ThemenPredigten und Bibelarbeiten

Brauchen wir neue Offenbarungen?

Sind neue Offenbarungen und Prophetien über die Aussagen der Bibel hinaus für die Gemeinde unserer Zeit nötig?

Ein Teil der Gemeinde des zwanzigsten Jahrhunderts glaubt Propheten mit neuen Offenbarungen zu haben. Diese Betonung und dieser Wunsch nach neuen Offenbarungen, zusätzlich zum Neuen Testament widerspricht dem Neuen Testament und entwertet das Neue Testament. In diesem Beitrag soll in acht Thesen gezeigt werden, dass direkte Offenbarungen von Gott mit der Vollendung des Neuen Testamentes aufgehört haben.

1. Die erste Gemeinde hatte für etwa zwanzig Jahre nur die Schriften des Alten Testaments.

  1. Der auferstandene Christus wies seine Jünger ganz konkret auf die Offenbarung des Alten Testamentes hin. Lk. 24,25-27.44-46.
  2. Petrus verkündigte Christus als Messias und Erlöser auf Grund des Alten Testaments. Apg 2, 3, 10.
  3. Stephanus verteidigte sich mit einer ausgewählten Aufzählung von Ereignissen aus dem Alten Testament. Apg 7.
  4. Philippus predigte dem äthiopischen Kämmerer die Erlösung durch Jesus Christus anhand von Jesaja 53. Apg 8.
  5. Paulus predigte von Jesus Christus, zumindest in den Synagogen, anhand des Alten Testaments. Apg 13.
  6. Die Gläubigen in Beröa prüften die Predigt des Apostel Paulus anhand des Alten Testamentes. Apg 17.

2. Für die neutestamentliche Offenbarung war die erste Gemeinde auf den Dienst der Apostel und Propheten angewiesen.

  1. Die erste Gemeinde hatte keine besondere Gemeindeliteratur, auf die sie sich in Problem-, Lehr- oder Streitfragen berufen konnte. Für die neutestamentliche Offenbarung waren die Gemeinden auf direkte Offenbarungen durch Apostel und Propheten angewiesen (vgl. Eph 2,20).
  2. Jeder dieser Propheten gab nur ein unvollständiges Bild der neutestamentlichen Offenbarung und des Heilsplans Gottes. Ihre Weissagungen waren „Stückwerk“ (in kleinen Stücken) „wie ein Rätsel“ oder „wie ein dunkles Wort“ (vgl. 1Kor 13,9.12)

3. Die Apostel waren Stellvertreter von Jesus Christus, durch die die neutestamentliche Offenbarung gegeben und zum Abschluss gebracht werden sollte.

  1. Jesus prä-autorisierte die Worte, und damit auch die Schriften der Apostel. Als Jesus seine Jünger auf seinen kurz bevorstehenden Tod vorbereitete, erklärte er, dass er die neutestamentliche Offenbarung unvollständig ließ (Joh 16,12). Diese Offenbarung sollte der Heilige Geist, der als Stellvertreter für die Gegenwart Jesu kommen wird, vollenden (Joh 14,26; 15,26; 16,12-14). Der Heilige Geist wird diese weiteren Offenbarungen den Aposteln geben, die sie dann den Gemeinden in Wort und Schrift weitergegeben haben. Damit gab der Herr Jesus dem Wort der Apostel im Voraus, die gleiche Autorität, wie seinem eigenen Wort (Joh 15,20; 17,20; vgl. Joh 8,47).
  2. Die Apostel hatten in der ersten Gemeinde eine besondere Stellung der Autorität. Die Anweisungen der Apostel in den neutestamentlichen Briefen zeugen von der Autorität der Apostel in den Gemeinden des Neuen Testamentes. (Vgl. 1Kor 2,13; 5,4-5; 7,10.12; 14,37; 2Kor 10,10. 13-14; Kol 4,16; 1Thes 2,13; 4,2; 5,27; 2Thes 2,15; 3,6.14 15; 1Tim 4,13; 2Tim 1,13-14; 3,14-17; Tit. 1,9; 1Petr 1,12; 2Petr 3,15-16; Offb 22,18).
  3. Der Herr Jesus sorgte dafür, dass die Autorität der Apostel nicht durch Nachahmung missbraucht wurde (vgl. 2Thes 2,2). Er bestätigte den Dienst der Apostel durch Zeichen und Wunder. Paulus spricht deshalb von den Zeichen eines Apostels, die sein Apostelamt und damit seine Autorität bestätigen (2Kor 12,11-13; vgl. Mk 16,17- 18; Röm 15,19; Hebr 2,3-4).
  4. Die Predigt der Apostel wurde als „Wort Gottes“ angenommen (1Thes 2,13). Die Schriften der Apostel behaupten, dass sie Autorität haben (1Kor 14,37; 2Thes 2,15; 3,6.14-15), da sie nicht menschliche Weisheit sind (1Kor 2,13; 1Thes 4,15). Die Schriften der Apostel mussten öffentlich in den Gemeinden gelesen werden (Kol 4,16; 1Thes 5,27; Off. 1,3). Zusätzlich sollten die Schriften der Apostel verbreitet werden durch den Austausch der Briefe mit anderen Gemeinden (Kol 4,16).

4. Schon im Neuen Testament wird direkt und indirekt darauf hingewiesen, dass die Zeit der Apostel und Propheten und der direkten Offenbarungen zu einem Abschluss kommen wird.

  1. Paulus sagt, dass die mündlichen Offenbarungen, die immer unvollständiges „Stückwerk“ waren, durch eine vollständige Offenbarung ersetzt werden. Eine Besprechung von 1Kor 13,8-13 folgt im Anhang.
  2. Petrus warnt in 2.Petrus 2,1 die Gemeinde nicht vor falschen Propheten, sondern vor falschen Lehrern. Diese Unterscheidung zwischen „falschen Propheten“ und „falschen Lehrern“ ist bedeutsam. Wenn es keine echten Propheten gibt, sind falsche Propheten leicht erkennbar. Die Erkennung falscher Lehrer wird deshalb viel schwieriger sein als die Erkennung falscher Propheten, da in der Zukunft alle Propheten falsche Propheten sein werden.
  3. Judas sagt in Judas 3, dass der Glaube „ein für allemal den Heiligen übergeben ist“. Das Geschlechtswort des griechischen Textes weist auf einen ganz bestimmten Glauben hin, nämlich der Glaube, der ein für allemal überliefert worden ist.((Vergleichbare Stellen sind Galater 1,23 (den Glauben), oder 1. Timotheus 4,1 (dem Glauben).)) Diese Aussage weist auf eine weitgehend abgeschlossene neutestamentliche Offenbarung hin. Außer den Schriften des Johannes wurde „dem Glauben“ nichts Wesentliches hinzugefügt.
  4. Der Apostel Johannes, der die letzten Bücher des Neuen Testamentes geschrieben hat, warnt vor dem „Hinzutun“ und vor dem „Wegtun“. Offb 22,18-19.
  5. Die Apostel unseres Herrn Jesus Christus starben, ohne dass sie Nachfolger eingesetzt hatten. Mit dem Tode des Johannes kam die Zeit der Apostel, und damit die Zeit der „direkten Offenbarungen“ zu ihrem Ende.

5. Die Schriften der Apostel wurden von Anfang an, als autoritative Schriften gelesen, gesammelt und weitergereicht.

  1. Die Schriften der Apostel besaßen die gleiche Autorität wie die mündliche Verkündigung der Apostel. Diese Autorität wurde diesen Schriften nicht nachträglich durch irgendein Kirchenkonzil gegeben. Sie war von Anfang an da. Eine Schrift, die von einem Apostel geschrieben wurde, hatte von Anfang an Autorität in den empfangenden Gemeinden. Als autoritative Schriften wurden sie gesammelt und weitergegeben. Vgl. Kol 4,16; 2Thes 2,15; 3,6.14-15; 2.Petr. 3,16.
  2. Die Gemeindebriefe des Apostel Paulus sollten öffentlich vorgelesen werden. 1Thes 5,27. Diese Anweisung hat den frühkirchlichen Gottesdienst geprägt. Die Gemeinde kam zusammen, um zu singen und um die Schriften der Apostel zu lesen.((R. Laird Harris, Inspiration ans Canonicity of the Bible. Grand Rapids: Zondervan Publishing House 1072. S. 225)) Die Lehre der Apostel bildete vom Anfang der Gemeinde an die Grundlage für die Verkündigung in den Gemeindeversammlungen (Apg 2,42). Deshalb war es selbstverständlich, diese Lehre der Apostel vorzulesen, nachdem sie schriftlich vorlag.
  3. Auf apostolische Anweisung tauschten die Gemeinden die Briefe des Apostel Paulus unter sich aus. Kolosser 4,16 ist bedeutsam, da hier gesagt wird, dass der Kolosserbrief auch in Laodicea gelesen werden soll, und dass die Gemeinde in Kolossä sich den Brief an die Gemeinde in Laodicea besorgen soll, damit er in Kolossä auch gelesen wird.
  4. Die Gemeinden mussten Klarheit haben, welche Schriften in den Gemeinden gelesen werden sollten, und welche Schriften durch Austausch, Abschreiben und übersetzen (für Missionszwecke) verbreitet werden sollten. Das Auftauchen falscher Schriften machte es umso dringlicher, dass die echten Schriften der Apostel sorgfältig aufbewahrt und weitergereicht werden mussten (vgl. 2Thes 2,2).
  5. Das Neue Testament gibt Hinweise, dass die Schriften der Apostel und Propheten von anderen Aposteln und Propheten bestätigt und anerkannt wurden. 2.Petr. 3,2.15-16 setzt voraus, dass die Schriften des Apostel Paulus den Gläubigen und den Gemeinden weitgehend bekannt waren. Petrus stellt die Schriften des Paulus auf die gleiche Ebene wie das Alte Testament. Paulus zitiert in 1.Timotheus 5,18 ein Wort Jesu, das Lukas aufgezeichnet hat, zusammen mit einem alttestamentlichen Wort, als Gottes Wort. Im Judasbrief, Verse 17-18, weist Judas auf die Worte der Apostel hin. Der Wortlaut seines Hinweises erinnert an 1Tim 4,1 und 2Petr 2,1ff.

6. Die Gemeinde des ersten und zweiten Jahrhunderts musste anhand einiger grundsätzlicher Prinzipien unter der Leitung des Heiligen Geistes erkennen, welche Bücher von Gott waren und welche Bücher nicht von Gott waren.

  1. Das erste bestimmende Prinzip, ob ein Buch zum Kanon des Neuen Testamentes gehört oder nicht, ist „apostolische Herkunft“.
    1. Ein Buch, das nachweisbar von einem Apostel kam, wurde von der empfangenden Gemeinde als „Gottes Wort“ aufgenommen, aufbewahrt und (möglicherweise als Abschrift) an andere Gemeinden als von ihnen empfangenes „Wort Gottes“ weitergegeben. Dadurch entstand langsam eine Sammlung von „inspirierten“ Büchern.
    2. Damit Schriften, die nicht von Aposteln geschrieben waren, als „von Gott eingegeben“ (2Tim 3,16) anerkannt wurden, wurde gefragt, ob der Autor so eine Beziehung zu den Aposteln hatte, dass dadurch seine Schrift auf die Ebene der apostolischen Schriften erhoben wurde.((H.C. Thiessen, Introducion to the New Testament. Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Company 1969. S. 10.)) Das Markusevangelium wurde akzeptiert, da Markus lange Zeit mit Petrus zusammen war und nach den Berichten des Petrus geschrieben hat. Lukas war mit Paulus und anderen Aposteln zusammen. Er selbst bezeugt, dass er ausführlich mit Augenzeugen gesprochen hat (Lk 1,1- 4).
    3. Die Antilegomena waren Bücher, denen widersprochen wurde. Dabei handelte es sich um: 2. Petrus, 2. und 3.Johannes, Hebräer, Jakobus und Judas.((Auch einige Bücher, die nicht zum Neuen Testament gehören, wurden von Origenes in diese Gruppe gerechnet. Dazu gehörten: der Hirt des Hermas, die Didache und das Hebräer-Evangelium. Da diese Bücher nicht apostolischen Ursprungs sind, wurden sie auch nicht in das Neue Testament aufgenommen.)) Diesen Büchern wurde teilweise widersprochen, weil Unsicherheit bestand, ob sie wirklich von den Männern geschrieben wurden, deren Namen sie tragen. Nachdem diese Frage geklärt war, wurden diese Bücher auch akzeptiert.((H.C. Thiessen, Introducion to the New Testament. S. 10-12))
  2. Ein zweiter Prüfungspunkt war die Frage nach dem Inhalt. War der Inhalt solch geistlicher Natur, dass ein Buch zu den „von Gott eingegebenen Büchern“ gezählt werden konnte? Thiessen sagt, dass auf Grund dieses Prinzips die meisten apokryphen Bücher ausgeschieden wurden.
  3. Der dritte Prüfungspunkt war die „Anerkennung aller Gemeinden“. Es gab Schriften, die nicht sofort von allen Gemeinden anerkannt wurden. Hier gab es vor allem Unterschiede zwischen der östlichen Kirche und der westlichen Kirche. Erst nachdem apostolischer Ursprung nachgewiesen wurde, wurden Schriften als autoritativ anerkannt. Deshalb dauerte es bei manchen Briefen des Neuen Testamentes etwas länger als bei anderen, bis sie als autoritative Schriften des Neuen Testamentes anerkannt wurden. Dies zeigt die Sorgfalt, die von den Gemeinden ausgeübt wurde.
  4. Wichtig ist, zu erkennen, dass die Schriften des Neuen Testamentes von Anfang an Autorität hatten, weil sie apostolisch waren. Nicht die Gemeinden, und nicht Konzile, haben den Schriften Autorität verliehen. Gemeinden und Konzile konnten nur anerkennen, was schon Autorität hatte.

7. Die apostolischen Väter bestätigten die Schriften des Neuen Testamentes und unterschieden sie von ihren eigenen Schriften.

  1. Der Zeitabschnitt von 70 bis 170 n. Chr. ist die Zeit der Sammlung und Verbreitung der Schriften des Neuen Testamentes. Die Gemeinde war während dieser Zeit im ganzen römischen Reich verbreitet, und es dauerte einige Jahrzehnte, bis die Schriften des Neuen Testamentes durch Abschriften durch das ganze römische Reich verbreitet waren. Dies ist der Grund, warum wir auch anfänglich unvollständige Listen von Büchern finden.
  2. Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels war im Jahre 70 n. Chr. Die Gemeinde war zu diesem Zeitpunkt schon durch das ganze römische Reich verbreitet. Die meisten Schriften des Neuen Testamentes waren zu diesem Zeitpunkt schon geschrieben. Ausnahmen sind: das Johannesevangelium, die Johannesbriefe, und die Offenbarung.
  3. Die apostolischen Väter sind von besonderer Bedeutung für den Kanon des Neuen Testamentes, da sie zu einer Zeit gelebt haben, da sie noch Kontakt zu den Aposteln hatten, insbesondere zu dem Apostel Johannes. Ein großer Teil ihrer Schriften ist heute allgemein bekannt und teilweise in deutscher oder englischer Übersetzung erhältlich.
  4. Clemens war Bischof in Rom ums Jahr 95 n. Chr. Er schrieb einen Brief an die Gemeinde in Korinth, in dem er fünf der Paulusbriefe (1Kor, Eph, 1Tim, Titus, und Römer) erwähnt. Auch Matthäus und Johannes, Hebräer, Jakobus und 2.Petrus wurden von ihm erwähnt. Diese Erwähnungen sind immer Zitate oder Hinweise auf diese Schriften als autoritative Schriften (Wort Gottes).
  5. Ignatius war Bischof in Antiochien. Er starb im Jahre 117 n.Chr. unter Trajan den Martyrertod. Ignatius schrieb mindestens sieben Briefe, die durch Eusebius überliefert worden sind (Es werden ihm weitere Briefe zugeschrieben. Über diese Briefe herrscht jedoch keine Einigkeit, und es ist möglich, dass diese weiteren Briefe Fälschungen sind, die ihm zugeschrieben worden sind). Ignatius zitiert oder erwähnt sechs Briefe des Apostel Paulus (Eph, Phil, Kol, 1.+2.Thes, und Philemon). Westcott zeigt, dass Ignatius auch den ersten Korintherbrief gebrauchte, und C.R.Gregory fügt Hinweise auf das Matthäusevangelium hinzu.
  6. Polykarp ist der dritte Zeuge unter den apostolischen Vätern. Er kannte den Apostel Johannes persönlich und starb um 155 oder 156 den Märtyrertod. Er schrieb ums Jahr 108 n. Chr. einen Brief. Westcott schrieb von diesem Brief: „Die kurze Epistel des Polykarp enthält viel mehr Bezugnahmen auf die Schriften des Neuen Testamentes als irgendein anderes Werk aus diesem ersten Zeitabschnitt. … Polikarps Gebrauch der Aussagen der Schrift ist so reichlich, dass es unvernünftig ist, daran zu zweifeln, dass er die Hauptteile unseres Kanons kannte“ (Aus R. Laird Harris, Inspiration and Canonicity of the Bible, S. 206.).
  7. Basilides, ein alexandrinischer Gnostiker, schrieb in der Zeit von Hadrian (117-139). Eusebius sagt, dass seine Werke kurz nach der Zeit der Apostel geschrieben wurden (Harris, S. 206). Sein Zeugnis ist wichtig, da er, als Anhänger einer abwegigen Sekte, besonders darauf angewiesen war, autoritative Schriften zu zitieren, um Glaubwürdigkeit für seine Lehre zu erhalten. In seinen Schriften werden Hinweise auf Römer, 1.+2.Korinther, Epheser, Kolosser, 1.Timotheus, 1.Petrus, sowie auf Matthäus, Lukas und Johannes gefunden (Harris, S. 207).
  8. Die Epistel des Barnabas (Pseudo-Barnabas) kommt auch aus diesem Zeitraum (70 bis 130). Der Schreiber dieser Epistel ist nicht bekannt. Sie wurde aber im Altertum hoch geachtet. Matthäus, Markus, Lukas, Epheser, 2.Timotheus, Titus, Hebräer und 1. und 2.Petrus werden in dieser Epistel erwähnt.
  9. Die Bedeutung der Zitate aus dem Neuen Testament, sowie der direkten und indirekten Hinweise auf die Bücher des Neuen Testamentes, in den Schriften der apostolischen Väter, liegt darin, dass dies die ersten erhaltenen schriftlichen Bestätigungen des Neuen Testamentes sind. Die letzten Bücher des Neuen Testamentes wurden während des letzten Jahrzehnts des ersten Jahrhunderts geschrieben. Schon aus dieser Zeit, und den nächsten beiden Jahrzehnten, haben wir Bestätigungen der Schriften des Neuen Testamentes. Dies ist besonders bedeutsam, da das Abschreiben und Verbreiten der Schriften ein mühevoller und langsamer Vorgang war.

8. Seit der Vollendung des Neuen Testamentes werden keine neuen Offenbarungen von Gott gegeben, oder von der gesamten Gemeinde Jesu akzeptiert.

  1. Im zweiten Jahrhundert wurden auch Bücher geschrieben. Die Schriften der apostolischen Väter und der Kirchenväter sind zum Teil recht wertvoll, aber sie sind dem Neuen Testament nicht gleich.
  2. Wie die Gemeinde des zweiten Jahrhunderts die Apokryphen als „unecht“ ablehnen musste, muss die Gemeinde des zwanzigsten Jahrhunderts die neuen Offenbarungen der selbsternannten Propheten verschiedener Bewegungen als „unecht“ ablehnen.
  3. Wie die Gemeinde des zweiten Jahrhunderts die Schriften der apostolischen Väter und der Kirchenväter schätzte, sie aber nicht zum Neuen Testament rechnete, muss die Gemeinde des zwanzigsten Jahrhunderts die Schriften der gegenwärtigen Autoren anhand des Neuen Testamentes prüfen.
  4. Der Gottesdienst der Gemeinde des zwanzigsten Jahrhunderts unterscheidet sich in einem Punkt wesentlich von dem Gottesdienst der ersten Gemeinde. Damals gab es kein Neues Testament. Deshalb waren Männer mit der prophetischen Gabe notwendig. Zur Verkündigung mussten sie Offenbarung direkt von Gott empfangen.
  5. Der Verkündiger der Gegenwart muss, wie Timotheus schon damals, das geschriebene Neue Testament (Wort Gottes) studieren, um es richtig weiterzugeben (2Tim 2,15).