ThemenSchöpfungsglaube

Evolution verboten?

Ein Kommentar zum Medienecho auf die Aktualisierung der Lehrpläne im amerikanischen Bundesstaat Kansas.

Ein Aufschrei ging durch die Medien, und er hat lange nachgehallt: Im amerikanischen Bundesstaat Kansas „verschwinden Evolution und ,Big Bang‘ aus der Schule“.1 Eine Schulbehörde soll das so beschlossen haben. Wohl in jeder Tageszeitung und in zahlreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Journalen weltweit ist dieser Beschluss gebrandmarkt worden: „Päpstlicher als der Papst“, titulierte die ZEIT (19.08.99) „Kansas bannt Darwin“ behauptete Bild der Wissenschaft (Dez.1999, S. 52) und zitiert Molleen Matsamura vom National Center for Science Education in Berkeley, Kalifornien: „Dieser Beschluss schafft wissenschaftliche Analphabeten“ und das sei „die radikalste Zensur von Evolution, die es je gab“ Kansas sei eine „Heimat für Hinterwäldler“ geworden.2

Mit solchen Schlagzeilen und Statements wird der Eindruck einer Zensur gesicherten Wissens erweckt, motiviert durch fundamentalistisch-religiöse Vorstellungen:3 Religion gegen Wissenschaft. Mit dieser platten Formel kann man immer noch Aufsehen erregen. Entrüstung allenthalben, geradezu ritual-artig vorgetragen.

Was wurde wirklich beschlossen?

Was die ganze Angelegenheit jedoch so bemerkenswert macht, ist die Tatsache, dass fast nichts von dem stimmt, was die Schlagzeilen der Presse den Lesern vermitteln. Was ist wirklich geschehen? 4

Hintergrund ist die periodische Revision und Aktualisierung der Lehrpläne in Kansas, die durch den Kansas State Board of Education (SBOE) vorgenommen wird. Für die Überarbeitung von 1999 wurde empfohlen, Makroevolution als nicht hinterfragbare wissenschaftliche Tatsache zu lehren. Natur sei alles, und nur Wissenschaft könne letzte Wahrheiten begründen. Dieser Absolutheitsanspruch wurde im August 1999 vom SBOE abgelehnt, da Makroevolution doch kritisierbar sei. Mikroevolution (Anpassung etc.) sollte nach wie vor gelehrt werden; Makroevolution dagegen kein Prüfungsgegenstand sein. Der Unterricht über Evolution könne wie bisher erfolgen; es gibt keinerlei Zensur. Aber auch wissenschaftlich begründete Kritik an der Evolutionslehre dürfe nicht unterdrückt werden. Um die Schöpfungslehre ging es in Kansas gar nicht.

Weshalb also die Aufregung?

Es wird deutlich, dass die Presse irreführend und zum Teil schlicht falsch informierte. Offenbar wurde gerade dasjenige Ziel verfolgt, welches der SBOE in Kansas nicht festschreiben wollte: Die Propagierung eines evolutionistischen Weltbildes, an dem es keine Kritik mehr geben solle. Nur so ist zu verstehen, wie Bild-der-Wissenschaft-Autorin D. Karge zwar korrekt schreibt „Diese Themen [Evolutionstheorie, Urknalltheorie] dürfen zwar weiterhin unterrichtet werden“, einen Satz davor aber bemerkt, das dieses Wissen „den Schülern in Kansas zukünftig erspart bleiben“ solle.5 Hier wird von zwei verschiedenen Dingen gesprochen, zum einen von der Evolutionstheorie als hinterfragbarer und vorläufiger Hypothese, zum anderen von einer evolutionären Weltanschauung, die keinen Konkurrenten neben sich duldet. Weiter zitiert Autorin Karge den SBOE korrekt, dass diese Themen „im Unterricht nicht als Tatsache“ präsentiert werden dürften. Genau das ist offenbar der Knackpunkt, der Stein des Anstoßes. Es geht nicht um Wissenschaft, sondern um Weltanschauung, um einen alles erklärenden Naturalismus und Evolutionismus. Und um sich für diese Weltsicht einzusetzen, scheuen ihre Befürworter nicht vor einer Verzerrung der Tatsachen und Diffamierungen ihrer Gegner zurück, indem ihnen Zensur unterstellt und von Fundamentalismus gesprochen wird.6

Die Chance

Der Stein des Anstoßes ist, dass die Evolutionstheorie im Unterricht nicht als Tatsache präsentiert werden darf.

Die Aufregung um den Beschluss der SBOE in Kansas macht allzu deutlich, dass es im Streit um Evolution (selbst dann, wenn „Schöpfung“ gar nicht explizit thematisiert wird), um weit mehr als um Wissenschaft geht. Wenn der ZEIT (19.08.99)-Kommentator Hubertus Breuer feststellt, dass „stets alles Wissen nur vorläufig“ ist hätte er sich eigentlich seinen Beitrag sparen können. Aber offenbar wendet er diese wichtige und richtige Einsicht nicht auf die Evolutionslehre an. Warum nicht? Weil sie weit mehr als Wissenschaft ist, sondern eine Weltanschauung, die ersichtlich antibiblisch und im Grunde genommen antigöttlich ist. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Evolutionslehre eingesetzt wird, um mit ihr gegen die biblische Wahrheit zu kämpfen, so wäre er mit den heftigen Kommentaren der Presse hiermit unfreiwillig geliefert worden.

Doch bietet gerade diese Situation eine besondere Chance zum christlichen Zeugnis, und darauf sollte das Hauptaugenmerk gelegt werden. Die Pressedarstellungen bieten gute Anknüpfungspunkte für Gespräche, indem der Weltanschauungscharakter der Evolutionslehre herausgestellt wird. Und dieser Weltanschauung kann die biblische Weltsicht umso deutlicher entgegengestellt werden. Lesen Sie einmal nach, wie Paulus das in Athen gemacht hat (Apostelgeschichte 17,16-31)!


  1. FAZ 20. 8. 99. 

  2. Désirée Karge, Bild der Wissenschaft, Dez. 1999, S. 52. 

  3. Von „christlichem Fundamentalismus“ ist in den Kommentaren häufig die Rede. 

  4. Die nachfolgenden Informationen entstammen offiziellen Verlautbarungen, die ich Blaine Freidline aus Kansas verdanke; sie decken sich mit Mitteilungen aus „Acts & Facts“ vol 28, No. 10 (Oct. 1999). 

  5. A.a.O., Anm. 4. 

  6. Die ZEIT (19.08.99) behauptet gar, die Mehrheit der Schulbehörde in Kansas glaube, daß Gott die Erde samt den Fossilien erschaffen habe, „die er geschickt in den Sedimenten versteckte, um uns eine Milliarden Jahre alte Erdgeschichte vorzutäuschen.“