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Verteidigung des Glaubens – eine unverzichtbare Aufgabe

Ravi Zacharias plädiert für die Notwendigkeit der Verteidigung des Glaubens gegenüber Angriffen von anderen Religionen oder aus der Gesellschaft. Dazu sollten auch junge Christen ermutigt werden, sich mit guten Argumenten für den christlichen Glauben auf notwendige Auseinandersetzungen vorzubereiten.

Wie wurden sie Christ?

Ravi Zacharias: Ich wurde Christ, als ich noch als Teenager in Indien, meinem Geburtsland, lebte. Ich habe mich mit vielen Themen abgemüht, besonders mit Versagen und damit, die Erwartungen meiner Familie zu enttäuschen. Es gab eine Reihe von Ereignissen, die für mich darauf hinausliefen, dass ich versuchte, mir das Leben zu nehmen. Als ich danach im Krankenbett lag, brachte mir jemand eine Bibel. Und dann hörte ich, wie mir jemand Johannes 14 vorlas und mich traf besonders Vers 19, wo Jesus sagt: „Weil ich lebe, sollt auch ihr leben.“ In dieser Krisensituation schrie ich zu Jesus und nahm ihn als meinem Herrn und Retter an. Das war der Anfang.

Wie hat Gott ihre indische Herkunft in Ihrem Dienst gebraucht?

Ravi Zacharias: In der Zeit, als es eine weltweite Bewegung gab nach Osten zu schauen, um Antworten zu finden, wurde das für mich eine Plattform. Ich konnte mit Verständnis und Erfahrung dafür, was diese Welt­an­schau­ungen lehren, sagen, warum mehr denn je die Antworten von Jesus Christus wahr und aktuell sind. Indische Lieder, das indische geistliche Ringen und die Auswanderung der geistigen Elite Indiens in den Westen hatten sowohl wirtschaftliche als auch weltanschauliche Gründe und Folgen. Das bereitete den Boden für das Evangelium – vielleicht wie niemals zuvor in der Geschichte. Selber Inder von Geburt und Herkunft zu sein – meine Vorfahren stammen aus der höchsten hinduistischen Priesterkaste – liefert eine Geschichte, die lohnt, erzählt zu werden. Und die Zuhörer, ob nun in der Welt der Unterhaltung, der Wirtschaft oder auf der akademischen Schiene, sind offener als früher.

Was bietet Ihre Organisation Ravi Zacharias International Ministries (RZIM) den Gemeinden jetzt an?

Ravi Zacharias: RZIM gibt es jetzt in zehn Ländern und unser Team von Apologeten und geistlichen Lehrern evangelisiert in einigen der feindseligsten Länder der Welt. Ein Ergebnis davon ist, dass Menschen in Gemeinden ermutigt sind, unser Material zu erhalten und es für ihre Aufgaben zu nutzen. Wir arbeiten auch mit ausgewählten Gemeinden zusammen, um dabei zu helfen, Mitarbeiter auszubilden. Unser Oxford Centre for Christian Apologetics (OCCA) konnte an der Universität Oxford mit Studienabschlüssen akkreditiert werden. Auf lange Sicht wollen wir eine bedeutende Anzahl christlicher Apologeten für die ganze Welt ausbilden. Die scharfen Angriffe der Atheisten und andere Ereignisse haben Apologetik in unserer Zeit zu einer unverzichtbaren Notwendigkeit werden lassen.

Gibt es in der letzten Zeit irgendwelche Projekte, die Sie uns vorstellen wollen?

Ravi Zacharias: Ich hoffe, dass mein Buch „Why Jesus? Rediscovering his Thruth in an Age of Mass Marketed Spirituality“1 einen Bedarf unserer Zeit stillen kann. Beten Sie bitte für unser ganzes Team und ihre Familien, besonders wenn wir politischen Leitern begegnen und solchen, die unsere Kultur beeinflussen. Wir haben Veranstaltungen an Uni­versitäten und ich konnte wiederholt beim Gebetsfrühstück in der UNO sprechen. Überraschenderweise er­­halten wir zahlreiche Einladungen aus islamischen Ländern. Wir erleben dort eine unglaubliche Reak­tion. Einige der Länder darf ich nicht mit Namen nennen. Aber beten Sie für diese Treffen.

Wie können wir unsere Furcht überwinden, das Evangelium Angehörigen anderer Religionen zu predigen?

Ravi Zacharias: Zuerst ist es wichtig, andere Weltan­schauun­gen zu verstehen. Dann sollten wir geduldige Zuhörer bei jemandem sein, der einen anderen Glauben hat. Aber man muss auch wissen, wie man seine eigenen Glaubensüberzeugungen verteidigen kann. Wenn wir auf ihre wesentlichen Fragen nicht antworten können, dann bestätigen wir, was viele, auch durch Gehirnwäsche beeinflusst, in ihrem Kopf haben: Das Christentum ist in intellektueller Hinsicht mangelhaft. Das haben viele Menschen gehört. Man muss natürlich nicht alle Antworten kennen, aber man sollte wenigstens wissen, wo man sie finden kann.

Warum ist es so schwer, Muslimen das Evangelium zu sagen und was können wir da verbessern?

Ravi Zacharias: Es ist sehr schwer, die Gemeinschaft der Muslime zu erreichen. In Ländern, wo die Jugend eigentlich genug davon hat, dass der Islam ihnen die Kehle zuschnürt, regiert die Staatsmacht über sie mit Bedrohung und Terror. Es gibt zwei grausame Tatsachen: Erstens kannst du ihre Glaubenssätze oder ihren Koran einfach nicht kritisieren, ohne Angst haben zu müssen, dass Gewalt angestachelt wird und auflodert. Zweitens kann man in vielen Fällen einfach nicht mit Muslimen diskutieren. Das ist eine Tatsache.

Beinahe alle, die aus einem muslimischen Hintergrund zum Glauben an Jesus fanden, sagen, dass es die Liebe von Christus war, die sie angezogen hat. Liebe ist ein seltenes Gut im islamischen Glauben.

Deswegen liegt die größte Hoffnung darauf, sie durch geduldige Freundschaft und dem Weitergeben der Liebe von Jesus zu gewinnen. Das ist eine gewinnende Wahrheit, weil Liebe ein seltenes Gut im islamischen Glauben ist. Beinahe alle, die aus einem islamischen Hintergrund zum Glauben an Jesus fanden, sagen, dass es die Liebe von Christus war, die sie angezogen hat. Andere bezeugen, dass Gott sie auf dem unglaublichen Weg durch Visionen und Träume erreicht hat. Es ist doch so, dass, wenn auch menschliche Kräfte die Botschaft blockieren, Gott weiter in der Lage ist, ihre Mauern zu überwinden.

Aber es ist wichtig, wenn sie auf diesem Weg Christen werden, dass man sie lehrt und als Jünger schult und ihnen hilft, dass sie ihren Familien und Freunden auf ihre kritischen Fragen antworten können. Letztlich ist es das Wort Gottes, das sie brauchen und nicht nur eine Erfahrung, die auch leicht entstellt oder missbraucht werden kann.

Wie können wir junge Leute ausrüsten, dass sie in einer säkularen und nichtchristlichen Welt fest mit Christus verbunden bleiben?

Ravi Zacharias: Die Bibel erinnert uns daran, dass wir auf unsere Lehre achten und auf unser Verhalten. Unsere Jugendlichen wissen aus erster Hand, was die Welt anzubieten hat. Sie müssen in immer jüngerem Alter erreicht werden, weil die Welt des Internets das jugendliche Denken so früh wie nie zuvor verwüstet. Ihren Glauben aufzubauen ist offenbar derzeit keine besondere Stärke unserer Gemein­den. Wir scheinen zu denken, dass wir sie durch Unterhaltung in die Kirche holen können. Aber was damit gewonnen ist, ist meist nur, dass wir sie für die Unterhaltung gewinnen.

Sie durchschauen einen hohlen Glauben sehr schnell. Sie sind hungrig nach Sinn und Stimmigkeit. Sie wünschen sich, die Dinge zu durchblicken. Sie sehnen sich danach, zu wissen, warum das Evangelium sowohl wahr als auch exklusiv ist. In ihrem Umfeld werden diese Themen oft nicht angesprochen. Ich denke, dass das eine ernste Krise von Jugendlichen ist, die zu einer Gemeinde gehen. Ihr Glaube ist oft mehr eine Sehnsucht als eine Erfüllung. Wir sehen eine besondere Aufgabe für die Jugend. Wir sollen das annehmen und weiter versuchen, sie zu erreichen. Es ist eine schwierige Herausforderung für die Jungen.

Welche drei Bücher sollte jeder Christ Ihrer Meinung nach lesen?

Ravi Zacharias: Ich ziehe es vor, Autoren zu nennen: C.S. Lewis, John Piper, Tim Keller und die Bücher meines kürzlich verstorbenen Freundes R.C. Sproul. Natürlich gibt es noch viele mehr. Eines der beeindruckendsten Bücher, das je geschrieben wurde, ist die Pilgerreise von John Bunyan. Oswald Chambers ist hilfreich für geistliche Studien; auch einer meiner Lieblingsautoren ist G. Campbell Morgan. Alles eine gute Wahl. Vorschläge gibt es auch immer auf unserer Internetseite. Sorry, das waren jetzt mehr als drei.

Welche beiden Lektionen im Dienst waren für Sie in den letzten Jahrzehnten die wichtigsten?

Ich musste lernen, wie wichtig es ist, dass man die richtigen Leute um sich hat, und außerdem mit harter Kritik und Opposition umzugehen, ohne mich davon aus der Nähe meines Herrn und von meiner Berufung wegtreiben zu lassen.

Ravi Zacharias: Die wichtigsten beiden Dinge, die ich lernen musste, waren erstens, wie wichtig es ist, dass man die richtigen Leute um sich herum hat. Und zweitens hatte ich zu lernen, mit harter Kritik und Opposition umzugehen, ohne dass mich das aus der Nähe zum Herrn und von meiner Berufung wegtreibt. Oft kam die Kritik von Leuten, die eigentlich mehr verstanden haben sollten. Wenn du nur sehr wenig tust, dann wird dich niemand dabei stören. Aber wenn du eine Wirkung in deinem Dienst hast, dann findet der Feind unserer Seelen bereitwillige Helfer, die dich ins Visier nehmen. Das geht mit der Berufung einher. Bleib nahe beim Herrn und lass nicht zu, dass die Kritiker deine Berufung beschädigen, die ein großartiger und souveräner Gott ausgesprochen hat.

Weil die Schlacht so schwierig ist, ist das die Situation für jeden, der in der vordersten Linie steht. Unsere Berufung ist, um eine militärische Metapher zu gebrauchen, ein Sonder­ein­satz­kommando. Es ist zwar mit Gefahren verbunden, aber es ist überlebenswichtig, damit wir die Herzen von Männern und Frauen auf der ganzen Welt gewinnen. Gott hat die Arbeit von RZIM in rund 30 Jahren außergewöhnlich gesegnet. Ich bin außerordentlich dankbar für all die Möglichkeiten und Segnungen, an denen wir uns erfreuen durften. Wir haben erlebt, wie einige aus großem Widerstand zu Christen wurden. Das war es wert. Außerdem ist es beruhigend zu wissen, dass es noch viele andere gute Dienste gibt. Wenn also auch die Herausforderungen sehr groß sind, so tut doch Gott auch sehr große Dinge auf der ganzen Welt.

Übersetzung und Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Ligonier Ministries


  1. Auf Deutsch ist nur das ältere Buch erhältlich: Jesus, der einzig wahre Gott? Warum mich von allen Religionen nur eine überzeugte“ Gießen: Brunnen. 3. Aufl. 2018. 240 Seiten.