LiteraturGemeindeleben, Seelsorge

Wenn Gott uns berührt

Soffner, Sabine. Wenn Gott uns berührt. Gebet und Salbung am Krankenbett. München 2015. 195 S. Taschenbuch: 26,90 €. ISBN 978-3-95477-044-1

Sabine Soffner, Gemeindepädagogin, Master of Theology und Bezirks­katechetin in Sachsen, setzt sich mit einem wichtigen Thema für uns Gläubigen auseinander. Es geht um die Krankensalbung nach Jakobus 5 in Geschichte, Bibel und Lebenspraxis. Die Autorin will „Kranke in die Gemeinschaft der Christen… integrieren und in ihrer Beziehung zu Gott… stärken.“ (S.15) Krankensalbung meint dabei ein ganzheitliches Ereignis in sozialen Beziehungen als Anliegen der ganzen Gemeinde (S.19). Nicht die Heilung steht im Vordergrund, sondern der Kranke soll neu seinen Platz in der christlichen Gemeinschaft finden, Gottes Nähe und Fürsorge erfahren, welche Vergebung und Heilung mit einzuschließen vermag (S.19-20). Soffner beleuchtet intensiv Forschungslage und Stand der Wissenschaft und stellt damit ihre Arbeit auf ein solides Fundament. Historisch erfahren wir von ihr etwa, dass bis ins 9. Jahrhundert hinein keine Liturgien für die Krankensalbung im Umlauf waren, wohl aber für die Ölweihe. Die Krankensalbung wurde immer mehr zum Sterbesakrament (S.32). Luther lehnte sie nicht ab, fördert sie aber auch nicht (S.40). Diakonissenvater Wilhelm Löhe salbte nicht mehr mit Öl, da kirchlich nicht mehr Usus war und die Hilfe vielmehr auf dem Gebet des Glaubens basiere (S.41). So erscheint eine biblisch-exegetische Besinnung dringend erforderlich, welche Soffner auch bietet und ausführlich darstellt (S.87ff). Schlussfolgernd erinnert die Theologin an die Verantwortung der christlichen Gemeinde für ihre Kranken, an die Ganz­heitlichkeit des Menschen nach Leib, Seele und Geist sowie an Gottes umfassende Zuwendung in Gesundung auf unterschiedliche Weise und Vergebung, wo nötig und erbeten (S.100). Besonders wertvoll erzeigen sich Soffners Ausführungen über die Agende zur Krankensalbung, wo die ganze Sache praktisch wird (S.54ff). Nach der Ordnung der Landeskirche sind hier allerdings Pfarrer und geistliche Würdenträger die Ausführenden, was vom Neuen Testament und vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen (1. Petr 2,9) her kritisch zu hinterfragen ist. Trotzdem erhalten wir gute Anregungen zur Psalmlese, Gebet und Segnung. Soffner zeigt sogar mit Abbildungen auf, wie die Salbung der Stirn mit dem Kreuzeszeichen bzw. der rechten Hand geschehen kann (S.62). Der hintere Teil des Buches über empirsche Forschung, Datenerhebung und Auswertung (ab S.103) ist aus akademischen Gründen sehr umfangreich, bietet aber erneut hilfreiche Darbietungen über die biblisch gebotene und auch heute noch wichtige Praxis der Krankensalbung.