ThemenIslam und Christentum

Einige Unterschiede zwischen der Ethik des Koran und des Neuen Testaments

Die Terrorakte vom 11. September haben weltweit nicht die gleichen Reaktionen ausgelöst. In der westlichen Welt war jedermann entsetzt. In der islamischen Welt versuchten Regierungsvertreter Abscheu zu demonstrieren, aber große Teile der Bevölkerung in islamischen Ländern, vielleicht die Mehrheit, freuten sich über den Massenmord.

Ich nehme an, wir können in Bundespräsident Moritz Leuenberger so etwas wie einen Exponenten des durchschnittlichen Schweizers sehen. Er reagierte auf die Nachricht von der Terrorattacke am 11. September so, wie hier alle reagierten. Er war vor Entsetzen sprachlos. Am 18. September, also gerade eine Woche später, zitiert die Coop-Zeitung den Bundespräsidenten:

„Hass nicht mit Hass, Unrecht nicht mit Unrecht vergelten.“

Ich glaube, dass er damit erneut das gesagt hat, was die Schweizer als Kollektiv denken und empfinden. Woher kommt es, dass in der westlichen Welt die Öffentlichkeit so reagiert (ganz abgesehen von der Frage, ob das gerade in diesem Fall das allein Angemessene sei oder nicht)? Das ist ein Echo neutestamentlicher Lehren:

„Vergeltet nicht Böses mit Bösem“ (Römer 12,17).

Wie reagiert die Öffentlichkeit in einem islamischen Land auf entsprechende Ereignisse? Ist ein islamisches Land angegriffen worden,

  • Für den Koran ist es abwegig, einen Feind zu lieben.
  • Der Koran impft Feindschaft gegen Andersgläubige ein.
  • Das Kollektiv hat den einzelnen Muslim im Griff.

steht das Kollektiv der weltweiten islamischen Umma auf und antwortet: „Schlagt unsere Feinde tot!“ In der pakistanischen Stadt Lahore marschierten am 18. September 2001 aufgebrachte Muslime mit Spruchbändern durch die Straßen: „Macht Afghanistan zum Grab der Amerikaner!“ Was hatte Amerika den Pakistanern angetan? Nichts. Sie hatten nur angekündigt, sie würden den Drahtzieher des Terrors vom 11. September 2001 aus seinem Nest in Afghanistan ausräuchern, nötigenfalls mit Waffengewalt.

Der Koran kennt keine dem Neuen Testament entsprechende Anweisung:

„Widersteht nicht dem Bösen. Wenn jemand dich auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die rechte hin“ (Matthäus 5,39).

Vielmehr lautet hier die Weisung:

„Rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euren Feind.“ (Sure 8,62).

Der Koran kennt keine Aufforderungen wie:

„Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; betet für die, die euch verfolgen“ (Matthäus 5,44).

Das ist hingegen uns im Westen als sittliche Norm sehr bewusst, auch wenn die meisten von uns das Neue Testament kaum je lesen. Im Koran ist der Feind ein Feind, und einen Feind darf man, ja, muss man bekämpfen. Es ist ein für moslemisches Urteilen ganz abwegiger Gedanke, einen Feind zu lieben. Es findet sich in der Seele des Moslem kein Reservoir, aus dem er unter bestimmten Umständen solche Antworten auf eine Gewalttat schöpfen könnte.

Krieg im Namen der Religion

Im Neuen Testament findet sich keine einzige Aufforderung, irgend jemanden zu töten. Nicht eine einzige. Es wird zwar gesagt, dass es Widersacher des Glaubens gibt (1. Korinther 16,9). Die Anweisungen von Jesus und seinen Aposteln sind leider nicht immer befolgt worden Was soll man ihnen gegenüber tun? Die Apostel nannten nur drei Waffen, mit denen der Christ kämpfen darf: Dem Feind Gutes tun (Römer 12,20), das Gebet (Matthäus 5,44) und die Predigt des Evangeliums. Das Wort des Evangeliums ist das einzige Schwert, das er führen darf (Epheser 6,17).

Jesus Christus, auf den sich das Christentum ja beruft, verbot ausdrücklich den Gebrauch des Schwertes zur Verteidigung oder Ausbreitung seiner Sache (Matthäus 26,52).

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt … sonst hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht übergeben würde“

sagte er, als er vor dem Mann stand, der als römischer Statthalter entschied, ob er hingerichtet oder freigelassen werden sollte (Joh 18,36).

Der Reformator Martin Luther äußerte sich in verschiedenen Schriften zur Türkengefahr seiner Zeit. In seiner Schrift „Vom Krieg wider die Türken“ von 1529 schreibt er:

Die Pfarrer und Prediger sollen ein jeglicher sein Volk aufs aller fleißigste vermahnen zur Buße und zum Gebet … Wollen wir es nicht aus der Schrift lernen, so muss uns der Türk aus der Schwertscheide lehren, bis wir erfahren mit Schaden, dass Christen nicht sollen Kriegen noch dem Übel widerstehen.

Das war die biblisch begründete Absage der Reformation an die ganze Kreuzzugspolitik, die seit 1096 die abendländische Kirche bestimmt hatte. Der Reformator war nicht gegen Krieg als solchen, aber er verurteilte den Krieg im Namen von Christus:

Wenn ich ein Kriegsmann wäre und sähe zu Felde einen Pfaffen oder ein Kreuzpanier, so sollte ich davon laufen als jagte mich der Teufel (Vom Krieg wider den Türken).

Krieg durfte nur unter zwei Bedingungen geführt werden: 1. Er ist im Namen des Kaisers und unter seiner Oberhoheit zu führen. 2. Er darf nur geschehen, wenn das Land und seine Bewohner bedroht sind und geschützt werden müssen.

Die Anweisungen von Jesus und seinen Aposteln sind nicht immer befolgt worden, im Gegenteil. Wenn wir die Geschichte des Christentums mit der Geschichte des Islam vergleichen, haben die christlichen Kirchen keinen Anlass, sich den Mohammedanern überlegen zu fühlen. Kreuzzüge, Inquisition, Zwangstaufen sowohl in der Alten wie auch in der Neuen Welt, Judenverfolgungen, Kollaboration der Kirchen mit Diktatoren und Massenmördern sind beschämende Tatsachen. Für diese Dinge schämt sich jeder Christ, egal ob er katholischer oder evangelischer Konfession ist. Dass die Kreuzzüge ein unverzeihlicher Verstoß gegen die Grundlehren des Neuen Testaments waren, darüber sind sich alle im Westen einig. Die Römisch Katholische Kirche hat sich öffentlich für ihre Verfolgung der Protestanten während der Reformation entschuldigt; die Evangelische Kirche hat öffentlich ihre Schuld der Kollaboration mit dem NS–Staat bekannt. Es gibt keine bekannte christliche Kirche, die die Judenverfolgungen durch die Kirche während des Mittelalters und bis weit in die Neuzeit hinein nicht verurteilte.

Man hat nie gehört, dass eine repräsentative Körperschaft islamischer Gelehrter und Würdenträger sich für ähnliche Missetaten entschuldigt hätteMan hat nie gehört, dass eine repräsentative Körperschaft islamischer Gelehrter und Würdenträger sich für ähnliche Missetaten entschuldigt hätte. Woran liegt das?

Der Islam teilt die Welt in zwei Häuser ein, in das Haus des Islam, wo alles dem Propheten unterworfen ist, und das Haus des Krieges, wo sich seine Religion (noch) nicht durchgesetzt hat:

„Solange die ideale Einheit nicht erreicht ist, zerfällt die Welt, die Menschheit in zwei Hälften: die dâr al-islâm, ‚das Islamgebiet’, das von einem Volk, den Muslimen, bewohnt ist und geleitet von einem Führer, dem imâm, dem Chalifen, und die außerislamische Welt, die Nichtmuslime, deren Pflicht es im Grunde ist, den Islam anzunehmen. Zwischen beiden Hälften besteht Kriegszustand. Das außerislamische Gebiet ist dâr al harb, „Kriegsgebiet“, so lange, bis es sich dem Islam fügt und damit zu einem Teil der dâr al-islâm, wird.“1

Der Koran sagt, es gebe im Glauben keinen Zwang (2,257) Auf diese Stelle berufen sich liberale Moslems heute gegenüber ihren militanteren Glaubensgenossen. Im Koran steht aber auch:

„Kämpft gegen die, denen die Schrift gegeben war (= Juden und Christen) und die nicht glauben … es sprechen die Nazarener: Der Messias ist Gottes Sohn … Allah schlage sie tot! (Sure 9,30.31)

„Bekämpft auf Allahs Pfad die euch bekämpfen … und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt … Greifen sie euch an, schlagt sie tot. Das ist der Lohn der Ungläubigen“ (2,186.187).

Der Ausdruck „Allahs Pfad“ (Arabisch sabîl ‚Allâh) bedeutet so viel wie Glaubenskrieg. Diese Tatsache allein spricht Bände. In der Bibel finden sich viele Ausdrücke wie „der Weg der Wahrheit“, die Wege des Herrn usw. Damit ist nie Krieg gemeint, sondern das persönliche Glaubensleben des Gläubigen. Im Koran ist aber „der Weg Allahs“ der Krieg gegen die Andersgläubigen. Ich zitiere noch einmal aus dem Werk des Islamwissenschafters Richard Hartmann (1881–1965) „Die Religion des Islam“, das seit über 50 Jahren unter Orientalisten als Standardwerk gilt:

Zu verwenden ist diese Almosensteuer… für acht verschiedene Zwecke … 7. für den Pfad Gottes, sabîl ‚Allâh, d. h. in erster Linie für den Glaubenskrieg… (S. 85–86).

Das beruht auf dem Koranvers 9,60: „Die Almosen sind … für den Weg Allahs …“. Richard Hartmanns Aussagen sind darum unverfänglich, weil er wie fast alle Arabisten und Islamisten einer déformation professionelle erlegen ist und darum fast nie in der Lage ist, den Islam distanziert und damit auch kritisch zu sehen. Etwas Negatives wird er über sein geliebtes Studienfach nie sagen, ist es doch sein Lebensinhalt.

Der Koran impft dem Gläubigen Feindschaft gegen die Andersgläubigen ein:

„Nehmt keinen von ihnen (den Ungläubigen) zum Freund … Und so sie den Rücken kehren, so ergreift sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet (4,91).

Erlahmt nicht in der Verfolgung des Volks (der Ungläubigen) (4,105).

Bin Laden kann sich auf Koranstellen berufen, wenn er lehrt: „Es ist die Pflicht jedes Muslim, Amerikaner und ihre Alliierten, wo auch immer, zu töten.“

Wenn nun Usama Bin Laden alle Muslime in der Welt lehrt: „Es ist die Pflicht jedes Muslim, Amerikaner und ihre Alliierten, wo auch immer, zu töten“, dann kann er sich auf die oben genannten Stellen im Koran berufen, und man kann ihm nicht einmal widersprechen, wenn man diesem Buch glaubt. Man kann bestenfalls einige mildere Aussagen gegen rabiatere Aussagen halten.

Selbstlob

Der Koran enthält folgendes Selbstlob, mit dem der Prophet des Islam sich und seinen Anhänger schmeichelt:

Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen entstanden ist. Ihr heißt, was Rechtens ist und ihr verbietet das Unrechte und glaubt an Allah (3,106).

Das ist so plump, dass es beim durchschnittlichen Europäer Erheiterung auslöst. Eigendünkel haust ohnehin in jedem Adamskind; es ist natürlich nicht besonders intelligent, diesen Dünkel noch mit solchen Sprüchen zu fördern. Und wie das sich auf das Selbstverständnis der Muslime niederschlägt, ist mit Händen zu greifen:

Das Bewusstsein, dass die, die Gottes Gebote nicht anerkennen oder leicht nehmen, verworfen sind, schenkt ihm (dem Muslim) das Gefühl der Überlegenheit, das ja überhaupt ein so charakteristischer Zug des Islam ist, und das hier leicht in geistlichen Hochmut ausläuft und sich als Fanatismus auswirkt …2

Das schreibt ein Fachgelehrter, der den Islam äußerst wohlwollend betrachtet und entsprechend darlegt.

Weil Stolz und Einbildung uns angeboren sind, haben wir statt Eigenlob vielmehr als Korrektiv die nicht so schmeichelhafte Wahrheit nötig, dass wir bloß Menschen sind, und ganz sicher nicht besser als die andern.

Entsprechend werden uns im Neuen Testament Vorbilder gegeben von Leuten, die an sich nichts Besonderes und schon gar nichts Besseres sehen konnten als an andern. Der Apostel Paulus sagt, dass er in einer Sache der Größte gewesen sei: im Sündigen (1. Timotheus 1,15). Und er erinnert die Korinther daran, dass Gott das Schwache, das Unedle, das Erbärmliche in der Welt erwählt hat (1. Korinther 1,26). Auch wenn in Europa nur noch eine Minderheit das Neue Testament liest, so ist doch dem Europäer Eigenlob ärgerlich oder lächerlich. Eine unter uns oft gebrauchte Redensart lautet: „Eigenruhm stinkt.“ Uns ist irgendwie klar, dass Leute, die sich selbst schmeicheln und sich selbst bewundern, nur sich selbst betrügen.

Selbstbezichtigung und Selbstkritik

Der Koran enthält keine Lehre der Selbstverurteilung, wie es das Neue Testament tut. Wir halten es für selbstverständlich, dass man irgend wann einmal den Balken im eigenen Auge herausholt, nachdem man sich lange genug über den Splitter im Auge des Nachbarn aufgeregt hat (Matthäus 7,1–5). Der Römerbrief lehrt uns:

„Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wenn du richtest. Denn worin du den andern richtest, verurteilst du dich selbst, weil du, der du richtest, dasselbe tust“ (Römer 2,1).

Eine analoge Lehre findet sich im Koran nicht.

Daher rührt diese Unfähigkeit zur Selbstkritik, die eines der herausragenden Merkmale der islamischen Welt ist. Die wenigen selbstkritischen Schriftsteller, Journalisten und Intellektuellen, die diese Unfähigkeit sehr klar erkennen und beklagen, leben meist in europäischen Ländern oder in Nordamerika. In ihrer Heimat sind sie nicht geduldet. Als V. S. Naipaul im Oktober 2001 den Nobelpreis für Literatur bekam, löste das in der islamischen Welt heftige Reaktionen aus. Ich zitiere einige Auszüge aus dem Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung vom 17. Oktober 2001 unter der Rubrik „Naipaul – Ein Sündenfall? Proteste aus der arabischen Welt gegen die Nobelpreisvergabe“:

Dem Nobelpreiskomitee wurde vorgeworfen, es habe V. S. Naipaul nicht zuletzt wegen seiner äußerst kritischen Haltung gegenüber dem Islam ausgezeichnet.

‚Alsharq-Alawsat‘, eine führende arabische Zeitung, bezeichnete den Entscheid für Naipaul sogar als ‚ethischen Sündenfall‘.

E. Said, seit dem Erscheinen seiner Studien ‚Orientalism‘ einer der gewichtigsten Stimme in der Debatte über das Verhältnis von islamischer und westlicher Welt, schreibt: ‚Ich glaube, das Naipaul irgendwann einen gefährlichen intellektuellen Unfall erlitt … sein wahnhafter Antagonismus gegenüber dem Islam hat sein Denken blockiert oder ihn in einer Art geistigen Suizid getrieben …

Der in Oslo lebende irakische Autor Walid Qobeissi (schreibt), via Naipauls Werk habe man die islamische Welt auf die gravierende Krise im Umgang mit ihrer Religion und ihrem kulturellen Erbe hinweisen wollen. ‚Wie der Westen sich mit den dunklen Seiten des Christentums auseinandergesetzt und sich vom unmenschlichen Erbe der mittelalterlichen Kirche losgesagt habe, so sollte auch der Islam Selbstkritik lernen, um seine heutigen Schwierigkeiten zu überwinden.

Die letztgenannte selbstkritische Stimme eines Muslim ertönt nicht aus dem Herzen der islamischen Welt, sondern aus dem menschenfreundlichen Norwegen. Zufall?

Paranoide Gemütslage

Die Unfähigkeit zur Selbstkritik erzeugt unweigerlich paranoides Denken. Bekanntlich sehen Muslime beständig Feinde am Werk, die „den Islam“ unterwandern und vernichten wollen.Die fixe Idee von einer antiislamischen Verschwörung ist ein weiterer fester Bestandteil der gesamtmuslimischen Psyche
 Diese „Feinde“ sind immer die gleichen: Die Juden und die Amerikaner. Die fixe Idee von einer antiislamischen Verschwörung ist ein weiterer fester Bestandteil der gesamtmuslimischen Psyche. Nach der Niederlage des Irak im Golfkrieg sagte ein gewisser Satauri Chadschat, ein in Jerusalem wohnhafter Linguist, gegenüber dem amerikanischen Nachrichtenmagazin „Time“:

„Die Kapitulation der irakischen Truppen ist ein von den zionistisch beherrschten Medien inszenierter Bluff.“

Die Sprache erinnert ganz an die ebenso paranoide gleichgeschaltete Presse der NS-Zeit.

Kurz nach dem Anschlag vom 11. September hieß es weitherum in der islamischen Welt, der israelische Geheimdienst habe ihn verursacht. Mit welcher Absicht denn? Selbstverständlich: Um den Islam weltweit zu diskreditieren. Man schüttelt den Kopf und fragt sich, wie man so paranoid sein könne. Der Vater eines der maßgeblichen Terroristen, der Ägypter Mohammed Atta, behauptete gegenüber Journalisten des „Spiegel“:

Die Juden waren es! Der Mossad kann so etwas; so etwas kann nur der Mossad.

Im gleichen Artikel äußern sich die Spiegel-Reporter verwundert:

Die Angehörigen jener mutmaßlichen Killer vom 11. September sind davon überzeugt, dass ihre Lieben nichts mit der Katastrophe zu tun haben. Wer mit ihnen spricht, staunt irgendwann darüber, dass sie so gar nicht trauern. Sie hassen. Und sie glauben tatsächlich, dass die Kinder Opfer einer Verwechslung sind – oder aber Opfer von Mordanschlägen, Opfer eines irrwitzigen Geheimdienstplanes. Jedenfalls Opfer und nie und nimmer Täter.3

Immer Opfer, nie Täter: das ist die typische Haltung, die Muslime gewohnheitsmäßig einnehmen. Alle sind gegen sie; sie sind immer die Vergewaltigten, die ungerecht Behandelten, die Betrogenen.

Bassam Tibi, der in Göttingen einen Lehrstuhl für Internationale Beziehungen hat und sich selbst als „liberalen Reform-Muslim“ bezeichnet4, hat ein umfangreiches Buch geschrieben mit dem Titel: „Die Verschwörung. Das Trauma arabischer Politik“5. Er sagt dort:

Die arabische Politik gipfelt im Glauben, der Westen schmiede seit den Kreuzzügen Verschwörungen gegen den islamischen Orient. Das Aufkommen des islamischen Fundamentalismus stellt einen Höhepunkt dieses Phänomens dar. (Klappentext)

Bezogen auf den irakischen Diktator Saddam Hussein und die Haltung der islamischen Welt zum Golfkrieg schrieb er 1991 in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen:

In einer manichäisch zweigeteilten Welt, in der das Gute auf der einen Seite und das Böse, der Satan, auf der anderen steht, gibt es nur eine Lösung für den ‚Verräter‘, die physische Liquidation. Mit anderen Worten, es gibt in einer Atmosphäre, in der das Verschwörungsdenken vorherrscht, keinen Platz für ein Korrektiv.

Ganovenehre und Solidarisierungseifer

Man erkennt es aus islamischer Sicht nicht als Schuld an, wenn man Christen und Juden tötet:

Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt … Und dann entweder Gnade hernach oder Loskauf, bis der Krieg seine Lasten niedergelegt hat … (47,4.5).

Krieg gegen Juden oder Christen war und ist alles nur Kampf für die gerechte Sache des Islam. Das Haus des Islam muss nicht nur verteidigt, es muss sogar ausgedehnt werden. Und das bedeutet, dass man in der Welt des Islam immer noch so über die Christen denkt wie in der längst verflossenen Zeit der direkten Kämpfe zwischen Abendland und Morgenland. Während wir im Westen nicht im entferntesten mehr in solchen Kategorien urteilen, tut das die islamische Welt noch, und vor allem: sie kann es sich gar nicht vorstellen, dass der Westen nicht auch in diesen Kategorien denkt. Der Führer der afghanischen Talibane (= Koranschüler), Mullah Mohammad Omar, hält Bin Ladin natürlich für unschuldig und behauptet, Amerika verwende ihn nur als Vorwand, um einen Krieg gegen den Islam ausrufen zu können. Jeder Europäer, der so etwas hört, zuckt mit den Schultern und fragt sich, wie jemand so paranoid sein könne.

Dass der afghanische Mullah, der einen Verbrecher deckt, nicht etwa ein Sonderfall innerhalb der islamischen Welt ist, beweisen die jüngsten Fatwas aus der islamischen Welt. Die aus Jordanien zusammengerufenen islamischen Würdenträger ließen kürzlich aus Amman verlauten:

Ein Bündnis mit den USA für den Angriff auf irgend ein muslimisches Land ist durch die Scharia, das islamische Gesetz, verboten. Es ist die Pflicht der Muslime, ihrer Rechtsgelehrten, Herrscher und ihrer Völker, sich gegen dieses kolonialistische, amerikanische, kreuzfahrerische, jüdische und zionistische Komplott zu stemmen… Sie müssen jedem angegriffenen muslimischen Volk jegliche Art der Unterstützung gewähren.6

Viktor Kocher, Autor des zitierten Beitrages, kommentiert richtig:

Die Frage nach Schuld oder Beweis wird hier überhaupt nicht gestellt. Ausschlaggebend ist einzig die Religionszugehörigkeit, denn, heißt es, die göttliche Pflicht der Muslime sei, zusammenzustehen zur Verteidigung der islamischen Religion und ihrer Länder. Zum Beleg wird der Vers 71 aus der Sure ‚at-Tauba’ aus dem Koran angeführt.

Der Muslim wird in jedem Fall einen anderen Muslim gegenüber einem Ungläubigen decken

Der Muslim wird in jedem Fall einen anderen Muslim gegenüber einem Ungläubigen decken. Es mag der Muslim ein Massenmörder sein wie Usama Bin Laden, aber man solidarisiert sich als Muslim mit ihm, weil er ein Muslim ist. Bei uns spricht man in analogen Fällen von Ganovenehre. Ein Zuhälter wird einen Kumpanen seines Gewerbes nicht an die Polizei verraten. Ganoven stehen zu einander. Man mag zwar vor solcher Loyalität eine gewisse Bewunderung haben, und doch ist uns die Ganovenehre anstößig. Wir haben im Neuen Testament gelernt, dass wir auch engste Freunde oder Familienangehörige nicht decken dürfen, wenn sie Böses tun. Loyalität gegenüber dem Recht muss stärker sein als Loyalität gegenüber dem Sippenangehörigen. Das formulierte der Nazarener so:

„Wer Vater oder Mutter … Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,37).

Das ist auch ein Verbot von jeglichem Nepotismus. Dass wir nicht immer danach handeln, ist mir auch klar, aber es ist uns im Rechtsbewusstsein präsent. Ein solches Rechtsbewusstsein hat der Muslim nicht. Bassam Tibi, der in Göttingen und Harvard lehrt, sagt von sich:

In meiner Kindheit und als Schüler in Damaskus wurde mir vielmehr beigebracht, meine Gruppenzugehörigkeit in den Vordergrund zu stellen: ‚Ich bin muslimischer Araber, also bin ich. Für die dominierenden arabischen Kulturmuster ist der Begriff des Individuums als Subjekt fremd. Erst in Europa habe ich gelernt, mich als ein freies Individuum zu begreifen und entsprechend als autonomes Subjekt zu denken.7

Ich habe eine ganze Reihe von christlichen Freunden in Pakistan, die massiv geprellt worden sind. Ich kenne Familien, deren Töchter von Muslimen belästigt worden sind. Kein Christ kann in Pakistan etwas dagegen unternehmen. Fasel Masih, ein langjähriger Bekannter von mir, wurde aus dem Haus, das er in Rawalpindi gekauft hatte, vertrieben und konnte erst zurückkehren, als er dem Nachbarn, der ihn vertrieben hatte, eine großzügige „Abfindung“ bezahlt hatte. Er konnte sich vor Gericht nicht dagegen zur Wehr setzen. Ein Christ bekommt vor keinem Gericht Recht, weil in diesem islamischen Land, wo es fast nur muslimische Anwälte gibt, kein Anwalt einen Christen gegenüber einem Muslim schützen würde. Es gilt als Verrat am Islam und an der islamischen Umma, einem Ungläubigen gegenüber einem Gläubigen Recht zu geben. Wer aber als solcher Verräter gebrandmarkt wird, kann seines Lebens nicht sicher sein.

Bassam Tibi, der wie oben gesagt, in Europa frei und selbständig zu urteilen gelernt hat, bestätigt das:

„In einem der vielen Drohbriefe, die ich nach Fernsehsendungen oder auf Zeitungsartikel hin erhielt, stand: ‚Du hast ein deutsches Gehirn, bist ein Verräter.’ In einem anderen Drohbrief stand: ‚Die Deutschen hassen die Araber, deswegen holen sie so einen wie dich…’ Der Mann erwartete, dass ein Araber als Kommentator seine ‚Brüder’ stammesgemäß vor den fremden Deutschen verteidigt, nicht jedoch kritisch analysiert.“8

Kollektiv und Denunziantentum

Der Moslem handelt im Kollektiv. Persönliche Verantwortung über kollektive Verantwortung zu stellen käme ihm nie in den Sinn. Die endlosen Reihen betender Männer, die sich alle gleichzeitig in die gleiche Richtung niederwerfen und von Djakarta bis Dakar alle in der gleichen Sprache ihre Sprüche murmeln, ist ein sehr genaues Abbild für die gleichschaltende Macht des islamischen Denkens. Auch hier steht islamische Ethik diametral der christlichen Ethik entgegen. Gewiss, auch das Christentum weiß von einer Gemeinschaft der Gläubigen, der „einen allgemeinen Kirche“, wie sie im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt. Dennoch lernt der bibellesende Christ, dass die Gemeinschaft aus Individuen besteht, und dass der Einzelne mit seiner Verantwortung allein vor Gott steht. Das drückt das Neue Testament auf verschiedene Art und Weise aus. Es sagt beispielsweise, dass der Name eines jeden Einzelnen der Erlösten im Himmel angeschrieben ist. Das ist ein Ausdruck von individueller Identität. Es sagt auch, dass man in jedem Fall Gott mehr gehorchen muss als den Menschen. Dieses Denken hat zu Zeiten von Despotien immer wieder christlichen Widerstand erzeugt. Einzelne Christen standen im 16. Jahrhundert auf gegen die Despotie der Kirche von Rom. Einzelne Christen standen im 20. Jahrhundert auf gegen die Despotien des Nationalsozialismus und des Kommunismus. Sie taten es nicht als Angehörige von Clans oder Stämmen, wie das bei allen Revolten in der arabisch-muslimischen Welt der Fall ist:

„In Nahen Osten müssen die Menschen unter der Geißel der orientalischen Despotie leben und leiden… Jedesmal, wenn die bisher unterdrückte Opposition an die Macht kommt, reicht es allenfalls zu einer neuen Spielart der orientalischen Despotie. Ein näheres Hinschauen zeigt, dass hier Opposition nicht politische Opposition im demokratischen Sinne ist; oft handelt es sich um Clans, Stämme und Klientelen, die einander bekämpfen und sich gegenseitig an der Macht ablösen.“9

Das Kollektiv hat den Muslim viel stärker im Griff, als wir es uns im Westen vorstellen können. Die Macht des Kollektivs erzeugt auch das für unser Empfinden so anstößige Denunziantentum. Nehmen wir ein Beispiel: Aus Angst vor den anderen wagt in einem muslimischen Land niemand das Fasten im Ramadan zu ignorieren. So bald jemand gesehen wird, der zu unerlaubter Zeit etwas isst oder trinkt, wird er angezeigt, und es kommt spontan zu Aufläufen und Strafaktionen. Wenn sie milde ausfällt, wird der Delinquent verprügelt, manchmal gelyncht oder erschossen. Dabei weiß man, dass viele Muslime insgeheim während der Fastenzeit essen.

Wir müssen noch einen wichtigen Unterschied zwischen koranischer und neutestamentlicher Ethik ansprechen. Für das gute Ziel ist dem Muslim jedes Mittel gut. Dafür gibt der Prophet selbst das Vorbild ab. Er durfte herrschendes Recht brechen, als es darum ging, dem Islam zum Sieg zu verhelfen. Er ließ im Heiligen Monat, in dem nach arabischem Recht die Waffen ruhen mussten, eine Karawane überfallen, um seinen Aufenthalt in Medina zu finanzieren.

Als die dortigen Araber sich über die Verletzung der heiligen arabischen Tradition empörten, kam eine neue Offenbarung Allahs seinem bedrängten Propheten zu Hilfe. In der Sure 2,214 wird der Gesetzesbruch damit gerechtfertigt, dass er einem höheren Ideal diente:

„Sie werden dich befragen nach dem Kampf im heiligen Monat. Sprich: Kämpfen in ihm ist schlimm; aber Abwendigmachen von Allahs Weg und ihn und die heilige Moschee verleugnen und sein Volk daraus vertreiben ist schlimmer bei Allah.“

Der Zweck und die Mittel

Wer über Gott und seine Eigenschaften nachdenkt, wird bald erkennen, dass seine Attribute der Macht mit seinen sittlichen Eigenschaften in Konflikt geraten. Allmacht und Gerechtigkeit, Unumschränktheit und Liebe, wie passen die zusammen?

  • Da Allah List verwenden darf, darf auch der Muslim lügen, wenn er damit der Sache des Islam dient
  • Der Koran weist die Männer an, ihre Ehefrauen zu schlagen

Auf einer der beiden Seiten muss die Gottheit gewissermaßen zurücktreten. Die biblischen Autoren haben sich so geäußert, dass Gottes Macht der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes untergeordnet werden. Das heißt, es gibt gewisse Dinge, die Gott nicht tun kann: Er kann nicht lügen.

Die koranische Auffassung hat die Macht über die sittlichen Eigenschaften gestellt. Zuerst und zuoberst ist Allah allmächtig.10 Allah kann und darf daher alles. In islamischer Theologie hat der Gedanke, dass Allah etwas nicht tun könnte, keinen Platz. Das heißt, wenn es sein muss, darf er auch lügen. So erfahren wir denn im Koran:

„Sie (die Juden) schmiedeten Listen, und Allah schmiedete Listen; und Allah ist der beste Listenschmied“ (3:47).

Das hier mit „Listen schmieden“ übersetzte Verbum lautet arabisch makara; es wird in meinem Arabisch-Englischen Wörterbuch von Wortabet und Porter wiedergegeben mit: to deceive, („betrügen“); das hierzu gehörige Hauptwort makrun mit: trick, deceit, fraud (Trick, Täuschung, Betrug). Es heißt hier von den Juden, dass sie Listen schmiedeten. Aber Allah schmiedete auch Listen, und er ist auch darin „der Beste“.

Im Kampf der Muslime gegen die Ungläubigen wird die Lüge als erlaubt erklärtDa Allah List verwenden darf, darf auch der Muslim lügen, wenn er damit der Sache des Islam dient. Diesen für biblisches Denken verwerflichen Grundsatz haben bekanntlich die Jesuiten bei der Bekämpfung der Reformation bis zum Äußersten getrieben. Der persische islamische Dichter und Gelehrte Al Ghazali ist einer der vielen, der lehrte, im Kampf der Muslime gegen die Ungläubigen sei die Lüge erlaubt:

„Wisse, dass die Lüge in sich nicht falsch ist. Wenn eine Lüge der einzige Weg ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist sie erlaubt. Daher müssen wir lügen, wenn die Wahrheit zu einem unliebsamen Ergebnis führen müsste.“

Ghazalis Empfehlung ergibt sich ganz organisch aus der koranischen Auffassung über das Verhältnis von Allahs Gerechtigkeit zu seiner Allmacht.

Unter Christen waren die Jesuiten genau deshalb verrufen, weil sie in der Zeit der Glaubenskämpfe in Europa sich von dieser Ethik leiten ließen. Um die gute Sache – die Festigung und Mehrung der Macht der Römischen Kirche – zu fördern, meinten sie, dürfe man lügen, stehlen und morden. Das hat die Römische Kirche inzwischen selbst als übel verurteilt. Dem Christen gilt unter allen Umständen: „Euer Ja sei Ja, euer Nein sei Nein.“ Das heißt, dass man nie etwas vortäuschen darf, was man nicht meint; das heißt auch, dass man nie etwas Verbotenes tun darf. Man darf nie lügen, nie stehlen, nie morden, unter keinen Umständen und im Dienst keiner wirklich oder vermeintlich höheren Sache.

Rache und Toleranz

Das Neue Testament verbietet dem Christen jede Rache:

„Rächt nicht euch selbst, Geliebte … denn es steht geschrieben: Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr“ (Röm 12,19).

Das bedeutet, dass der Christ die Rache Gott überlassen muss (1. Thessalonicher 4,6; 2. Thessalonicher 1,5–9).

Der Koran hingegen erlaubt oder gebietet sogar die Blutrache:

„O ihr, die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch die Wiedervergeltung im Mord: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven und das Weib für das Weib“ (Sure 2,173; siehe auch 17,35).

Es kann kein Glaube an einen jenseitigen und allmächtigen Gott im Sinne des Pluralismus „tolerant“ sein. Darum muss man sich darüber klar sein, was man unter Toleranz verstehen will. Das Christentum beansprucht, die einzig wahre Heilslehre zu sein. In dem Sinn ist es exklusiv. Es ist aber nicht in dem Sinn intolerant, als es alle Menschen, die das Evangelium von Jesus Christus nicht annehmen, zu Feinden erklärt, die man bekämpfen müsse. Das Christentum schreibt daher keine gesellschaftlichen Sanktionen vor gegen Menschen, die nicht an Christus glauben, auch nicht gegen Christen, die dem Christentum absagen. Die Frage ist also, ob eine Glaubenslehre die Freiheit und Eigenverantwortung des Menschen berücksichtigt oder nicht. Es findet sich im Islam die Verordnung, wer vom Islam abfalle, müsse mit dem Tod bestraft werden. Das Neue Testament kennt das nicht.

Der Islam ist auch in der Weise intolerant, als er Nichtmuslime gesellschaftlich benachteiligt. Wenn die Muslime die „Toleranz“ ihrer Religion preisen, dann meinen sie, dass man in islamischen Ländern Nichtmuslime (normalerweise) nicht umbringt. Der Islam hat ein festes, d. h. schriftlich fixiertes System entwickelt, das das Verhältnis von Nichtmuslimen zur Öffentlichkeit und zur Regierung eines muslimischen Landes festlegt. Es schreibt vor, dass Nichtmuslime Bürger zweiter Klasse bleiben müssen. Das ist in allen muslimischen Ländern so gewesen, seit es den Islam gibt, und ist bis heute so geblieben:

„Juden und Christen… dürfen bei ihrem Glauben bleiben, falls sie sich der Herrschaft des Islam unterwerfen und ‚demütig’ die Kopfsteuer zahlen. Sie werden dann als dhimmî, ‚Schutzbefohlene’ unter den Schutz der dhimma, der muslimischen Gemeinde genommen, die ihnen Leben, Eigentum und freie Religionsübung zusichert, ihnen aber auch gewisse Auflagen zur Pflicht macht, die ihre Minderstellung im Staat zum Ausdruck bringen sollen, wie… das Verbot, Glocken zu läuten, neue gottesdienstliche Gebäude zu errichten oder den Muslimen irgendwie Anstoß zu erregen“11

Das ist natürlich weit von dem entfernt, was wir im Westen uns unter Toleranz vorstellen.

Was der Islam noch heute unter Toleranz versteht, das hat eine repräsentative Versammlung islamischer Gelehrter im Jahre 1968 in Kairo schön zum Ausdruck gebracht:

Vom 27. September bis zum 24. Oktober 1968 fand die Vierte Konferenz der Akademie für Islamische Studien in Kairo statt. 77 Moslemische Ulemas nahmen daran teil. Die von ihnen 1970 in drei Bänden arabisch publizierten Referate wurden auch ins Englische übersetzt, weil man offensichtlich wollte, dass alle Welt wissen soll, was aus islamischer Sicht von den Juden zu halten ist. Die Beiträge12 bezeichnen die Juden wiederholt als „Todfeinde Allahs und des Islam“, „Feinde der Menschheit“, sogar „Hunde der Menschheit“, zudem seien die Juden „in ihrer Bösartigkeit zu keiner Läuterung fähig“.

Bekanntlich hat Mohammed in der Mekkanischen Phase seines Wirkens zuerst die monotheistischen Juden als seine Verbündeten im Kampf gegen den altarabischen Polytheismus angesehen. Seine späteren Erfahrungen mit den Juden in Medina änderten seine Meinung über die Juden. Da sie ihn und seinen Prophetenanspruch nicht annahmen, wurden sie zu Feinden:

„Siehe, diejenigen, welche sich Allah und seinem Gesandten widersetzen, sind unter den Verworfensten“ (Sure 59,21).

Allah werde ihre „Gesichter abwischen und sie ihren Hinterteilen gleich machen“ (Sure 4,50)

So finden sich Koransprüche aus der Medinensischen Zeit, die den Juden anlasten, sie hätten die göttlichen Offenbarungen böswillig verfälscht (Sure 2,70). Ihnen wird angedroht:

Allah werde ihre „Gesichter abwischen und sie ihren Hinterteilen gleich machen“ (Sure 4,50).

„Verflucht werden sie für ihre Worte … Und sie betreiben auf Erden Verderben“ (Sure 5,69).

„Und du wirst finden, dass unter allen Menschen die Juden den Gläubigen am meisten Feind sind“ (Sure 5,85).

„Es sprechen die Juden: ‚Esra ist Allahs Sohn.‘ … solches ist das Wort ihres Mundes. Allah schlage sie tot!“ (Sure 9,30).

„Der Satan ist in sie gefahren und ließ sie das Gedenken an Allah vergessen. Sie sind Satans Verbündete“ (Sure 59,20).

Was sollen die Juden unter dieser gepriesenen Toleranz verstehen?

Muslime und einige unserer „Nahostexperten“ und „besten Kenner der arabischen Welt“ beteuern zwar immer wieder: „Der Islam ist eine Religion der Toleranz.“ Was sollen die Juden unter dieser gepriesenen Toleranz verstehen? Wahrscheinlich doch das, was der islamische Gelehrte Kamal Ahmad Own an der oben genannten Konferenz für Islamische Studien in Kairo sagte:

„Die Bosheit der Juden ist unheilbar, so lange sie nicht mit Gewalt unterworfen werden. Nichts Gutes ist von ihnen zu erwarten, solange sie nicht als treue, folgsame Untertanen unter der Herrschaft des Islam leben. Dann wird die Gemeinschaft der Muslime sie großzügig und tolerant behandeln, wie immer.“ ((Literaturempfehlung zum Urteil des Koran über die Juden: Johan Bouman: Der Koran und die Juden. Die Geschichte einer Tragödie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990.))

Abartiges Strafsystem

Im Koran finden sich Beschreibungen von Strafen, die Allah verhängt, die man nicht anders als sadistisch und primitiv nennen kann:

„Ihr kennt doch diejenigen unter euch, die sich in Betreff des Sabbats vergingen, zu denen wir (= Allah) sprachen:

‚Werdet ausgestoßene Affen!’ Und wir machten sie zu einem Exempel für Mit- und Nachwelt und zu einer Lehre für die Gottesfürchtigen“ (Sure 2,61.62; siehe auch 7,166).

„Wen Allah verflucht hat und wem er zürnt – und verwandelt hat er einige von ihnen zu Affen und Schweinen“ (Sure 5,65).

Unzucht, d. h. nicht erlaubter Geschlechtsverkehr, wird mit Steinigung bestraft, Diebstahl mit Abhacken der Hand, im Wiederholungsfall der zweiten Hand oder eines Fußes; Straßenraub mit Tötung und nachträglicher Kreuzigung.13

Der Pharisäer

Eine aus dem Neuen Testament und damit auch aus dem sittlichen Urteilen des Europäers nicht wegzudenkende Gestalt ist der Pharisäer. Jesus hat uns davor gewarnt, nur dem Buchstaben und dem Äußeren nach getreue Anhänger seiner Lehre zu sein. Er hat wiederholt Vergleiche verwendet wie getünchte Gräber, die außen weiß sind, inwendig aber voller Unrat sind. Nach islamischer Morallehre ist der Muslim verpflichtet, hauptsächlich in der Öffentlichkeit kein sittliches Gebot des Koran zu brechen. Das gilt besonders für islamische Herrscher. In Pakistan ist es ein offenes Geheimnis, dass die Reichen, d. h. die hohen Beamten, die Großgrundbesitzer und die Unternehmer, Alkohol trinken. Aber das tun sie zu Hause, auf jeden Fall nur in geschlossener Gesellschaft. Das recht eigenwillige pakistanische Staatsoberhaupt Zulfikar Ali Bhutto, Vater der nachmaligen obersten Pakistanerin Benazir Bhutto, war da anders. Er war Sozialist, und er sagte in einer Rede:

„Es stimmt, dass ich gerne ein Glas Whisky trinke, aber dafür trinke ich das Blut des Volkes nicht.“

Diesen in aller Öffentlichkeit ausgesprochenen Satz hat ihm die muslimische Gemeinschaft nicht verziehen. Von da an war es beschlossene Sache, dass er weg müsse. Einige Jahre später endete er am Galgen. Das Anstößige war nicht, dass er Alkohol trank, sondern dass er es vor allem Volk zugab.

Die Bedeutung von Mann und Frau

Das Neue Testament lehrt, dass Mann und Frau vor Gott gleich sind, gleichen Wert, gleiche Bedeutung und gleiche Vorrechte haben. Die Bibel lehrt, dass Gott Mann und Frau gemeinsam den Auftrag gab, über die Erde zu herrschen, und dass der Mensch nur als Mann und Frau das Bild Gottes darstellte (1. Mose 1,26–28). Mann und Frau sind in ihrer Stellung vor Gott gleich:

„Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“ (Gal 3.28).

Das Neue Testament lehrt zudem, dass Mann und Frau verschiedene Aufgaben und verschiedene Wirkungskreise haben; dass der Mann führt und die Frau ihm untertan ist (1. Korinther 11,3; Epheser 5,22). Aber sie lehrt nicht, dass der Mann besser oder höher oder wertvoller wäre. Dies im Gegensatz zum Koran.

„Wenn die Frau in religiöser und sittlicher Hinsicht im Islam im wesentlichen dem Mann gleichgestellt ist, steht sie dagegen in politischer und rechtlicher Hinsicht weit unter ihm. Von öffentlichen Ämtern ist sie ausgeschlossen… vor dem Richter gilt ihr Zeugnis nur halb so viel wie das des Mannes. Sie erbt nur halb so viel wie dieser“14

Der Koran lehrt, die Männer seien besser als die Frauen:

„Die Männer sind den Frauen überlegen wegen dessen, was Allah den einen vor den andern gegeben hat, und weil sie von ihrem Geld für die Frauen auslegen“ (Sure 4,38).

Nach islamischem Recht besitzt nur der Mann die volle Rechtsfähigkeit. Es hat nur der Mann das Recht, seine Frau ohne Angabe von Gründen aus der Ehe zu entlassen (talâq). Auch das Recht der Blutrache zeigt die Minderwertigkeit der Frau (und auch der Nichtmuslime):

„Der Blutpreis für die getötete Frau beträgt die Hälfte des Blutpreises für den Mann, der für den Christen oder Juden nur ein Drittel des Blutpreises für den Muslim“ (Hartmann, S. 120).

Der Koran weist die Männer an, ihre Ehefrauen zu schlagenDer Koran weist die Männer an, ihre Ehefrauen zu schlagen:

„Diejenigen Frauen, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnt sie, verbannt sie in die Schlafgemächer und schlagt sie. Und so sie euch gehorchen, so sucht keinen Weg wider sie. Siehe, Allah ist hoch und groß“ (Sure 4,38).

Im Koran gibt es keine Bergpredigt

Ich denke nicht, dass alle muslimischen Ehemänner ihre Frauen schlagen; aber auf alle Fälle wird ein Muslim seiner Religion wegen nie Gewissensnöte haben, wenn er seine Frau einsperrt und schlägt. Ich behaupte nicht, alle Ehemänner, die sich Christen nennen, seien gute Ehemänner. Aber im Neuen Testament finden sich mehrere Aussagen wie im Brief des Apostels Paulus an die Epheser, wo in einem einzigen Abschnitt den Ehemännern dreimal gesagt wird:

„Liebt eure Frauen“ (Epheser 5,25). Petrus sagt: „Geht mit euren Frauen verständnisvoll um“ (1. Petrus 3,7).

Solche Aussagen fehlen vollständig im Koran; im Neuen Testament fehlt hingegen jegliche Andeutung, dass ein Mann seine Frau je schlagen dürfe. Tut er es, wird er, so er das Neue Testament kennt, seiner Religion wegen Gewissensnöte haben. Fast alle Europäer, auch wenn sie das Neue Testament nicht mehr lesen, verachten Männer, die ihre Frauen schlagen.Man könnte den Unterschied in der Ethik des Koran und der Ethik des Neuen Testaments so zusammenfassen: Im Koran gibt es keine Bergpredigt.

Nachfolger Mohammeds und Nachfolger von Jesus

Früher nannte man die Moslems Mohammedaner, und das sind sie auch, auch wenn sie sich dagegen verwahren. Sie folgen Mohammed nach. Er ist der Lehrer, der Führer und das Vorbild eines jeden rechten Moslem. Im Fastenmonat Ramadan stehen in allen pakistanischen Zeitungen jeden Tag Geschichten über den Propheten, die man eigentlich niemand zur Nachahmung zu empfehlen wagte. Dieses Vorbild hatte ein Dutzend Frauen. Das färbt natürlich auf die Einschätzung seiner Nachfolger vom Wert von Mann und Frau ab. Wie wichtig muss sich der Nachfolger Mohammeds vorkommen, wenn er ein Mann ist, wo er doch für sich, wenn nicht gerade zwölf (das war dem Religionsgründer vorbehalten), so doch vier Frauen haben darf. Und wie muss sich eine Frau vorkommen, die nur eine von Vieren ist, die ein Mann sich nach Lust und Laune abwechselnd aussucht?

Mohammed ließ missliebige Gegner umbringen. Das ist keine böse Unterstellung der Feinde des Islam, sondern das kann man nachlesen in der Biographie des Propheten, die Ibn Hischam (767–834) schrieb und die von der islamischen Weltgemeinde als authentisch akzeptiert wird. Ein Dichter Namens Ka’b bin Aschraf hatte Spottgedichte auf den Propheten verfasst. Da äußerte der Prophet gegenüber Freunden, dass er es nicht ungern sähe, würde jemand ihn umbringen. Den Auftrag zur Ermordung erhielt er dann vom Erzengel Gabriel. In den Worten des Ibn Hischam:

„Und Allah sandte Dschibrail mit einer schönen Offenbarung, an seinen Diener gerichtet, um ihn zu ermorden.“

Solche Vorbilder prägen. Vor einigen Jahren wurde der indische Muslim Salman Rushdie zum Tod verurteilt, weil er in einem Roman den Propheten des Islam verunglimpft hatte. Im heutigen Pakistan ist es so, dass jeder, der irgendetwas Nachteiliges über den Propheten sagt, gehängt werden kann.

Was lernt aber der Christ von seinem Meister, wenn er ihn ernst nimmt? Sein Meister tötete niemanden; und er hat seinen Jüngern nie einen Auftrag gegeben, irgendjemanden zu töten. Im Gegenteil: Er ließ ich selbst für andere umbringen. Der Apostel riet den Christen in Korinth, sich lieber Unrecht antun zu lassen als anderen Unrecht zu tun (1. Korinther 6,7).

Die Apostel selbst wurden geschmäht, verfolgt und verlästert. Was taten sie dagegen? Nichts, außer dass sie für ihre Lästerer beteten (1. Korinther 4,12.13). Solche Vorbilder prägen. Sie haben das sittliche Urteilen von unzähligen Christenmenschen während fast zweitausend Jahren beeinflusst. Und sie gehören noch immer zum Gerüst der westlich freiheitlichen Ethik, auch wenn die westlichen Gesellschaften aufgehört haben, christlich zu sein.

Der Islam ist die einzige Weltreligion, dessen Gründer ein Feldherr war. Er tötete seine Rivalen. Der Gründer der christlichen Religion hatte nie eine Waffe in der Hand, befehligte nie eine Streitmacht. Er verglich sich selbst mit einem guten Hirten, der sein Leben lässt für seine Schafe. Vorbilder prägen.

Warum soll man diesen auffälligen Befund nicht aussprechen und bedenken dürfen? Etwa, weil es den „Nahostexperten“ nicht gefällt, weil unsere Schöngeister sich entrüsten? Wie in aller Welt soll das einem normalen Zeitgenossen einleuchten, wenn man ihm zu erklären versucht, der Gründer dieser bestimmten Religion sei zwar ein Krieger gewesen, das habe aber keinerlei Einfluss auf das Denken und Urteilen seiner Anhänger? Manchmal frage ich mich, ob die Experten uns für so blöd halten, oder ob sie selber so blöd sind, dass sie glauben, was sie da sagen.

Faschisten und ihre schiefe Ideologie, Kommunisten und ihre tödliche Heilslehre, die hat man seit Jahrzehnten zu Recht verurteilt. Darf man eine Religion nicht daraufhin befragen, ob sie eventuell auch ein Anlass sein könnte zu Taten, die sich immer wieder über alle Regeln zivilisierten Zusammenlebens hinwegsetzen?

Schönrederei und Wirklichkeitsflucht

Ich glaube die Leute zu verstehen, die den Islam beharrlich schönreden, in einem Punkt mindestens. Sie haben nach jedem Ausbruch islamischer Gewaltorgien die Sorge, dass man im Westen auf „die Muslime“ losgehen würde. Diese Sorge ist verständlich, und sie ist eine durchaus sympathische Regung, eine Regung, die übrigens auch nur aus neutestamentlicher Ethik erklärbar ist. Darum findet sich diese Art Sorge in der islamischen Welt nie.

Die Sorge ist gut, aber die Maßnahme, zu der diese Sorge führt, ist ganz verkehrt. Schönrederei hat noch nie jemandem geholfen.

Der Islam ist bedrohlich und zu Gewalt bereit. Das hat er wiederholt gezeigtAber der vielleicht entscheidende Beweggrund, warum Politiker, Journalisten und andere das Bekenntnis treu nachbeten, der Islam sei eine friedliebende Religion, ist letztlich die Weigerung, einer ungemütlichen Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen.Der Islam ist bedrohlich und zu Gewalt bereit. Das hat er wiederholt gezeigt, zuletzt in einem Ausmaß, die den meisten Menschen Angst macht. Man redet sich daher ein, der Islam sei nicht so, weil man es sich so sehr wünscht. Als Hitler immer mächtiger wurde und sich einen Gewaltakt nach dem anderen erlaubte, seine Armee ungeheuer aufrüstete und jeder sehen konnte, dass er einen Krieg gegen alle vorbereitete, wollte man das im übrigen Europa nicht wahrhaben, Man redete sich immer ein, Hitler sei nicht wirklich gefährlich. Er wolle nur Gerechtigkeit für Deutschland, und eigentlich sei er für den Frieden. Der Nationalsozialismus sei überhaupt friedliebend. Als Hitler den Weltkrieg schon vom Zaun gebrochen hatte, war es zu spät.

Eine rechte Einschätzung des Kommunismus war nötig, damit das Joch des Kommunismus abgeschüttelt werden konnte. Es waren damals auch die meisten Gegner dieser Ideologie nicht Gegner der Menschen, die unter diese Ideologie geknechtet waren. Wenn wir den Islam kritisch beleuchten, zeigen wir doch erst, dass wir die Muslime als Menschen ernst nehmen und schätzen. Sie sind uns doch nicht egal. Wirklichkeitsflucht ist dumm, und Schönrederei hält nicht ewig vor.

Darum meine ich, es sei im Interesse aller, diese Religion und ihre Auswirkungen auf das Denken und Handeln der Menschen ruhig und so distanziert als möglich zu betrachten


  1. Richard Hartmann, Die Religion des Islam. Eine Einführung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992, S. 125. 

  2. Hartmann, S. 140. 

  3. Spiegel 40/2001. 

  4. In: B. Tibi: Fundamentalismus im Islam. Eine Gefahr für den Weltfrieden? Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2000. 

  5. Hoffmann & Campe, 1993. 

  6. Neue Zürcher Zeitung vom 20.09.2001. 

  7. Tibi: Verschwörung, S. 12. 

  8. Tibi: Verschwörung, S. 12. 

  9. Tibi: Verschwörung, S. 14. 

  10. Der in Bern lehrende Orientalist Johann Christoph Bürgel hat 1991 hierzu die ausgezeichnete Studie „Allmacht und Mächtigkeit. Religion und Welt im Islam“ publiziert, erschienen bei C. H. Beck, München 1991. 

  11. Richard Hartmann, Die Religion des Islam. 

  12. Deutsch in Auszügen greifbar in: Arabische Theologen über die Juden und Israel. Editions de l’Avenir, Genf 1976. 

  13. Hartmann, S. 121. 

  14. Hartmann, S. 94–95.