grundsätzliche Kritik an der technischen Entwicklung, weil sie die Unterscheidung zwischen Auftrag und Missbrauch des Auftrags nicht richtig ziehen.

1.2 Gott begabt unterschiedlich.

Der Mensch ist von Anfang an zur Arbeit geschaffen und nicht zur Untätigkeit.

Von den beiden ersten Nachkommen Adams und Evas, Kain und Abel, lesen wir, dass der eine Ackerbauer und der andere Schafbauer wurden (1. Mose 4,2). Von Esau und Jakob erfahren wir, dass der eine die Jagd und der andere häusliche Arbeit bevorzugte (1. Mose 25,27). Von den Nach­kommen Kains ist zu lesen, dass sie die Ent­wicklung der Schö­pfung vorantrieben, indem sie sich der Entwicklung von Landwirtschaft, Musik, dem Bau von Werkzeugen und dem Städtebau widmeten (1. Mose 4,17-22). Daraus ist ersichtlich, dass Gott einzelne Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausrüstete. Das Prinzip von Einheit und Vielfalt spiegelt sich in den Begabungen wieder: Gott schuf den Menschen, begabte die Einzelnen jedoch unterschiedlich.

Ich bin überzeugt, dass wir eine zu individualistische Sicht auf die Arbeit haben. Eigentlich war sie dafür gedacht worden, dass die Gemeinschaft der Menschen zur Entwicklung seiner Schöpfung und zur Entfaltung von Gottes Plan beiträgt. Dabei wird jedem Menschen eine Tätigkeit bzw. Berufung zugeteilt. Das wird aus der For­mulierung von Paulus in 1Kor 7,17 deutlich. Er forderte die bekehrten Ge­meinde­­mitglieder auf, in ihrer angestammten, von Gott zu­ge­wiesenen Berufung zu bleiben.1

Ich kann mich gut an eine Kinderkassette erinnern, welche über die schrecklichen Folgen der Herrschaft Mao Tse-tungs in China berichtete. Da wurden reihenweise Professoren umgebracht oder zu harter Landarbeit gezwungen.

Hier haben wir ein extremes Beispiel, was passiert, wenn man alle Menschen gleichschalten will (dann entsteht eine viel größere Ungleichheit) bzw. geistige Arbeit zugunsten körperlicher abgewertet wird.

1.3 Gott richtet den Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe ein.

Nach sechs Schöpfungstagen ruhte Gott am siebten Tag aus. Das deutet bereits die Vollendung seines Werks an (1. Mose 2,4). Der wöchentliche Ruhetag ist fortan in der Schöpfung verankert. Mose wies im Zusammenhang mit der Nahrungssuche in der Wüste (2Mo 16) hin. Wenig später wurde er in die Zehn Gebote aufgenommen – mit Hinweis auf die Ordnung der Schöpfung (2Mo 20,10-11). Das drückt sich selbst beim menschlichen Organismus aus, der auf wöchentliche Erholung eingerichtet ist.

Mit einem Missionarsehepaar, das in einem muslimischen Land arbeitet, ist mir die Bedeutung so bewusst geworden. Sie klagten darüber, dass sie bei der Sieben-Tage-Woche kaum Zeiten des Rückzugs und der Ruhe fänden. Da musste ich unwillkürlich an unsere eigene Gesellschaft denken, die sich zunehmend auf die Sieben-Tage-Woche ausrichtet und dabei Arbeit wie Freizeitstress auf alle sieben Tage verteilt. Ein Tag in der Woche ist dafür reserviert, um zu ruhen und mit unserem Herrn und miteinander Gemeinschaft zu pflegen.

2. Die Frage der Abweichung: Warum ist die Arbeit mühsam?

2.1 Durch den Sündenfall wird die Arbeit erschwert.

Nur einige Takte nach der Einrichtung des wunderbaren Tempelgartens in Eden unterbrach der Ungehorsam des Menschen jäh den gesamten Lauf der weiteren Geschichte. Als Folge der Rebellion gegen Gott verhängte Gott spezielle Sanktionen im Bereich der Arbeit. Der Erdboden wurde verflucht. Die Arbeit würde zwar noch Frucht abwerfen, jedoch mit Mühe, Beschwerlichkeit und Schweiß verbunden sein (1. Mose 3,17-19).

Die Sünde hat es bewirkt, dass der Mensch sich von seiner Arbeit entfremdet fühlt und oft unter der scheinbaren Sinnlosigkeit seines Tuns leidet.

Die Sünde betrifft alle Bereiche der Schöpfung. Sie betrifft den Menschen selbst, seine Seele und seinen Körper. Sie beeinträchtigt die menschlichen Beziehungen. Und nicht zu vergessen, beeinflusst sie auch die gesamte Schöpfung (Römer 8,20-22). Übertragen auf unsere Dienstleistungsgesellschaft können wir sagen: Die Ruhelosigkeit und Erschöpfung von Menschen durch die Arbeit ist durch die Sünde in die Welt gekommen. Ebenso bewirkt die Sünde Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit oder Gefühle von Sinnlosigkeit durch ausufernde Bürokratie. Diese Auswirkungen wurden in den letzten 150 Jahren, vor allem durch die schnell voranschreitende Industrialisierung, oft fehlgedeutet. Anstatt das sündige Herz des Menschen als Ursache des Problems zu erkennen, wurde die Schuld oft den ungünstigen Rahmenbedingungen gegeben.

2.2 Auch erlöste Menschen leiden unter Entfremdung und Sinnlosigkeit.

Salomo beschreibt im Buch Prediger die Auswirkungen eines Lebens, das „unter der Sonne“ stattfindet, das heißt in seinen Bezügen von Gott losgelöst ist.

Sämtliche Lebensbereiche werden von der Sinnlosigkeit erfasst. Der Reihe nach startete der weise Schreiber Experimente, um Sinn in einzelnen Aktivitäten zu finden: Er begann beim Lernen (Prediger 1), stürzte sich in das Vergnügen (Prediger 2,1-10), um drittens in der Arbeit Erfüllung zu finden. Er hasste seine Bemühungen, weil er sah, dass nicht nur die Resultate unbeständig waren (2,18), sondern auch Unterdrückung herrschte (4,4). Der Überfluss lässt zudem den Reichen nicht schlafen (5,11).

Als Christen müssen wir auf der Hut sein. Nur zu schnell geraten wir ins Denkschema: Gott rettet uns aus unserer Sünde, und dann arbeiten wir weiter. Wir stehen in Gefahr, in ein „wenn-dann-Denken“ zurückzufallen. So ähnlich tat es Jakob. Er versprach Gott Gehorsam und erwartete im Gegenzug seinen Segen (1. Mose 28,20-21). Mit dieser Erwartungshaltung gleiten wir leicht in eine gelebte „Selbsterlösung durch Arbeit“ ab. Machen wir uns nichts vor! Entfremdung und Sinnlosigkeit werden uns schnell einholen.

2.3 Sünder neigen zur Vergötzung oder Verachtung der Arbeit.

Vergötzung und Verachtung der Arbeit führen gleichermaßen in die Irre. Sie sind Ausdruck der Abwendung von Gott.

Immer wieder erleben wir Christen, die kaum mehr von der Arbeit loskommen. Sie vernachlässigen über der Arbeit das geistliche Leben, die Familie und die Gemeinde. Es fällt mir im Gespräch mit vielen jüngeren Menschen auf, dass viele das Ziel ansteuern, ein angenehmes Leben zu führen. Unterwegs auf der Autobahn antwortete mir ein 28-jähriger Optiker auf die Frage, warum er eine weitere Ausbildung absolviere: „Man will sich schließlich auch etwas gönnen.“ Da stehen zwei Dinge ganz eng zusammen: Die Übergewichtung der Arbeit wechselt sich mit der Überbetonung der Freizeit ab.

Der Arzt und Psychologe Viktor Frankl (1905-1997) diagnostizierte mit Recht die beiden Felder Arbeit und Ver­gnü­gen als erste Objekte der Sinnsuche. Ich füge hinzu: Oft sucht der Mensch wechselweise beide und wendet sich nach einiger Zeit vom einen wieder dem anderen zu. Aus biblischer Weltsicht ist dazu zu sagen: Wir sind auf Gott hin geschaffen. Wenden wir uns von ihm ab, suchen wir einen Ersatz.

2.4 Unternehmen und Hierarchien, Vorgesetzte und Angestellte sind gleichermaßen betroffen.

Ich vergesse nie meinen ehemaligen Vorgesetzten, der vor Jahren enttäuscht die eine Branche verließ. Er war entsetzt ob der Selbstzufriedenheit des Managements und der Gefangenschaft vieler Mitarbeitender im „goldenen Hamsterrad“ (Geld). Er begann in einem kleinen Unternehmen, um dieses einige Monate später wieder zu verlassen. Sein Fazit: „Noch korrupter als alles, was ich bisher kannte.“

Machen wir uns nichts vor. Die Sünde betrifft nicht nur Manager, sie betrifft gleichermaßen Arme. Arm und Reich begegnen sich, und beide hat Gott geschaffen. Die Sünde tangiert nicht nur die einen Branchen, sondern hat alle erfasst. Die Sünde zeigt sich in ganz unterschiedlichen Gesichtern. Wir können davon ausgehen, dass unter ihr nicht nur der Einzelne, sondern auch ganze Wirtschaftszweige leiden.

3. Die Frage der Wiederherstellung: Wie können wir die Mühen überwinden?

3.1 Mit dem Herrschaftswechsel zu Christus bekommt ein Mensch einen neuen Auftraggeber.

„Die Knechte [ermahne], dass sie sich ihren eigenen Herren unterordnen, in allem gern gefällig sind, nicht widersprechen, nichts entwenden, sondern alle gute Treue beweisen, damit sie der Lehre Gottes, unseres Retters, in jeder Hinsicht Ehre machen“ (Titus 2,9-10) .

In den Anweisungen von Paulus an seinen Mitarbeiter Titus adressiert er verschiedene Gruppen innerhalb der Gemeinden ((In Epheser 6,9 wendet Paulus sich gleicherweise an die Sklavenhalter: „Und ihr Herren, tut dasselbe ihnen gegenüber, und lasst das Drohen, da ihr wisst, dass sowohl ihr als auch euer Herr in den Himmeln ist und dass es bei ihm kein Ansehen der Person gibt.“)) , unter anderem auch die Sklaven. Er forderte sie auf, sich ihren Herren unterzuordnen. Das bedeutete, sich auch unangenehmen Aufträgen, Angelegenheiten, die sie selbst anders entschieden hätten, und Erledigungen, bei denen problemlos geschummelt werden konnte, pflichtbewusst auszuführen. Ihre erste Loyalität galt jedoch dem himmlischen Herrn (vgl. Kolosser 3,22-23).

Gerade dieses Leben vor dem „Einen Zuschauer“ sollte Antrieb für ihre Arbeitshaltung sein. Mit welcher Auswirkung? Ihre Arbeit würde der Lehre ihres Gottes „Ehre machen“. Wört­lich steht hier „schmücken“. Um dies noch etwas konkreter zu machen, habe ich einige Fragen zum Erwägen notiert:2

  • Was ist die Geschichte meines Berufszweigs? Welches sind wichtige Darsteller (Gründer, CEO’s, Gurus, Gelehrte)?
  • Welche Grund­vor­stel­lun­gen über Sinn­gebung, Moral und Ziele herrschen vor?
  • Was davon entspricht dem Evangelium, was steht dem entgegen? Wo muss ich mich entgegenstellen?
  • Wie kann ich in meinem Beruf nicht nur «gut» sein, sondern als Christ leben? Wo trenne ich unnötig zwischen Glaube und Beruf?
  • Bin ich aus fehlgeleiteten Zielen oder Angst in einem Beruf, der nicht meiner Begabung entspricht und lebe nicht in meiner Berufung?
  • Wo habe ich Ideen, die ich nicht umgesetzt habe?

3.2 Die Kraft zur Erneuerung kommt aus der Gnade Gottes.

Wie werden wir befähigt, unser Denken und unser Handeln zu erneuern? Wie können wir uns von Gewohnheiten lösen, vertraute Fluchtwege nicht mehr benützen? Gehen wir nochmals zur Aufforderung von Paulus im Titusbrief zurück:

„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf“ (Titus 2,11-12).

Durch Gottes Gnade können wir mitten in einer Umgebung, deren innere Kompassnadel auf sich selbst ausgerichtet ist, einen alternativen Kurs leben.

Gottes Zu­spruch gilt jedem Arbeitnehmer täglich. Das Heil betrifft nicht nur unsere Erlösung von der Sünde, sondern sie wirkt sich in unserem Alltag aus. Sie unterweist uns, wie wir inmitten einer Umgebung, deren innere Kompassnadel auf sich selbst ausgerichtet ist, einen alternativen Kurs leben können. Das ist nicht als einmalige „Impfung“ zu verstehen, sondern als tägliches, ja stündliches Verbunden-bleiben mit unserem himmlischen Vorgesetzten. Durch seine Kraft können wir lernen, mit Leerlauf, Ungerechtigkeit, Arbeitslosigkeit und unbezahlter Arbeit zurecht zu kommen.

3.3 Wir werden auch auf der neuen Erde arbeiten.

Diese Aussage mag einige erstaunen. Wir stellen uns den Himmel eher als Ruheort mit Bedienung, verbunden mit endloser Freizeit und – zugegeben – etwas Langeweile vor. Klar, wir werden auf Harfen spielen und Gott loben. Doch wie sollen wir uns Arbeit auf der neuen Erde vorstellen? Die Theologen sind sich in dieser Frage nicht einig. ((Zur weitergehenden Beschäftigung verweise ich auf Randy Alcorn. Der Himmel: Was uns dort wirklich erwartet. SCM Hänssler: Holzgerlingen, 2014 (2. Auflage).)) Ich sehe insbesondere aus Offb 21+22 Arbeit als Aufgabe auf einer erneuerten Erde, wo wir Gott ohne Begrenzung in Ewigkeit dienen werden. Wir werden unserer ursprünglichen, im Rahmen der Schöpfung zugeteilten Aufgabe ohne Behinderung der Sünde nachkommen können zur Ehre dessen, der uns geschaffen hat.

Zusammenfassung

Arbeit gehört zum ursprünglichen Plan unseres Schöpfers. Durch die Sünde ist sie mit Mühe behaftet und anfällig für jede Menge Fehlkonzepte, insbesondere Vergötzung und Verachtung. Die biblische Weltsicht entzaubert die Arbeit und adelt sie gleicherweise. Durch die erlösende Gnade von Jesus Christus werden wir befähigt, mindestens teilweise zur ursprünglichen Bestimmung der Arbeit zurückzufinden.

Ein Anstoß zu diesem Aufsatz war das Buch von Timothy Keller u. Kathrine Leary Alsdorf. Berufung: Eine neue Sicht für unsere Arbeit. Brunnen: Gießen/Basel, 2014.


  1. Als weitergehende Beschäftigung mit dem Thema der Berufung eignet sich das Buch von Os Guinness, Von Gott berufen – aber zu was? Wissen, für was es sich zu leben lohnt. Hänssler: Holzgerlingen, 2000. 

  2. Angelehnt an Timothy Keller, Kathrine Leary Alsdorf, Berufung, eine neue Sicht für unsere Arbeit. Gießen: Brunnen, 2014. S. 174.