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Altes Testament und christliche Ethik

In 1Kor 7,19 heißt es: „Die Beschneidung ist nichts und das Unbeschnittensein ist nichts, sondern das Halten der Gebote Gottes“. Stellt Paulus hier nicht zwei Dinge gegeneinander, die eigentlich identisch sind? War die Beschneidung nicht ebenso ein Gebot Gottes, wie etwa die Zehn Gebote?

Moral- und Zeremonialgesetz

Gebot contra Gebot?

Im ersten Moment könnte es so aussehen, als wenn Paulus in neutestamentlicher Zeit versucht, die alttestamentliche Beschneidung umzudeuten. Er unterscheidet in 1Kor 7,19 die Beschneidung einfach von den Geboten Gottes und setzt an ihre Stelle in Röm 2,28-29 eine innerliche Beschneidung. Doch jeder, der im Alten Testament zu Hause ist, weiß, dass ein solcher Verdacht unberechtigt ist. Was Paulus hier sagt, hat er nur aus dem Gesetz und den Propheten des Alten Testamentes übernommen. Dort ist nämlich oft vom „unbeschnittenen Herzen“ (3Mose 26,41; Jer 9,25; Hes 44,7+9) die Rede. So heißt es zum Beispiel in 5Mose 10,16: „Beschneidet die Vorhaut eures Herzens und verhärtet eure Nacken nicht mehr“ und in 5Mose 30,6+8:

„Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, damit du den Herrn, deinen Gott, liebst mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, damit du am Leben bleibst. … Du aber wirst umkehren und der Stimme des Herrn gehorchen und wirst alle seine Gebote tun, die ich dir heute befehle“.

Auch wird zwischen der Beschneidung und dem Halten der Gebote unterschieden. Dasselbe gilt für den Propheten Jeremia und Hesekiel (Jer 4,4; 9,25; Hes 44,7 = 44,9).

Für Paulus ist die äußere Beschneidung nur soviel wert, wie sie die innere Beschneidung widerspiegelt. Wer das Gesetz bricht, hat es ganz gebrochen (vgl. Jak 2,10-11). Er kann den Gesetzesbruch nicht damit aufwiegen, dass er einen Teil der äußeren Gebote, hier die Beschneidung, hält.

Im Alten wie im Neuen Testament finden sich viele ähnliche Beispiele, so etwa die folgenden:

  • Spr 21,3: „Gerechtigkeit und Recht üben ist dem Herrn lieber als Schlachtopfer.“
  • Gal 5,6: „Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein irgendeine Kraft, sondern der durch die Liebe wirksame [oder: handelnde] Glaube.“ (vgl. Gal 6,15)
  • Röm 2,25: „Denn Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz befolgst. Wenn du aber ein Übertreter des Gesetzes bist, ist deine Beschneidung zur Unbeschnittenheit geworden.
  • Hebr 7,16: Jesu Priesterschaft entstand nicht aufgrund „äußerer Gebote“, wie die Priesterschaft des Alten Testamentes. (Das Zeremonialgesetz wird als äußere Gebote bezeichnet und von den moralischen Ordnungen unterschieden.)

Moral- und Zeremonialgesetz

Viele Kirchenväter, die Reformatoren und spätere reformatorische Theologen unterschieden zwischen dem Moralgesetz und dem Zeremonialgesetz

Man kann meines Erachtens bei aller gebotenen Vorsicht im Alten Testament mit vielen Kirchenvätern, den Reformatoren und späteren reformatorischen Theologen zwischen dem Moralgesetz, das in den Zehn Geboten in Kurzform vorliegt und dem Zeremonialgesetz, das die Opfer-, Reinigungs- und Speisevorschriften usw. ebenso wie die Beschneidung umfasst, unterscheiden.1 (Man müsste als dritte Kategorie noch das sogenannte Judizialgesetz, also die Gebote für die politische Ordnung, besprechen, aber ich lasse dieses Problem der Einfachheit halber im Moment außen vor.)

Nun ist nach Mt 5,17-20 das Gesetz durch Jesus weder ‚aufgelöst‘, sondern „erfüllt“ worden. ‚Erfüllung‘ ist der neutestamentliche Ausdruck für die Bedeutung und Anwendung des Gesetzes schlechthin. Aber wir treffen auf eine völlig unterschiedliche Art der Erfüllung von Moral- und Zeremonialgesetz.

Das Moralgesetz ist dabei für alle Zeiten gleichermaßen gültig und wird auch das Gesetz sein, das im Jüngsten Gericht für die Beurteilung aller Menschen zugrunde gelegt wird. Es wird vom Geist Gottes heute in den Christen „erfüllt“, weil Christus die Erfüllung am Kreuz erwirkt hat (Röm 8,3-4; 13,8-10):

„Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war, das tat Gott, indem er seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sandte und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln“ (Röm 8,1-4).

Der Geist Gottes erfüllt seine eigenen Forderungen in uns! Das Zeremonialgesetz galt dagegen für Israel und „erfüllt“ sich in Jesus Christus so, dass es nicht mehr vollzogen werden muss, weil es in Christus ein für alle mal vollzogen wurde, wie uns vor allem der Hebräerbrief deutlich macht. Zum Zeremonialgesetz gehören etwa die Beschneidung, die Opfer und die Reinigungs- und Speisegesetze. Es war kein Selbstzweck, sondern erfüllte seinen Zweck dann, wenn es zum wahren Gottesdienst und zum Halten des Moralgesetzes, eben der Gebote Gottes, führte, die der Inbegriff der Heiligkeit Gottes waren.

Das Neue Testament macht deutlich, dass rückblickend viele Zeremonien keine Gültigkeit mehr hatten

Vertreter der Ansicht, dass das alttestamentliche Gesetz für Christen überhaupt nicht mehr gilt, halten diese Unterscheidungen für künstlich, da im Alten Testament die verschiedenen Teile ineinander verwoben sind. Wenn man so argumentiert, dürfte man aber auch das Gesetz im Sinne der einzelnen Gebote nicht als eigene Kategorie führen, denn der Begriff ‚Gesetz‘ bezeichnet oft das gesamte Wort Gottes (z. B. in Psalm 19 und 119), und die einzelnen Gebote sind im Alten Testament ebenfalls mit Verheißungen und geschichtlichen Berichten aufs Engste verquickt. Ebenso dürfte man nicht von Prophetie sprechen, da Prophetie im Alten Testament nur selten in ‚Reinkultur‘ auftritt, sondern meist mit Geboten und geschichtlichen Berichten verbunden ist. Die Zweiteilung in Moral- und Zeremonialgesetz ergibt sich für mich nicht erst aus den Schriften der Kirchenväter oder Reformatoren, sondern vorrangig aus dem Alten (z. B. Ps 40,7-11; Jer 7,21-24) und Neuen Testament (z. B. eben 1Kor 7,19). Spätestens das Neue Testament macht deutlich, dass rückblickend einerseits viele Zeremonien keine Gültigkeit mehr hatten, andererseits die moralischen Grundordnungen unverändert aus dem Alten Testament übernommen werden. Die neutestamentliche Erfüllung zeigt uns jeweils, in welchem Sinn das alttestamentliche Gesetz auch heute zu praktizieren ist und wo der äußere Vollzug und Schatten in Christus zur Erfüllung gekommen ist. Spätestens von hier aus ist zwar keine Wertung, aber eine Unterscheidung innerhalb des alttestamentlichen Gesetzes möglich.

Erziehung und Wachstum

In der Bibel spielt der Gedanke des Wachstums, des Reifens und der Erziehung auf vielen Ebenen eine herausragende Rolle. Der Mensch wird als Baby geboren, wird erwachsen und durch Jahrzehnte der Erfahrung alt und weise. Die Notwendigkeit des Wachstums ist keine Folge der Sünde, sondern das gesunde Wachstum wird gerade durch die Sünde beeinträchtigt. Selbst Jesus, der sündlos war, „lernte, obwohl er Sohn [Gottes] war … Gehorsam“ (Hebr 5,8).

Dementsprechend gibt es auch ein heilsgeschichtliches Wachstum. Gott hat in immer neuen, aufeinanderfolgenden und sich ergänzenden Bündnissen die Verheißungen für sein Volk erweitert, zugleich aber seinem Volk auch größere Verantwortung auferlegt. Johannes Calvin hat in besonderer Weise betont, dass das Alte Testament eine Erziehung der Menschheit zum Neuen Testament hin ist2 Herman Witsius spricht deswegen unter Berufung auf Gal 4,2 davon, dass das Alte Testament „die Ermahnung der Kindheit“ ist, „denn es war vollständig pädagogisch und an Kinder angepasst“3 Die Aufforderung „berühre nicht, koste nicht, betaste nicht“ (Kol 2,21), mit denen Paulus das alttestamentliche Zeremonialgesetz beschreibt, sieht Witsius gerade als typische Anweisungen für kleine Kinder an.

Gotteskindschaft bedeutet keine Änderung des Maßstabes, sondern eine Veränderung der Stellung

Diese wachstümliche Seite, nach der das Volk Gottes von kleinen Anfängen innerhalb einer Familiengeschichte von Adam bis Abraham über die verschiedenen Bünde hin zu Christus und seinem weltweiten Leib wächst, beschreibt besonders der Galaterbrief. In Gal 3,24-26 heißt es:

„Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister [oder: Lehrer] auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt werden. Nachdem aber [nun] der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister, weil ihr alle Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus seid“.

Viele verstehen den Text so, als ob der „Zuchtmeister“ nicht mehr notwendig ist, weil wir nun Kinder Gottes sind. Tatsächlich besagt der Text aber, dass die Zeit unter der Erziehung des Sklaven durch das direkte Kindsein unter Gott abgelöst wird, was keine Änderung des Maßstabes, sondern eine Veränderung der Stellung bedeutet. Der Gegensatz ist hier nicht zwischen der Gültigkeit des Gesetzes und der Abschaffung des Gesetzes, sondern, wie Herman N. Ridderbos schreibt, zwischen „dem unreifen Leben der Sklaverei unter einem Zuchtmeister“ und „dem Leben der Sohnschaft mit all seinen Privilegien und Rechten“4 Das bringt der anschließende Text Gal 4,1-7 deutlich zum Ausdruck:

„Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist. Stattdessen untersteht er Vormündern und Verwaltern bis zu der von [seinem] Vater festgesetzten Frist. So waren auch wir unter die Elemente der Welt versklavt, als wir Unmündige waren. Aber als die Erfüllung der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter das Gesetz, damit er die unter dem Gesetz loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater! Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn. Wenn [du] aber Sohn bist, so bist [du] auch Erbe durch Gott“.

Die Erfüllungsstufen des Bundes Gottes durch die Geschichte bringen auch Änderungen im Gesetz mit sich. Dies gilt auch schon innerhalb des mosaischen Gesetzes selbst. James B. Jordan geht von drei Stufen oder Bundesschlüssen der mosaischen Zeit aus:

  1. mosaische Offenbarung: 2Mose 19-31;
  2. mosaische Offenbarung: 3Mose 34-4Mose 17;
  3. mosaische Offenbarung: 4Mose 18-5Mose 34.5

Die erste Offenbarung endet mit dem Bundesbruch durch die Verehrung des Goldenen Kalbes, die zweite beginnt mit der Wiederholung der Zehn Gebote, die dritte in 4Mose 17. Jedesmal änderten sich die Anweisungen für die Priesterschaft etwas und damit auch die Anweisungen, was genau Entweihung der Stiftshütte usw. bedeutete und wer wie zu bestrafen war6 Wesentlich ist für Jordan dabei die Aussage in Hebr 7,12, dass ein Wechsel der Priesterschaft einen Wechsel des Gesetzes mit sich bringt. Dies gilt schon für den Tod jedes Hohenpriesters, für den Wechsel der hohenpriesterlichen Familie und erst recht für den Neuen Bund7 Wieviel mehr war bei der Einführung des Neuen Bundes eine Änderung in Bezug auf Priesterschaft, Gottesdienst usw. zu erwarten.

Das Zeremonialgesetz

Das Ende der Praktizierung des Zeremonialgesetzes

Das Zeremonialgesetz wurde nicht in dem Sinn verworfen, dass man seine Einhaltung zur Irrlehre erklärte

Das Neue Testament geht davon aus, dass das Zeremonialgesetz im Opfertod Jesu Christi am Kreuz seine völlige Erfüllung gefunden hat und deswegen alle Vorschriften des Zeremonialgesetzes des Alten Testamentes nicht mehr ausgeführt werden müssen. Jesus Christus selbst hatte sich den Zeremonialgesetzen unterworfen (Röm 15,8-9), bevor er sie selbst erfüllte. Nach Röm 15,8 ist „Christus ein Diener der Beschneidung geworden“ und zwar „um der Wahrheit Gottes willen, um die Verheißung der Väter zu bestätigen“. Das Zeremonialgesetz wurde auch später nicht im strengen Sinne verworfen und seine Einhaltung zur Irrlehre erklärt. Dies geschah nur, wenn man sich das Heil von ihm anstatt durch Christus versprach. Paulus selbst konnte bei Gelegenheit alttestamentliche Zeremonialgesetze einhalten, wenn dies nicht geschah, um gerecht zu werden, sondern aus freien Stücken.

Beispiele für das Ende der äußeren Durchführung des Zeremonialgesetzes im Neuen Testament

  • Hebr 7,12+18-19: „Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt. … Denn das vorhergehende Gebot wird zwar seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen aufgehoben, denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht -, eingeführt aber eine bessere Hoffnung, durch die wir Gott nahen“.
  • Hebr 9,9-10 : „Dies ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit, nach dem sowohl Gaben als auch Schlachtopfer dargebracht werden, die im Gewissen den nicht vollkommen machen können, der den Gottesdienst ausübt. Es sind nur Speisen und Getränke und verschiedene Waschungen, Satzungen des Fleisches, die bis auf die Zeit einer rechten Ordnung auferlegt wurden.“
  • Hebr 7,16 spricht von „äußerlichen Geboten“.
  • Kol 2,16-17: „So richte euch nun niemand wegen einer Speise oder eines Getränkes oder wegen eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper aber [der den Schatten vorausgeworfen hat] ist [der] des Christus.“

So ließ er Timotheus beschneiden (Apg 16,3), nahm das Nasiräergelübde auf sich (Apg 18,18) und finanzierte das Nasiräergelübde anderer Juden (Apg 21,20-29; Apg 24,17-19), was sogar Opfer im Tempel einschloss (Apg 21,26; Apg 24,17). Aurelius Augustinus (354-430 n. Chr.) schreibt deswegen:

„Ich behaupte, die Beschneidung und die übrigen Vorschriften seien dem Volke im Alten Bunde von Gott gegeben worden als eine Weissagung zukünftiger Dinge, die durch Christus erfüllt werden musste. Nachdem dies nun geschehen ist, müssen die Christen eifrig davon lesen, um die Erfüllung der vorausgegangenen Weissagung zu verstehen, nicht aber jene Bräuche zu üben, als seien sie etwas Notwendiges … Obgleich indessen die Heiden hierzu nicht verpflichtet zu werden brauchten, so durften sie doch bei den Juden nicht in dem Maße außer Übung gesetzt werden, als wären sie etwas Verabscheuungswürdiges und Verdammliches …“8

Die Erfüllung des Zeremonialgesetzes bedeutet keine Herabsetzung des alttestamentlichen Zeremonialgesetzes, da wir auch als Christen viel aus ihm zu lernen haben.

„Im Zeremonialgesetz kann man folgende Unterteilungen erkennen:

1. Gesetze, die den heilsgeschichtlichen Fortschritt bestimmen und deswegen Christus vorbilden [engl. ‚typifying‘] – zum Beispiel Bestimmungen für Opfer, Tempel, Priesterschaft usw. und

2. Gesetze, die die erlöste Gemeinschaft ihre Trennung von den ungläubigen Nationen lehrten – zum Beispiel die Verbote von unreinem Fleisch (3Mose 20,22-26), von ungleichem Joch von Tieren (5Mose 22,10) und von Vermischen von bestimmten Samen und Kleidung (5Mose 22,9+11).Keines dieser Gesetze wird heute in der Weise der alttestamentlichen Schatten gehalten, und trotzdem werden sie für uns bekräftigt. Das Prinzip, das sie lehren, ist immer noch gültig. Das Zeremonialgesetz schrieb zum Beispiel die Notwendigkeit von Blutvergießen für die Sühne vor (3Mose 17,11) und deswegen war es, als Christus die Sühne für unsere Sünden ein für allemal erwirkte, „notwendig, dass er sein Blut für uns vergoss“ (Hebr 9,22-24); das alttestamentliche Erlösungssystem forderte das Opfer eines Passahlammes und Christus ist das Lamm für uns (1Kor 5,7; 1Petr 1,19).“9

Die Zukunft des Zeremonialgesetzes im Alten Testament

Der Schreiber des Hebräerbriefes wendet viel Mühe daran, aufzuzeigen, dass die Erfüllung des Zeremonialgesetzes und seiner einzelnen Teile in Jesus Christus bereits im Alten Testament angekündigt oder angedeutet wurde. Nach Hebr 7,20+28 beruhte das alttestamentliche Priestertum nicht auf einem Eid und war deswegen zeitlich befristet, das ewige Priestertum Jesu nach der Ordnung Melchisedeks dagegen beruht auf einem Schwur Gottes, der nicht rückgängig gemacht werden konnte. Schon im Alten Testament diente Abraham und mit ihm das levitisch-jüdische Priestertum dem ewigen Priester Melchisedek (Hebr 7,1-10).

Es ist dabei kein Zufall, dass Melchisedek als „Priester des höchsten Gottes“ (1Mose 14,18) dem Abraham „Brot und Wein“ (1Mose 14,18) entgegenbrachte, also genau die Elemente des neutestamentlichen Abendmahls. Das Priesteramt Melchisedeks geht dem levitischen Priestertum voraus und folgt ihm.

Im Alten Testament finden sich viele weitere Hinweise darauf, dass das Zeremonialgesetz eines Tages seine Bestimmung erfüllt haben werde. So wird etwa in Jer 3,16 geweissagt, dass eine Zeit kommen wird, in der die Bundeslade unauffindbar sein wird und keine Rolle mehr spielt, eine ungeheuerliche Aussage aus der Sicht des alttestamentlichen Gläubigen. Im Neuen Testament aber finden sich Tempel und Bundeslade im himmlischen Heiligtum wieder:

„Und der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und die Lade seines Bundes wurde in seinem Tempel gesehen“ (Offb 11,19).

Jesus ist Gott ↔ Sühneort ↔ Opfer ↔ Hoherpriester ↔ Volk ↔ Gottes

Ähnlich wird in dem berühmten Text Jes 61,1-9 die Erfüllung des Jubeljahrs durch den Knecht des Herrn, also durch Jesus Christus, angekündigt. Jesus hat in seiner Person die Erfüllung dieses Textes gesehen (Jes 61,1-2 zitiert in Lk 4,17-19; „Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt worden“, Lk 4,21) und schon damit die Erfüllung eines Teils des Zeremonialgesetzes deutlich gemacht.

Der Prophet Daniel kündigte an, dass „der Gesalbte [oder: der Messias, der Christus]“ (Dan 9,25) „Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen“ (Dan 9,27) wird. Die Zukunft der Stadt Jerusalems wird dabei bis zu der Zeit berechnet, die „bestimmt“ ist, um „den Sünden ein Ende zu machen und die Schuld zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen und Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes zu salben“ (Dan 9,24).

Die Erfüllung der alttestamentlichen Opfer und Zeremonien

Jesus erfüllt das gesamte alttestamentliche Zeremonialgesetz. Insbesondere erfüllt er alle Bestandteile des Opfergesetzes, auch im Detail. Am Großen Versöhnungstag war er alles: vom Volk Gottes auf der einen bis zum richtenden und versöhnenden Gott auf der anderen Seite und alles dazwischen, nämlich Hoherpriester, Mittler, Opfer, Bundeslade usw.

Was für eine herrliche Vorschattung der in Röm 3,21-31 beschriebenen Vergebung ganz aus Gnade! Durch das Blut Jesu wird das Gesetz „bestätigt“ (Röm 3,31), und die „Gnade“ gerade dort geschenkt, wo die Heiligkeit Gottes am unmissverständlichsten zum Ausdruck kommt: am Kreuz von Golgatha. Jesus erfüllt das alttestamentliche Zeremonialgesetz völlig, wie die Übersicht im Kasten zeigt: Er ist Hoherpriester, Opfer, Sühneort und der heilige und vergebende Gott in einem, wie uns insbesondere der Hebräerbrief deutlich macht.10

Das Moralgesetz

Liebe und Gesetz

Gott ist Liebe

„Gott ist Liebe“ (1Joh 4,8 und 16). Er ist „der Gott der Liebe“ (2Kor 13,11) und Jesus ist „die Liebe Gottes unter uns“ (1Joh 4,9). Deswegen hat die Liebe ausschließlich im Wesen Gottes ihren Ursprung: „die Liebe ist von Gott“ (1Joh 4,7). Zugleich hat Gott „Lust an der Liebe“ (Hos 6,6). Deswegen ist es dasselbe, in Gott zu sein und in der Liebe zu sein: „Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“ (1Joh 4,16). Ebenso ist es dasselbe, Gott zu erkennen und zu lieben: „Jeder der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe.“ (1Joh 4,7-8).

Aus der Liebe Gottes ergibt sich das Liebesgebot. Wilhelm Lütgert schreibt:

„Mit dem Liebesgebot wird gesagt, dass Liebe Pflicht ist. Sie wird gefordert und ist Gehorsam. Dagegen wird eingewendet – diesen Einwand hat vor allem Kant sich zu eigen gemacht –, gebieten kann man nur äußere Handlungen, aber nicht Liebe.“11

Liebe ist Gabe, ehe sie Aufgabe ist, sie wird geschenkt, ehe sie gefordert wird

Schließlich sei die Liebe doch eine freie Willensentscheidung und ein tiefer, innerer, fast unbewusster Trieb. Dem widerspricht Lütgert nicht einmal, sieht aber gerade deswegen Liebe als etwas an, das wir nicht selbst schaffen können.

„Daher kann Liebe nur der gebieten, der sie erwecken kann. Sie ist zunächst etwas Gegebenes, ehe sie etwas Gebotenes ist. Sie ist Gabe, ehe sie Aufgabe ist, sie wird geschenkt, ehe sie gefordert wird. Denn sie entsteht nur aus Liebe und ist immer Gegenliebe. Darum kann sie nur Gabe des Schöpfers sein, ein Widerhall seiner Liebe, die als Liebe des Schöpfers selbst schöpferisch ist. Für die Liebe gilt die Regel des Augustinus:12 ‚Gib, was du forderst, und fordere, was du willst.‘“13

Das alttestamentliche Doppelgebot der Liebe, nämlich Gott und den Mitmenschen zu lieben, steht deswegen im Zentrum des Gesetzes, wie besonders Luther in seiner Auslegung der Zehn Gebote immer wieder deutlich gemacht hat14 Es handelt sich dabei nicht um zwei getrennte Gebote, sondern aus den genannten Gründen eigentlich um dieselbe Sache, wie Johannes ausführlich im ganzen 1. Johannesbrief begründet (bes. 1Joh 4,4-5,3).

Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes

Dementsprechend ist das Gebot zur Liebe nicht irgendein Gebot, sondern jedes göttliche Gebot gewinnt seine Bedeutung aus der Liebe und ist auf Liebe ausgerichtet.15

„Das Endziel des Gebotes ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben“ (1Tim 1,5); „Seid niemand irgend etwas schuldig, außer einander zu lieben, denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.“ (Röm 13,8).

Deswegen können die Gebote Gottes nie mit der Liebe in Konflikt geraten: „Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Gegen diese ist das Gesetz nicht“ (Gal 5,22-23).

Liebe handelt nie gegen das Gebot, sondern sieht im Gebot Gottes seinen Rahmen und seine Verpflichtung

Dennoch darf man aus dieser Tatsache nie den umgekehrten Schluss ziehen, dass die Liebe ohne das Gesetz auskommen könne. Wenn die Liebe auch über das im Gebot Geforderte hinausgeht, handelt sie doch nie gegen das Gebot und sieht im Gebot Gottes seinen Rahmen und seine Verpflichtung. Man darf also nicht schließen, die Liebe sei etwas anderes oder Höheres als das Gesetz.

„Die Liebe, die im Römerbrief … das Gesetz erfüllt, übertrifft das Gesetz nicht: Sie gibt die gründlichste Beschreibung seiner Bedeutung.“16

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst

Dies wollen wir uns anhand von Röm 13,8-10 vor Augen führen:

„Seid niemand irgend etwas schuldig, außer einander zu lieben, denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das ‚Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren‘, und wenn es irgendein anderes Gebot gibt, wird es in diesem Wort zusammengefasst: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes“.

Die Liebe ist hier die Erfüllung des Gesetzes, weshalb es eigentlich nur ein einziges Gebot gibt, nämlich zu lieben (Röm 13,8). Wer wirklich Liebe übt, wird das Gesetz automatisch erfüllen. Paulus zitiert als Beispiel vier Gebote der Zehn Gebote (Röm 13,9), das zehnte Gebot dabei in Kurzfassung („Du sollst nicht begehren …“).

Paulus fügt jedoch zu den Beispielen aus den Zehn Geboten gleich hinzu: „und wenn es irgend ein anderes Gebot gibt“ (Röm 13,9), so dass er prinzipiell alle Gebote Gottes meint. Alle Gebote sind also in dem Satz „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ zusammengefasst (Röm 13,9). Dieser Satz stammt dabei aus dem alttestamentlichen Gesetz selbst (3Mose 19,18). Dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist, ist also nichts, was im Neuen Testament neu hinzukommt, sondern bestimmt bereits das Wesen des alttestamentlichen Gesetzes selbst. Die Zehn Gebote sind nur Ausführungsbestimmungen des Liebesgebotes, denn wer Gott liebt, wird nur ihn verehren und wer den Nächsten liebt, wird ihn nicht töten, bestehlen oder belügen.

Wer den Nächsten liebt, wird ihn nicht töten, bestehlen oder belügen

Jakobus verwendet dasselbe alttestamentliche Zitat, um den Sinn aller Gebote zusammenzufassen und die Zehn Gebote aus der Liebe zu erklären. Nachdem er in Jak 2,1-8 über praktische Beispiele der Benachteiligung armer Christen in der dortigen Gemeinde gesprochen hat, fährt er fort: Jak 2,8-12:

„Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘ nach der Schrift erfüllt, so tut ihr recht. Wenn ihr aber die Person anseht, so begeht ihr Sünde und werdet vom Gesetz als Übertreter überführt. Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist an allen Geboten schuldig geworden. Denn der gesagt hat: ‚Du sollst nicht ehebrechen‘, hat auch gesagt: ‚Du sollst nicht töten‘. Wenn du nun nicht die Ehe brichst, aber tötest, so bist du ein Gesetzesübertreter geworden. Redet so und handelt so wie solche, die durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen.“

Weil das Gesetz von der Liebe her bestimmt ist, ist das Liebesgebot „das königliche Gesetz“ und „das Gesetz der Freiheit“ – wobei letzterer Begriff zugleich das ganze Wort Gottes bezeichnet.

Dass Paulus und Jakobus den alttestamentlichen Text aus 3Mose 19,18 anwenden und auf die Zehn Gebote beziehen, wird noch deutlicher, wenn man den Textzusammenhang 3Mose 19,1-4+11-18 liest, denn schon dort werden Beispiele aus den Zehn Geboten mit dem Liebesgebot in Zusammenhang gebracht. Zu beachten ist besonders 3Mose 19,17-18:

„Du sollst deinen Bruder nicht in deinem Herzen hassen, sondern du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld trägst. Du sollst dich nicht rächen und den Kindern deines Volkes nichts nachtragen und sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, denn ich bin der Herr.“

Wer seinen Bruder nicht liebt, sondern hasst, ermahnt ihn auch nicht, denn Gleichgültigkeit ist Lieblosigkeit. Wer jedoch seinen Bruder liebt, wird ihn auch ermahnen, wenn auch nur im Namen Gottes, also aufgrund der Gebote Gottes und nicht aufgrund eigener Vorstellungen.

Wird die Nächstenliebe hier zunächst auf den „Bruder“, also den Mitisraeliten bezogen, wird sie wenige Verse später auch für den „Fremden“ geltend gemacht:

„Und wenn ein Fremder bei dir in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Wie ein Einheimischer unter euch ist, soll auch der Fremde sein, der unter euch ist. Du sollst ihn lieben wie dich selbst!“ (3Mose 19,33-34).

Die Nächstenliebe auch gegenüber Nichtisraeliten ist zutiefst alttestamentlich.

Jesus hat niemals die Gebote des Mose durch ein einziges Liebesgebot ersetzt

Aus der Verwendung des Liebesgebotes durch Jesus und die Apostel kann man daher den Schluss ziehen:

„Liebe und Gesetz sind keine Gegensätze. … Jesus hat niemals die Gebote des Mose durch ein einziges Liebesgebot ersetzt, wie ihm manche unterstellt haben.“17

Das Liebesgebot gilt im Neuen Testament also als Inbegriff und Zentrum des Alten Testamentes und seines Gesetzes. Ohne das Liebesgebot ist das Alte Testament und jedes biblische Gebot nicht zu verstehen. Das Liebesgebot und damit das Gesetz überhaupt ist deswegen ‚das königliche Gesetz der Freiheit‘. Wenn wir das nicht immer wieder betonen, werden wir kaum vermitteln können, weshalb wir unsere Gesellschaft an göttlichen Geboten messen. Wir müssen ganz neu die Beschreibung der Endzeit in Mt 24,12 deutlich machen:

„… und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten“.

Wider die Situationsethik

Das Gesetz definiert Sünde

Paulus ist in Röm 3,19 auf dem ersten Höhepunkt des Römerbriefes angelangt: „Die ganze Welt ist dem Gericht Gottes verfallen“. Daraus kann nur ein Schluss gezogen werden: „Darum wird aus Gesetzeswerken (oder: dem Tun des Gesetzes) kein Fleisch gerechtfertigt werden“ (Röm 3,20), und damit niemand das Problem beim Gesetz sieht, sondern wirklich ausschließlich bei der Sünde des Menschen, fügt er die eigentliche Bestimmung des Gesetzes hinzu: „… denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm 3,20). Ähnlich schreibt Paulus in Röm 7,7:

„Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt, als nur durch das Gesetz“.

Dass durch das Gesetz Erkenntnis der Sünde kommt, bedeutet auch, dass nur durch das Gesetz Erkenntnis der Sünde kommen kann. Etwas als Sünde zu verwerfen, steht allein Gott zu und deswegen kann allein von Gottes Gesetz definiert werden, was böse und was gut ist. Sünde ist immer Übertretung eines Gebotes und Wortes Gottes. Und ein ‚böses Gewissen‘ ist nur berechtigt, wenn das Gesetz Gottes übertreten wurde, nicht wenn gegen menschliche Normen oder eigene Empfindungen gehandelt wurde. Dies wird in 1Joh 3,4 unmissverständlich deutlich: „Jeder der Sünde tut, tut damit Gesetzlosigkeit, denn die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.“ Und 1Kor 15,56 fügt hinzu: „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz“.

Das Gesetz definiert (allein), was Sünde ist

  • 1Joh 3,4: „Jeder der Sünde tut, tut damit Gesetzlosigkeit, denn die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.“
  • Dan 9,5: „Wir haben gesündigt und haben uns vergangen und haben gottlos gehandelt, und wir haben uns aufgelehnt, indem wir sogar von deinen Geboten und von deinen Rechtsbestimmungen abwichen.“
  • Mt 7,21-23: „Nicht jeder, der zu mir Herr, Herr! sagt, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit!“ (Nicht was wir subjektiv für gut halten, ist gut, sondern was dem Willen Gottes entspricht und nicht gegen das Gesetz [„gesetzlos“] ist.)
  • Röm 3,20: „… denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde …“
  • Röm 4,15: „… wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung.“
  • Röm 5,13: „Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz vorhanden ist.“
  • Röm 7,7: „Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt, als nur durch das Gesetz.“
  • Röm 7,8: „… ohne Gesetz ist die Sünde tot.“
  • 1Kor 15,56: „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz.“

Ohne Gesetz gibt es deswegen keine Sünde und damit keinen Tod. „Wo kein Gesetz ist, gibt es auch keine Schuld. Buße und Vergebung werden überflüssig.“18 (Dies gilt natürlich auch für Christen, die meinen, kein Gesetz mehr zu benötigen.)

Gott fordert von uns ausschließlich das, was er uns mitgeteilt hat. Wer eigenmächtig über das hinaus, was Gott als Sünde definiert, in noch so frommer Absicht weitere Handlungen oder Gedanken als Sünde verbietet, macht sich selbst zum Gesetzgeber und macht aus dem Gesetz ein menschliches, untragbares Joch. Das Gesetz selbst macht unmissverständlich deutlich, dass Gott nicht mehr fordert, als er in seinen Geboten niedergelegt hat: „Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir als nur, den Herrn, deinen Gott, zu fürchten, auf allen seinen Wegen zu gehen und ihn zu lieben und dem Herrn, deinem Gott, zu dienen mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, indem du die Gebote des Herrn und seine Ordnungen, die ich dir heute gebe, hältst, dir zum Guten? Siehe, dem Herrn, deinem Gott, [gehören] die Himmel und die Himmel der Himmel, die Erde und alles, was in ihr ist“ (5Mose 10,12-14).

Martin Luther schreibt treffend:

„Zuerst ist zu wissen, dass es keine guten Werke gibt als allein die, die Gott geboten hat, wie es ebenso keine Sünde gibt, als allein die, die Gott verboten hat. Darum: Wer gute Werke kennen und tun will, der braucht nichts anderes als Gottes Gebote zu kennen.“19)

Wer von Schuld spricht und das Gesetz nicht ernst nimmt, macht sich selbst zum Gesetzgeber

Gott allein ist der „Gesetzgeber“ (Jes 33,22), ja nur „Einer ist Gesetzgeber und Richter, der erretten und verderben kann. Du aber, wer bist du, dass du deinen Nächsten richtest?“ (Jak 4,12). Von Sünde und Schuld darf deswegen nicht reden, wer das Gesetz nicht ernst nimmt. Wer von Schuld spricht und das Gesetz nicht ernst nimmt, macht sich selbst zum Gesetzgeber; und es gibt viele Menschen, die eigenmächtig von Schuld sprechen, seien es Umweltschützer oder Psychologen, Sozialisten oder Tugendapostel, Humanisten oder Konservative. Denn aufgrund welchen Rechts sind die Menschen dann schuldig?

Damit ist auch gesagt, dass die Übertretung des Gesetzes ein objektiver Tatbestand ist, der vom persönlichen, subjektiven Empfinden unabhängig ist. Claus-Dieter Stoll spricht in diesem Zusammenhang treffend von der „Objektivität theonomer Normierung“20) Und Edo Osterloh schreibt:

„Alles Recht unter Menschen hat seinen Ursprung in einer Setzung Gottes, tatsächliche Autonomie gibt es nicht, ist das Urteil des Alten Testamentes.“21

Wilhelm Lütgert hat in seinem Werk ‚Schöpfung und Offenbarung‘22 den neueren Pietismus dafür kritisiert, dass er den Menschen bei seinem Gewissen packt, anstatt in der Evangelisation von Schöpfung und objektiver Offenbarung auszugehen. Der Mensch sündigt als Geschöpf objektiv auch dann, wenn ihm sein Gewissen dies nicht mitteilt. Nur bei einem christlich geprägten Gewissen kann daher die pietistische Evangelisation überhaupt Erfolg haben, da bereits andere das Gesetz verkündigt haben.

John Murray23 hat wie Lütgert zu Recht vor der Gefahr einer pietistischen Ethik gewarnt, die Sünde nicht mehr am objektiven Tatbestand, sondern am subjektiven Empfinden festmacht. Strömungen, die die ‚Vollkommenheit‘ des Christen für möglich halten, schränken denn für Murray den Sündenbegriff zunächst einmal ein.

Zur christlichen Situationsethik

Für den Abbau der Gotteslehre in der Ethik beansprucht Robinson die Autorität Jesu

Die neue theologische und kirchliche Situationsethik, deren Entstehung vor allem mit den Namen John A. T. Robinson und Joseph Fletcher verbunden ist, tritt hierzu in direkten Widerspruch. Für John A. T. Robinson ist Quelle der Ethik nicht Autorität, sondern Erfahrung und Experiment24 Seine Theologie „setzt bei den Menschen ein und nicht bei den Prinzipien, bei den erfahrbaren Beziehungen und nicht bei den geoffenbarten Geboten“25 Klaus Bockmühl schreibt dazu:

„Für diesen Abbau der Gotteslehre in der Ethik beansprucht Robinson die Autorität Jesu. Auch Jesu Ethik habe mit der alten absoluten Moral … gar nichts zu tun. Jesus habe keine absoluten Maßstäbe, kein inhaltliches, von Gott dem Menschen gegebenes Gesetz anerkannt.“26

Robinson schreibt etwa über Jesus:

„Seine Gebote sind keine Gesetzgebung, die festlegt, was die Liebe immer und von jedem einzelnen fordert: Sie sind vielmehr Illustrationen dafür, was die Liebe in einem bestimmten Augenblick von irgendeinem Menschen fordern kann.“27

„Die Liebe kann es sich leisten, sich völlig von der gegebenen Situation her bestimmen zu lassen …“28

Nur: Von welcher Liebe ist denn hier die Rede? Ist hier nicht Liebe alles, was sich eben auf die Liebe beruft oder als Liebe bezeichnet wird? Ist Liebe dabei nicht nur noch eine Worthülse, die für alles in Anspruch genommen werden kann?

Der Geist oder die Liebe sei an die Stelle der Gebote Gottes getreten

Es wird dabei aber auch deutlich, wie stark diese Situationsethik mit denselben Argumenten gegen die universelle Gültigkeit der Gebote Gottes vorgeht, wie evangelikale Vertreter der Sicht, dass die Zeit der Gnade, die Führung durch den Geist oder die Liebe an die Stelle der Gebote Gottes getreten seien. Die ‚Neue Moral‘ will nämlich ganz ‚neutestamentlich‘ sein.

„Die ‚neue Moral‘ zieht zu ihrer Begründung ebenfalls das Neue Testament heran. Sie will zeigen, dass sie sich nicht etwa durch den Druck heidnischen Geistes in der gegenwärtigen Gesellschaft, sondern eben durch das Grunddokument des christlichen Glaubens bestimmen lässt. … Sie betont: Der Christ steht unter der Herrschaft der Gnade und nicht unter derjenigen des Gesetzes. Die Liebe ist nicht nur die Erfüllung, sondern auch ‚das Ende des Gesetzes‘, und das heißt für Robinson, ‚dass sie es als Grundlage für die Beziehung des Menschen zu Gott und zum Mitmenschen aufhebt‘.“29

Spricht der Wortlaut des Bibeltextes selbst dagegen, wird einfach auf bibelkritische Theorien zurückgegriffen:

„Doch auf diese Weise macht man die Bergpredigt zum neuen Gesetz, und selbst wenn Matthäus Jesu so verstanden haben sollte, so gibt es doch heute kaum mehr einen Neutestamentler, der nicht behaupten würde, dass das ein Missverständnis sei.“30

Gibt es nichts Falsches an sich?

Am deutlichsten ist die Aussage von Robinson: „Denn es gibt nichts, was ein für allemal falsch wäre.“.31 Eine solche Aussage ist zunächst einmal absurd. Nach ihr kann niemand leben. Ist Massenvergasung von Menschen also nicht ein für allemal falsch, sondern kann sie in bestimmten Situationen vom Reich Gottes geboten sein? Gibt es wirklich irgendeinen Menschen, der nach dieser Devise lebt oder leben kann?

Auch für diese Aussage muss wieder die ‚Liebe‘ herhalten. Außereheliche Sexualität mag oft Sünde sein, so Robinson, aber nicht immer, „denn die einzige wirkliche Sünde ist der Mangel an Liebe“32 Wer sagt das? Wer bringt hier plötzlich doch wieder Sünde ins Spiel? Die Bibel, deren Anspruch gerade abgewiesen wurde? Oder nicht der Theologieprofessor, der zwar alle Gebote abschafft, aber das Konzept der Sünde doch gerne weiter zum Jonglieren verwenden möchte? Wenn Robinson den Begriff ‚Liebe‘ aus dem Christentum entlehnt, muss er ihn auch mit christlichem Inhalt füllen und nicht als Worthülse verwenden, die alles bemänteln und rechtfertigen kann.

Fletcher: „Die Situationsethik hat gute Gründe anzunehmen, dass es in bestimmten Situationen geradezu Pflicht ist, eines dieser Gebote zu brechen“

Joseph Fletcher, der 1966 mit seinem Buchtitel ‚Situationsethik‘33 das Schlagwort für eine ganze Bewegung lieferte, versteht die Aussage in Röm 13,10, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist, so, dass die Liebe das einzige Gesetz ist und deswegen nur zu tun sei, was die Liebe gebiete.34 Die Gebote sind also nur gut, wenn sie in einer konkreten Situation die Liebe fördern.35 Überhaupt führt Fletcher häufig Argumente an, die auch von evangelikalen Antinomisten oft zu hören sind. Allerdings würden die evangelikalen Antinomisten normalerweise nicht so weit gehen wie Fletcher und behaupten: „Die Situationsethik hat gute Gründe anzunehmen, dass es in bestimmten Situationen geradezu Pflicht ist, eines dieser Gebote oder sogar alle zu brechen.“36 Der Theologe Reinhard Schinzer bringt alles auf einen Nenner, indem er seinen ethischen Entwurf kurzerhand ‚Ethik ohne Gesetz‘37 nennt.

Hier werden also in Wirklichkeit ein neues Gesetz und eine neue Pflicht, die in der Autorität von Theologieprofessoren liegen, eingesetzt, die dazu auffordern, das alte Gesetz und die alte Pflicht, die in der Autorität der Bibel liegen, nicht nur beiseite zu legen, sondern ausdrücklich „zu brechen“, und zwar nötigenfalls sogar „alle“ Gebote.

„Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch lasst ihr die, welche hineingehen wollen, hineingehen“ (Mt 23,13);

„Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert“ (Lk 11,52).

Die Verwerfung des Gesetzes

Demgegenüber betont das Wort Gottes selbst: „Wenn keine Offenbarung da ist, verwildert ein Volk; aber wohl ihm, wenn es das Gesetz beachtet!“ (Spr 29,18); und es hält denen entgegen, die den Menschen die Gebote verkündigen, die sie hören wollen:

„Geh nun hin, schreib es für sie auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch ein, damit es für einen künftigen Tag bis in Ewigkeit als Zeuge bleibt! Denn es ist ein widerspenstiges Volk, es sind verlogene Söhne, Söhne, die das Gesetz des Herrn nicht hören wollen, die zu den Propheten sagen: Schaut nicht! und zu den Sehern: Schaut uns nicht das Richtige! Sagt uns Schmeicheleien! Schaut uns Täuschungen! Weicht vom Weg ab, biegt vom Pfad ab! Lasst uns in Ruhe mit dem Heiligen Israels! Darum, so spricht der Heilige Israels: Weil ihr dieses Wort verwerft und auf Unterdrückung und Arglist vertraut und euch darauf stützt, wird für euch diese Schuld wie ein sturzbringender Riss sein, der sich vorschiebt an einer hochragenden Mauer, deren Zusammenbruch in einem Augenblick, ganz plötzlich geschieht“ (Jes 30,8-13).

Christliche Theologen missachten die Gebote Gottes

Schon im Alten Testament sind jedoch an der Missachtung des Gesetzes maßgeblich die Priester und Schriftgelehrten schuld, so wie heute von niemandem lauter als von christlichen Theologen zu hören ist, weshalb biblische Gebote so nicht stehen bleiben können. Das Erschreckende war und ist: „… seine Priester tun meinem Gesetz Gewalt an“ (Hes 22,26). Der Chronist klagt: „Israel war viele Tage ohne den wahren Gott und ohne lehrende Priester und [damit] ohne Gesetz“ (2Chr 15,3). Demgegenüber betont Maleachi 2,6-8, dass es Aufgabe der Priester ist, „zuverlässige Weisung“ zu geben und „viele zur Umkehr zu bringen“ (Mal 2,6).

„Denn die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis bewahren, und man sucht Weisung [oder: Gesetz] aus seinem Mund, denn er ist ein Bote des Herrn der Heerscharen“ (Mal 2,7).

Leider aber muss die Gerichtsandrohung folgen: „Ihr aber, ihr seid vom Weg [= dem Gesetz] abgewichen, ihr habt viele durch [eure falschen] Weisungen zu Fall gebracht und ihr habt den Bund Levis gebrochen, spricht der Herr der Heerscharen“ (Mal 2,8).

Jeremia droht den Schriftgelehrten, die das Gesetz verdrehen und im Namen Gottes ihre eigene „Weisheit“ an seine Stelle setzen, das Gericht an, wie es Jesus später ebenfalls tat (Mt 23,13-36; Lk 11,38-52): „Wie könnt ihr sagen: Wir sind weise, und das Gesetz des Herrn ist bei uns? Tatsächlich: Siehe, zur Lüge hat es der Lügengriffel der Schriftgelehrten gemacht. Die Weisen werden beschämt, sie sind schreckerfüllt und werden gefangen genommen. Siehe, sie haben das Wort des Herrn verworfen. Und was für eine Weisheit haben sie [statt dessen]?“ (Jer 8,8-9).


  1. Vgl. zur biblischen Begründung beispielhaft Christoph Haufe. Die sittliche Rechtfertigung des Paulus. Max Niemeyer: Halle, 1957. ganz und bes. S. 20-30; Walter C. Kaiser. „The Weighter and Lighter Matters of the Law“. S. 176-192 in: Gerald F. Hawthorne (Hg.). Current Issues in Biblical and Patristic Interpretation. Wm. B. Eedrmans: Grand Rapids (MI), 1975. 

  2. Vgl. Johannes Calvin. Unterricht in der christlichen Religion: Institutio Religionis Christianae. Neukirchener Verlag: Neukirchen, 19885. S. 260-284 (2. Buch., 10.-11. Kap.) und Heinrich Berger. Calvins Geschichtsauffassung: Studien zur Dogmengeschichte und Systematischen Theologie 6. Zwingli Verlag: Zürich, 1956. S. 99-100. 

  3. Herman Witsius. The Economy of the Covenants between God and Men: Comprehending A Complete Body of Divinity. 2 Bde. The den Dulk Christian Foundation: Escondido (CA); Presbyterian and Reformed: Phillipsburg (NJ), 1990 (Original von 1677). Bd. 2. S. 367. 

  4. Herman N. Ridderbos. The Epistle of Paul to the Churches of Galatia. Wm. B. Eerdmans: Grand Rapids (MI), 1953. S. 146. 

  5. James B. Jordan. The Death Penalty in the Mosaic Law: Five Explanantory Essays. Biblical Horizons Occasional Paper 3. Biblical Horizons: Tyler (TX), 1989 (vervielfältigt). S. 5. 

  6. Ebd. S. 26-29. 

  7. Ebd. S. 28-29, Anm. 3. 

  8. Aurelius Augustinus, ‚Brief an Hieronymus‘, zitiert nach: Alfons Heilmann (Hg.). Texte der Kirchenväter. 5 Bde. Bd. 2. Kösel: München, 1963. S. 440. Augustinus geht allerdings von einem allmählichen Aussterben des Zeremonialgesetzes aus. 

  9. Greg L. Bahnsen. By this Standard: The Authority of God’s Law Today. Institute for Christian Economics: Tyler (TX), 1985. S. 136-137. 

  10. Vgl. dazu Paul Schenk. Bist du, der da kommen soll? Christuszeugnisse im Alten Testament. Brunnen: Gießen, 1991. 

  11. Wilhelm Lütgert. Ethik der Liebe. Beiträge zur Förderung christlicher Theologie. Reihe 2, Bd. 29. C. Bertelsmann: Gütersloh, 1938. S. 30. 

  12. Die folgende Bitte richtet Augustinus an Gott. 

  13. Ebd. 

  14. Ulrich Asendorf. Die Theologie Martin Luthers nach seinen Predigten. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1988. S. 305-314+406-417 hat gezeigt, dass dies auch in ungezählten Predigten Luthers zum Ausdruck kommt. 

  15. Vgl. dazu vor allem Wilhelm Lütgert. Die Liebe im Neuen Testament. a. a. O. S. 82-85. 

  16. A. M. Ramsey. Image Old and New. London, 1963. S. 13-14. 

  17. Norman L. Geisler. Das Maß aller Dinge: Liebe. Bundes-Verlag: Witten, 1981. S. 39+44. 

  18. Klaus Bockmühl. Gott im Exil? Zur Kritik der ‚Neuen Moral‘. Aussaat Verlag: Wuppertal, 19 75. S. 175. 

  19. Martin Luther. Evangelium und Leben. Martin Luther Taschenausgabe. B. 4. Evangelische Verlagsanstalt: Berlin, 1983, S. 41 (aus der Schrift ‚Sermon von den guten Werken‘ von 1520. 

  20. Claus-Dieter Stoll. „Partikularität und Universalität in der Ethik des Alten Testaments“. S. 67-79 in: Helmut Burkhardt (Hg.). Begründung ethischer Normen. TVG. R. Brockhaus/Brunnen Verlag: Wuppertal/Gießen, 1988, hier S. 68 (Kapitelüberschrift. 

  21. Edo Osterloh. Gottes Gerechtigkeit und menschliches Recht im Alten Testament. Theologische Existenz heute 71. Chr. Kaiser: München, 1940. S. 28. 

  22. Wilhelm Lütgert. Schöpfung und Offenbarung. Brunnen: Gießen, 19842 (Nachdruck von Bertelsmann: Gütersloh, 19341). 

  23. John Murray. „The Path To Perfection: … John Wesley’s Doctrine of Christian Perfection“. S. 307-311 in: John Murray. Collected Writings 3: Life; Sermons; Reviews. The Banner of Truth Trust: Edinburgh, 1982, hier S. 309. 

  24. John A. T. Robinson. Gott ist anders: Honest to God. Chr. Kaiser: München, 19648. S. 109-125; vgl. dazu Klaus Bockmühl. Glauben und Handeln: Beiträge zur Begründung evangelischer Ethik. Brunnen Verlag: Gießen, 1975. S. 35ff. 

  25. Ebd. S. 40-41. 

  26. Klaus Bockmühl. Gott im Exil? a. a. O. S. 17. 

  27. John A. T. Robinson. Gott ist anders. a. a. O. S. 18. 

  28. Ebd. S. 119. 

  29. Klaus Bockmühl. Gott im Exil? a. a. O. S. 27. 

  30. John A. T. Robinson. Gott ist anders. a. a. O. S. 114. 

  31. Ebd. S. 122. 

  32. Ebd. S. 122. 

  33. ‚Situation Ethics‘; deutsch: Joseph Fletcher. Moral ohne Normen. Mohn: Gütersloh, 1967; vgl. Joseph Fletcher. Leben ohne Moral. Mohn: Gütersloh, 1969. 

  34. Vgl. Joseph Fletcher. Moral ohne Normen. a. a. O. S. 94. 

  35. Vgl. ebd. S. 55-56. 

  36. Zitiert nach ebd. S. 59. 

  37. Reinhard Schinzer. Ethik ohne Gesetz. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1986.